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(JP) Jenaer Jugendstudie zeichnet gemischtes Bild – Soziale Herkunft zählt mehr als ethnische

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Die Stadt Jena hat in Zusammenarbeit mit dem Organisationsberatungsinstitut Thüringen – ORBIT e.V. die „Jenaer Kinder- und Jugendstudie 2024“ durchgeführt, um die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren umfassend zu beleuchten. An der quantitativen Online-Befragung, die vom 14. Oktober 2024 bis zum 31. Januar 2025 stattfand, nahmen 1.373 Schülerinnen und Schüler teil. Die Stichprobe gilt, gewichtet nach Planungsraum, Alter und Geschlecht, als repräsentativ für die Zielgruppe. Die Ergebnisse, vorgestellt bei einer gemeinsamen Sitzung verschiedener Ausschüsse und des Jugendparlaments, liefern wichtige Daten für die kommunale Planung, unter anderem für den Kinder- und Jugendförderplan.

Wichtige Ergebnisse im Überblick:

Sinkende Lebenszufriedenheit und steigende psychische Belastung: Im Vergleich zu den Studienjahren 2014 und 2017 ist die Lebenszufriedenheit der Jugendlichen in Jena gesunken. Nur noch 47,4% gaben 2024 eine hohe Zufriedenheit an, verglichen mit 53,8% im Jahr 2014. Gleichzeitig ist die psychische Belastung von Schülerinnen und Schülern stark gestiegen. Psychische Belastung wird als Untersuchungsmerkmal genannt, und es gibt deutliche Unterschiede bei der Lebenszufriedenheit und psychischen Belastung zwischen den verschiedenen Planungsräumen Jenas. Rund 14% der Befragten fühlen sich seit der Pandemie psychisch besonders belastet, weitere 21% zumindest teilweise. Aktuell geben 21% an, sich psychisch stark belastet zu fühlen.

Einfluss der finanziellen Situation: Die finanzielle Lage beeinflusst unter anderem die Versorgung mit gesunden Lebensmitteln. Jugendliche in Lobeda und Winzerla geben seltener an, sich alles leisten zu können, was sie wollen, als der Durchschnitt.

Demokratie und Mitbestimmung: Während eine Mehrheit von 69% die Demokratie für die beste Staatsform hält, stimmen 17% der Aussage zu, dass die Anliegen der Menschen in unserer Demokratie nicht mehr vertreten werden. Fast die Hälfte (49,6% Zustimmung oder teils/teils) ist der Meinung, dass sich die Menschen politisch stärker engagieren sollten. Jugendliche wünschen sich mehr Mitbestimmung insbesondere bei den Themen Öffentlicher Nahverkehr (43,1%), Gestaltung öffentlicher Orte (37,4%) und Sportmöglichkeiten (36,6%). Als Unterstützung zur besseren Einbringung ihrer Meinung nennen sie Freunde, die mitmachen, mehr Zeit und mehr Gelegenheiten [Quelle nicht in den vorliegenden Ausschnitten]. Das Vertrauen ist am größten bei der Wissenschaft (62,8% großes Vertrauen) und der Justiz (36,2% großes Vertrauen), am geringsten bei Parteien (5,5% großes Vertrauen) und Neuen Medien (3,1% großes Vertrauen).

Problemlagen und Hilfesuche: Die Studie erfragte den Konsum von Alkohol (40,5% Konsum), Zigaretten (19,5% Konsum) sowie E-Zigaretten/Vapes (18,8% Konsum) und Cannabis (12,7% Konsum). Ein deutlicher Wunsch nach mehr Aufklärungsangeboten an den Schulen zu diesen Themen besteht. 37,0% der Jugendlichen spüren noch heute Auswirkungen der Corona-Pandemie, vor allem in den Bereichen Schule (63,4%), Gesundheit (33,7%) und Sozialverhalten (29,4%). Bei Problemen wenden sich Jugendliche am häufigsten an ihre Familie (71,8%) und Freunde (66,6%). Lehrkräfte (13,0%) oder Schulsozialarbeiter*innen (7,7%) werden deutlich seltener kontaktiert. 11,8% geben an, Probleme allein zu klären.

Berufliche Orientierung: Berufliche Sicherheit spielt für einen Teil der Befragten eine große Rolle. Rund 42,2% informieren sich bereits über mögliche Berufe, aber nur 29,7% wissen schon genau, was sie später machen wollen. Viele (44,2%) möchten beruflich einiges ausprobieren. Nach der Schule planen die Jugendlichen am häufigsten ein Studium (30,5%) oder eine Ausbildung/Lehre (29,8%). Berufsinformationsangebote werden nicht automatisch als hilfreich empfunden, nur weil sie genutzt werden.

Weitere Erkenntnisse: Die Ablehnung bestimmter Personengruppen ist eher durch soziale als durch ethnische Zuschreibung geprägt. Am meisten stört es Jugendliche, wenn eine deutsche Familie, die von Hartz IV lebt (24,3%), oder eine deutsche Familie mit vielen Kindern (21,7%) in die Nachbarwohnung ziehen würde.

Die Studie hebt auch positive Aspekte hervor: Jenaer Kinder und Jugendliche sind überdurchschnittlich sportlich aktiv und gestalten ihre Freizeit häufiger in Gemeinschaft statt allein. Zudem nutzen junge Menschen in allen Planungsräumen die Angebote der Jugendtreffs.

Die Ergebnisse zeigen die Notwendigkeit, Jugendhilfeangebote und Beteiligungsformate für junge Menschen zu verstetigen und weiter auszubauen. Die Rückmeldungen zum Umgang mit sozialen Medien und Drogen deuten darauf hin, dass bestehende Aufklärungsangebote fortgeführt und durch präventive Projekte zur Stärkung sozialer Kompetenzen ergänzt werden sollten.

(JP) Vom Konzernlenker zum Ehrenbürger: Michael Kaschkes Vermächtnis für Jena

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Michael Kaschke
Michael Kaschke

Der Jenaer Stadtrat hat in seiner Sitzung am 29. April 2025 einstimmig beschlossen, Prof. Dr. Michael Kaschke die Ehrenbürgerwürde der Stadt Jena zu verleihen. Mit dieser höchsten Auszeichnung ehrt die Stadt einen Mann, der in den letzten Jahrzehnten maßgeblich zur positiven Entwicklung Jenas als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort beigetragen hat.

Der frühere Vorstandsvorsitzende der Carl Zeiss AG (2011–2020) war eine treibende Kraft hinter bedeutenden Entscheidungen, die Jena langfristig stärken werden – allen voran der Neubau des ZEISS-Hightech-Standorts. Diese milliardenschwere Investition sichert nicht nur Arbeitsplätze und Wachstum, sondern unterstreicht die dauerhafte Bedeutung Jenas als Gründungs- und Innovationsstandort des traditionsreichen Unternehmens.

Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche hob in seiner Rede hervor, dass Kaschkes Wirken weit über die Grenzen der Wirtschaft hinausreiche. Besonders würdigte er dessen Engagement für Bildung und Forschung, insbesondere im Bereich der MINT-Fächer. Kaschke habe früh erkannt, wie entscheidend naturwissenschaftliche Bildung für den Fortschritt sei, und sich konsequent für die Nachwuchsförderung eingesetzt – sowohl in Schulen als auch an Hochschulen.

Ein bedeutender Meilenstein seines Wirkens ist die Gründung der Carl Zeiss Meditec AG im Jahr 2002. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Jena zählt heute zu den erfolgreichsten börsennotierten Medizintechnikfirmen in Deutschland und ist ein Eckpfeiler der wirtschaftlichen Stärke der Stadt.

Auch kulturell und historisch hat sich Kaschke verdient gemacht. Die Stiftung Deutsches Optisches Museum, deren Ziel die Weiterentwicklung des Jenaer Optischen Museums zum zentralen Ort für optische Wissenschaft und Technologie in Deutschland ist, wurde maßgeblich auf seine Initiative hin gegründet. Der laufende Um- und Neubau des Museums soll Jena neue Impulse im Tourismus, der Bildung und in der städtischen Identität geben.

Darüber hinaus engagiert sich Kaschke auch für den Erhalt des kulturellen Erbes – etwa bei der Wiederherstellung des historischen Johannisfriedhofs mitsamt dem Grab von Carl Zeiss sowie im Kirchbauverein Jena.

„Die Verdienste von Prof. Dr. Michael Kaschke für Jena sind vielfältig und tiefgreifend. Sein Wirken hat die Entwicklung der Stadt entscheidend geprägt – in wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht“, betonte Oberbürgermeister Nitzsche. Er dankte auch seinem Amtsvorgänger Dr. Albrecht Schröter, der die Initiative zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde ergriffen und mitgetragen hatte.

Kaschke ist auch auf Bundesebene ein anerkannter Wissenschaftsorganisator: Seit 2022 ist er Präsident des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft und setzt sich in dieser Funktion für die Stärkung der deutschen Forschungslandschaft ein.

Die Festveranstaltung zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Prof. Dr. Michael Kaschke ist für den Spätherbst 2025 geplant. Sie wird ein Höhepunkt im öffentlichen Leben der Stadt sein – und eine angemessene Würdigung eines Mannes, dessen Einfluss auf Jena nachhaltig spürbar bleiben wird.

(JP) Mehr E-Autos und 4100 Nutzer – Carsharing wächst rasant

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Die Stadt Jena macht einen weiteren Schritt in Richtung umweltfreundliche Mobilität. Mit der Eröffnung einer neuen E-Carsharing-Station vergrößert der Anbieter teilAuto seine Elektroflotte in der Saalestadt. Dies ist das Ergebnis einer Fortsetzung der Kooperation mit der Energiegenossenschaft Ilmtal eG aus Weimar. Am Standort Wöllnitzer Straße wurde kürzlich neue Ladetechnik in Betrieb genommen, die zunächst für ein E-Auto der Kompaktklasse zur Verfügung steht. Ein zweites Elektrofahrzeug soll das Angebot in Kürze ergänzen.

Dies ist bereits der zweite Standort im Jenaer Kernbergviertel, an dem teilAuto und die Ilmtal Energiegenossenschaft gemeinsam Lademöglichkeiten für gemeinschaftlich genutzte Elektroautos geschaffen haben. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Partner in der Heimstättenstraße eine E-Carsharing-Station eröffnet.

Christian Vollrath, Regionalleiter bei teilAuto, hebt die Bedeutung Jenas hervor: „Unsere Flotte in Jena hat im Vergleich mit anderen Thüringer teilAuto-Städten aktuell den größten E-Auto-Anteil“. Er betont jedoch auch Herausforderungen bei der Installation von Ladetechnik: „Gern würden wir bei der Ausstattung unserer Carsharing-Stationen mit Ladetechnik schneller vorankommen. Viele Beteiligte müssen dafür an einen Strang ziehen“. Umso erfreuter zeigt er sich über die Zusammenarbeit: „Daher sind wir sehr froh, auf das Know-how und die Unterstützung der Energiegenossenschaft bauen zu können“.

Die Nachfrage nach Carsharing in Jena wächst spürbar. Im Jahr 2024 stieg die Zahl der Nutzenden um 600 neue Fahrtberechtigte auf nunmehr 4.100 Personen. Christopher Gieb, Projektleiter bei der Ilmtal Energiegenossenschaft, sieht darin großes Potenzial: „Die Nachfrage nach CO2-neutraler Mobilität wächst mit dem Angebot von Elektroautos“. Er ist überzeugt, dass gerade im Carsharing viele Menschen von dieser Entwicklung profitieren können. Durch den zielgerichteten Einsatz von Ladetechnik kann diese effizient genutzt werden, wodurch Elektromobilität einer großen Zahl von Nutzern zugänglich gemacht wird.

Das Konzept des Carsharings bietet vielfältige Vorteile. Studien zufolge kann ein einziges Carsharing-Auto im Durchschnitt acht bis zehn private Pkw ersetzen, was zur Entlastung des Straßenraums beiträgt. Laut Bundesverband Carsharing ist das organisierte Autoteilen insbesondere für Personen attraktiv, die im Jahr weniger als 14.000 Kilometer fahren und das Auto nicht täglich für den Arbeitsweg benötigen.

Die Gemeinschaftsautos stehen rund um die Uhr zur Verfügung und können flexibel gemietet werden – von einer Stunde bis zu mehreren Wochen. Die Buchung ist jederzeit per App, Webseite oder telefonisch möglich. Der Zugang zu den Fahrzeugen erfolgt über die Smartphone App. Für die erste Nutzung ist eine einmalige Registrierung auf teilauto.net erforderlich.

Neben Pkws in unterschiedlichen Größen bietet teilAuto auch Lieferfahrzeuge, Kleinbusse und Transporter zur Ausleihe an. Diese Vielfalt ermöglicht es den Nutzern, für jeden Bedarf das passende Fahrzeug zu finden, ohne ein eigenes besitzen zu müssen.

Die Erweiterung des E-Carsharing-Angebots in Jena durch die Kooperation von teilAuto und der Ilmtal Energiegenossenschaft markiert einen wichtigen Schritt für eine nachhaltigere und effizientere Mobilität in der Stadt, der auf das wachsende Interesse der Bevölkerung an CO2-neutralen Transportmöglichkeiten reagiert.

Thüringens Kassen unter Druck: Steuerschätzung offenbart ernüchternde Aussichten

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Die jährliche Mai-Steuerschätzung ist für Landes- und Kommunalpolitiker in etwa das, was der Wetterbericht für Landwirte ist – ein entscheidender Blick in die Zukunft, der über Planung und Sorgen entscheidet. Die jüngsten Ergebnisse für Thüringen verheißen, offen gesagt, kein sonniges Wetter, sondern eher dunkle Wolken am Horizont, insbesondere für die kommenden Jahre und die gebeutelten Kommunen.

Auf den ersten Blick mag die Nachricht für das Land Thüringen im laufenden Jahr 2025 noch nach einem kleinen Lichtblick aussehen: Man rechnet mit 109 Millionen Euro mehr, als bisher im Haushalt angenommen. Doch wer genauer hinsieht, erkennt schnell, dass dies nur eine kurzfristige Atempause sein könnte. Die eigentliche Botschaft der Schätzung liegt in der erheblichen Abwärtskorrektur für die entscheidenden Planungsjahre danach. Für 2026 werden 71 Millionen Euro weniger erwartet als noch im Oktober 2024, und für 2027 sogar 99 Millionen Euro weniger. Finanzministerin Katja Wolf formuliert es klar: Die Einnahmeerwartungen des Landes müssen insgesamt nach unten korrigiert werden. Das Ziel, das strukturelle Defizit zurückzuführen und dringend nötige Investitionen zu tätigen, muss in einem Umfeld erreicht werden, in dem die Steuereinnahmen nicht mehr so dynamisch wachsen wie im letzten Jahrzehnt.

Die Gründe für diese ernüchternde Entwicklung sind vielfältig und spiegeln die angespannte gesamtwirtschaftliche Lage wider. Die deutsche Wirtschaft tritt seit über fünf Jahren auf der Stelle, etwa auf dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Dies schlägt sich direkt in den Steuereinnahmen nieder. Schwerer noch wiegen aber nun berücksichtigte Steuerrechtsänderungen auf Bundesebene. Das im Dezember 2024 verabschiedete Steuerfortentwicklungsgesetz führt allein im Prognosezeitraum zu bundesweiten Mindereinnahmen von 65,1 Milliarden Euro bei der Einkommensteuer. Insgesamt werden gesamtstaatliche Mindereinnahmen von 81,2 Milliarden Euro gegenüber der Oktober-Schätzung 2024 prognostiziert, wovon 26,4 Milliarden Euro auf die Länder und satte 27,1 Milliarden Euro auf die Gemeinden entfallen.

Und genau hier liegt ein besonderes Alarmzeichen: die Situation der Thüringer Kommunen. Während das Land 2025 noch mit einem Plus rechnet, stehen die Kommunen sofort vor Mindereinnahmen von 101 Millionen Euro. Über den gesamten Schätzzeitraum bis 2029 summieren sich die Mindereinnahmen für die Kommunen auf gewaltige 656 Millionen Euro im Vergleich zur Oktober-Schätzung. Besonders beunruhigend: Die jährlichen Mindereinnahmen der Kommunen steigen kontinuierlich an. Neben den Steuerrechtsänderungen spiegelt sich hier auch die anhaltende wirtschaftliche Schwäche wider, die sich besonders auf die Gewerbesteuer auswirkt. Zwar wird für die Kommunen absolut ein Einnahmenwachstum prognostiziert, doch die empfindliche Lücke im Vergleich zu den erwarteten Einnahmen ist eine enorme Belastung für die bereits oft klammen Kassen vor Ort.

Diese Schätzungsergebnisse sind von höchster Relevanz für die anstehende Aufstellung des Doppelhaushalts 2026/2027. Die Eckwerte wurden zwar bereits vom Kabinett verabschiedet, doch die nun konkretisierten Zahlen zeigen, dass die finanzielle Decke dünner ist als erhoff. Trotz des positiven Signals durch das Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes, das zusätzliche Mittel für Investitionen bereitstellt, bleibt die Kernaufgabe, den laufenden Haushalt zu finanzieren, in einem Umfeld geringeren Einnahmenwachstums eine Herkulesaufgabe.

Finanzministerin Wolf spricht zwar von einer möglichen „Bodenbildung“ und ist im Hinblick auf die weitere Entwicklung „optimistisch“, betont aber auch, dass die Risiken und Unsicherheiten aktuell sehr hoch sind. Dieses hohe Maß an Unsicherheit gepaart mit den deutlich nach unten korrigierten Einnahmeerwartungen für die kommenden Jahre, insbesondere auf kommunaler Ebene, lässt für die anstehenden Haushaltsberatungen keinen großen Spielraum für Wunschkonzerte. Die Realität der Steuerschätzung fordert eine vorsichtige und vorausschauende Finanzpolitik, um Thüringen und seine Kommunen finanziell auf Kurs zu halten. Die Aussichten sind, bei aller Hoffnung auf eine wirtschaftliche Belebung, ernüchternd und mahnen zur äußersten Sorgfalt.

(JP) Das Ende der DDR-Garagenhöfe? Jenaer Nutzer kämpfen um ihr Hobby und soziales Leben

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Jena. Am kommenden Freitag, dem 13. Juni, soll vor dem Landgericht Gera eine Entscheidung in einem seit Längerem geführten Streit um eine Garagenanlage in Jena fallen. Verhandelt wird der Rechtsstreit zwischen dem Garagenverein „An der Kläranlage“ und der Stadt Jena, vertreten durch den Eigenbetrieb Kommunale Immobilien Jena (KIJ). Bereits in der mündlichen Verhandlung hat Richter Stefan Kramer signalisiert, dass er die von KIJ ausgesprochene Kündigung des Garagenvereins für wirksam hält. Die Stadtverwaltung plant, konkrete Schritte und Maßnahmen erst nach der Urteilsverkündung und dem Vorliegen des schriftlichen Urteils festzulegen.

Renaturierung und Klimaoase als städtische Ziele
Unabhängig vom ausstehenden schriftlichen Urteil bekräftigt die Stadt Jena ihre grundlegenden Pläne für das betroffene Gebiet. Das zentrale Ziel bleibt die Renaturierung der Fläche, basierend auf einem Beschluss des Stadtrates. Nach dem geplanten Rückbau der Garagen soll das Areal naturnah umgestaltet werden, um als sogenannte Klimaoase der wohnortnahen Erholung für die Bürgerinnen und Bürger zu dienen.
Diese neu entstehende Grünfläche erhält zusätzlich eine wichtige Funktion: Sie ist als Ausgleichsfläche für den geplanten Ausbau des Verkehrsknotens Brückenstraße/Wiesenstraße im Norden der Stadt vorgesehen. Der damalige Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD), der inzwischen Geschäftsführer der Ernst-Abbe-Stiftung ist, hatte im November im Stadtrat erläutert, dass für den Ausbau der Wiesenstraße Retentionsraum für den Hochwasserschutz benötigt werde und dieser im Bereich der Lobedaer Garagen gefunden worden sei. Im Juni 2022 bestätigte der Stadtrat sehr knapp einen Förderbescheid, der spezifische Ziele für den Standort bei Lobeda nannte, darunter den Rückbau von 175 Garagen an den Anlagen „An der Kläranlage“ und „Am Wehr“, die Entsiegelung und Begrünung, die Pflanzung von Bäumen, die Einrichtung von Sitzmöglichkeiten, Radabstellanlagen und Spielmöglichkeiten.

Angepasste Förderstrategie
Ursprünglich sollte der Abriss der Garagen über das Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ finanziert werden. Bewilligte Mittel in Höhe von 753.300 Euro standen dafür bereit. Eine Bedingung des Förderprogramms war allerdings, dass die Klimaoase bis Ende 2024 fertiggestellt sein müsste. Da sich der Klageprozess bezüglich der Garagenanlage „An der Kläranlage“ verzögerte, suchte die Stadt in Abstimmung mit dem Fördermittelgeber, dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen, eine alternative Verwendung der Mittel im Umfeld. Ein Gartenhaus und der ehemalige Fußgängersteg oberhalb der Alten Burgauer Brücke wurden stattdessen in das Projekt integriert und kürzlich abgerissen. Die Garagenanlage „An der Kläranlage“ wurde aus diesem ursprünglichen Förderprojekt herausgenommen und findet sich auch nicht auf der großen Bautafel am Radweg.

Garagen in Ostdeutschland: Mehr als nur Stellplätze
Garagenanlagen in Ostdeutschland, oft in den Randbezirken gelegen und nach Normen wie Typ I Dresden in den 1970er Jahren gebaut, sind mehr als nur Stellplätze. Sie dienten und dienen häufig als Werkstätten, Treffpunkte und Orte der Erinnerung. Vielerorts wurden sie von den Nutzern selbst in Eigenleistung auf fremdem Grund errichtet, was zu DDR-Zeiten üblich war. Da das Reparatur-Netz in der DDR kleiner war, wurden die Garagen auch für die Fahrzeugpflege genutzt. Viele Nutzer hängen sehr an ihren Garagen und haben eine besonders große Identifikation mit ihnen, da sie auch für Aktivitäten genutzt wurden, die sonst zu Hause stattfänden. Garagenhöfe sind Orte für geselliges Beisammensein, Feierlichkeiten, aber auch Werkeln und Basteln. Sie können als Ort einer bisher ungeschriebenen Geschichte Ostdeutschlands betrachtet werden.

Position des Garagenvereins und rechtliche Lage
Auch der Garagenverein „An der Kläranlage“ will das schriftliche Urteil abwarten, bevor über weitere Schritte entschieden wird. Die Garagen auf dem Gelände wurden, wie für DDR-Zeiten typisch, in Eigenleistung auf fremdem Grund gebaut. Parallel zum Rechtsstreit um die Gemeinschaftsanlagen läuft ein Verfahren gegen einzelne Garagennutzer, die ihre Garagen noch nicht an die Stadt zurückgegeben haben; dieses Verfahren ruhte längere Zeit in Erwartung des Urteils in höherer Instanz. Nach Einschätzung des Vereins besteht nicht mehr die Sorge, dass die Nutzer die Abrisskosten tragen müssen. Dies wird damit begründet, dass die Garagen bereits gebaut waren, als sie übernommen wurden, und der Inhalt des damals geschlossenen Vertrages maßgeblich sei.

Politische Debatte und alternative Ansätze
Das Thema Garagenabriss sorgt auch politisch für Diskussionen. Die AfD-Fraktion im Jenaer Stadtrat sprach sich gegen den Abriss aus. Ihr Fraktionsvorsitzender Denny Jankowski betonte in der Stadtratssitzung am 15.06.2022, dass der Garagenkomplex gut gepflegt sei, die Besitzer sehr an ihren Garagen hingen und keine Ersatzlösung in Sicht sei. Er bezweifelte den Grund des Abrisses und nannte Fördermittel allein als unzureichende Begründung. Die AfD stimmte gegen den Abriss, wurde aber vom Stadtrat überstimmt. Aus Sicht der AfD sollte das Vorhaben der Renaturierung überdacht und eine gütliche Einigung im Rechtsstreit gesucht werden, um den Garagenbesitzern eine Perspektive aufzuzeigen.
Im Jahr 2016 hatte der Stadtrat auf Grundlage einer Beschlussvorlage von KIJ ein Garagenentwicklungskonzept bestätigt. Dieses teilte die städtischen Garagenstandorte in drei Kategorien ein. Die Garagenanlage „An der Kläranlage“ wurde dabei zunächst der Kategorie 2 zugeordnet, für die eine mittelfristige Neubewertung oder Umnutzung, unter anderem aufgrund der Lage im Außenbereich und Überschwemmungsgebiet sowie naheliegenden Biotopen, vorgesehen war. Ziel des Konzepts war es, Planungssicherheit für Nutzer und Stadt zu schaffen, Flächen für Wohnen und Gewerbe zu generieren und eine nachhaltigere Bewirtschaftung zu ermöglichen.

Andere Städte gehen teilweise andere Wege im Umgang mit ihren Garagenhöfen. Die Stadt Chemnitz beispielsweise, Kulturhauptstadt Europas 2025, widmete den Garagenhöfen ein Projekt namens „#3000Garagen“, um die persönlichen und kollektiven Geschichten dieser Orte sichtbar zu machen und die Garagen als mehr als nur automobile Abstellorte zu verstehen.

Entwicklungen bei benachbarten Flächen
Zuletzt gab es auch Diskussionen über direkt angrenzende Garagenflächen, die bis vor Kurzem im Eigentum der Ernst-Abbe-Stiftung standen. Diese Anlagen machen laut Bericht einen sehr ungepflegten Eindruck. Die Stadt gab an, dass die Einbeziehung dieser Flächen von Anfang an geplant war, jedoch erst nach einem privaten Verkauf zum Jahreswechsel 2024/2025 realisiert werden konnte. Für dieses Areal wurde inzwischen ebenfalls ein neuer Fördermittelantrag für den Rückbau und die Renaturierung gestellt.

Die weitere Entwicklung der Situation und das Schicksal der Garagenanlage „An der Kläranlage“ hängen nun maßgeblich vom schriftlichen Urteil des Landgerichts Gera ab und den darauffolgenden Entscheidungen und Handlungen der Stadt Jena sowie des Garagenvereins.

Magdeburg: Wasser kehrt nach umfassender Inspektion in die Kanalbrücke zurück

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Nach sieben Wochen ohne Schiffsverkehr wird Europas längste Kanalbrücke, die den Mittellandkanal bei Magdeburg über die Elbe führt, seit Montagnachmittag wieder geflutet. Die imposante Trogbrücke war für eine umfassende Inspektion, Wartung und Reinigung trockengelegt worden – eine Art „TÜV“ für das bedeutende Bauwerk.

Die 918 Meter lange und vier Meter tiefe Brücke ist ein entscheidender Knotenpunkt im deutschen Wasserstraßennetz. Als Teil des Projekts 17 Deutsche Einheit verbindet sie das westliche Kanalnetz, das unter anderem vom Rhein kommt, in Richtung Berlin und den Osten. Jährlich passieren rund 9000 Schiffe die Brücke, und im vergangenen Jahr wurden hier etwa 2,6 Millionen Tonnen Güter transportiert. Neben der Güterschifffahrt ist auch der Tourismus ein wichtiger Faktor. Die wochenlange Sperrung bedeutete für die Schifffahrt eine umständliche Umleitung von insgesamt zwölf Kilometern über zwei Schleusen und die Elbe, was viel Zeit kostete.

Solche Bauwerksprüfungen finden regulär alle sechs Jahre statt. Die letzte Trockenlegung der Kanalbrücke zur Gewährleistungsabnahme nach dem Bau erfolgte jedoch bereits vor 17 Jahren, im Jahr 2008. Zwischendurch gab es zwar Prüfungen durch Taucher im Wasser, doch da diese nicht alles sehen können, wurde nun die Entscheidung zur vollständigen Trockenlegung getroffen, um jeden einzelnen Zentimeter des Bauwerks genau zu untersuchen.

Die Vorbereitung für diese aufwendige Maßnahme dauerte rund anderthalb Jahre. Es handelt sich um ein komplexes Ingenieurvorhaben, das weit über das einfache „Stöpsel ziehen“ hinausgeht und sehr viel Planung erfordert. Insgesamt waren über 60 Mitarbeiter, Ingenieure und Fachleute des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Elbe an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt.

Während der Trockenlegung wurde das Bauwerk im Rohzustand auf Herz und Nieren geprüft. Etwa 60 Personen waren im Einsatz, um die gesamte Trogbrücke auf Schäden, Risse, Löcher oder andere Probleme zu untersuchen. Die Arbeiten liefen bis zuletzt intensiv, kurz vor der Flutung wurden noch Gerüste zurückgebaut und Aggregate entfernt.

Das Ergebnis der Revision ist positiv: Die Kanalbrücke befindet sich insgesamt in einem guten Zustand. Kleinere Schäden im Bereich des Korrosionsschutzes wurden gefunden und gleichzeitig instand gesetzt. Verschleißerscheinungen an bestimmten Bauteilen halten sich im Rahmen.
Beim Abpumpen des Wassers kam allerdings auch einiges zum Vorschein, was dort nicht hingehört: Neben einer Schlammschicht und größeren Muschelbergen wurden auch ein Fahrrad, eine abgestürzte Drohne, Autoschlüssel und weiterer Schrott gefunden.

Die Wiederbefüllung begann auf die Sekunde genau um 13:56 Uhr. Zuerst wurde die erste Schotte mit einem Kran hochgezogen, eine halbe Stunde später folgte die zweite. Seitdem strömen 4000 Liter Wasser pro Sekunde in die Brücke. Das Fluten wird voraussichtlich etwa acht Stunden dauern, bis die Brücke komplett gefüllt ist. Nach knapp zwei Stunden lag der Wasserstand bereits bei etwa 40 Zentimetern. Die Öffnung erfolgte durch das Ziehen von Tafeln vom Revisionsverschluss.

Das Interesse der Öffentlichkeit an diesem außergewöhnlichen Projekt war groß. Es gab sehr viele Anfragen von interessierten Bürgern. Zusammen mit der Urania wurden Führungen angeboten, die von knapp 2000 Menschen besucht wurden. Die Besucher konnten die Baustelle dabei von den Pylonen aus betrachten, was sonst nicht möglich ist. Die Karten waren schnell ausgebucht. Das Baustellengelände selbst war während der Arbeiten komplett abgesperrt, nur Fachleute durften es betreten.

Auch die Wege entlang des Kanals waren in den letzten Wochen und Monaten für Radfahrer und Spaziergänger nicht zugänglich. Hier gibt es gute Nachrichten: Die Wege sollen am kommenden Freitag wieder geöffnet werden. Bis dahin wird die Brücke vollständig gefüllt sein und die Spundwände im Grund abgebaut, sodass der Wasserstand überall gleich ist.

Friedrich Meer vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ablauf und dem Ergebnis. „Ich bin sehr zufrieden, dass alles nach Plan gelaufen ist“, sagte er und bestätigte den guten Gesamtzustand des Bauwerks. Er hob hervor, dass jedes Bauwerk für sich einzigartig sei und dies das größte in diesem Bereich darstelle.

Nach erfolgreicher Inspektion und Wiederbefüllung steht der Kanalbrücke nun die Rückkehr zum Normalbetrieb bevor, und schon bald können die Schiffe wieder auf dem gewohnten Weg über die Elbe fahren.

Ikarus-Bus-Treffen in Meiningen: Ein Rückblick auf legendäre Omnibusse

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In Meiningen fand kürzlich das mittlerweile achte Ikarus Bustreffen statt. Die Veranstaltung zog rund 50 Ikarusbusse an und bot Liebhabern der Marke einen tiefen Einblick in die Geschichte und Vielfalt dieser Fahrzeuge. Ein detaillierter Bericht beleuchtet verschiedene Modelle, von frühen Typen bis hin zu selteneren Exemplaren und Spezialanfertigungen.

Ein Fokus des Berichts liegt auf dem Ikarus 311, einer Weiterentwicklung des Ikarus 31. Der Ikarus 31 wurde von 1954 bis 1959 produziert, der Nachfolger 311 bis 1972. Technisch unterschieden sie sich vor allem im Motor: Der 31er hatte einen 85 PS starken Schäbel D413, während der 311er mit dem Schäbel D414 (95 PS, 5517 cm³ Hubraum) ausgestattet war. Diese 8,54 Meter langen Busse boten 20 bis 35 Sitzplätze und erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 78 km/h. Bemerkenswert ist die Nutzung dieser Busse noch Mitte der 1970er Jahre als Schulbusse. Auch 1988 waren über 350 Ikarusbusse dieser Typen zugelassen.

Der äußerst seltene Ikarus 180, von dem weltweit nur noch drei Exemplare zugelassen und fahrbereit sein sollen, wurde zwar erwähnt, aber nicht im Detail vorgestellt. Stattdessen wurde ein Ikarus 280.27 aus dem Baujahr 1989 gezeigt, ein Gelenkbus, der auf Anfrage sogar in Nürnberg zugelassen wurde. Dieses Modell war mit einem liegenden MAN D2356 Halm 9 Sechszylinder-Dieselmotor (220 PS, 10690 cm³ Hubraum) ausgestattet, was die Praxis unterstreicht, oft Exportmotoren zu verbauen.

Auch jüngere Modelle waren vertreten, wie der Ikarus 405. Von diesem Typ, der zwischen 1994 und 2002 gebaut wurde, entstanden lediglich 117 Einheiten. Ein vorgestelltes Modell aus dem Baujahr 1996 verfügte über einen Burgings 135 Ti Vierzylinder-Dieselmotor (137 PS, 3980 cm³ Hubraum). Der 7,30 Meter lange Bus wog maximal 8330 kg und bot 16 Sitz- sowie 30 Stehplätze bei einer Höchstgeschwindigkeit von 76 km/h.
Eine interessante Kooperation war der Ikarus 211, der von 1976 bis 1990 gemeinsam mit dem IFA Nutzfahrzeugkombinat hergestellt wurde. Er war als Ablösung für den Ikarus 311 gedacht und sollte die Lücke zwischen kleineren Robur-Bussen und der größeren Ikarus 200er Serie schließen. Zahlreiche Komponenten, darunter das Fahrwerk mit Starrachsen und Blattfedern sowie Bedienelemente, stammten vom IFA W50. Der im Heck platzierte IFA 4VD 14,5-12-1 Vierzylinder-Dieselmotor lieferte 125 PS aus 6,56 Litern Hubraum.

Klassiker des Nahverkehrs wie der Ikarus 66 (produziert 1955-1973) wurden ebenfalls beleuchtet. Erkennungsmerkmale des 11,40 Meter langen Busses sind die viergeteilten Scheiben und die Falltüren. Er bot 32 Sitz- und 58 Stehplätze und wurde von einem wassergekühlten Schäbel D614 Sechszylinder-Dieselmotor (145 PS, 8275 cm³ Hubraum) angetrieben. Derselbe Motor fand auch im Ikarus 630 Verwendung, einem Stadtbus, der von 1959 bis 1971 auf dem Fahrgestell des LKWs Schäbel 705 gefertigt wurde.

Ein besonderes Highlight war der Ikarus 250.72 SL aus dem Jahr 1989, der ursprünglich für die ungarische Regierung gedacht war. Dieses Fahrzeug, luxuriös ausgestattet mit Konferenzsesseln und Klimaanlage, wurde wahrscheinlich wegen der politischen Wende nicht wie geplant eingesetzt und diente zeitweise beim Militär. Angetrieben von einem Raba D2156 MT6u Sechszylinder-Dieselmotor (MAN Lizenz, 250 PS, 10350 cm³ Hubraum) erreichte er 110 km/h. Als Weiterentwicklung des Ikarus 256 präsentierte sich der Ikarus C56 Classic (Produktion 1998-2002, nur 399 Einheiten). Er war mit einem Raba D10 UTSSL Motor (MAN Lizenz, 279-320 PS, 10350 cm³ Hubraum) ausgestattet.

Abseits der Ikarusbusse wurde auch ein Parkers B1000 Dispatcherfahrzeug der Rostocker Straßenbahn AG gezeigt. Das Fahrzeug aus dem Jahr 1973, gefertigt in den Parkerswerken, besaß einen Dreizylinder Zweitakt-Wartburgmotor (46 PS, 1000 cm³ Hubraum) und erreichte 100 km/h Spitze.

Das Treffen in Meiningen bot somit eine umfassende Präsentation verschiedenster Ikarus-Typen und verdeutlichte deren technische Entwicklung und Einsatzbereiche über mehrere Jahrzehnte hinweg.

Der VT 18.16: Ein Schnellzug, der die Schienen der Welt eroberte

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Geboren beim VEB Waggonbau-Görlitz, erblickten die eleganten Triebzüge vom Typ VT 18.16 das Licht der Welt. In einem Film der Deutschen Reichsbahn wurde der erste Zug, der VT 16.18.01 (Anmerkung: Das Video nennt hier eine leicht abweichende Nummerierung im Vergleich zum Haupttyp VT 18.16), vorgestellt. Alte Aufnahmen zeugen von einem beeindruckenden Zug.

Der VT 18.16, auch bekannt als SVT im internationalen Fahrplan, wie zum Beispiel als „Neptun“ auf der Strecke zwischen Kopenhagen und Berlin, ist heute auf internationalen Strecken, wie hier an der Eisenbahnfähre in Warnemünde, ein vertrautes Bild. Er verkörpert die Ambitionen der Eisenbahnen der sozialistischen Länder, das Programm der Dieseltraktion vorrangig zu verwirklichen. Denn die Diesel-Traktion ermöglicht nicht nur Wirtschaftlichkeit, sondern auch schnelles und bequemes Reisen und ist gleichzeitig günstig für die Luftqualität, besonders in Großstädten.

Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern sind selbst große Entfernungen kein Problem mehr. Dabei rollt der Schnelltriebwagen so weich und ruhig über die Strecke, dass der Fahrgast kaum etwas vom hohen Tempo spürt. Die geräumigen Abteile bieten hohen Reisekomfort und einen angenehmen Aufenthalt. Man könnte fast sagen, der SVT gleicht einem Hotel auf Rädern. Für eine gute Aussicht während der Fahrt sorgen die großen, breiten Fenster des Triebzuges.

Technisch ist der Zug fortschrittlich ausgestattet. Die zurückgesetzte Führerkabine bietet dem Triebwagenpersonal größere Sicherheit, während die Anordnung des Führerstandes gleichzeitig gute Sichtmöglichkeiten gewährleistet. Eine Sicherheitsfahrschaltung überwacht ständig die Dienstbereitschaft des Personals. Die pneumatische Hochleistungsbremse des Triebwagenzuges wird noch durch eine Magnetschienenbremse unterstützt. Alle Funktionen der Aggregate werden automatisch angezeigt, sodass der Zugführer mit ungeteilter Aufmerksamkeit die Strecke beobachten kann.

Eine Einheit des fast 100 Meter langen Triebzuges besteht standardmäßig aus zwei Triebwagen und zwei Mittelwagen. Auf Wunsch kann der Zug auch mit drei Mittelwagen zu einer fünf Waggon langen Einheit konfiguriert werden. Die Wagen sind durch scharfe Kurzkupplungen und geschützte Übergänge eng miteinander verbunden. Dank automatischer Betriebskupplungen ist es sogar möglich, zwei gleichartige Triebzüge von einem Fahrstand aus gesteuert im Verbund fahren zu lassen.

Der Siegeszug des Motors war auch auf den Schienenwegen nicht mehr aufzuhalten. Die Dieselfahrzeuge aus dem DDR Schienenfahrzeugbau, wie die V 15, die V 60 für den Rangierverkehr, die V 100 im leichten Streckendienst, die V 180 für den Reise- und Güterverkehr und die modernen Schnelltriebzüge, haben den guten Ruf der Werke in alle Kontinente getragen. Der VT 18.16 und seine Vorgänger finden überall, wo sie eingesetzt werden, achtungsvolle Anerkennung. Geliefert wurden sie vom Deutschen Innen- und Außenhandel Transportmaschinen Berlin in alle Welt.

Der SVT Bauart Görlitz (VT 18.16): Prestige auf Schienen für die DDR

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In den 1960er Jahren war die Eisenbahn das Verkehrsmittel Nummer eins in der DDR und stand im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Regelmäßig präsentierte die Deutsche Reichsbahn (DR) auf der Leipziger Frühjahrsmesse ihre neuesten Entwicklungen. Auf der Messe 1963 wurde dabei ein besonderes Highlight vorgestellt: ein neuer, komfortabler Schnelltriebwagen. Dieser Zug, gefertigt im volkseigenen Betrieb Waggonbau Görlitz, orientierte sich in Design und Innenausstattung an der Luftfahrt und versprach internationales Flair sowie einen Hauch von Luxus. Wegen seiner Herkunft wurde er fortan als SVT Bauart Görlitz bezeichnet.

Die Öffentlichkeit konnte den Zug, der primär für internationale Verbindungen vorgesehen war, meist nur bestaunen, da die Reisemöglichkeiten ins Ausland damals beschränkt waren. Zusammen mit der DDR-Führung freute man sich über dieses „Produkt von Weltniveau“. Die DDR erlangte mit diesem Aufsehen erregenden Zug neues Prestige auf dem Weg zur internationalen Anerkennung.

Entwicklung und Technik
Der 1963 vorgestellte Prototyp VT 18 16.01 und 02 wurde mit zwei Jahren Verspätung präsentiert. Die Auslieferung der Serie verzögerte sich weiter, hauptsächlich aufgrund von Lieferengpässen der DDR-Schienenfahrzeugindustrie. Getriebe kamen beispielsweise von der Firma Voith aus dem Westen. Bis Ende 1968 wurden insgesamt acht Züge der Bauart Görlitz fertiggestellt, einschließlich Reserve-Maschinenwagen und Mittelwagen. Ursprünglich waren sogar 15 Züge bis 1965 geplant.

Die offizielle Baureihenbezeichnung des Zuges lautete VT 18.16. Diese Nummer entschlüsselte sich wie folgt: VT steht für Verbrennungstriebwagen, 18 bedeutete 1800 PS pro Anlage (ursprünglich 900 PS, später auf 1000 PS verbesserte Motoren). 16 stand für die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h, und 10 (bzw. fortlaufend) war die lfd. Nummer.

Technisch war der SVT modern ausgestattet. Das Herzstück bildeten zwei schnelllaufende wassergekühlte 12-Zylinder-Dieselmotoren in V-Form mit Abgasturboaufladung aus dem Motorenwerk Berlin-Johannisthal. Diese Motoren galten als einige der besten der Welt. Die Kraft wurde über ein Dreiwandler-Getriebe hydraulisch auf zwei von drei Achsen übertragen. Eine Vielfachsteuerung ermöglichte die Bedienung beider Fahrmotoren von einem Führerstand aus. Die Anlagen waren so gebaut, dass der Zug auch mit nur einer Maschine gefahren werden konnte. Die Reichweite wurde durch einen Tankinhalt von 1500 Litern Diesel ermöglicht, was eine Reichweite von etwa 1500 km ergab (Faustformel: 100 Liter pro Motor und 100 km).

Die luxuriöse Innenausstattung umfasste bequeme Fahrgasträume und einen Speisewagen in der Mitte des Zugverbandes mit Platz für 23 Fahrgäste und einer „internationalen Speisekarte“.

Klangvolle Namen auf Internationalen Routen
Im Volksmund und bei den Reisenden war der Zug weniger unter der Baureihenbezeichnung bekannt, sondern unter den Namen der Strecken, die er bediente. Zu den bekanntesten Namen gehörten:

• Vindobona: Die bedeutendste Auslandsverbindung. Ab 1957 fuhr ein elegant ausgestatteter DR-Dieseltriebwagen auf der Strecke Berlin – Prag – Wien. Der VT 18.16 übernahm den Einsatz auf dieser wichtigen Nord-Süd-Verbindung ab September 1966. Nach turnusmäßigen Wechseln der Zuggestellung zwischen DR, ČSD und ÖBB in den Vorjahren, bei denen die VT 18.16 ihre Überlegenheit bewiesen, fuhren sie auf dieser Strecke über 7 Jahre ohne Beanstandung, da ČSD und ÖBB keine gleichwertigen Triebwagen bieten konnten. Die Ära des VT 18.16 auf dem Vindobona endete im Sommer 1979, als der Zug auf Lokbespannung umgestellt wurde.

• Neptun: Fuhr zwischen Berlin und Kopenhagen. Dieser „Design-Schwesternzug“ des Vindobona war bei Reisenden sehr beliebt. Wegen seiner Länge musste der Zug anfangs vom Fährschiff Warnemünde über die Ostsee transportiert werden. Ab 1967 wurden diese Probleme durch Umbauten am Fährschiff König Frederik IX behoben. Der Neptun-Express fuhr bis 1981.

• Karlex und Carola: Bedienten die Verbindung von Berlin bzw. Leipzig nach Karlsbad (tsch. Karlovy Vary). Der Karlex wurde ab 1. August 1969 auf der Route Berlin – Leipzig – Plauen – Karlsbad eingesetzt. Der Carola kam 1972 hinzu und fuhr von Leipzig über Plauen ebenfalls nach Karlsbad. Diese Züge befuhren die Strecke über das berühmte Göltzschtalviadukt. Karlex und Carola waren die letzten internationalen Verbindungen, die bis Ende September 1981 mit den SVT Bauart Görlitz besetzt wurden. Im Vogtland war der Zug allgemein nur als „Alex“ bekannt, unabhängig von der offiziellen Bezeichnung.

Laut RIC-Raster (Regolamento Internazionale Carrozze) war der SVT Bauart Görlitz, der unter der Baureihenbezeichnung VT 18.16 seine Zulassungen erhielt, für Deutschland, Österreich, Italien, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Schweden, Polen und Dänemark zugelassen und ist dort auch schon einmal gefahren.

Betrieb und Zuverlässigkeit
Trotz der anfänglichen Probleme bei der Auslieferung bewiesen die Züge eine verblüffende Zuverlässigkeit. Sie ermöglichten schnelles und bequemes Reisen. Der Betrieb des renommierten Zuges entwickelte in der Heimatdienststelle Berlin Karlshorst einen besonderen „Sportgeist“ und ein „Wir-Gefühl“. Kleinere Reparaturen wie der Wechsel einer Laufbuchse oder Turbine waren im Rahmen des täglichen Betriebs üblich und wurden von der Werkstatt vor Ort durchgeführt. Bei größeren Schäden, etwa am Getriebe, erfolgte die Reparatur im Raw Wittenberge. Reisende bemerkten die Zuverlässigkeit der Züge, die Ausfälle bei Reisezügen gewöhnt waren. Erschütterungen und Gleisunebenheiten steckte der Zug anstandslos weg und lief umso ruhiger, je schneller er fuhr.

Eine günstige Reisemöglichkeit ergab sich auf den internationalen Strecken des Karlex: Innerhalb des RGW-Rahmens kosteten die Fahrkarten nur halb so viel pro Kilometer (4 Pfennig statt 8 Pfennig), und es fielen keine Zuschläge an. Viele Reisende kauften daher eine Fahrkarte bis Marienbad (im internationalen Bereich), auch wenn sie bereits in Plauen ausstiegen. Allerdings war der Zug platzkartenpflichtig, und Platzkarten waren oft durch Funktionäre ausgebucht, was dazu führte, dass man oft „auf dem Schleichweg“ zusteigen musste.

Unfall und Ausmusterung
Ein trauriges Kapitel ereignete sich am 30. Oktober 1972 beim Unfall von Schweinsburg-Culten. Der Ex 69 Carola stieß auf dem eingleisigen Abschnitt zwischen Gößnitz und Werdau frontal mit dem D 273 zusammen. Dabei kamen 25 Menschen ums Leben. Als Unfallursache wurde später ermittelt, dass der Triebwagenführer ein Signal überfahren hatte, vermutlich beeinträchtigt durch Restalkohol. Ein Reservemaschinenwagen half später bei der Komplettierung des Zuges.

Die Ära der VT 18.16 im internationalen Verkehr endete im Jahr der DDR-Energiekrise 1981. Neben der Energieknappheit boten diesellokbespannte Züge ein erheblich größeres Platzangebot als die SVT. Nach der Einstellung der internationalen Läufe wurden zwei Züge noch bis 1985 auf der Strecke Berlin – Bautzen eingesetzt.

Nach dem Regelbetrieb: Museumszug und Legende
Anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins wurde 1987 ein SVT Bauart Görlitz als Museumszug wieder in Betrieb genommen. Seine Karriere als Museumszug sollte bald ebenso lange dauern wie sein Einsatz im Regeldienst. Dabei kam er auch wieder auf seinen alten Stammstrecken nach Prag und Karlsbad zum Einsatz.

Heute existieren noch mehrere Einheiten, darunter der Museumszug 175 014/019, der 1993 in den Park der betriebsfähigen Museumsfahrzeuge beim Verkehrsmuseum Nürnberg aufgenommen wurde. Eine Freizeitgruppe kümmert sich seit 1991 um den Erhalt dieses Fahrzeugs. Der Zug fuhr bei Sonderfahrten auch wieder durch das Vogtland und überfuhr das Göltzschtalviadukt. Er war bis zum Frühjahr 2003 betriebsfähig. Besondere Fahrten waren etwa die Teilnahme an der 150-Jahr-Feier der Schiefen Ebene 1998 oder der „Literaturexpress“ im Jahr 2000, der von Lissabon über Kaliningrad und Minsk nach Berlin führte.

Andere erhaltene Züge sind die Einheit 175 005/006, die zum Jugendclubzug umgebaut wurde, und die Einheit 175 015/016, die als Standobjekt in Berlin-Lichtenberg steht.

Der SVT Bauart Görlitz, oft liebevoll „Alex“ genannt, blieb bis zu seinem Einsatzende der exklusivste Zug der Deutschen Reichsbahn und war alles andere als ein Massenverkehrsmittel. Er verkörperte einen anderen Komfort und eine andere Art des Reisens. Seine Bekanntheit, insbesondere durch die Vorbilder Karlex und Carola im Vogtland, führte auch zu sehr guten Verkaufszahlen bei Modellbahnen. Der VT 18.16 wurde zu einer Legende auf Schienen, ein Symbol für das Streben der DDR nach „Weltniveau“ im internationalen Reiseverkehr.

Spreepark im Wandel: Vom DDR-Kulturpark zur modernen Begegnungsstätte

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Der Spreepark im Plänterwald, einst bekannt als Kulturpark Berlin, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. 1969 eröffnet, war er der einzige Vergnügungspark der DDR und zog mit seinem 45 Meter hohen Riesenrad Besucher aus dem ganzen Land an. Nach der Wende wurde der Park zwar modernisiert, verlor aber durch hohe Eintrittspreise zunehmend Besucher. Im Jahr 2001 folgte die Insolvenz, und das Gelände verfiel.
Doch nun bekommt der Spreepark eine zweite Chance. Die Stadt Berlin hat die Sanierung des Parks übernommen. Ein zentrales Symbol des Parks ist und bleibt das Riesenrad. Es wurde in über 300 Einzelteilen nach Polen gebracht, dort sandgestrahlt, überprüft und wird derzeit restauriert. Ab 2025 soll es wieder betriebsbereit sein, ausgestattet mit moderner Steuerung und einem frischen Anstrich.

Aber nicht nur das Riesenrad wird erneuert. Im Südosten des Geländes entsteht das englische Dorf, eine neue Veranstaltungsfläche für bis zu 300 Personen. Dieser barrierefreie Holzbau mit integrierter Gastronomie und Regenwasserspeicher auf dem Dach soll im Frühjahr 2025 starten. Direkt daneben wächst ein neues Amphitheater heran. Mit 17 Sitzreihen aus Beton entsteht hier eine Freiluftbühne für rund 380 Gäste. Ziel ist ein Ort für regelmäßige Veranstaltungen unter freiem Himmel.

Ein weiteres Großprojekt ist die ehemalige Werkhalle. Sie wird zu einem Veranstaltungszentrum und einem der künftigen Haupteingänge umgebaut. Schadstoffbelastete Bodenbeläge wurden bereits entfernt. Ab Sommer 2025 folgt die neue Fassade. Auch technisch wird aufgerüstet: Neue Leitungen für Wasser, Abwasser und Strom sind fast fertig. Ein moderner Wirtschaftshof mit Solaranlage soll ab April 2025 den Betrieb unterstützen.

Um eine nachhaltige Anreise zu ermöglichen, wird das Wegenetz für Fußgänger und Radfahrer ausgebaut. Zudem ist ein neuer Schiffsanleger in Planung, der als Haltepunkt für Ausflugsschiffe dienen soll.

Trotz großer Vorfreude gibt es auch Kritik. Die hohen Kosten, etwa 6,4 Millionen Euro für ein Wasserbecken unter dem Riesenrad und laufende Betriebskosten von bis zu 3,5 Millionen Euro pro Jahr, sorgen für Diskussionen.

Die Fertigstellung des Kernbereichs mit Riesenrad, Dorf und Amphitheater ist für Ende 2026 geplant. Die große Wiedereröffnung soll im Frühjahr 2027 stattfinden. Der neue Spreepark will mehr sein als nur ein Freizeitpark. Er soll ein Ort für Kultur, Natur und Begegnung werden – mitten in Berlin.