Erlenhöfe sollen mit hochpreisigen Wohngebiet erweitert werden

Jena. Heiße und trockene Sommer mehren sich. Gut, wenn man etwas Abkühlung an Gewässern oder unter Bäumen finden kann. Diese Erkenntnis ist nicht neu und wurde auch in der Studie zur „Klimawandelgerechten Stadtentwicklung für Jena“ (JenKAS) in den Handlungsempfehlungen formuliert: „Thermische Entlastung/ Frischluftzufuhr: Kaltluft- sowie Frischluftentstehungsgebiete (Wiesen, Felder, Wälder, Gartenland) sind insbesondere in stark verdichteten Räumen zu erhalten und in ihrer Entwicklung zu fördern.“

Weiter heißt es: „In städtischen Konzepten und Planungen sollte immer wieder darauf verwiesen werden, dass eine Zunahme von Extremereignissen sowie Hitze- und Kältetagen zu einer Zunahme der Einsatzhäufigkeit der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) führen wird, dem durch angepasste Einsatzplanung begegnet werden muss.“

Allerdings werden momentan Vorbereitungen getroffen, die das Gegenteil bewirken: „Das Gembdental ist eine wichtige Luftleitbahn zur Versorgung Wenigenjenas mit Kalt- und Frischluft“, heißt es im September 2012 herausgegebenen JenKAS-Handbuch auf Seite 109. Man geht sogar noch weiter: „Der naturnahe Ausbau des Gembdenbachs (HWA-10) [sollte] weiter forciert werden.“ Auf eine Zunahme von Extremwetter- und Überschwemmungsereignissen wird allerdings in der Beschlussvorlage 22/1651-BV nicht hingewiesen. Der Ortsteilrat bemängelt zudem, dass ein weiteres Stück Grüngürtel entfällt – und nicht benannt wird.

Im JenKAS-Handbuch heißt es zur Beschreibung des Umfeldes in Wenigenjena: „Zunehmende Wärmebelastung stellt vor allem für die verdichteten Wohnquartiere innerhalb des Dreiecks Saale – Jenzigweg (B7) – Karl-Liebknecht-Straße ein Problem dar. Sensible Nutzungen, wie Kindertagesstätten oder Pflegeheime sind hier zu finden. Zum Schutz der Bevölkerung sollte diese bei kritischen Wetterlagen vorgewarnt werden. Städtische Grünflächen werden einer steigenden Nutzung ausgesetzt sein, der nach Möglichkeit durch Flächenerweiterung und verbesserte Erreichbarkeit nachgekommen werden sollte. Generell könnte durch Schaffung abkühlender Elemente, wie offenen Wasserflächen, Grünelementen oder Hof- und Fassadenbegrünungen das Ausmaß der Wärmebelastung in Wenigenjena reduziert werden. Das Gembdental ist eine wichtige Luftleitbahn zur Versorgung Wenigenjenas mit Kalt- und Frischluft. Davon profitieren vor allem die (bebauten) Areale entlang der B7 bzw. des Gembdenbaches. Diese Luftleitbahn sollte daher erhalten bleiben, Beeinträchtigungen durch Emissionen sollten reduziert werden.“

Nun wurden Kleingärten zwischen Karl-Liebknecht-Straße, dem Gembdenbach und Stadion zugunsten eines Wohngebietes („Erlenhöfe„), das durch die WG „Carl Zeiss“ eG errichtet wird und auch dem sozialen Wohnungsbau dient, dem Boden gleich gemacht. Die Genossenschaft hat angrenzendes Land gekauft und möchte hier im hochpreisigen Wohnsegment weitere 25 Wohnungen bauen. Unter dem sperrigen Titel: „Einleitungsbeschluss für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan VBB-Wj-20 „Erweiterung Wohnen nördlich der Karl-Liebknecht-Straße“ wird am heutigen Mittwoch, 16. November, im Jenaer Stadtrat darüber beraten. Um keine Umweltprüfung vorzunehmen und damit Zeit zu sparen, will Stadtentwicklungsdezernent und Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD) ein beschleunigtes Verfahren nach § 13b Baugesetzbuch durchführen. „Voraussetzung für dessen Anwendung ist, dass die Einleitung des Planverfahrens vor dem 31.12.2022 beschlossen wurde und das Planverfahren bis 31.12.2024 abgeschlossen ist. Zudem muss bis zum Abwägungs- und Satzungsbeschluss sicher gestellt sein, dass das Plangebiet an einen Ortsteil anschließt. Für den hier betroffenen Planungsbereich bedeutet das, dass die westlich benachbarten ‚Erlenhöfe‘ baulich umgesetzt und in Nutzung sein müssen.“, heißt es dazu in der Begründung.

Der Stadtentwicklungsausschuss hat der Beschlussvorlage bereits zugestimmt. Der Ortsteilrat Wenigenjena hat sich ebenfalls mit dem Vorhaben befasst und gibt eine „vorlaäufige Stellungnahme“ ab: „Der Ortsteilrat regt an, über die Art und Dichte der Bebauung dieses Übergangs zwischen der doch recht dichten Bebauung der ERLENHÖFE und dem angrenzenden Naturraum unter dem Gedanken ‚Das muss doch besser gehen.‘ nochmals nachzudenken und ggf. auch Varianten vorzulegen. Die WG Carl Zeiss ist als Partner für den Konzeptwohnungsbau ERLENHÖFE ausgewählt worden. Diese bisher gute Zusammenarbeit sollte nicht aufgeweicht werden, auch wenn bei diesem Vorhaben Aspekte der Wirtschaftlichkeit eine Rolle spielen.“ Zudem wird der zeitliche Druck kritisiert und schließlich der vorgeschlagene Name für das neue Wohngebiet, „Erlengrün“, abgelehnt.

Weitere Kritik gab es vom Ortsteilrat zur Bebauung: „Weder die Dichte der Bebauung noch die Passung an das Nachbargebiet sind auf Anhieb überzeugend. Der Ortsteilrat hat in früheren Meinungsäußerungen immer darauf hingewiesen, dass der Übergang zur benachbarten Gärtnerei und zum Naturraum sanft, vermittelnd und architektonisch gut erfolgen muss. Da besteht noch die Hoffnung, dass das besser gehen könnte. […] Mit der Bebauung des Streifens entfällt ein weiteres Stück Grüngürtel. Dies ist zumindest ehrlich zu konstatieren. Belange der Luftzufuhr und der Beschattung müssen beachtet werden.“

Am 16. November steht die Beschlussvorlage zum „Erlengrün“ der WG „Carl Zeiss“ eG auf Platz 30 der Tagesordnung.


Hier finden Sie die Unterlagen zur geplanten Erweiterung des Wohngebietes unterhalb des Jenzigs.

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