Thüringer IHKs: Schulnote 3- für das Gründen in Thüringen

Thüringer Industrie- und Handelskammern (IHKs) fordern Maßnahmen zur Verbesserung des Gründungsstandortes

Eine Umfrage unter Thüringer Existenzgründern hat ergeben, dass das hiesige Gründungsklima nur als befriedigend eingeschätzt wird. Die Industrie- und Handelskammern im Freistaat haben Unternehmen befragt, die innerhalb der letzten drei Jahre gegründet wurden. Die größten Herausforderungen für die jungen Unternehmen, die mehrheitlich in Zeiten der Pandemie gegründet haben, liegen in bürokratischen Hürden sowie Kapitalbeschaffung und Kundengewinnung. Die Thüringer IHKs haben auf Basis der Ergebnisse ein gemeinsames Forderungspapier an Politik und Verwaltung erstellt.

Über 400 Antworten im Rahmen der Umfrage unter Thüringer Existenzgründern zeigen, dass den jungen Unternehmern der Standort Thüringen am Herzen liegt und sie mit ihrem Input zu einer Verbesserung der Wahrnehmung des Gründungsstandortes Thüringen beitragen wollen. Ein Großteil der Gründer hat in der Zeit der Pandemie den Schritt zum Unternehmer gewagt. Insbesondere 55 Prozent der Befragten haben aus einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis gegründet. „Der besondere Optimismus zu einem solchen Wechsel und der Glaube an die eigene neue Idee für den Markt ist Grundlage erfolgreichen Unternehmertums. Er darf aber nicht durch bürokratische Hindernisse erschwert werden“, sind sich die Hauptgeschäftsführer der drei Thüringer IHKs einig.

18 Prozent der Befragten haben den Existenzgründungspass als Förderinstrument in der Vorgründungsphase in Anspruch genommen und sind schon bei der Beantragung auf ein schwer zu begreifendes bürokratisches Antragsverfahren gestoßen. Regelmäßig stellt der Existenzgründungspass den ersten Kontakt zum Fördersystem Thüringens dar und belastet aktuell die Motivation von Gründern, über weitere Förderanträge nachzudenken. Die Thüringer IHKs fordern deshalb die Fortführung des Existenzgründungspasses in einem bürokratiearmen und schlanken Antragsverfahren außerhalb der ESF-Förderung.

Die größten Herausforderungen sehen die Gründer im Dauerbrennerthema Bürokratie, in der Kapitalbeschaffung und in der Kundengewinnung. Diese Themen werden durch aktuelle Förderinstrumentarien wie Mikrodarlehen sowie Gründungs- und Beratungsförderung von der Thüringer Aufbaubank mit Förderprogrammen unterstützt.

Die Forderungen nach Optimierungs- und Erweiterungsbedarf sind in dem aktuellen Forderungspapier der Thüringer IHKs zu finden. Das Forderungspapier können Sie auf der Website einsehen und downloaden: www.suhl.ihk.de/positionen/forderungspapier-gruendungen

Die Forderungen an die Thüringer Politik und Verwaltung werden zur rechten Zeit laut: Vom 13. bis zum 19. November 2023 dreht sich in der Gründungswoche Deutschland alles um Gründergeist, Existenzgründung und berufliche Selbstständigkeit. Die IHK Erfurt startet am Montag, 13. November 2023, mit dem Gründer- und Nachfolgeforum Nordthüringen in Nordhausen und einem Vortrag zum Thema E-Commerce mit Amazon, Webshop & Co. in Erfurt. Mit Beratungssprechtagen am Dienstag und Mittwoch werden Gründern Antworten und Hilfen zur Gründung durch die IHK Erfurt gegeben.

Am 14. November von 9 bis 11 Uhr findet ein Gründersprechtag in Gera statt. Interessenten erhalten Informationen zu den einzelnen Gründungsschritten, zu gewerberechtlichen Aspekten und öffentlichen Finanzierungshilfen. Die Wirtschaftsförderagentur Saalfeld-Rudolstadt organisiert in Kooperation mit der IHK am 15. November ab 15.30 Uhr ein GründerMEETUP in Saalfeld, wo sich Gründer und Jungunternehmer treffen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und sich über die Gründung und Entwicklung des eigenen Unternehmens informieren.

Die IHK Südthüringen bietet am 15. November 2023 einen Telefonsprechtag der Gründungsberaterinnen gemeinsam mit der Rentenversicherung Mitteldeutschland an. Am 14. November 2023 stellen das ThEx Enterprise und ThEx Frauensache in Steinbach-Hallenberg „Herzensgründerinnen und Herzensgründer“ vor.

Am Donnerstag, den 16. November 2023, findet die Prämierung des ThEx AWARD 2023 statt.

Hintergrundinformation zur Umfrage: An der IHK-Umfrage nahmen 423 junge Unternehmen aus ganz Thüringen mit Gründung nach dem 01.10.2019 teil. 

Der Einsatz sowjetischer Schneefräsen im DDR-Winterdienst 1978/79

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL: Hook: Der plötzliche Temperatursturz am 28. Dezember 1978 veränderte den Alltag in der DDR innerhalb weniger Stunden grundlegend. Teaser: Wenn über den Katastrophenwinter gesprochen wird, stehen oft die Bilder der eingeschneiten Dörfer und der isolierten Insel Rügen im Vordergrund. Doch die Wiederherstellung der Infrastruktur war ein logistischer Kraftakt, der weitgehend von einer spezifischen Maschine abhing. Die sowjetische Schneefräse auf Basis des ZIL-LKWs war kein komfortables Arbeitsgerät. Mit einem Motor, der 150 PS leistete und eng mit militärischen Aggregaten verwandt war, fraß sie sich durch Schneewände, die bis zu drei Meter hoch waren. Für die Männer, die diese Maschinen bedienten, bedeutete der Einsatz im Norden der Republik eine extreme physische Belastung. Fahrer wie Heinz Mittelbach aus dem Erzgebirge wurden quer durch das Land beordert, um die Verkehrswege an der Küste freizulegen. In Schichten von bis zu 14 Stunden arbeiteten sie sich Meter für Meter voran. Dabei entwickelten sie eigene Fahrtechniken, um die massiven Verwehungen überhaupt bewältigen zu können. Es war ein Kampf gegen die Elemente, geführt mit einer Technik, die auf reine Robustheit ausgelegt war und keine Fehler verzieh. Die damaligen Strukturen ermöglichten eine schnelle, zentrale Umverteilung von Ressourcen von Süd nach Nord, doch die Naturgewalten zeigten auch die Grenzen dieses Systems auf. Die ZIL-Fräsen blieben noch lange nach diesem Winter ein vertrautes Bild auf den Straßen und sind teilweise bis in die jüngste Vergangenheit im Einsatz geblieben. Ihre Geschichte erzählt viel über den Umgang mit Ressourcen und die Prioritätensetzung in der DDR-Infrastrukturplanung. Es bleibt das Bild einer Landschaft, die langsam ihre Konturen zurückgewinnt. B) SEITE 1 und 2 (Kontext): Hook: Die gesetzlichen Grundlagen für den Winterdienst in der DDR unterschieden sich signifikant von den heutigen Regelungen. Teaser: Während heute oft von der Räumung nach „besten Kräften“ die Rede ist, existierte in der DDR eine Winterordnung, die den staatlichen Organen enge zeitliche Vorgaben setzte. Theoretisch bestand der Anspruch, dass Hauptverkehrswege innerhalb von zwei Stunden nach Schneefallbeginn beräumt sein mussten. Dies entsprach einem Rechtsanspruch des Bürgers gegenüber dem Staat, der eine hohe Erwartungshaltung an die Verfügbarkeit der Infrastruktur knüpfte. Im Katastrophenwinter 1978/79 traf dieser Anspruch auf eine Wetterlage, die jede Planung obsolet machte. Der Einsatz der schweren sowjetischen ZIL-Fräsen, die bis zu 1000 Tonnen Schnee pro Stunde bewegen konnten, war die materielle Antwort auf diese Herausforderung. Die Langlebigkeit dieser Technik, die teilweise über 40 Jahre im Dienst blieb, ist dabei ein technikhistorisches Detail, das die Pragmatik des ostdeutschen Winterdienstes unterstreicht. Die Straßen waren irgendwann wieder frei.