Gorch Fock 1 kehrt nach Generalüberholung in den Stralsunder Hafen zurück

Nach einem knappen Jahr in der Werft ist die generalüberholte Gorch Fock I am 19.5.2024 wieder an ihren angestammten Liegeplatz im ebenfalls komplett sanierten und teilweise umgebauten Stralsunder Hafen zurück gekehrt und kann dort wieder besichtigt werden.

Die Gorch Fock 1 ist ein historisches Segelschulschiff, das eine bedeutende Rolle in der deutschen Marinegeschichte spielt. Benannt nach dem deutschen Schriftsteller Johann Wilhelm Kinau, bekannt unter dem Pseudonym Gorch Fock, wurde das Schiff 1933 in Dienst gestellt und diente der deutschen Marine als Schulschiff.

Geschichte und Bau
Die Gorch Fock 1 wurde am 2. Dezember 1933 bei den Blohm & Voss-Werften in Hamburg vom Stapel gelassen. Sie wurde als Segelschulschiff für die Ausbildung von Offizieren und Mannschaften der Reichsmarine gebaut und war nach modernsten Standards ihrer Zeit ausgestattet. Das Schiff ist ein Bark, was bedeutet, dass es drei Masten hat, von denen die vorderen beiden Rahsegel und der hintere Schratsegel führen.

Technische Daten
Typ: Bark
Länge: 82,1 Meter
Breite: 12 Meter
Tiefgang: 5,2 Meter
Segelfläche: ca. 1.950 Quadratmeter
Besatzung: etwa 70 feste Crewmitglieder plus 200 Kadetten

Einsatzzeit
Während ihrer Dienstzeit in der Reichsmarine und später in der Kriegsmarine bildete die Gorch Fock 1 viele junge Seeleute aus. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schiff in Stralsund stationiert und zeitweise als stationäres Schulschiff genutzt.

Nachkriegszeit
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gorch Fock 1 als Kriegsbeute an die Sowjetunion übergeben und in Tovarishch umbenannt. Unter sowjetischer Flagge setzte das Schiff seine Aufgabe als Schulschiff fort. Es nahm an verschiedenen internationalen Segelwettbewerben und Veranstaltungen teil und blieb bis in die 1990er Jahre im Einsatz.

Rückkehr nach Deutschland
In den 1990er Jahren kehrte das Schiff nach Deutschland zurück. 1995 wurde die Gorch Fock 1 in einem desolaten Zustand nach Stralsund überführt. Dank umfangreicher Restaurierungsarbeiten und dem Engagement zahlreicher Enthusiasten und Organisationen wurde das Schiff wieder instand gesetzt. Heute liegt die Gorch Fock 1 als Museumsschiff im Stralsunder Hafen und ist Teil des Deutschen Meeresmuseums.

Heutige Bedeutung
Die Gorch Fock 1 dient heute als schwimmendes Museum und ist ein beliebtes Ausflugsziel. Besucher können das Schiff besichtigen und sich über seine Geschichte und die Geschichte der Segelschulschiffe informieren. Es bietet einen faszinierenden Einblick in die maritime Geschichte und die Seefahrtausbildung des 20. Jahrhunderts.

Zusammenfassung
Die Gorch Fock 1 ist ein bedeutendes historisches Schiff, das sowohl in der deutschen Marinegeschichte als auch international eine wichtige Rolle spielte. Ihre wechselvolle Geschichte spiegelt die politischen und militärischen Veränderungen des 20. Jahrhunderts wider. Heute als Museumsschiff erhalten, bleibt die Gorch Fock 1 ein beeindruckendes Denkmal der Seefahrtsgeschichte und ein Symbol für maritime Traditionen.

Der „Blüm-Abschlag“ 1991: Pharma-Preise und die Ökonomie der Einheit

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: „Was sie in Frankreich, Spanien kann, das muss sie auch in Deutschland können.“ Teaser: Mit diesem Satz setzte Arbeitsminister Norbert Blüm im Winter 1990 die westdeutsche Pharmaindustrie unter Druck. Die Situation war paradox: Die politische Einheit war vollzogen, doch die ökonomische Realität im Gesundheitswesen klaffte weit auseinander. Während ostdeutsche Arbeitnehmer noch Löhne von etwa 40 Prozent des Westniveaus bezogen, sollten ihre Krankenkassen bereits die vollen westdeutschen Preise für Medikamente zahlen. Das System drohte zu kollabieren, bevor es richtig begonnen hatte. Blüms Antwort war der sogenannte „Blüm-Abschlag“ – eine Forderung nach 55 Prozent Preisnachlass für Arzneimittel in den neuen Bundesländern. Er argumentierte nicht nur mit moralischer Solidarität, sondern nutzte geschickt den europäischen Vergleich. Wenn Konzerne in Südeuropa günstiger verkaufen konnten, warum dann nicht auch im wirtschaftlich schwächeren Osten Deutschlands? Es folgte ein Machtkampf mit Boykottdrohungen und harten Verhandlungen, der zeigte, wie fragil die Balance zwischen Marktprinzipien und sozialer Notwendigkeit in der Transformationszeit war. Diese Episode erzählt viel darüber, wie die Kosten der Einheit verteilt wurden und welche Kompromisse nötig waren, um das System zu stabilisieren. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Westliche Preise treffen auf ostdeutsche Löhne – das finanzielle Dilemma der Einheit 1990. Teaser: Um den sofortigen Bankrott der neu gegründeten Krankenkassen in den neuen Bundesländern zu verhindern, griff die Bundesregierung 1991 zu einem drastischen Mittel: Sie verordnete der Pharmaindustrie per Gesetz einen Zwangsrabatt von bis zu 55 Prozent für den Ost-Markt. Arbeitsminister Norbert Blüm begründete dies mit der Diskrepanz zwischen den Einnahmen der Ost-Kassen und den Preisen westlicher Medikamente. Er verwies dabei explizit auf die Preisgestaltung im europäischen Ausland, wo deutsche Medikamente oft deutlich günstiger waren als im Mutterland. Der „Blüm-Abschlag“ blieb bis Ende 1993 in Kraft und gilt als eines der deutlichsten Beispiele für staatlichen Interventionismus in der Nachwendezeit, um die soziale Symmetrie zu wahren. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Solidarität per Gesetzblatt. Teaser: Der „Blüm-Abschlag“ zwang die Pharmaindustrie ab 1991, ihre Preise in Ostdeutschland an die dortige Kaufkraft anzupassen. Die simple Formel lautete: Wo die Löhne nur halb so hoch sind, dürfen die Pillen nicht das Doppelte kosten. Ein früher Konflikt der Einheit, der zeigte, dass Marktpreise durchaus verhandelbar sind, wenn der politische Druck groß genug ist. QUELLE Neue Zeit, Mo. 31.12.1990; Archivmaterial Bundestag & BVerfG (1990/1991)