„Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ – Jena ist am Scheideweg zu scharf abgebogen!

Geld macht verführer-, aber eben auch erfinderisch. Das kann man ohne Übertreibung nicht nur für private Investoren behaupten. Gerade auch Kommunen greifen immer gerne auf das Geld – meistens Fördergelder zurück, die ihnen sehr viel Spielraum für Entscheidungen geben. Vor allem aber ändert man auch mal schnell seine Prioritäten, wenn sich die Förderformalitäten ändern.

In Jena ließen sich aktuell viele Projekte finden, die sich im Laufe ihrer Zeit einfach auch mal hinsichtlich ihrer Zukunftsfähigkeit ändern. Natürlich ist aktuell der Eichplatz zu nennen, die never ending Story. Aber auch die Bibliothek, der Inselplatz incl. dem nicht mehr so wirklich gewolltem Parkhaus oder auch das deutsche optische Museum (DOM). Alles Projekte, die irrsinnig viel Geld verschlingen und teilweise bereits schon wieder in einer Sackgasse gelandet sind oder wenigstens dabei sind, sich dahin zu bewegen. Dabei reden wir noch nicht mal vom alten Klinikumsgelände in der Bachstrasse.

Jetzt kann man in Jena fast schon dafür dankbar sein, dass es weitestgehend um Projekte im Stadtzentrum oder im engeren Umkreis geht. Aber besser macht es die gesamte Situation trotzdem nicht, denn jeder Weg durch Jena führt immer direkt durch das Stadtzentrum. In diesen Bereichen wird wahnsinnig viel investiert. Man möchte zukunftsfähig sein und vor allem eins. Geld mit der Stadt verdienen. Denn der Geldhunger ist sehr groß. Auf der Strecke bleibt dabei jedoch die Stadtentwicklung. Die Stadt ist ja mehr als eben nur das Zentrum. Über 30 Ortsteile gehören dazu. Aber wem macht das kleinklein schon Spaß, wenn man einmal im Leben so richtig große Projekte auf den Weg bringen kann.

Unabhängig davon was Jena einmal ausgemacht hat, eben gute und auch kleine Projekte mit einer guten Qualität auf den Weg zu bringen, werden die neuen „Betonbunker mit Fenstern“ an so vielen Stellen in Jena nicht nur das Stadtbild verändern, sondern vor allem das Leben in der Stadt. Jena wird jetzt schon immer teurer. Der Prozess dauert schon locker 15 Jahre an. Eine Stadt als Durchlauferhitzer für die so gewünschten Fachkräfte für die Industrie zu entwickeln, scheint vielleicht erstmal logisch, aber scheinbar bleibt dabei auch vieles andere, was wichtig wäre, auf der Strecke.

Jena hat sich schon lange übernommen. Leider finden Debatten in der Öffentlichkeit dazu nicht mehr statt. Jena ist nun einmal keine wirkliche Großstadt, sondern eben vor allem auch ländlich geprägt. Und somit lebt Jena nicht mehr nur mit Wachstumsschmerzen, sondern rutscht im aktuellen Kaufkraftranking 2023 auf den Platz 392 mit 20.831 Euro von den insgesamt  400 analysierten Städten in Deutschland. Sicherlich ist es auch zu erwähnen, dass viele große Städte im Ranking ebenso stark abgestürzt sind, aber Jena gleich mit Hamburg oder München zu vergleichen, wäre dann doch etwas sehr weit hergeholt.

Viele Faktoren deuten auch in Jena schon seit langem darauf hin, dass es für viele Menschen immer schwieriger wird, sich die Stadt noch leisten zu können. Leider wird im Stadtrat bisher nur über die Fortsetzung von Wachstumsstrategien verhandelt. Über Ideen einer bezahlbaren Stadt Jena gibt es seit vielen Jahren keine Debatte mehr. Diese wäre jedoch zwingend notwendig. Denn gerade auch jetzt sieht man wieder, wie die Kosten weiter in die Höhe schießen, wie man z.B. auch im neuen Mietspiegel ersehen kann.

Zum Abschluss würde ich sehr gerne noch einen Wermutstropfen streuen, aber leider bleibt auch dieser aus. Viel Bauen bedeutet leider auch immer ganz viel Beton. Jeder Bürger, der durch Jena fährt oder läuft, sieht es bei jedem Bauprojekt. Bauen heißt auch nicht unbedingt Wachstum, sondern bedeutet erstmal nur Veränderung. Eine Veränderung, wo man die Menschen auch mitnehmen darf, ja sogar müsste. Woran es nun bei den politischen Verantwortlichen fehlt mag spekuliert werden. Im Stadtrat kann man jedoch erkennen, dass dort viel Wissen verloren gegangen ist und das ist bereits zum Problem geworden.

„Vorwärts immer, rückwärts nimmer“. Wohin uns diese Logik gebracht hat, haben die Älteren unter uns bereits schon einmal erfahren. Jetzt stehen wir am Seitenrand und dürfen wenigstens noch zugucken. Mit Zukunftsfähigkeit und einem guten Leben hat das jedoch irgendwann nichts mehr zu tun. Aktuell verbrennt Jena als Stadt für Menschen. Es entsteht eine Stadt der Arbeit, in der Angst irgendetwas im Leben zu verpassen. Aber auch die Region wird uns das nicht zurückgeben, was wir aktuell und in den nächsten Jahren verlieren werden. Viele sind schon gegangen, wollen oder müssen demnächst gehen.

Ich würde mir einen ehrlicheren und transparenteren Umgang mit den Dingen in Jena wünschen. Einen Bezug zu seiner Stadt zu verlieren, bedeutet eben aber auch Heimat zu verlieren. Sicherlich ist das in einer digitalisierten kapitalistischen Welt nicht mehr gewünscht. Ohne Menschen wird es dann ja wohl doch nicht so ganz gehen. Ich kann mir das jedenfalls nicht vorstellen!

Wenn Jena selber sprechen könnte, würde die Stadt bestimmt schon lange kurzatmig hauchen: „Hetz mich nicht! Ich brauche Luft zum Atmen“

Die Pipeline der Widersprüche: Stalins Gas für Willy Brandts Westen

Persönlicher Teaser Minus 50 Grad, die Finger klamm, aber das Bier darf nie ausgehen – willkommen in der härtesten WG der DDR-Geschichte. Während wir heute über Homeoffice jammern, haben tausende junge Ostdeutsche in den 70ern und 80ern ihr Leben in die Waagschale geworfen, um im tiefsten Sibirien eine Pipeline zu bauen, die eigentlich unmöglich war. Sie nannten es "Freundschaft", aber es war ein Kampf gegen Eis, Einsamkeit und die Stasi im Nacken. Diese Doku reißt alte Wunden auf und zeigt, warum der "Wilde Osten" für viele die einzige Chance auf ein Stückchen Freiheit war – und warum dieses Trauma bis heute in vielen ostdeutschen Biografien nachzittert. Ein Muss für jeden, der verstehen will, aus welchem Stahl die DDR wirklich geschmiedet war.

Die Waisen der Freiheit: Wenn Eltern gehen und Kinder bleiben

3 Teaser 1. Persönlich Verlassen, vergessen, verraten. Christine sitzt in der leeren Wohnung, neben sich der Säugling, auf dem Tisch das Fotoalbum. Sie ist elf Jahre alt und wartet. „Morgen holen wir euch nach“, hatten die Eltern gesagt, bevor sie in den Westen gingen. Doch morgen kam nie. Christine wurde zur Waise wider Willen, eine Geisel des Kalten Krieges. Wie lebt es sich mit dem Wissen, dass die eigene Freiheit für die Eltern weniger zählte als die Flucht in den goldenen Westen? Eine Geschichte über das Warten. 2. Sachlich-Redaktionell Tausendfaches Schicksal. Die Flucht aus der DDR ist ein historisch gut aufgearbeitetes Thema, doch ein Aspekt blieb lange ein Tabu: Die "republikflüchtigen" Eltern, die ihre Kinder zurückließen. Zwischen 1958 und 1989 wurden Tausende Minderjährige in staatliche Heime eingewiesen, weil ihre Erziehungsberechtigten das Land verließen. Waren es politische Zwänge oder niedere Motive? Der Beitrag analysiert die rechtlichen und sozialen Folgen für die zurückgelassenen Kinder der DDR-Diktatur. 3. Analytisch und Atmosphärisch Kalter Rauch und leere Versprechen. Die Luft in den verwaisten Wohnungen roch nach überstürztem Aufbruch. Der Riss, der durch Deutschland ging, verlief nicht nur entlang der Mauer, sondern direkt durch die Herzen der Familien. Die Analyse seziert die Ambivalenz des Freiheitsbegriffs: Während die Eltern im Westen von "Selbstverwirklichung" träumten, erlebten ihre Kinder im Osten die Kälte der staatlichen Fürsorge. Ein psychologisches Psychogramm einer Gesellschaft, in der die Flucht oft auch eine Flucht vor der Verantwortung war.

Der letzte bürokratische Rettungsversuch der Staatssicherheit

Journalistischer Text: MASTER-PROMPT Teaser Seite Planungen für den neuen Geheimdienst Ich betrachte diese kurze Notiz vom Dezember 1989 und sehe das Bild von Funktionären vor mir, die inmitten des politischen Sturms noch immer an die Macht der Verwaltung glaubten. Es wirkt fast gespenstisch, wie routiniert über die "Arbeitsfähigkeit" neuer Dienste debattiert wurde, während das Fundament des Staates bereits unaufhaltsam wegbrach. Die Reform sollte das Überleben sichern. Journalistischer Text - Seite Das Ende der Staatssicherheit Am 21. Dezember 1989 meldete der ADN, dass Experten aus Berlin und den Bezirken die Aufteilung des Sicherheitsapparates in einen Verfassungsschutz und einen Nachrichtendienst vorbereiteten. Die Regierung Modrow versuchte mit diesem Schritt, die Strukturen des ehemaligen MfS durch eine organisatorische Trennung in die neue Zeit zu retten und die Dienste schnellstmöglich arbeitsfähig zu machen. Dieses Expertentreffen markierte einen letzten bürokratischen Rettungsversuch in der Endphase der DDR. Die administrative Planung stand jedoch im scharfen Kontrast zur gesellschaftlichen Realität, da der Druck der Bürgerbewegung und des Runden Tisches bereits auf eine vollständige Auflösung aller geheimpolizeilichen Strukturen hinwirkte und die Pläne bald obsolet machte.