Rollende Post-COVID-Ambulanz in Thüringen

Ab November fährt der Bus des WATCH-Projektes als mobile POST-COVID-Ambulanz durch Thüringen. Das Ziel des am Universitätsklinikum Jena koordinierten Projektes ist die Entwicklung neuer Versorgungsformen für Post-COVID-Betroffene insbesondere im ländlichen Raum. Dazu kombiniert das Versorgungsforschungsprojekt die wohnortnahe Untersuchung mit einer umfassenden telemedizinischen Betreuung. Der Innovationsfonds des G-BA fördert die neun Partnerinstitutionen mit insgesamt 5,8 Millionen Euro.

Als eine der ersten Kliniken bundesweit richtete das Universitätsklinikum Jena (UKJ) eine Ambulanz für Post-COVID ein, aus der inzwischen ein interdisziplinäres Zentrum entstanden ist. Es meldeten sich viele Patientinnen und Patienten, die zwar von der Infektion mit SARS-CoV2 genesen waren, sich aber noch gar nicht gesund fühlten. „Auch nach milden Infektionsverläufen sind die Betroffenen noch Monate später in ihrer Leistungs- und Belastungsfähigkeit eingeschränkt, und das im körperlichen, geistigen und seelischen Bereich“, so Prof. Dr. Andreas Stallmach, der Leiter des Zentrums. Der Zugang zu spezialisierter Diagnostik und der zeitintensiven symptomorientierten Therapie ist begrenzt und für die Betroffenen in ländlichen Regionen besonders beschwerlich.

Hausärzte vermitteln die Teilnahme am WATCH-Programm

Mit dem WATCH-Projekt will das UKJ in Thüringen eine neue Versorgungsform für Post-COVID testen, die eine wohnortnahe Untersuchung in der mobilen Post-COVID-Ambulanz mit einem telemedizinischen Behandlungsprogramm kombiniert. Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschuss fördert das auf insgesamt drei Jahre angelegte Projekt mit 5,8 Millionen Euro. Ein wichtiger Partner im Projekt, an dem neben Forschungseinrichtungen auch eine Patientenvertretung und Krankenkassen beteiligt sind, ist die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen. Sie koordiniert die Kommunikation mit den hausärztlichen Praxen, die am Projekt teilnehmen möchten.  „Unsere hausärztlichen Kollegen erleben täglich, wie groß der Bedarf für ein evaluiertes und gut verfügbares Therapieangebot bei Post-COVID ist. WATCH stärkt ihre Rolle als wichtigste Ansprechpartner für die Patientinnen und Patienten und als Koordinatoren für die gesamte Behandlung“, betont die Vorsitzende Dr. Annette Rommel.

Deshalb sind es auch die Hausärzte, an die sich Betroffene wegen einer Aufnahme in das WATCH-Programm wenden müssen. Sie übernehmen Voruntersuchungen und vermitteln den Kontakt zum Projektteam. Teilnehmende erhalten dann einen wohnortnahen Termin im Bus, der zwei Jahre lang als voll ausgestattete Post-COVID-Ambulanz durch Thüringen fährt. Hier absolvieren die Patienten umfassende Untersuchungen und Tests sowie eine Schulung für die telemedizinische Betreuung. Bei einem zweiten Bustermin erfolgt die Einweisung in das Behandlungsprogramm, das die Teilnehmenden zum Großteil zu Haus absolvieren.

Telemedizinische Intervention für Brain, Body, Soul

In das Konzept des Behandlungsprogramms mit den Modulen Brain, Body und Soul sind die Erfahrungen der verschiedenen Disziplinen des Jenaer Post-COVID-Zentrums eingeflossen, insgesamt acht Kliniken und Institute des UKJ waren daran beteiligt. Es umfasst computerbasierte Trainingseinheiten für die geistige Fitness, ein digitales Sportrehabilitationsprogramm, das über Smartwatch-Daten kontrolliert wird, und verhaltenstherapeutische Übungen. Das gesamte Programm dauert zwölf Wochen; regelmäßige Webinare bieten währenddessen die Möglichkeit für Zwischeninformationen und Rückfragen. Ein dritter Besuch im Bus dient schließlich der Abschlussuntersuchung.

Andreas Stallmach: „Das WATCH-Projekt testet ein neuartiges Behandlungskonzept, dass die hochspezialisierte Medizin unseres Zentrums in Zusammenarbeit mit den Hausarztpraxen zu den Post-COVID-Patientinnen und Patienten in Thüringen bringt. Auch von den Kommunen und Landkreisen erfahren wir im Vorfeld viel Unterstützung. Wir hoffen, dass wir so gemeinsam eine wirksame Behandlung etablieren können.“

Die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner sagte zum Projektauftakt: “Post-COVID-Erkrankungen zeigen sehr unterschiedliche Symptome. Die Therapie der verschiedenen Krankheitszeichen braucht neue Strukturen und Wege. Eine koordinierte Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche und eine engmaschige Betreuung der Betroffenen sind dafür unabdingbar. WATCH bietet hier einen innovativen Versorgungsansatz, mit dem Thüringen zum Vorreiter sektorenübergreifender und vernetzter Behandlungsangebote wird.“

Weitere Informationen: www.uniklinikum-jena.de/WATCH

Die Konsortialpartner von WATCH:

  • Universitätsklinikum Jena
  • AOK PLUS – Die Gesundheitskasse für Sachsen und Thüringen
  • BARMER
  • Deutsche Stiftung für chronisch Kranke
  • Friedrich‐Schiller‐Universität Jena
  • Kassenärztliche Vereinigung Thüringen
  • Martin‐Luther-Universität Halle‐Wittenberg
  • Technische Universität Dresden
  • Techniker Krankenkasse

33.000 Freigekaufte: Die Bilanz des deutsch-deutschen Häftlingshandels

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wenn sich die Tore des Gefängnisses auf dem Kaßberg öffneten, wussten die Insassen im Bus oft nicht, ob sie verlegt oder verkauft wurden. Teaser: Über Jahrzehnte hinweg war dieser Moment der Ungewissheit für tausende politische Häftlinge in der DDR der erste Schritt in ein neues Leben. Der Weg führte von Chemnitz über den Grenzübergang Herleshausen in den Westen. Doch die Ankunft in der Bundesrepublik war selten der unbeschwerte Triumph, den man sich vorstellen mag. Wer aus dem Bus stieg, trug nicht nur die physischen Narben der Haft in Bautzen oder Hoheneck, sondern oft auch eine unsichtbare Last. Das Wissen, dass die eigene Freiheit einen exakten Preis hatte, wog schwer. Rund 96.000 D-Mark „kostete“ ein Mensch in den späteren Jahren, verrechnet in Warenlieferungen wie Kaffee, Obst oder Erdöl. Man war zur Handelsware geworden, verschoben zwischen zwei ideologischen Blöcken. Für viele kam hinzu, dass Familien zerrissen wurden; Kinder blieben oft als Pfand im Osten zurück, während die Eltern im Westen neu beginnen mussten. Die psychische Architektur dieses Handels war darauf ausgelegt, maximale Devisen zu generieren und gleichzeitig Kontrolle auszuüben. Es ist eine Geschichte von 33.755 Menschenleben. Hinter jeder Zahl in den Bilanzen der Kommerziellen Koordinierung stand ein Schicksal, eine unterbrochene Biografie. Der Häftlingsfreikauf war für die Bundesrepublik ein humanitärer Akt der Notwendigkeit, für die DDR eine ökonomische Überlebensstrategie. Die Busse fuhren jahrelang, Woche für Woche, und transportierten Menschen, deren Wert in Listen festgehalten wurde. In den Archiven liegen heute die Quittungen einer Ära, in der ein Staat seine Kritiker nicht nur einsperrte, sondern sie am Ende als Rohstoff nutzte. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Es begann als humanitäre Geste der Kirchen und endete als fester Posten im Devisenhaushalt der DDR. Teaser: Der Häftlingsfreikauf zwischen den beiden deutschen Staaten ist ein historisches Phänomen, das in seiner Dimension oft unterschätzt wird. Zwischen 1963 und 1989 flossen rund 3,4 Milliarden D-Mark von Bonn nach Ost-Berlin, um die Freilassung von 33.755 politischen Gefangenen zu erwirken. Was als „Besondere Bemühungen“ getarnt war, folgte einer präzisen ökonomischen Mechanik. Die Preise waren dabei keineswegs willkürlich, sondern das Ergebnis kühler Kalkulationen, die oft Ausbildungskosten und den „Volkswirtschaftlichen Schaden“ durch den Weggang der Person einpreisten. Bezahlt wurde selten in bar, sondern meist in Waren, die in der DDR Mangelware waren. So stabilisierte der Westen durch den Freikauf paradoxerweise genau jenes System, das die Häftlinge erst produziert hatte. Die Abhängigkeit der DDR von diesen Einnahmen wuchs parallel zu ihrem wirtschaftlichen Niedergang. Die moralische Ambivalenz dieses Tauschgeschäfts beschäftigt Historiker bis heute. War es legitim, eine Diktatur zu finanzieren, um Menschenleben zu retten? Die Antwort der damaligen Bundesregierungen war ein klares Ja zur Humanität. Auf der anderen Seite der Mauer wurde der Mensch zur Ressource, deren Freiheitsdrang sich monetarisieren ließ. Die Aktenberge über diese Transaktionen sind heute zugänglich und zeigen das bürokratische Gesicht eines unmenschlichen Handels. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Darf ein Staat Menschenleben kaufen, um sie zu retten, wenn er damit deren Unterdrücker finanziert? Teaser: Der Häftlingsfreikauf war vielleicht das größte moralische Dilemma der deutsch-deutschen Geschichte. Auf der einen Seite standen über 30.000 Menschen, die in DDR-Gefängnissen litten und deren einzige Hoffnung der Westen war. Auf der anderen Seite stand ein Regime, das lernte, dass sich mit politischen Gefangenen stabile Deviseneinnahmen generieren ließen. Je mehr der Westen zahlte, desto lukrativer wurde das Geschäft für den Osten. Es entstand ein Markt für Freiheit, auf dem Preise steigen und Waren fließen konnten. Die Bundesrepublik entschied sich für das Leben der Einzelnen und nahm die politische Pikanterie in Kauf. Für die Betroffenen blieb oft das Gefühl, eine Ware gewesen zu sein – eingetauscht gegen Orangen oder Industriegüter. Die Frage nach der Moral verhallt in den leeren Gängen der ehemaligen Haftanstalten.