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Manuelas Stasi-Akten: Die Enthüllung, die schlimmer war als das Gefängnis

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Lisa-Sophie sitzt Manuela in einem hellen Café gegenüber. Die beiden Frauen starren einander an – eine Grenzerfahrung im wahrsten Sinne des Wortes.

„Die Ausreise aus der DDR war mein schönster Tag in meinem Leben“, sagt Manuela mit fester Stimme. Denn in dem Land, in dem sie aufgewachsen ist, wurde sie ständig beobachtet – vom Ministerium für Staatssicherheit, kurz Stasi. Irgendwann wurde ihr klar, dass auch in ihrem direkten Umfeld Spitzel der Stasi sind, die Informationen über sie und ihre Freunde weitergeben. Diese Erkenntnis führte zu einem tiefen Misstrauen, das Manuela bis heute prägt.

Manuela (Name geändert) wächst in Ost-Berlin auf. Ihre Eltern lassen sich früh scheiden, sie lebt bei ihrem Vater, der das SED-Regime offen kritisiert und immer wieder von einem Leben im Westen spricht. Als sie sieben Jahre alt ist, scheitert ihr erster Fluchtversuch über die bundesdeutsche Botschaft an einer Straßensperre. Der Vater wird verhaftet und zu drei Jahren Haft verurteilt, Manuela landet zunächst in einem Heim, später bei der Stiefmutter – und lernt schnell, dass „laut denken verboten“ ist.

Jahre später wagt sie mit einer Freundin den nächsten Ausbruchsversuch, diesmal über die Ostsee. Die beiden Schwimmerinnen treiben knapp einen Kilometer hinaus, als sie von Stasi-Patrouillen­booten aufgegriffen werden. „Vor dem Haftrichter war mein Urteil längst klar“, erinnert sich Manuela. Zwei Jahre und vier Monate Haft – unter anderem wegen „illegaler Republikflucht im schweren Fall“ und „illegaler Nachrichtenübermittlung“.

Im Frauengefängnis Hoheneck, einem der berüchtigtsten Straflager der DDR, erlebt sie die Grausamkeit der „kalten Dusche“: Stundenlang steht sie unter eiskaltem Wasser. In einer Zelle findet sie eine Bibel und wendet sich dem Glauben zu. „Man verliert den Glauben an Menschen. Da braucht man etwas anderes, an das man glauben kann“, sagt sie heute.

„Lisa-Sophie will von Manuela wissen, was ihre Erfahrungen in der DDR mit ihr gemacht haben und welche Auswirkungen sie auf ihr gesamtes Leben haben.“ Ihre Stimme klingt ruhig, fast professionell. Doch hinter dieser Fassade lauert Schmerz: Bis heute lebt Manuela meist allein und vertraut kaum jemandem mehr. Nähe „erstickt“ sie, sagt sie.

Nach 28 Monaten Haft gelangt sie über den sogenannten Freikauf in die Bundesrepublik. Am Tag der Ausreise fällt sie vor Erschöpfung auf die Knie und küsst den Boden des Notaufnahme­lagers Gießen – „der zweit­schönste Tag in meinem Leben“, ergänzt sie. In Regensburg beginnt für sie ein neues Leben, doch die Beziehung zu ihrem Vater bleibt schwierig: Er spricht nie über seine Zeit in der DDR und leugnet jegliches Unrecht.

Erst Jahre später fand sie in ihren Stasi-Akten heraus, dass es ihr eigener Vater war. Der einzige Mensch im Überwachungsstaat der DDR, dem sie vertraut hatte. In rund 1.000 Seiten Dokumenten entdeckt sie seine Verpflichtung zur Zusammenarbeit unter dem Decknamen „Paul“ – er hatte sie und ihre Freunde gegen Geld verraten. „Als hätt jemand mein Herz rausgerissen“, beschreibt sie das Gefühl des Verrats. „Seitdem kann ich eigentlich niemandem mehr vertrauen – mein Glaube an die Menschheit ist verloren.“

Trotz allem hat sie ihm verziehen, nur um selbst leben zu können. Doch die Narben bleiben: Ein Freund, dessen Flucht­pläne der Vater verraten hatte, verstarb im Gefängnis. „Ich vertraue meinem Hund mehr als jedem Menschen“, sagt Manuela heute und streicht über das weiche Fell ihres Retrievers. Ihr Leben ist ein Mahnmal dafür, wie tief Misstrauen wurzeln kann, wenn Verrat und Überwachung den Alltag bestimmen.

Ex-Stasi im Amt: Wenn Täter von einst noch immer die Politik mitgestalten

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Mehr als 30 Jahre nach dem Fall der Mauer sitzen ehemalige Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) nicht nur in den Erinnerungen ihrer Opfer fest – sie beeinflussen nach wie vor politische und behördliche Entscheidungen in Ost und West. Der skandalöse Befund: Ehemalige Stasi-Offiziere verharmlosen in Vereinen und Publikationen die DDR-Diktatur als „Friedensstaat“, während manche von ihnen sogar in Parlamenten und Sicherheitsbehörden tätig sind.

Alte Netzwerke, neue Geltung
Schon kurz nach der Wende gründeten sich zahlreiche Zusammenschlüsse ehemaliger Stasi-Angehöriger. Heute ist vor allem die Gesellschaft zur Rechtlichen und Humanitären Unterstützung (GRH) mit rund 1.400 Mitgliedern im Visier von Verfassungsschutz und Opferverbänden. In internen Seminaren und Publikationen werden DDR-Grenzanlagen als „gesicherte Grenze“ verklärt und das tödliche Schießregime an der innerdeutschen Grenze verharmlost. Für Zeitzeugen wie Edda Schönherz, die in den 1970er Jahren im Untersuchungshaftgefängnis Hohenschönhausen inhaftiert war, ist das „blanker Horror“: „Da werden unsere Folterer zu Friedenswächtern verklärt“, empört sich die einstige Gefangene.

Der Schatten der Stasi im öffentlichen Dienst
Eine Studie der Universität Leipzig aus dem Jahr 2009 stellte fest, dass tausende ehemalige Stasi-Mitarbeiter in Ostdeutschland nahtlos in den Staatsdienst übernommen wurden – vom Landeskriminalamt bis hin zum Personenschutzkommando der Bundeskanzlerin. Verantwortliche in Ministerien hoben in den Akten meist nur den Wehrdienstaspekt hervor, ohne die tatsächlichen IM- oder Offiziersfunktionen transparent zu machen. Heute sitzen laut Recherchen von Netzwerken der Opferverbände ehemalige Wachregimentler und Aufklärer in Landesparlamenten: Einige Abgeordnete der AfD sowie der Linken sollen laut internen Dokumenten Kontakte zu ehemaligen Stasi-Strukturen haben beziehungsweise ihre Vergangenheit verschweigen.

Opfer fordern klare Kante
Für die Opfer steht fest: Ohne konsequente Aufarbeitung kann keine Versöhnung gelingen. Martina K., die 1983 in Bautzen monatelang inhaftiert war, erinnert sich an ständige Bedrohung und psychische Zermürbung: „In meiner Stasi-Akte steht das Wort ‚vernichten‘ – und heute sollen jene Menschen in Ministerien sitzen?“ Sie fordert, dass jede Person, die einst im MfS diente, ihre Akte offenzulegen hat. „Wer lügt, hat in einer Demokratie nichts zu suchen.“

Verharmlosung als politisches Problem
Die Aktivitäten der GRH und ähnlicher Gruppierungen rücken zunehmend ins Visier der Bundesregierung. Innenpolitiker fordern eine Neubewertung des Vereinsrechts: Sollten Organisationen, die die SED-Diktatur glorifizieren, verboten werden? Während Experten wie der Historiker Dr. Enrico Paust von der Universität Jena warnen, dass ein Verbot allein die Problematik nicht löse, plädieren Opfervertreter für ein stärkeres zivilgesellschaftliches Engagement. „Wir brauchen Aufklärungsarbeit in Schulen und klarere Transparenzpflichten für Beamte“, so Paust.

Warum die Aufarbeitung stockt
Ein zentrales Hindernis ist die vernichtete oder unleserliche Überlieferung: In den letzten Tagen der DDR wurden nach Schätzungen bis zu zehn Prozent der Stasi-Akten geschreddert oder verbrannt. Viele Dokumente lassen sich nur bruchstückhaft rekonstruieren. Hinzu kommt die juristische Grauzone: Der Einigungsvertrag von 1990 regelte zwar die Übergabe der Unterlagen, setzte aber keine individuellen Eignungsprüfungen für die Übernahme in den Staatsdienst durch.

Ausblick: Wie weiter?

  • Transparenzoffensive: Opferverbände fordern ein verpflichtendes Register aller ehemaligen MfS-Mitarbeiter in öffentlichen Ämtern, sobald ihre Akten dies belegen.
  • Bildung und Aufklärung: Lehrpläne sollen die DDR-Diktatur umfassender behandeln und Zeitzeugen stärker einbinden.
    Zivilgesellschaftliche Wachsamkeit: Politische Parteien und Verwaltungen müssen interne Aufklärungsprozesse etablieren und klar kommunizieren.

Ob diese Maßnahmen reichen, um das „Erbe der Stasi“ endgültig zu bewältigen, bleibt offen. Fest steht jedoch: Ein demokratisches Gemeinwesen, das auf Offenheit und Verlässlichkeit baut, kann es sich nicht leisten, die dunklen Kapitel seiner Geschichte weiterhin zu ignorieren.

Stasi-Maulwurf bei der NSA: Der unglaubliche Fall Jeffrey Carney

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Berlin, im April 1991. Ein sonniger Morgen in der Bundeshauptstadt. Spaziergänger flanieren durch das Mawilow-Park-Café, als auf offener Straße ein unscheinbarer Amerikaner ins Visier acht bewaffneter Agenten der US-Office of Special Investigations gerät. „Are you Sergeant Jeffrey Carney?“ – jene Frage, so harmlos sie klingt, markiert das Ende einer der spektakulärsten Spionagegeschichten des Kalten Krieges und den Wendepunkt im Leben eines Mannes, der unter dem Decknamen Kit zu einem der erfolgreichsten DDR-Agenten avancierte.

Vom Provinzjungen zum Luftwaffenlinguisten
Jeffrey M. Carney trat 1980 im Alter von 17 Jahren in die US-Air Force ein. Die bittere Trennung von seinem dysfunktionalen Elternhaus in Ohio trieb ihn in die Arme des Militärs – eine letzte Zuflucht für einen Sehnsüchtigen nach Ordnung und Gemeinschaft. Sein herausragendes Sprachentalent wurde rasch erkannt: Sechs Monate intensives Training an der Fremdsprachenschule des US-Verteidigungsministeriums machten ihn zu einem nahezu akzentfreien Deutschsprecher. Bereits 1982 folgte die Versetzung zur 691st Electronic Security Group in Marienfelde, West-Berlin – mitten hinein in den Kalten Krieg und an die Quelle strengster NSA-Überwachung des Funkverkehrs des Warschauer Pakts.

Die Stadt im Schatten: West-Berlin als Verlockung
Für Carney war West-Berlin mehr als nur Dienstort. Die geteilte Stadt mit ihren Graffitis und dem omnipräsenten Betonwall verkörperte Freiheit und Aufbruch – Kontraste, die sein eigenes Leben spiegelten. Er bewegte sich nahezu unbemerkt zwischen den Sektorengrenzen, genoss Casinos auf dem Kurfürstendamm wie ein Tourist und wagte Stippvisiten nach Ost-Berlin. Seine Arbeit als Linguist und Radiointerceptor offenbarte ihm nicht nur die geheimen Strategien des Gegners, sondern auch die verborgene Welt seiner eigenen NSA-Station.

Zerbrochene Identität und der Pakt mit der Stasi
Hinter dem militärischen Rang verbarg sich ein zerrissener junger Mann: Anerkennung gab es kaum, seine Homosexualität durfte nie ans Licht gelangen – ein Kündigungsgrund in der US-Luftwaffe. Die knirschende Spannung zwischen Jobverantwortung und privater Verzweiflung führte zu einem Nervenzusammenbruch. In jener suffgetränkten Nacht 1983, als er sich am Checkpoint Charlie an die DDR-Grenzer wandte, ging Carney bewusst das Risiko ein: Er bot seine Dienste an, und die Stasi schlug zu. Unter dem Decknamen Kit wurde er zum “Maulwurf” in Marienfelde – versorgt mit Deckidentität, Wohnungen, roten Ladas und der psychologischen Betreuung durch seine neuen Aufpasser.

Atomare Alarmstufe: Ein Insider in der Endspiel-Operation „Able Archer“
Im November 1983 erreichte der Spionagefall Carney seine gefährlichste Phase. Bei Able Archer, dem NATO-Manöver, das bewusst den Einsatz taktischer Nuklearwaffen simulierte, stieg die sowjetische Regierung auf Defcon 1 – die höchste Alarmstufe – aus Furcht vor einem US-Angriff. Carney lieferte Erkenntnisse aus erster Hand: Dokumente über manipulierte Funkbefehle, geheime Flugpläne und Einsatzszenarien. Diese Informationen, zunächst fast wie Science-Fiction, veränderten das strategische Gleichgewicht und trugen dazu bei, dass die Supermächte an der Schwelle zum atomaren Inferno innehielten.

Untergetaucht – und doch überall gesucht
1985, versetzt nach Texas und mit weiterem Zugang zu Geheimakten, witterte Carney die Gefahr eines anstehenden Lügendetektortests. Er flüchtete nach Mexiko City – nur um wenige Tage später im verheerenden Erdbeben unter den Hoteltrümmern zu verschwinden. Doch statt sterben zu müssen, hatte Carney längst in der DDR-Botschaft Asyl gefunden. Ein geheimer Flug über Havanna, Unterstützung durch Fidel Castros Geheimdienste: Im Oktober 1985 tauchte er als Jens Karne, vollwertiger DDR-Bürger mit Pass und Wohnung, in Ost-Berlin wieder auf.

Fall der Mauer und das Ende der Spionagekarriere
Der Mauerfall im November 1989 brach das System, dem Kit diente. Die Stasi, in Auflösung begriffen, wollte alle belastenden Unterlagen vernichten – doch in defekten Schreddern und privaten Aktenbeständen überlebten Fragmente seiner Geschichte. Karne fand Arbeit als U-Bahnfahrer bei den Berliner Verkehrsbetrieben und führte ein scheinbar gewöhnliches Leben. Doch ehemalige MFS-Mitarbeiter verrieten seine Spur an die CIA.

Das Entführungs-Kapitel und die Rückkehr nach Washington
Am 22. April 1991 setzte die US-OSI die letzte Aktionskarte: eine inoffizielle „Festnahme“ vor aller Augen. Acht Agenten rissen ihn aus dem Berliner Alltag – ohne die deutsche Polizei zu informieren. Eine juristische Grauzone, ein ungeheurer Verstoß gegen das Völkerrecht. Carney wurde innerhalb einer halben Stunde nach Washington ausgeflogen und wegen Spionage sowie Desertion zu 38 Jahren Haft verurteilt.

Rückkehr ohne Heimkehr
Nach 12 Jahren Gefängnis, im Jahr 2003, kam Jeffrey Carney wieder frei. Ein „Deal“ hatte die Strafe verkürzt – doch das Leben, das er kannte, war unwiederbringlich verloren. Als Jens Karne blieb ihm die deutsche Staatsbürgerschaft verwehrt, die DDR existierte nicht mehr, seine Heimat USA erschien ihm fremd. Heute lebt er zurückgezogen in Ohio, offiziell wieder als Jens Carney, ein „verratener Verräter“, dessen Geschichte selbst im Archiv der Geheimdienste nur in Fragmenten weiterlebt.

Jeffrey Carney steht exemplarisch für jene Grauzonen zwischen Loyalität und Identität, in denen Einzelschicksale zum Spielball historischer Machtauseinandersetzungen werden. Sein doppeltes Leben als US-Sergeant und DDR-Agent zeigt: Manchmal entscheidet eine einzige Nacht am Checkpoint Charlie über die Weichen der Weltgeschichte – und die Zukunft eines Menschen.

Mehr als nur satt: 20 unvergessliche Gerichte aus der DDR-Küche

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Die Küche der DDR war oft geprägt von Mangel und Pragmatismus, doch sie brachte Gerichte hervor, die weit mehr waren als nur Essen – sie waren ein Stück Alltag, ein Trostspender, ein kleines Fest und vor allem Träger unvergesslicher Erinnerungen. Das vorliegende Video nimmt uns mit auf eine kulinarische Reise in die Vergangenheit und stellt 20 dieser Gerichte vor, die nicht nur satt machten, sondern Geschichten erzählen, die man nie vergisst. Tauchen wir ein in die leckersten Erinnerungen:

• Soljanka: Beschrieben als die Königin der Resteküche, geboren aus Mangel und geliebt wegen ihres Charakters. Sie war scharf, sauer, rauchig. Zutaten waren, was da war, wie Jagdwurst, Salami, saure Gurken, Tomatenmark und ein Schuss Brühe. Ihr Aroma war würzig, herzhaft, mit einem Hauch von Lagerfeuer und Großküche. Sie roch nach Werkskantine, Familienfeier und Zuhause. Manche verfeinerten sie mit Zitrone oder Sahne. Es gab kein Richtig oder Falsch, nur lecker oder leer gegessen. Soljanka war kein Gericht, sie war ein Erlebnis und schmeckte nach Geschichte.

• Jägerschnitzel (DDR-Version): Schmeckte nach Wurst statt nach Wild. Es war eine dicke Scheibe Jagdwurst, paniert und goldgelb gebraten – außen knusprig, innen saftig. Dazu gab es Spirelli und eine Tomatensoße, die süßlich roch und nach warmem Zuhause schmeckte. In der Schulkantine war das ein Feiertag auf dem Tablett. Die ostdeutsche Küche zelebrierte es. Es fehlte uns heute, weil es nichts vorgab zu sein – ehrlich, einfach, unvergesslich.

• Tote Oma: Der Name klang nach Horrorfilm, aber auf dem Teller lag pure Kindheit, zumindest für die Mutigen. Es handelte sich um gebratene, zerdrückte, dampfende Blutwurst. Dazu wurden Sauerkraut und Salzkartoffeln serviert. Es war kein Gourmetgericht, machte aber satt und hatte tief drin Eisen, Fett und Geschmack. Es wurde nicht aus Nostalgie, sondern aus Notwendigkeit gegessen. Der Name war so makaber wie aufrichtig. Heute verschwindet das Gericht langsam, aber in Erinnerungen lebt die dunkle, würzige Masse weiter, die wie Abschied und doch auch wie Zuhause schmeckte.

• Königsberger Klopse: Sie dampften auf dem Teller, schwammen in heller Soße und rochen nach Sonntag. Es war zartes Hack, mit Liebe gerollt und in Brühe gegart, serviert mit Salzkartoffeln. Die Soße war eine helle, samtige Mehlschwitze, leicht säuerlich, manchmal mit einem Hauch Zitrone. Kapern gab es selten, aber es schmeckte trotzdem nach Zuhause. Das Gericht kam aus Ostpreußen und blieb über Generationen hinweg in den Küchen der DDR. Es weckte immer ein warmes Gefühl beim ersten Bissen, irgendwo zwischen Kindheit und Geborgenheit.

• Würzfleisch: Es war die feine Note im grauen Alltag. Serviert in kleinen Schälchen, dampfend, mit zartem Fleisch in cremiger Soße. Darüber kamen geschmolzener Käse, ein Tropfen Zitrone und ein Spritzer Worcestersauce. Ursprünglich ein Ragout fin, aber da Kalbsbries und Luxuszutaten fehlten, nahm man, was da war, wie Schwein, Hähnchen oder ein Rest Kasseler. Daraus wurde etwas Eigenes, das Stil hatte. Es war der Moment, in dem man sich etwas gönnte und zeigte, was auch ohne viel möglich war.

• Schmorgurken: Sie quietschten leicht in der Pfanne, dampften auf dem Teller und rochen nach Dill und Sommerregen. Kein großes Gericht, aber ein großes Gefühl. Frisch aus dem Garten, geschält, entkernt und dann in die Pfanne mit Zwiebel, etwas Speck oder Hack, einem Schuss Brühe, manchmal mit Sahne. Dazu Salzkartoffeln, schlicht und ehrlich. Es war ein Essen, das niemand fotografierte, aber alle im Kopf behalten haben – warm, weich, gut. Für Kinder, die Sommerferien bei Oma verbrachten, schmeckte es nach Liebe, Gurken und ein bisschen Butter – mehr als genug für einen vollen Bauch.

• Eier in Senfsoße: Drei hart gekochte Eier, halbiert, übergossen mit einer scharfen, sämigen und tröstlichen Soße. Die Soße kam aus einer Mehlschwitze mit einem ordentlichen Löffel Senf, einem Hauch Essig und vielleicht einem Spritzer Zucker. Dazu Salzkartoffeln – fertig war ein Mittag, der satt machte und warm hielt. Es stand jede Woche auf dem Tisch, nicht aus Lust, sondern aus Logik, weil es günstig, da und funktionell war. Es war nicht nur scharf, sondern auch ehrlich.

• Strammer Max: Ein Abendbrot wie ein Versprechen. Eine dicke Scheibe Brot, in der Pfanne geröstet, belegt mit Schinken oder was gerade da war (Jagdwurst, Speck, Leberwurst). Oben drauf ein Spiegelei, das goldene Herz des Ganzen. Wenn das Eigelb über das Brot floss, war der Tag gerettet. Es sagte: Du hast gearbeitet, jetzt darfst du genießen. In der DDR war es ein Klassiker – einfach, ehrlich, sättigend, kein Schnickschnack. Manchmal kam eine Gurkenscheibe oder ein Klecks Senf dazu. Für viele ein stiller Held der Küche.

• Letcho: War wie Sommer im Glas. Paprika, Tomate und Zwiebel, eingekocht, fruchtig, leicht säuerlich. Oft aus dem Vorratsschrank geholt, wenn es schnell gehen musste, manchmal pur, manchmal mit Jagdwurst aufgepeppt. Dazu ein Stück Brot. Es war mehr als Beilage, es war Farbe auf dem Teller, roch nach Paprika und Spätsommer und schmeckte nach Urlaub in der Datsche. Jeder Haushalt hatte ein Glas. Manchmal lag Glück in einer einfachen Gemüsepfanne.

• Steak au four (DDR-Version): Wenn es im Ofen schmorte, war klar: Heute wird aufgefahren. Ein dickes, würziges Schweinesteak, belegt mit cremigem Würzfleisch und überbacken mit goldgelbem Käse. Der Duft zog durch den Hausflur und ließ Kinder neugierig in die Küche spähen. Es sah aus wie aus dem Restaurant, roch wie Sonntagnachmittag und schmeckte wie Zuhause. In der DDR war das Luxus, selbstgemacht. Es war kein Steak im westlichen Sinn, aber es war warm, sättigend und voller Stolz. Ein Auflauf, der zeigen wollte: Wir können auch fein.

• Kalter Hund: Kein Kuchen, sondern ein Versprechen auf Kindergeburtstage. Mit Butterkeksen, Kakaomasse und Kokosfett Schicht für Schicht gebaut wie ein süßes Bauwerk der Liebe. Er musste stundenlang im Kühlschrank kalt werden. Die erste Scheibe war schnittfest, glänzend, knusprig und cremig zugleich. Man vergisst ihn nicht wegen der Stimmung – er gehörte zum Fest wie Luftballons und Limo. Er war ein Highlight, einfach, ehrlich, voller Zucker und Stolz. Was Kindheit schmecken sollte: süß, laut und immer ein bisschen zu viel.

• Quarkkeulchen: Sie zischten leise in der Pfanne, dufteten nach Zimt und Kindheit. Außen goldbraun, innen weich, warm und süß. Eine Mischung aus gekochten Kartoffeln und Quark – einfach genial, typisch DDR. Dazu gab es Apfelmus oder Heidelbeerkompott, manchmal Zucker und Zimt, manchmal einfach pur. Sie waren das süße Hauptgericht für fleischfreie Tage, geliebt von Kindern und heiß umkämpft. Sie sättigten und trösteten ohne viele Worte und zeigten: Gute Küche braucht keine Show, nur Herz.

• Dresdner Eierschecke: War kein Kuchen, sondern eine Komposition aus drei Schichten. Unten ein fester Boden aus Hefeteig, in der Mitte Quark (vanillig, weich, fast wie Pudding) und oben die goldene Krönung aus fluffiger Eierscheckenmasse. Ein Hauch von Sonntagnachmittag. Sie war auf dem Tisch, wenn Besuch kam. Man holte sie oft vom Bäcker, weil sie zu Hause schwer zu machen war und dort am besten schmeckte. Jedes Stück war ein kleines Kunstwerk und schmeckte nach Heimat zum Kauen.

• Selterskuchen: Er kam leise daher und war doch immer da. Ein einfacher Rührteig, der mit einem Schuss Sprudel durch die Kohlensäure locker wurde wie ein Sonntag im Frühling. Mal mit Kakao, mal mit Zitronenguss, mal bunt verziert. Er stand auf jedem Kindergeburtstag, in jeder Schulmensa und auf jedem Gartenfest. Er war das leise Rückgrat der DDR-Backkultur – unspektakulär, verlässlich und immer schneller aufgegessen als man gucken konnte.

• Mooskuchen: Er sah aus wie ein Irrtum, war aber ein Volltreffer. Knallgrün, flauschig, süß – ein Kuchen, der erst erschreckte und dann begeisterte. Die Farbe kam vom Spinat oder aus der Tube, aber niemand schmeckte das, stattdessen Vanille und Zitrone. Oben drauf waren Kokosraspeln. Das Moos war Dekoration, Versprechen und Staunen. Man aß ihn nicht, man entdeckte ihn. Er war Mut zur Farbe auf dem Kaffeetisch und nie leise, sondern immer Gesprächsthema.

• Broiler: Er roch schon von weitem würzig, fettig und verheißungsvoll. Ein ganzes Hähnchen, außen goldbraun, innen butterzart. Vorbeigehen war ein Erlebnis, der Hunger meldete sich. Man bekam ihn in Papier gewickelt, die Finger wurden fettig, der Mund voller Vorfreude. Dazu gab es Weißbrot, Krautsalat und eine Essiggurke. Kein Imbissgericht, sondern ein Ereignis, das Fastfood der Herzen. Wer Bräuler sagte, meinte mehr als Hähnchen – er meinte Kindheit, Sonntag, Glanz auf dem Teller und ein bisschen Freiheit.

• Bauernfrühstück: Einfach alles in die Pfanne werfen und es wurde gut. Gebratene Kartoffeln vom Vortag, Zwiebeln, ein paar Würfel Jagdwurst und zum Schluss ein Ei darüber. Es roch nach Röstaromen, Zwiebel und Zuhause. Jeder hatte seine Variante, aber immer mit Herz. Es war DDR pur – pragmatisch, rustikal und sattmachend. Ein Teller voll Wärme, ein Löffel Alltag. Es schmeckte wie das Leben war – unkompliziert, deftig, ehrlich.

• Eierfrikassée: War weiß, weich und wohlig. Gekochte Eier, halbiert, gebettet in eine helle Soße aus Mehlschwitze, Brühe und Milch, verfeinert mit einem Hauch Zitrone und Muskat. Dazu Erbsen, Möhren und manchmal Spargel aus dem Glas sowie Kartoffeln. Es wärmte den Magen und das Herz. Das Ei war der Hauptdarsteller, die Soße die sanfte Bühne. Es war ein Stück DDR, das zeigte, wie wenig man braucht, um satt und irgendwie glücklich zu sein. Kein Gericht, ein Bekenntnis.

• Schichtkraut: Weißkohl oder Sauerkraut, gewürzt mit Kümmel, geschichtet mit Hackfleisch und vielleicht Kartoffeln dazwischen. Alles übereinander, alles mit Geschmack, langsam gegart. Der Duft zog schwer, würzig und ehrlich durch den Flur. Er roch nach Winter, Ofenwärme und Kindheit. Wer hungrig war, liebte es sofort. Es war Hausmannskost pur für viele Tage und viele Münder. Man kochte es in großen Töpfen, ließ es durchziehen, und es schmeckte am zweiten Tag noch besser. Das Gegenteil von Fastfood – Zeit, Geduld, Sorgfalt.

• Kassler mit Sauerkraut: Wenn es das gab, war Sonntag oder Besuch da. Fleisch, gepökelt, geräuchert und butterzart. Dazu das Kraut, säuerlich, warm und langsam geschmort mit Lorbeer und Kümmel. Serviert mit Salzkartoffeln, vielleicht einem Klecks Senf. Ein Teller, der Gewicht hatte im besten Sinne. Es war ein Gericht mit Haltung, das nicht jeden Tag auf den Tisch kam. Eine Tradition auf dem Teller, ein kleines Fest ganz ohne Anlass.

Die DDR-Küche war nie perfekt, aber immer echt. Diese Gerichte wecken Erinnerungen und Gefühle, die zeigen, wie sehr Essen mit Heimat und Geschichte verbunden ist.

Zwischen Monotonie und Moderne: Die überraschende Renaissance des Plattenbaus

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Wie das Sinnbild sozialistischer Massenwohnungsbaugebäude zum gefragten Stadtquartier wird

Schmucklose Fassaden, endlose Reihen cast-grauer Betonplatten, einheitliche 1,20-Meter-Raster – noch vor wenigen Jahren galten die Plattenbauten der DDR als Inbegriff funktionaler Eintönigkeit und waren beliebtes Ziel westdeutscher Spott­kampagnen. Heute jedoch erlebt der einst verpönte Wohntyp eine ungeahnte Wiederauferstehung: Von preiswerten Mietwohnungen bis zu aufwendig modernisierten „Edelplatten“ ist in ehemaligen Plattenbauvierteln die gesamte Bandbreite urbaner Lebensstile zu finden.

Die Anfänge: Effizienz und Ideologie
Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Ostdeutschland akute Wohnungsnot. Am Anfang stand deshalb kein gestalterisches Konzept, sondern die drängende soziale Aufgabe, Menschen schnell und kostengünstig ein Dach über dem Kopf zu verschaffen. In den 1960er Jahren entwickelte der VEB Industriebau das sogenannte WBS70-System: Vorgefertigte Betonfertigteile im 1,20-Meter-Modul konnten innerhalb von 18 Stunden zu einer kompletten Wohnung montiert werden. Die Plattenbauten boten erstmals Einbauküche, Zentralheizung, Duschen oder Badewanne – für viele Bewohner ein Quantensprung gegenüber Altbau­wohnungen mit kalten Öfen und Gemeinschaftstoilette.

Doch der Baukasten­charakter brachte eine Schattenseite mit sich. „Schnell gebaut, überall dasselbe“, fasste die DDR-Presse 1975 lakonisch zusammen. Die architektonische Monotonie stand auf den Titelseiten nahezu aller ostdeutschen Städte: Berlin, Leipzig oder Rostock – überall dieselben Hochhäuser.

Vom „Wohnparadies“ zum „Arbeiterschließfach“
Während in den Augen vieler DDR-Bürger der Plattenbau ein Fortschritt war – ein Stück moderner Sozialrepublik –, wandelte sich das Bild nach der Wende schlagartig. Westdeutsche Medien tauften das monotone Ensemble spöttisch „Arbeiterschließfach“ oder „Wohnklo mit Kochnische“. Die Architektur wurde zum Symbol der mangelnden Innovationskraft des SED-Regimes. Viele Alt-Bundesbürger sahen in den sterilen Hochhaussiedlungen nichts weiter als ein Mahnmal der Gleichschaltung.

Neubewertung und Sanierung: Wege aus dem Image­tief
In den 1990er und 2000er Jahren starteten Bund, Länder und Kommunen groß angelegte Sanierungsprogramme: Fassadendämmung, bunte Farbakzente, Balkone oder Loggien – wer heute durch die einst grauen Viertel streift, erlebt eine optische Verwandlung. „Die Sanierung hat nicht nur die Energiebilanz verbessert, sondern entscheidend zum Image-Wandel beigetragen“, erklärt Prof. Dr. Martina Klein, Stadt­entwicklerin an der Technischen Universität Dresden.

Parallel dazu zog ein neuer Bewohner­tipp: Junge Familien und Singles auf Wohnungssuche entdeckten die günstigen Mieten und die klassische Wohnviertel-Infrastruktur – Kindergärten, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten – für sich. Start-ups, Galerien und kleine Cafés mischten das ehemals homogene Bild auf.

Edelplatten und Hipster-Flair
An besonders attraktiven Lagen entstanden exklusiv modernisierte Plattenbauten – sogenannte „Edelplatten“ mit hochwertigen Materialien, Design­küchen und Loft-Charakter. Im Berliner Friedrichshain oder Leipziger Plagwitz können solche Wohnungen inzwischen zu Preisen vermietet werden, die nahe am Stadt­zentrum von München liegen. „Die ästhetische Reduktion der Plattenbau­architektur hat eine eigene Ästhetik – minimalistisch, klar und funktional“, so Innenarchitektin Laura Meier, die mehrere Edelplatten-Projekte betreut hat.

Gleichzeitig etablierte sich in anderen Teilen der Stadt ein „Hipster-Plattenbau“: Graffiti, Street-Art und temporäre Kultur­events beleben Fassaden und Freiflächen. Plattenbau wird hier zum urbanen Experimentierfeld, dessen industrielle Anmutung bewusst zelebriert wird.

Serielle Bauweise im Wandel
Mit Blick auf die aktuelle Wohnungsnot in deutschen Großstädten gewinnt das Prinzip seriellen Bauens erneut an Bedeutung. Fertigteilbauweisen versprechen günstige Preise und kurze Bauzeiten – Lektionen, die Politik und Bauwirtschaft aus den DDR-Erfahrungen ziehen. Energieeffizienz und gestalterische Vielfalt müssen künftig besser verknüpft werden, wenn der Plattenbau als Vorbild einer modernen, nachhaltigen Wohnungs­politik dienen soll.

Der Plattenbau hat den weiten Weg vom sozialistischen Musterquartier über das Ziel westlichen Spottes bis hin zur facettenreichen Wohnidee hinter sich. Er bleibt ein Spiegel gesellschaftlicher Debatten – und lehrt zugleich, wie Architektur neu bewertet, umgedeutet und wiederbelebt werden kann.

Nostalgische Reise: Unvergessene Kindersendungen der DDR

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Die Kindersendungen der Deutschen Demokratischen Republik prägten Generationen. Sie beflügelten nicht nur die Fantasie, sondern sollten laut einer Quelle auch zu perfekten Staatsbürgern formen. Doch was von ihnen in Erinnerung blieb, war oft pure Fernsehunterhaltung fürs Herz. Für viele, die in der DDR aufgewachsen sind, waren diese Figuren mehr als nur Unterhaltung – sie waren Teil eines täglichen Rituals, vermittelten Geborgenheit und Zuversicht. Diese Figuren waren nicht immer perfekt, aber sie waren echt und genau das machte sie unvergesslich.

Basierend auf den vorliegenden Informationen werfen wir einen Blick auf einige dieser prägenden Sendungen und Charaktere:

• Das Sandmännchen: Seit 1959 streute er seinen Traumsand, begleitet von Reisen mit Rakete, Dampflock oder Seilbahn. Mal ging es zur Feuerwehr, mal zur Tiefseeforschung, gefolgt von einem kurzen Trickfilm. Für Millionen war es ein Ritual der Geborgenheit. Obwohl aus einem Staat stammend, der vieles steuerte, blieb der Sandmann laut der Quelle frei von Parolen und war ein Freund. Er läuft bis heute und wird nicht vergessen.

• Pitty Platsch und Schnatterinchen: Pitty Platsch, der frechste kleine Kobold des Ostens mit wuscheligem Haar und quietschender Stimme, sagte oft „Ach du meine Nase“. Er war neugierig und laut, aber niemals böse. An seiner Seite war Schnatterinchen, die vernünftige Entendame. Die beiden zankten sich, aber am Ende lernte man etwas, ohne erhobenen Zeigefinger. Sie waren wie Geschwister, Chaos trifft Ordnung, Spaß trifft Verstand. Seit 1962 liefen sie im Abendgruß Seite an Seite mit dem Sandmann und wurden Kult. Manchmal lugten Pittiplatsch oder Schnatterinchen auch bei Meister Nadelör um die Ecke.

• Herr Fuchs und Frau Elster: Direkt aus dem Märchenwald stammend, stritten sich die beiden herrlich wegen Geschenken oder Gartenzäunen. Herr Fuchs war mit Monokel und feiner Stimme leicht eingebildet, aber nie unsympathisch. Frau Elster war flatterhaft, aufgedreht und voller Meinung. Am Ende vertrugen sie sich immer, was als Spiegel des Alltags mit Witz und Scharm erzählt wurde. Sie zeigten, dass Freundschaft nicht Einigkeit bedeutet, sondern Dranbleiben.

Brummkreisel: Eine Bastelsendung, die Sonntage versüßte. Mit Schere und Papier durfte man mitbasteln und mitsingen. Moderator Achim erklärte geduldig, während der freche Rotschopf Kunibert meckerte und ihn aus dem Konzept brachte. Die Sendung machte Mut, selbst etwas zu schaffen.

• Hoppler: Ein Clown, der nicht laut war, sondern neugierig, tollpatschig und irgendwie wie wir selbst. Er machte viele Fehler, aber niemand lachte über ihn – man lachte mit ihm. In jeder Folge lernte er dazu, nicht durch Predigt, sondern durchs Tun im Alltag. Er war ein Alltagsheld in rotem Hemd, der ohne große Worte, nur mit Mimik und Herz, Charm versprühte.

• Meister Nadelör: Ein ruhiger Mann mit Schürze und Brille, der in seiner Werkstatt saß. Er nahm Faden und Märchenbuch zur Hand und erzählte ganz still, ganz nah, als würde er nur für dich sprechen. Er erklärte die Welt sanft und liebevoll vor dem Einschlafen, wie ein Fernseh-Bettgroßvater. Seine Geschichten wirkten ehrlich und erreichten die Kinder. Wenn er im Hintergrund erzählte, wurde alles ruhig und man lernte ohne es zu merken.

• Frau Puppendoktor Pille: Mit weißem Kittel, sanfter Stimme und ruhigen Händen heilte sie kaputte Teddys und nähte Puppenbeine an. Sie sprach über Dinge wie Zahnschmerzen, Angst vom Arzt oder Verlust in einer Sprache, die tröstete und half. Ihre Klinik war ein sicherer Ort mit echter Pädagogik, die Ängste vor echten Pflastern oder dem Kinderarzt minderte. Ihr Satz „Na das kriegen wir schon hin“ gab das Gefühl, dass sich gekümmert wird.

• Flax und Krümel: Zwei Puppenkinder mit großen Augen, echten Fragen und kleinen Alltagsdramen. Sie zankten sich um Spielzeug oder vergaßen das Aufräumen. Flax war der Wirbelwind, Krümel die Stimme der Vernunft. In ihren Geschichten fand man sich selbst wieder. Sie waren aus dem echten Leben mit Faden statt Fleisch und schenkten Nähe.

• Professor Flimbrich: Ein Abend voller leise erzählter Geschichten aus fernen Ländern, liebevoll kuratiert. Er zeigte Filme aus der Sowjetunion, Märchen aus der Tschechoslowakei und Abenteuer aus Polen. Flimbrich zeigte, dass Fernsehen mehr sein konnte als Krach – es konnte still machen, neugierig. Es war wie Kino für zu Hause, Bildungsfernsehen, das sich nicht wie Schule anfühlte.

• Clown Ferdinand: Ein großer, tapsiger Clown mit roter Nase und ohne ein einziges Wort. Er sagte nichts und erzählte doch alles mit Augen, Händen und Körper. Ob beim Einkaufen oder beim Kampf mit Werkzeug, Kinder und Erwachsene verstanden ihn sofort. Sein Humor war ohne Sprache und Grenze. Er fiel, scheiterte, stand wieder auf – immer freundlich und friedlich, ein stiller Freund, der zeigte, dass man über sich selbst lachen darf.

• Märchenland: Eine Bühne, ein Vorhang und Geschichten, die atmeten. Mit einfachen Mitteln, stiller Magie und ehrlichem Spiel wurden Märchen wie Hänsel und Gretel oder der gestiefelte Kater erzählt. Mal mit Puppen, mal mit Schauspielern, immer mit Gefühl. Die Kulissen waren schlicht, aber die Fantasie machte den Rest. Die Sendung schenkte Märchen ohne sie zu verbiegen und ließ staunen, hoffen, zittern.

• Hey du!: Eine Sendung, bei der echte Kinder aus Schulen auf der großen Bühne standen. Sie rannten, knobelten, lachten und spielten. Wolfgang Lippert moderierte locker und mit Herz. Es ging nicht ums Gewinnen, sondern ums Dabeisein, um Teamgeist und Mut. Es war wie Schulhof auf Sendung und ein Spiegel, bei dem man selbst ein Stück Fernsehen war.

• Ally: Eine kleine Puppe mit bunter Schleife, frech, freundlich, neugierig. Sie bastelte mit Kindern am Tisch, schnippelte, klebte, malte und fragte, wie sie es machen würden. Sie war wie eine Freundin, die alles ausprobieren wollte und sagte: „Du kannst das. Du darfst Fehler machen.“. Sie bewirkte Großes mit Schere, Papier und Herz.

• Der kleine Zauberer: Ein kleiner Kerl mit Hut und Umhang, der mit gutem Willen zauberte. Seine Zauber klappten selten auf Anhieb, aber genau das war das Schöne. Er übte, lernte, lachte, und wir mit ihm. Seine Welt war bunt, leise, verträumt, voller kleiner Wunder. Diese kurzen Filme fragten, wie die Welt sein könnte und zeigten, dass Fehler erlaubt sind.

• Kasper: Er rief oft: „Kinder seid ihr alle da?“ und bekam lauten Rückruf. Mit roter Zipfelmütze und großer Klappe sprach er direkt durch die Scheibe. Er bekämpfte das Krokodil, überlistete den Räuber und neckte den Polizisten, immer auf der Seite der Kinder. Seine Welt war einfach: Gut war gut, böse war dumm. Er war laut, frech, ehrlich und für viele der erste Held, der zeigte, dass man mit Witz und Mut die Welt verändern kann.

• Der kleine Maulwurf: Manchmal kam er einfach so, grub sich durch die Erde und direkt in die Kinderherzen. Kein Wort kam über seine Lippen, doch man verstand alles durch seine Freude und Traurigkeit. Seine Welt war leise, liebevoll, voller kleiner Abenteuer. Er zeigte, dass man nicht laut sein muss, um gehört zu werden, und dass Gefühle keine Sprache brauchen. Er war ein sanfter Zufluchtsort inmitten einer oft lauten Welt.

• Bummi: Ein gelber Teddybär mit rotem Halstuch, freundlich, neugierig, bereit zu helfen. Für viele der allererste Fernsehfreund. Seine Welt war klein, aber voller Bedeutung, es ging ums Teilen, Aufräumen, Trösten. Mit sanfter Stimme in Reimen erzählt und mit unvergesslicher Musik. Bummi sprach nicht viel und sagte doch alles; er war verlässlich. Er gab Wärme, Nähe und das Gefühl, dass die Welt in Ordnung kommt.

• Mischka: Ein Bär, den man nicht in Läden fand, sondern im Herzen trug. Seine Geschichten waren klein, aber voller Gefühl, ob er einem Freund half oder sich versöhnte. Er sprach wenig, doch jedes Nicken, jede Bewegung erzählte von Freundschaft, Geduld, Vertrauen. Ein stiller Begleiter, der nicht unterhielt, sondern begleitete.

• Onkel Uhu: Ein kluger Vogel mit Brille, der uns erklärte, warum Blätter fallen oder wie Regen entsteht. Er war kein Showman, sondern ein langsamer, bedachter Erzähler mit ruhiger Stimme. Wie ein Großvater in Federn redete er mit uns, machte aus Natur ein Wunder. Wer ihm zuhörte, lernte leise, wie faszinierend die Welt ist und dass Bildung keinen Show braucht.

• Borstel und Frau Igel: Bostel war ein kleiner Igel mit großem Herz, neugierig, tapsig, voller Fragen. An seiner Seite war Frau Igel, immer da wie eine Großmutter, die alles versteht. Sie lebten im Märchenwald, stritten oder schrien nicht, sondern sprachen leise über das, was Kinder bewegt. Borstel war das Kind, Frau Igel der Halt. Sie schufen eine Welt, die langsamer, weicher und deshalb stark war.

Diese Sendungen waren mehr als nur Unterhaltung; sie prägten Kindheiten und schufen Erinnerungen, die bis heute lebendig sind.

Das DDR-Sportwunder: Zwischen Medaillenrausch und Staatsdoktrin

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Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) schrieb Sportgeschichte – nicht nur durch ihre beeindruckenden Erfolge, sondern auch durch das System, das dahintersteckte. In einem Land, in dem Sport mehr war als nur Freizeit oder Vergnügen, diente er als Spiegel der politischen Stärke. Die außergewöhnlichen Erfolge und die beeindruckenden Medaillengewinne prägten das Bild eines wahren „Sportwunders DDR“.

Medaillen als politische Waffe Zwischen 1956 und 1988 erhielten DDR-Spitzensportler bei Olympischen Spielen insgesamt 572 Medaillen, darunter 203 erste Plätze. Doch hinter diesen Erfolgen steckte mehr als nur sportlicher Ehrgeiz. Medaillen dienten dazu, international Anerkennung zu gewinnen und die Überlegenheit des sozialistischen Systems zu demonstrieren. Die DDR investierte ganz gezielt Finanzmittel und Personal in den Leistungssport, um in allen olympischen Spielen seit 1968 besser abzuschneiden als die Bundesrepublik. Ab 1961 entwickelte Manfred Ewald, der Chef des DDR-Sports, die Förderung des Spitzensports zu einem zentralen Staatsprojekt, geleitet durch das Komitee für Körperkultur und Sport. Seine Vision war die DDR als sportliche Weltmacht, mit Medaillen als Erfolgsnachweis, insbesondere bei Olympischen Spielen. Es gelang der DDR sogar, 1976 die USA und 1984 die Sowjetunion hinter sich zu lassen – ein enormer Erfolg für ein vergleichsweise kleines Land.

Ein straff organisiertes System Nach dem Krieg baute die DDR ein völlig neues Sportsystem auf. Traditionelle Vereine verschwanden und machten Platz für staatlich kontrollierte Betriebssportgemeinschaften und Sportclubs. Der Deutsche Turn- und Sportbund koordinierte ab 1957 das gesamte Sportsystem. Die Deutsche Hochschule für Körperkultur in Leipzig wurde zur wichtigsten Ausbildungsstätte für Trainer und Wissenschaftler, deren Methoden das Erfolgsrezept prägen sollten.

Die Talentsuche begann früh, oft schon im Kindergarten. Kinder wurden systematisch getestet und für bestimmte Sportarten ausgewählt. Wer Potenzial zeigte, besuchte eines der 900 Trainingszentren oder eine der Kinder- und Jugendsportschulen. Diese spezialisierten Einrichtungen nach sowjetischem Vorbild boten besondere gesundheitliche und soziale Betreuung, wissenschaftlich optimierte Trainingsprogramme und umfassend ausgebildete Trainer.

Der Preis des Erfolgs: Druck und Doping Doch der Druck unter dem dies alles stattfand, war enorm. Es wurde präzises Gewicht, genaues Training und das Einhalten vorgegebener Zeiten verlangt. Der Staat konnte Sportler bedrohen. Der Druck Medaillen zu gewinnen wuchs stetig. In den 1970er Jahren wurden neue Wege gesucht, um die Leistungen der Athleten zu steigern – von biomechanischen bis hin zu biochemischen Methoden. Wissenschaftler und Ärzte arbeiteten daran, Athleten zu Höchstleistungen zu bringen. Ein wesentliches Mittel dabei war Doping, das Ende der 60er Jahre begann und in den 70ern durch den sogenannten Staatsplan weiter systematisiert wurde. Es gab erwachsene Sportler, die freiwillig dopten, aber auch Minderjährige, die systematisch belogen wurden und dachten, sie bekämen Vitamine.

Sportler als „Diplomaten im Trainingsanzug“ Olympische Spiele waren für die DDR mehr als nur sportliche Höchstleistungen; der Sport wurde gezielt als Waffe im Klassenkampf eingesetzt. Die SED-Führung ging davon aus, dass Spitzensportler nicht nur sportliche Leistungen erbringen, sondern sogenannte „Diplomaten im Trainingsanzug“ sind. Sie sollten politisch zuverlässig sein, um die DDR würdig zu repräsentieren. Es gab neben dem sportlichen auch einen ideologischen Anspruch. Junge Sportler wurden früh ideologisch erzogen und ihnen wurde vermittelt, dass sie dem Staat dankbar sein müssten, Sport treiben zu dürfen.

Breitensport im Schatten des Spitzensports Während der Spitzensport auf höchstem Niveau gefördert wurde, blieb der Breitensport oft auf der Strecke. Zwar gab es viele Hobbysportler, doch Infrastruktur und Mittel konzentrierten sich auf Einzeldisziplinen, die schnelle und verlässliche Medaillen versprachen. Manche Sportarten galten auch als „westlich“ oder „elitär“ und waren nicht gern gesehen, wie Tennis oder bestimmte Trendsportarten. Windsurfing wurde etwa als „Brettsegeln“ bezeichnet, um nicht den „imperialistischen Ruch“ der USA hereinzubringen.
Mit dem Fall der Mauer endete auch das DDR-Sportsystem. Viele Sportler mussten sich rechtfertigen, andere sprachen erstmals offen über Zwang und gesundheitliche Folgen. Die Geschichte des DDR-Sports zeigt, wie politische Ziele den Sport beeinflussen und formen können. Sie macht deutlich, dass echter, nachhaltiger sportlicher Erfolg auf Prinzipien wie Fairness und Respekt beruhen muss, nicht allein auf Medaillen und Rekorden.

Andrej Hermlin „Wir gehen sehenden Auges in den Untergang dieser Republik“

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Ein Gespräch mit Musiker und Zeitzeugnis Andrej Hermlin über DDR-Erinnerungen, Antisemitismus und die aktuelle Krise Deutschlands

Jazz-Pianist und Dirigent Andrej Hermlin gewährte der Bundesstiftung Aufarbeitung einen tiefgehenden Einblick in seine Kindheit in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), seine Erfahrungen während der Wende und seine besorgte Sicht auf die Bundesrepublik heute.

Hermlin, der sich selbst als „privilegiertestes Kind der DDR“ bezeichnet, wuchs mit Auslandsaufenthalten am Lago Maggiore, in Paris und Stockholm auf – doch West‑Berlin blieb ihm bis Frühjahr 1989 verschlossen. Schon als Schüler habe er die Teilung Deutschlands nie als natürlichen Zustand betrachtet, berichtet er, und in seinem „grenzenlosen Idealismus“ auf einen reformierten Sozialismus nach dem Vorbild Gorbatschows gehofft.

Bereits während seines Grundwehrdienstes bei der Nationalen Volksarmee 1985/86 habe er gespürt, dass das System „auf tönernen Füßen“ stehe. In einer hitzigen Diskussion erklärte er seinem Zugführer, die DDR-Bevölkerung habe „die Schnauze voll vom Sozialismus“ – eine Sicht, die der Soldat irritiert, aber schließlich anerkennend zur Kenntnis nahm.

Erinnerungen an das frühe 1980er-Jahre-Beispiel einer fiktiven „Bild-Zeitung“, die weinende Menschen und die Bundeswehr am Brandenburger Tor zeigen sollte, unterstreichen für Hermlin die Unvermeidlichkeit des Zusammenbruchs. Am Abend des 9. November 1989, als er erstmals West‑Berlin betrat, sei genau dieses Motiv in seinem Kopf gewesen.

Die Wiedervereinigung beschreibt Hermlin als „finanziell eine Erstklass-Reunion“: Die meisten Ostdeutschen hätten in Wohlstand und Freiheit gewonnen. Problematisch sei jedoch die Demütigung gewesen, die viele durch triumphale West‑Rhetorik empfanden. Dieses „Triumphgeheul“ habe Ostidentitäten gestärkt und bis heute politische Strömungen genährt, die sich als „Stachel im Fleisch“ begreifen.

Zur Wirtschaft der DDR sagt Hermlin: Sie war nicht nur ökonomisch überholt, sondern „moralisch bankrott“. Veraltete Fabriken und fehlende Reisefreiheit hätten das System zum Einsturz gebracht – nicht zuletzt, weil die Menschen „die Bevormundung satt hatten“. Eine Rettung sei angesichts mangelnder Investitionsläufe ohnehin unrealistisch gewesen.

Einen klaren Bruch macht Hermlin mit Begriffsbildungen wie „Ossi“ und „Wessi“: Er sehe in allen Deutschen gleichberechtigt Söhne und Töchter dieses Landes. Sein persönliches Erleben von Antisemitismus in Schule und Politik, etwa beim Ringen um die US-Serie „Holocaust“, habe ihn jedoch nachhaltig geprägt. Er warnt eindringlich vor neuen Ressentiments, die er in pro-palästinensischen Demonstrationen und in Teilen der Kulturszene beobachtet.

Die Parallelen zwischen dem Ende der DDR und der aktuellen Bundesrepublik sieht Hermlin vor allem in der wachsenden Entfremdung zwischen Regierten und Regierenden: ein „Sprechen übereinander statt miteinander“, ein Verlust von Dialog und gesellschaftlicher Kohäsion. Fehlende große Ideen und kaputte Infrastruktur verstärkten das Gefühl eines „Zerfallsprozesses“.

Hermlins Fazit ist nüchtern: Er rechne nicht damit, dass die Republik in ihrer heutigen Form in fünf Jahren noch existiere. Sein Appell lautet: mehr Demut, echten Dialog und ein klares Bekenntnis zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland, um dem drohenden Zerfall entgegenzusteuern.

Wohnen in der DDR: Zwischen Plattenbau, Wartezeit und Eigeninitiative

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In einer Stadt wie Magdeburg, der Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks und einem Zentrum des Schwermaschinenbaus mit 290.000 Einwohnern, stellte die Wohnungsfrage für viele Menschen eine zentrale Herausforderung dar. Tausende Arbeiter waren in der Industrie beschäftigt, doch wo wohnten diese Menschen? Die Antwort war oft: in Neubaugebieten wie Magdeburg Olvenstedt oder in Altbauten mit meist grauen und unfreundlichen Fassaden. Wohnraum war in der DDR knapp.

Anders als in marktwirtschaftlichen Systemen gab es in der DDR keinen Wohnungsmarkt mit Angebot und Nachfrage. Stattdessen hatte der Staat den gesamten Wohnraum erfasst und verteilte ihn. Wer umziehen wollte, benötigte viel Geduld und musste warten, bis ihm eine neue Wohnung zugewiesen wurde. Der Weg zur eigenen Wohnung führte unweigerlich über eine staatliche Behörde, wo ein Antrag auf Wohnungszuweisung gestellt werden musste.

Der Prozess begann mit dem Ausfüllen eines Formulars, für das der Personalausweis benötigt wurde. Alle Wohnungswünsche wurden bei einer Stelle für Wohnungswesen gesammelt. Gesetzliche Bestimmungen, geregelt durch die Wohnraumlenkungsverordnung vom 16.10.85, legten fest, wie groß die Wohnung des Antragstellers sein durfte. Laut dieser Verordnung hatte grundsätzlich jeder Bürger mit Vollendung des 18. Lebensjahres und jede Familie das Recht, einen Antrag für eine Wohnung zu stellen.

Besondere soziale Schwerpunkte wurden bei der Wohnraumvergabe gesetzt: Junge Ehepaare, die noch bei den Eltern lebten oder getrennt untergebracht waren, wurden besonders gefördert. Die Festlegung sah vor, jedes junge Ehepaar möglichst innerhalb eines Jahres mit einer Wohnung zu versorgen.

Die Bearbeitung eines Wohnungsantrags war jedoch oft langwierig. Ehrenamtliche Mitarbeiter aus dem Wohngebiet des Antragstellers überprüften die Angaben. Ein schriftlicher Bescheid über die weitere Bearbeitung folgte. Doch auch bei Genehmigung war die Wartezeit ungewiss. Ein Antragsteller hoffte, dass es „so schnell wie möglich“ gehen würde, rechnete aber realistisch mit etwa zwei Jahren Wartezeit. Solche Aussichten lösten Gefühle des Entgegenfieberns und der Freude auf die künftige Selbstständigkeit aus. Manche Mieter in Neubauten wie Olvenstedt hatten nach eigenen Angaben etwa sechs Jahre vom Antrag bis zum Einzug gewartet, wobei der Antrag oft nach der Geburt einer Tochter gestellt wurde.

Warum war die Wohnsituation so angespannt? Der Wohnungsbau spielte in der DDR lange Zeit eine untergeordnete Rolle. Die Menschen mussten sich notgedrungen mit unzureichenden Wohnungen arrangieren, viele lebten in Mietskasernen aus der Jahrhundertwende, in deren Innenhöfe kaum Licht fiel. Die Gründe dafür waren vielfältig: Zunächst waren da die Folgen des Zweiten Weltkriegs, bei dem ein Großteil des Wohnraumes zerstört wurde. Nach dem Krieg fehlte die wirtschaftliche Kraft für einen schnellen Wiederaufbau. Reparationen an die Sowjetunion waren zu zahlen, und internationale Hilfsprogramme gab es nicht. Vor allem aber wurde dem Aufbau von schwerindustriellen Zentren Vorrang vor dem Wohnungsbau eingeräumt. Dies galt als Gebot des wirtschaftlichen Überlebens, da die DDR durch die Teilung Deutschlands von alten Industriezentren abgeschnitten war.

Erste Wohnungsneubauten entstanden in den 50er Jahren im sogenannten „Zuckerbäckerstil“, Bauten, die die neue Gesellschaftsordnung repräsentieren sollten. In den 60er Jahren wurde punktuell gebaut, vor allem dort, wo Industriezentren entstanden – zweckmäßige Bauten, die möglichst viele Menschen beherbergen sollten. Währenddessen verfiel die Altbausubstanz zusehends. Es mangelte an Geld, Baumaterialien und Arbeitskräften zur Erhaltung oder Modernisierung der alten Häuser. Staatlich festgesetzte niedrige Mieten kamen zwar den Mietern zugute, reichten aber nicht zur Erhaltung der Häuser. Viele Häuser waren so verfallen, dass nur noch der Abriss blieb.

Eine entscheidende Wende kam 1971: Die SED beschloss unter Erich Honecker ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm. Bis 1990 sollte die Wohnungsfrage als soziales Problem gelöst sein, mit dem Ziel, jedem Bürger eine warme, sichere und trockene Wohnung zu verschaffen.

Seitdem entstanden überall in der DDR Neubausiedlungen. Gebaut wurde vorwiegend in industrieller Plattenbauweise. Vorgefertigte Platten für Fassaden und Innenwände wurden in Plattenwerken hergestellt und auf der Baustelle zu Wohnblöcken montiert. Der größte Teil der bis 1990 geplanten 3,5 Millionen Wohnungen sollte so entstehen. Baubrigaden, oft aus sechs Arbeitern bestehend, fungierten als Monteure und setzten Wohnungen nach einem Baukastensystem zusammen. Selbst Bäder waren vorgefertigt und wurden nur noch eingepasst.

Dieses industrielle Bauen ermöglichte ein sehr schnelles Bautempo und die Schaffung vieler Wohnungen an gleichen Standorten. Dies führte allerdings zu Gleichförmigkeit und Monotonie im Erscheinungsbild. Die Wohnungen wurden vor der Übergabe tapeziert und mit Küchenmöbeln als Grundausstattung versehen, wobei der künftige Mieter keinen Einfluss auf die Auswahl hatte. Dennoch waren die meisten Mieter zufrieden, da der Einzug oft das Ende einer langen Wartezeit und oft miserabler Wohnverhältnisse bedeutete. Für viele war das neue Bad ein besonderer Pluspunkt. Bei der Möblierung des individuellen Geschmacks musste man „laufen“, sprich suchen, da die Angebote in Warenhäusern nicht immer den persönlichen Vorstellungen entsprachen.

In den Neubaugebieten wurden auch gesellschaftliche Einrichtungen wie Spielplätze, Kaufhallen und Sportstätten geschaffen. Angesichts der Tatsache, dass fast alle Frauen in der DDR berufstätig waren, war besonders die Ganztagsbetreuung von Kindern in Schulen wichtig. Auch die sorgfältige Planung der Anzahl und Lage von Kaufhallen war essenziell, um Tausenden Menschen bequemes Einkaufen zu ermöglichen.

Neben dem Neubau war die Rekonstruktion von Altbauten der zweite Schwerpunkt des Wohnungsbauprogramms. Altbauquartiere mit guter Bausubstanz, wie der Hasselbachplatz in Magdeburg, der vom Bombenhagel verschont blieb, wurden umgestaltet, um modernen Wohnansprüchen zu genügen. Dabei wurden Neben- und Hinterhäuser sowie enge Innenhöfe und Anbauten beseitigt, um helle und luftige Wohnhöfe zu schaffen. Obwohl dies zunächst nach Abriss aussah, zeigte sich dort, wo die Rekonstruktion fortgeschritten war, dass sie eine Alternative zum Neubau darstellte. Die Priorisierung des Neubaus wurde damit begründet, dass dieser aufgrund der industriellen Bauweise schneller Wohnungen schaffen konnte, um die Bevölkerung abzudecken, während man sich parallel der Altbausubstanz widmete.

Auch bei der Altbausanierung wurde im sogenannten Flies- und Taktverfahren gearbeitet, bei dem Häuser eines Straßenzuges schrittweise vom Dach bis zum Innenausbau erneuert wurden. Hier setzten sich die Baubrigaden aus spezialisierten Fachleuten zusammen.

Für Mieter in Altbauwohnungen, die noch nicht renoviert werden konnten, gab es Reparaturstützpunkte der kommunalen Wohnungsverwaltung, einem volkseigenen Betrieb. Dort wurden Werkzeuge und Maschinen ausgeliehen, und Mieter erhielten die notwendigen Materialien für Reparatur- und Modernisierungsarbeiten. Für die aufgewendete Arbeitszeit wurden sie entlohnt. Fachliche Beratung wurde angeboten, und betriebseigene Handwerker führten Arbeiten aus, die Laien nicht gestattet waren, wie Elektro-, Gas- und Wasserinstallationen. Häufige Arbeiten, die auch Bürger mit entsprechender Ausbildung und Initiative selbst ausführten, waren Mauerarbeiten und teilweise Elektroarbeiten. Finanziell mussten die Mieter für diese Arbeiten nichts aufwenden; die Kosten trug der Staat. Die kommunale Wohnungsverwaltung finanzierte das Material und benötigte die Eigeninitiative des Bürgers im Interesse seiner Wohnung und zur Erfüllung der Wohnungsaufgabe. Diese Eigeninitiative wurde oft als positiv bewertet, da der Bürger seine Wohnung individuell ausbaute, Interesse zeigte, wenig Material einsetzte und effektiv arbeitete.
Der krönende Abschluss des langen Weges zur Wohnung war die feierliche Übergabe. In einer Sprechstunde konnte die Zuweisung für die neue Wohnung überreicht werden, womit das Wohnungsproblem als gelöst galt. Verbunden mit Wünschen für Schaffenskraft und Freude im künftigen Lebensweg.

Analyse und Einordnung in die heutige Zeit
Die Betrachtung des Wohnungsbaus und der Wohnraumbewirtschaftung in der DDR anhand dieser Quellen offenbart ein System, das fundamental von modernen, marktwirtschaftlich geprägten Wohnsystemen abweicht.

1. Staatliche Kontrolle vs. Markt: Das zentrale Merkmal des DDR-Systems war die vollständige staatliche Kontrolle des Wohnraums und seiner Verteilung. Dies steht im krassen Gegensatz zu heutigen Systemen, in denen der Wohnungsmarkt über Angebot und Nachfrage funktioniert und private Akteure (Bauherren, Vermieter, Makler) eine entscheidende Rolle spielen. Die staatliche Lenkung sollte eine bedarfsgerechte Versorgung sicherstellen, führte aber zu Engpässen und langen Wartezeiten.

2. Zuweisung vs. Wahlfreiheit: Die Zuweisung einer Wohnung durch staatliche Behörden bedeutete eine eingeschränkte Wahlfreiheit für die Bürger. Der Mieter hatte keinen Einfluss auf die Ausstattung wie Küchenmöbel oder Tapeten in Neubauten. Dies steht im Kontrast zur heutigen Möglichkeit, Wohnungen nach individuellen Kriterien auf dem Markt auszuwählen und bei Bedarf anzupassen oder zu gestalten. Allerdings wurde die zugewiesene Wohnung oft als deutliche Verbesserung der Lebensumstände empfunden.

3. Wartezeiten vs. Verfügbarkeit/Wettbewerb: Während in der DDR lange Wartezeiten von mehreren Jahren auf eine Wohnung die Regel waren, ist die Verfügbarkeit von Wohnraum heute regional sehr unterschiedlich. In Ballungszentren herrscht ebenfalls Knappheit, die sich jedoch in hohen Preisen und Mieten sowie Konkurrenzdruck bei Besichtigungen äußert, nicht primär in einer zentral verwalteten Warteliste (obwohl es auch im sozialen Wohnungsbau Wartelisten gibt). Die Ungewissheit der Wartezeit in der DDR war eine spezifische Belastung.

4. Industrialisierung und Standardisierung: Der massive Einsatz der Plattenbauweise ab den 1970er Jahren ermöglichte ein schnelles Bautempo und die Realisierung des umfangreichen Wohnungsbauprogramms. Dies führte zwangsläufig zu einer hohen Standardisierung und potenziellen Monotonie im Stadtbild. Heute gibt es eine deutlich größere Vielfalt an Baustilen, Materialien und Wohnungsgrundrissen. Allerdings werden auch heute vorgefertigte Elemente im Bau eingesetzt, wenn auch oft nicht in dem Maße wie im DDR-Plattenbau. Die Frage der Monotonie hing laut Quelle nicht zwingend mit der Bauweise selbst zusammen, sondern mit deren Anwendung.

5. Staatliche Instandhaltung vs. Mieter-/Eigentümerverantwortung: Die kommunale Wohnungsverwaltung als volkseigener Betrieb war für die staatlichen Wohnungen zuständig. Interessant ist das System der Reparaturstützpunkte, bei dem Mieter Materialien und Werkzeuge erhielten, für ihre Arbeit entlohnt wurden und der Staat die Kosten trug, während Facharbeiten von betriebseigenen Handwerkern ausgeführt wurden. Dieses Modell der staatlich unterstützten Mieter-Eigeninitiative unterscheidet sich stark von heutigen Mietverhältnissen, bei denen der Vermieter für Instandhaltung zuständig ist oder Eigentümer selbst für alle Kosten und Arbeiten aufkommen müssen.

6. Priorisierung und gesellschaftlicher Ansatz: Die Förderung junger Ehepaare zeigt einen klaren sozialen Fokus des Systems. Das Wohnungsbauprogramm ab 1971 wurde explizit als Lösung eines sozialen Problems verstanden. Dies kann als Versuch gesehen werden, die Grundversorgung der Bevölkerung sicherzustellen, auch wenn die Umsetzung lange dauerte und zu Lasten der Altbausubstanz ging. Heute ist Wohnen oft auch eine Kapitalanlage, was zu anderen Dynamiken auf dem Markt führt als der alleinige Fokus auf die soziale Wohnraumversorgung.

7. Die Rolle der Altbausanierung: Die Erkenntnis, dass die Sanierung alter Gebäude eine Alternative zum Neubau darstellt, kam offenbar spät und wurde erst nach der Priorisierung des schnellen Neubaus im großen Stil angegangen. Die Methodik des Flies- und Taktverfahrens zeigt jedoch auch hier einen organisierten, industriellen Ansatz. Viele dieser sanierten Altbauten und Plattenbauten prägen auch heute noch das Stadtbild ostdeutscher Städte und stellen einen wichtigen Teil des heutigen Wohnungsbestands dar.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das in den Quellen beschriebene DDR-Wohnungssystem ein Planwirtschaftliches Modell war, das darauf abzielte, ein grundlegendes soziales Bedürfnis zu erfüllen. Die Methoden (Plattenbau, staatliche Zuweisung, unterstützte Eigeninitiative bei Reparaturen) und die Herausforderungen (Knappheit, Wartezeiten, Verfall der Altbausubstanz) waren spezifisch für dieses System und stehen im Kontrast zum heutigen, primär marktwirtschaftlich organisierten Wohnen, auch wenn heutige Städte durchaus auch mit Fragen der Wohnraumknappheit, Bezahlbarkeit und der Qualität des Wohnungsbestands konfrontiert sind. Die damaligen „gesellschaftlichen Einrichtungen“ in Neubaugebieten entsprechen in ihrer Funktion teilweise der heutigen Infrastrukturplanung bei der Entwicklung neuer Wohnquartiere.

Morassina-Schaubergwerk erschließt „unberührten“ Oberen See

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Saalfeld/Schmiedefeld. Das Morassina-Schaubergwerk & Heilstollen St. Barbara in Saalfeld, Ortsteil Schmiedefeld, hat einen bisher unzugänglichen Bereich für ausgewählte Besucher erschlossen: den sogenannten „oberen See“ im Bergwerk. Dieser Bereich wird als „unberührter See“ und „Punker See“ beschrieben, der „weit weg vom vom Besucherverkehr“ liegt und „in Ruhe geblieben ist über viele Jahre“. Er gilt als „energiereicher Ort“ und ein „ganz besonderer Ort“, an dem man zur Ruhe kommen und „Energie tanken“ kann.

Die Erschließung dieses Bereichs wurde durch das Setzen neuer Stempel ermöglicht. Daran beteiligt waren ein neuer Hohlraumverantwortlicher, der aktuell aus dem Bergbau kommt und Bergmann ist, sowie an einem Samstag Studenten und Dozenten vom Geologischen Institut der Universität Jena, die beim Setzen der Stempel mithalfen, um den Bereich abzusichern.

Der Weg zu diesem besonderen See ist allerdings nicht im Rahmen der üblichen Führungen möglich. Vom normalen Eingang geht es zunächst bis zur Märchengrotte, dann durch diese Grotte hindurch und an einem Berggeist vorbei. Der Pfad führt weiter in einen Oberbereich, der „ziemlich niedrig ist“, und erfordert streckenweise, dass man „auf Knien oder durchkriechen“ muss, sowie das Passieren eines „ganz engen Durchgang[s]“.

Wie es in der von Ihnen bereitgestellten Beschreibung heißt: „Es ist ein wahres Abenteuer, aber eines, das sich wirklich lohnt – die neue Führung zum erst kürzlich erschlossenen Hohlraum mit oberen See im Morassina – Schaubergwerk & Heilstollen.“ Dieser Zugang ist aufgrund des „viele[n] Aufwand[s] hochzukommen“ nur für einzelne oder maximal zwei bis drei Personen gleichzeitig möglich. „Die neue Führung für 2-3 Personen wird nur auf Anfrage angeboten“, da sie „nicht im üblichen Dachrhythmus“ stattfinden kann. Es soll ein Angebot „für besondere Gäste“ bleiben und wird „mit den üblichen Eindrittspreisen nicht abzudecken sein“. Das Bergwerk belohnt mit Einsichten, die nur abseits vom regulären Besucherweg gewährt werden, und offenbart einen Ort voller Energie.