Und „Doppelwumms“ sind sie plötzlich alle wieder weg – vom Digital-Gipfel 2023 in Jena

Mir persönlich war es etwas zu viel tamm tamm die letzten Tage beim Digital-Gipfel 2023 in Jena. Bei Interesse kann noch einmal alles nachgelesen HIER oder nachgesehen HIER werden. Eine wirklich sich immer weiter ausbreitende Spielwiese entsteht im Zusammenhang mit allem, was man digital nennen darf. Jena hatte den Zuschlag für die Messe bekommen, weil Jena wohl eines der besten Konzepte vorgelegt hatte. Das Jena führend ist im Bereich der Optik, bezweifelte schon niemand in der DDR. Ein großes Aufgebot an Marketing- und Forschungstreibenden gaben sich in Jena die Klinke in die Hand. Alle auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen oder auch nach öffentlichen und privaten Fördergeldern. Für Jena ist das die zentrale Perspektive der Stadt selber, wie es verschiedene Vertreter gerne in ihren Vorträgen immer wieder betonten.

Es hörte sich trotzdem immer alles sehr groß an, ausschweifend und absolut zukunftssicher, bis auf einen kleinen Wehmutstropfen. Auch in Thüringen sind ja nächstes Jahr Wahlen und man möchte nicht ernsthaft mit dem Gedanken schwanger gehen, dass sich politisch irgendetwas ändern soll. Man fühle sich so wie es jetzt läuft, eigentlich ganz wohl. Ich würde es so ausdrücken: Man hat sich eben eingerichtet und nun darf es gerne auch so weiter gehen! Hinterfragt wurde nichts. Man sei in allen Punkten auf dem richtigen Weg. Ja selbst die Zivilgesellschaft habe man mit eingebunden. Das ist was ganz neues. Auch dies hörte man immer wieder. Was jedoch selbst Herr Habeck damit meint, ließ er in seiner Videoansprache offen. In Zeiten von Krieg ist wohl jeder Teil der Zivilgesellschaft, der keine Uniform trägt.

Ein spannender Punkt viel mir dann doch auch auf. So wurde manchmal gefordert, aber eher von zivilen Vertretern, dass mit öffentlichem Geld geförderte Projekte und Infrastrukturen auch öffentlich und transparent zur Verfügung stehen sollten. Das wäre wirklich schön, dachte ich mir so und werden mich dieses Themas wieder verstärkt widmen. Schauen wir uns doch mal die vielen anderen Dinge in Jena an, die öffentlich finanziert sich, wo aber Transparenz völlig fehlt, trotz vieler Stadtratsbeschlüsse. Wenn, dann müsste dies ja für alles gelten, nicht nur für die digitalen Dinge im Leben. Es gab auch die Vorstellung des Projektes der Wissensallmende für Jena, welches aktuell eher noch eine Liebhaberei des Jenaer Stadtkämmeres ist.

Zusammengefasst werden alle Projekte unter dem Begriff Smartcity. Weitere Informationen dazu gibt es für Jena unter https://smartcity.jena.de/. Immerhin verfügt man hier über 15 Millionen Euro Fördergelder, für Projekte, die wichtig sind oder nicht. Das liegt im Auge des Antragsstellers. Man könnte dies rausbekommen, wenn man mal die Bürger fragt. Tut man aber nicht. Das wäre dann die sogenannte Zivilgesellschaft. Noch dazu man sich bei jeder Gelegenheit in Jena brüstet, dass so viele kluge Menschen in Jena leben. Die würden da bestimmt auch wieder gerne mitmachen, wenn sie das Gefühl haben, dass es die Stadt auch endlich wieder ernst mit Ihnen meinen würde.

Bis dahin wird es in Jena wohl ähnlich wie in Berlin nur überall „wumms“ machen und jeder wird sich fragen, was denn jetzt wieder passiert ist. Vielleicht macht es so langsam aber sicher auch wieder Sinn sich dem Volke zuzuwenden. Immerhin sind ja auch bald Wahlen! Und wie es aktuell aussieht, wird es danach eben nicht mehr so weitergehen wie bisher.

Eines viel mir beim Rundgang des Bundeskanzlers dann doch noch auf. Er fragte nach einer Konzeptvorstellung den Verantwortlichen, ob das Projekt auch ohne Strom funktionieren würden. Das fand ich nun wirklich spannend, denn das ist doch des Pudels Kern. Schalten wir doch den Strom ab, dann sehen wir was übrig bleibt. Dann sind wir ganz schnell beim Doppelwumms, denn dann geht gar nichts mehr. Diesen Hinweis auf die Realität musste ich zum Abschluss dann doch noch bringen, denn dann geht es auf einmal wieder um ganz elementare Dinge, die alle Menschen zum Leben brauchen und wenn es nur Klopapier ist!

Also blenden wir nicht so viel, sondern schauen wir, was wir wirklich zum Leben brauchen. Und wenn es nur erstmal die Sicht unsere Stadt Jena ist. Letztendlich war der Digital-Gipfel eben auch nur eine Messe, nicht mehr und nicht weniger! Über die vielen vielen anderen Baustellen reden wir jetzt wieder!

Wahlkampf 1990: Die Transformation der PDS in der DDR-Krise

A) PROFIL AP: Hook: Der Wahlkampf im Frühjahr 1990 war für die einstige Staatspartei kein Ringen um Mehrheiten, sondern ein Kampf um die bloße politische Existenz in einem Land, das sich rasant veränderte. Teaser: Wer die Bilder aus dem März 1990 betrachtet, sieht eine politische Landschaft voller Widersprüche. Auf der einen Seite standen die vollen Säle bei den Veranstaltungen der PDS, in denen Gregor Gysi als Hoffnungsträger gefeiert wurde. Er verkörperte für viele die Chance, eine ostdeutsche Identität in die neue Zeit zu retten, ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Auf der anderen Seite herrschte auf den Straßen und in den Betrieben eine Atmosphäre der Abrechnung. Die Wut auf die vierzigjährige Herrschaft der SED entlud sich in zerrissenen Wahlplakaten und lautstarken Protesten. In Städten wie Karl-Marx-Stadt, wo die Bürger bereits die Rückbenennung in Chemnitz forderten, war der Bruch mit der alten Ordnung am deutlichsten spürbar. Die PDS versuchte in diesen Wochen, den massiven Mitgliederschwund und den Verlust des Apparates durch eine neue Offenheit zu kompensieren. Es war der Versuch, in einem Klima des Misstrauens Fuß zu fassen, indem man sich als Anwalt derer positionierte, die vor der schnellen Einheit zurückschreckten. Die Risse, die in diesen Wochen sichtbar wurden, gingen quer durch die Gesellschaft und prägten die politische Kultur noch lange über den Wahltag hinaus. B) SEITE AP: Hook: Mit dem Verlust von fast zwei Millionen Mitgliedern innerhalb weniger Monate stand die PDS vor der Volkskammerwahl 1990 vor einer organisatorischen und inhaltlichen Zäsur. Teaser: Der Weg von der allmächtigen SED zur PDS im Frühjahr 1990 war geprägt von einem radikalen Strukturwandel. Der einst riesige Parteiapparat war auf einen Bruchteil seiner Größe geschrumpft, und die verbliebenen Kader mussten sich in einem völlig neuen politischen Wettbewerb behaupten. Der Fokus lag darauf, sich von den stalinistischen Traditionen zu lösen und mit Gregor Gysi ein unverbrauchtes Gesicht zu präsentieren. Doch die Strategie der Erneuerung stieß an harte Grenzen. Während ein Teil der Wählerschaft in der PDS einen Garanten für Stabilität und soziale Sicherheit sah, lehnte die Mehrheit der Bevölkerung die Partei als bloße Fortsetzung der SED ab. Der Wahlkampf zeigte deutlich, wie tief das Misstrauen saß, besonders in den Industriezentren des Südens. Es blieb eine Zeit des Übergangs, in der alte Gewissheiten nicht mehr galten. C) SEITE JP: Hook: Die erste freie Wahl 1990 zwang die PDS dazu, sich ohne den Schutz des Staates dem Votum der Bürger zu stellen. Teaser: Im März 1990 wurde sichtbar, wie stark die DDR-Gesellschaft polarisiert war. Für die PDS bedeutete der Wahlkampf einen Spagat: Sie musste die eigene Vergangenheit als SED bewältigen und gleichzeitig als neue politische Kraft werben. Der massive Rückgang der Mitgliederzahlen und die offene Ablehnung auf den Straßen zeigten, dass die Glaubwürdigkeit der Erneuerung von vielen bezweifelt wurde. Dennoch gelang es der Partei, jene Menschen zu binden, die den schnellen Wandel mit Sorge betrachteten. Die Auseinandersetzung um die Zukunft der DDR fand in diesen Wochen ihren vorläufigen Höhepunkt.