Saale-Orla-Kreis beabsichtigt Einführung einer Bezahlkarte für Asylsuchende

Statt Bargeld sollen Geflüchtete im Saale-Orla-Kreis künftig eine limitierte Bezahlkarte für ihren Lebensunterhalt erhalten / Modellprojekt im Landkreis Greiz dient als Blaupause

Schleiz. Möglichst bald sollen im Saale-Orla-Kreis Asylsuchende eine Bezahlkarte anstelle von Bargeld erhalten, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Ziel der Umstellung ist es einerseits, den Verwaltungsaufwand zu reduzieren, der etwa mit der zumeist monatlichen Bargeldauszahlung im Landratsamt einhergeht. Andererseits soll es darum gehen, einer möglichen Zweckentfremdung der Sozialleistungen durch Geflüchtete vorzubeugen.

Mit der technisch limitierten Bezahlkarte sollen sich die Asylsuchenden versorgen und Dinge des täglichen Bedarfs erledigen können. Funktionen wie Bargeldauszahlungen oder Auslandsüberweisungen sollen jedoch gesperrt sein. Mit großem Interesse blickt man im Landratsamt daher auf den Nachbarlandkreis Greiz, wo in Kürze ein Pilotversuch zur Einführung der Bargeldkarte beginnen soll. Bewährt sich das System, soll es zeitnah auch im Saale-Orla-Kreis angewandt werden. Andere Thüringer Landkreise haben ebenfalls Interesse bekundet.

„Das Beste wäre es natürlich, wenn es hierfür eine bundes- oder zumindest thüringenweit einheitliche Regelung gäbe. Sollte sich aber abzeichnen, dass bis dahin noch endlos viel Zeit verstreicht, werden wir handeln und uns dem Greizer Modell anschließen“, erklärt Landrat Thomas Fügmann. Einen genauen Zeithorizont kann er aktuell noch nicht nennen, doch der Pilotversuch im Nachbarlandkreis soll voraussichtlich noch in diesem Jahr beginnen.

Aktuell befinden sich im Saale-Orla-Kreis rund 450 Asylsuchende im Leistungsbezug beim Landratsamt.

Was ist eine Bezahlkarte für Leistungsempfänger?

Eine Bezahlkarte ermöglicht Leistungsempfängern wie Asylbewerbern und Empfängern anderer Sozialleistungen den Zugang zu ihren finanziellen Unterstützungsleistungen. Sie bietet dabei viele Vorteile:

  • Direkter, sicherer Erhalt der finanziellen Unterstützung
  • Wahrung der Diskretion
  • Förderung der Integration im regulären Zahlungsverkehr
  • Einfache Verwaltung
  • Verhindern des Missbrauchs von Sozialleistungen
  • Verringerung des Aufwands, da keine ressourcenintensive Bargeldausgabe erfolgt

Spätfolgen politischer Inhaftierung für die zweite Generation

1. Teaser Profil (ca. 40% des Textes) Trauma und Schweigen: Die zweite Generation der politischen Häftlinge Der Vater träumt von der missglückten Flucht, das Kind im Nebenzimmer liegt wach und spürt die Angst. Szenen wie diese prägen die Erinnerung vieler Kinder politischer Häftlinge der DDR. Die Inhaftierung der Eltern, oft im berüchtigten Gefängnis Hoheneck, hinterließ nicht nur bei den direkten Opfern Spuren, sondern zeichnete auch die nachfolgende Generation. Besuche im Gefängnis waren geprägt von Sprachlosigkeit und Überwachung; über die wahren Umstände durfte nicht gesprochen werden. Diese erzwungene Stille setzte sich oft auch nach der Haft oder einer Flucht in den Westen fort. Die Familien blieben oft isoliert, den Kindern wurde Anpassung als Überlebensstrategie vermittelt. Gute Leistungen dienten als Schutzschild, um die traumatisierten Eltern nicht weiter zu belasten. So entstand ein stiller Pakt in den Wohnzimmern: Fragen wurden nicht gestellt, um keinen Schmerz auszulösen. Die Kinder schwankten zwischen Wut auf die riskanten Ideale der Eltern und Bewunderung für deren Mut. Erst heute, Jahrzehnte später, bricht dieses Schweigen auf. Die Aufarbeitung zeigt, dass die Geschichte der politischen Verfolgung in der DDR auch die Geschichte der Kinder ist, die im Schatten dieses Traumas erwachsen wurden. 2. Teaser Seite Arne Petrich (ca. 25% des Textes) Wenn die Angst vererbt wird: Spätfolgen der DDR-Haft Tausende Familien in der DDR wurden durch politische Haft zerrissen. Für die Kinder bedeutete dies oft Heimunterbringung und ein Leben im Ungewissen. Doch auch nach der Wiedervereinigung oder der Flucht in den Westen blieb die Normalität oft nur Fassade. Anpassung und Unauffälligkeit wurden zur obersten Maxime, um die traumatisierten Eltern zu schützen. In den Familien herrschte ein stiller Pakt des Schweigens. Die Kinder der politischen Häftlinge wurden zu den emotionalen Trägern einer Last, die nicht ihre eigene war. Heute beginnt diese „zweite Generation“, ihre komplexe Geschichte zwischen Wut, Bewunderung und Trauma aufzuarbeiten und den langen Schatten der Diktatur zu beleuchten. 3. Teaser Jenapolis (ca. 15% des Textes) Die Kinder von Hoheneck: Ein Leben im Schatten des Traumas Politische Haft in der DDR zerstörte nicht nur die Biografien der Inhaftierten, sondern prägte auch deren Kinder nachhaltig. Von den beklemmenden Besuchen in Hoheneck bis zur isolierten Anpassung im Westen: Die zweite Generation lernte früh, zu funktionieren und zu schweigen. Erst jetzt bricht der stille Pakt der Familien auf, und die komplexen Spätfolgen der Verfolgung werden sichtbar. Ein Blick auf die psychologische Last einer Generation, die lernte, die Angst ihrer Eltern zu tragen.