Hans-Joachim Maaz: Ist der Osten wirklich das politische Problemkind der Bundesrepublik?

Dr. Hans-Joachim Maaz ist ein renommierter deutscher Psychiater und Psychoanalytiker, der insbesondere durch seine Analysen der ostdeutschen Gesellschaft und seine kritischen Kommentare zur psychologischen Situation im wiedervereinigten Deutschland bekannt wurde. Geboren 1943 in Brehna, studierte Maaz Medizin und spezialisierte sich auf Psychiatrie und Psychoanalyse. Er war viele Jahre als Chefarzt der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik am Diakoniewerk Halle tätig, wo er sich intensiv mit den psychischen Folgen der DDR-Diktatur und der deutschen Wiedervereinigung auseinandersetzte.

Maaz wurde insbesondere durch sein 1990 erschienenes Buch „Der Gefühlsstau: Ein Psychogramm der DDR“ bekannt. In diesem Werk analysiert er die emotionalen und psychischen Blockaden, die durch das Leben unter dem autoritären Regime der DDR entstanden sind. Er beschreibt, wie die Unterdrückung von Gefühlen, der Zwang zur Anpassung und die mangelnde Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung zu einem „Gefühlsstau“ führten, der sich nach der Wende entlud. Dieses Konzept erklärt Maaz auch für das Phänomen, dass viele Ostdeutsche Schwierigkeiten hatten, sich in das gesellschaftliche System des vereinten Deutschlands zu integrieren.

In den folgenden Jahren entwickelte Maaz seine Theorien weiter und äußerte sich immer wieder zu aktuellen gesellschaftlichen Themen. Er sieht die moderne Gesellschaft als krankmachend und spricht von einer „Narzisstischen Gesellschaft“, in der das Streben nach Erfolg, Macht und Anerkennung über die echten menschlichen Bedürfnisse gestellt wird. Diese Gesellschaftsdiagnose erklärt er in seinem Buch „Die narzisstische Gesellschaft“ (2012), in dem er die Zusammenhänge zwischen individuellem Leid und gesellschaftlichen Strukturen beleuchtet.

Maaz‘ Arbeit ist umstritten, insbesondere seine jüngeren Äußerungen zur deutschen Politik und zur Corona-Pandemie, die teilweise auf Kritik stießen. Dennoch bleibt er eine einflussreiche Stimme in der deutschen psychotherapeutischen und gesellschaftlichen Diskussion, die zum Nachdenken über die psychologischen Grundlagen und Folgen unserer sozialen Strukturen anregt. Seine Bücher und Vorträge haben maßgeblich dazu beigetragen, das Verständnis für die psychischen Auswirkungen politischer Systeme und gesellschaftlicher Veränderungen zu vertiefen.

Eine atmosphärische Vermessung der ostdeutschen Gegenwart

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Manchmal muss man vom Rad steigen oder in einer Lokalredaktion anheuern, um wirklich zu verstehen, wie sich der Wind gedreht hat. Teaser: Wenn wir über den Osten sprechen, landen wir oft schnell bei Wahlergebnissen und Prozentzahlen. Aber was liegt darunter? Was passiert in den Dörfern, an den Stammtischen, in den Vereinen, wenn die Kameras weg sind? Für das Buch „Extremwetterlagen“ haben sich drei Autorinnen und ein Soziologe auf eine intensive Reise durch Sachsen, Brandenburg und Thüringen begeben. Sie waren als „Überlandschreiberinnen“ unterwegs, ganz nah dran an den Menschen. Tina Pruschmann fuhr mit dem Rad durchs Erzgebirge, Barbara Thériault arbeitete in einer Thüringer Lokalzeitung, Manja Präkels besuchte Initiativen in Brandenburg. Was sie mitgebracht haben, sind keine schnellen Urteile, sondern feine Beobachtungen über ein gesellschaftliches Klima, das rauer wird. Es geht um die Normalisierung von Dingen, die früher undenkbar waren. Um das Schweigen im Alltag und die historischen Linien, die bis in die DDR zurückreichen. Alexander Leistner ordnet diese Beobachtungen soziologisch ein und zeigt: Nichts davon kommt aus dem Nichts. Es ist eine Bestandsaufnahme der Gegenwart, die zeigt, wie anstrengend es sein kann, gegen den Wind zu atmen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Eine literarische und soziologische Vermessung der ostdeutschen Zustände jenseits der üblichen Schlagzeilen. Teaser: Im Vorfeld der letzten Landtagswahlen startete ein besonderes Projekt: Die Autorinnen Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault sowie der Soziologe Alexander Leistner erkundeten als „Überlandschreiberinnen“ die gesellschaftliche Atmosphäre in Ostdeutschland. Ihr Buch „Extremwetterlagen“ (Verbrecher Verlag) dokumentiert Kipppunkte und Brüche in der Gesellschaft. Die Texte verbinden reportageartige Nähe mit analytischer Distanz. Sie thematisieren die schleichende Normalisierung rechtsextremer Narrative ebenso wie die Resilienz der Zivilgesellschaft. Besonders wertvoll ist dabei die historische Einordnung, die mentale Kontinuitäten bis in die DDR-Zeit sichtbar macht. Eine wichtige Lektüre für alle, die die aktuellen Entwicklungen in Ostdeutschland fundiert verstehen wollen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Begriff „Extremwetterlagen“ meint hier keinen Regen, sondern das soziale Klima einer Region im Umbruch. Teaser: Wie lernt man, gegen den Wind zu atmen, wenn er einem direkt ins Gesicht bläst? Die Reportagen von Präkels, Pruschmann, Thériault und Leistner beschreiben den Osten nicht als Problemzone, sondern als Seismograph. Sie zeigen, wie sich das Miteinander verändert, wenn politische Extreme zum Alltag werden. Ein ruhiges, aber eindringliches Buch über die Temperatur unserer Gesellschaft. QUELLE: https://www.verbrecherverlag.de/wp-content/uploads/2025/05/Leseprobe-Extremwetterlagen.pdf