Die Unsichtbaren der DDR: Fallschirmjäger zwischen Elite und Staatsauftrag

Von der verdeckten Spezialeinheit zum lebendigen Andenken – wie die Fallschirmjäger der DDR Vergangenheit und Gegenwart verbinden.

Magdeburg, Frühjahr 2009. Eine Antonow 28 zieht ihre Bahn am Himmel, darunter: Männer, die einst zu den geheimsten Elitesoldaten der DDR gehörten. Heute springen sie wieder – aus Freude, aus Nostalgie, aus einem Gefühl von Zusammengehörigkeit. Renato Pitsch und seine Kameraden inszenieren ihre Vergangenheit für das Publikum, doch ihre Geschichte ist mehr als ein Spektakel. Sie erzählt von Idealismus, Disziplin – und dem Missbrauch militärischer Stärke durch ein untergehendes Regime.

Fallschirmjäger – ein Mythos in Uniform.
Als „Leistungssportler in Uniform“ beschrieben, wurden DDR-Fallschirmjäger ab den 1960er Jahren zu einer militärischen Eliteeinheit aufgebaut. Auf der Insel Rügen, im Schatten der monumentalen NS-Bauten von Prora, begann ihre geheime Ausbildung: Nahkampf, Fallschirmspringen, Bergsteigen, Skifahren – ein Programm, das kaum ein anderer Soldat der DDR absolvierte.

Doch trotz all ihrer Tarnung ließ sich die Existenz der Einheit nie ganz verbergen. Spätestens als SED-Chef Erich Honecker 1972 dem Truppenteil einen offiziellen Besuch abstattete, war der Schleier des Geheimnisses gelüftet. Öffentlich aber blieb ihr Können weiterhin tabu – der politische Charakter der Einheit stand im Vordergrund: Parteitreue und „sozialistische Persönlichkeitsbildung“ waren ebenso Pflicht wie körperliche Höchstleistung.

Kämpfer gegen das eigene Volk.
1989 – die DDR steht am Rand des Zusammenbruchs. Der Kalte Krieg war nicht heiß geworden, doch die größte Herausforderung für die Fallschirmjäger sollte nicht der NATO-Gegner sein, sondern das eigene Volk. Als die Proteste in Leipzig anschwollen, erhielten sie als erste Einheit den „Fechtsalarm“. „Genossen, die Konterrevolution ist im Anmarsch“ – ein Satz, der dem ehemaligen Gefreiten Matthias Schauch bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

Es blieb beim Alarm – die Geschichte entschied sich gegen den Einsatz von Gewalt. Doch der Schock, gegen das eigene Volk antreten zu sollen, ließ viele nicht los. Der Mythos der Elite bekam Risse.

Einsätze im Stillen.
In der Öffentlichkeit trat die Truppe selten auf – wenn überhaupt, dann als Katastrophenhelfer. Im Winter 1978 etwa: Rügen versank unter Schneemassen. Die Fallschirmjäger, mit Skiern unterwegs, versorgten eingeschlossene Bauernhöfe mit Lebensmitteln. Ein seltenes Beispiel dafür, wie ihre Fähigkeiten für zivile Zwecke eingesetzt wurden – und ein Moment echter Anerkennung durch die Bevölkerung.

Leben nach dem Dienst.
Nach der Entlassung wurden viele der Soldaten umworben – vom Ministerium für Staatssicherheit, von der Polizei oder Transportpolizei. Ihre Ausbildung war gefragt, ihr Schweigen ebenso. Doch auch Jahrzehnte später leben viele noch in der Vergangenheit: In Sprüngen, Märschen, Kameradschaftsabenden. Die Schattenseiten der Armee – Drill, politische Indoktrination, psychische Belastung – rücken oft in den Hintergrund. „Man vergisst ja eigentlich die schlechten Sachen“, sagt Renato Pitsch. „Man erinnert sich nur an die guten.“

Zwischen Vergangenheit und Selbstvergewisserung.
Heute pflegen ehemalige DDR-Fallschirmjäger ihre Geschichte als Traditionsgemeinschaft. Ihre Aktivitäten sind Ausdruck einer Identität, die tief mit einem untergegangenen Staat verwoben ist. Zwischen sportlicher Herausforderung und nostalgischer Verklärung steht dabei stets die Frage im Raum: Was bleibt vom Mythos, wenn die Uniform gefallen ist?

Eine atmosphärische Vermessung der ostdeutschen Gegenwart

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Manchmal muss man vom Rad steigen oder in einer Lokalredaktion anheuern, um wirklich zu verstehen, wie sich der Wind gedreht hat. Teaser: Wenn wir über den Osten sprechen, landen wir oft schnell bei Wahlergebnissen und Prozentzahlen. Aber was liegt darunter? Was passiert in den Dörfern, an den Stammtischen, in den Vereinen, wenn die Kameras weg sind? Für das Buch „Extremwetterlagen“ haben sich drei Autorinnen und ein Soziologe auf eine intensive Reise durch Sachsen, Brandenburg und Thüringen begeben. Sie waren als „Überlandschreiberinnen“ unterwegs, ganz nah dran an den Menschen. Tina Pruschmann fuhr mit dem Rad durchs Erzgebirge, Barbara Thériault arbeitete in einer Thüringer Lokalzeitung, Manja Präkels besuchte Initiativen in Brandenburg. Was sie mitgebracht haben, sind keine schnellen Urteile, sondern feine Beobachtungen über ein gesellschaftliches Klima, das rauer wird. Es geht um die Normalisierung von Dingen, die früher undenkbar waren. Um das Schweigen im Alltag und die historischen Linien, die bis in die DDR zurückreichen. Alexander Leistner ordnet diese Beobachtungen soziologisch ein und zeigt: Nichts davon kommt aus dem Nichts. Es ist eine Bestandsaufnahme der Gegenwart, die zeigt, wie anstrengend es sein kann, gegen den Wind zu atmen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Eine literarische und soziologische Vermessung der ostdeutschen Zustände jenseits der üblichen Schlagzeilen. Teaser: Im Vorfeld der letzten Landtagswahlen startete ein besonderes Projekt: Die Autorinnen Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault sowie der Soziologe Alexander Leistner erkundeten als „Überlandschreiberinnen“ die gesellschaftliche Atmosphäre in Ostdeutschland. Ihr Buch „Extremwetterlagen“ (Verbrecher Verlag) dokumentiert Kipppunkte und Brüche in der Gesellschaft. Die Texte verbinden reportageartige Nähe mit analytischer Distanz. Sie thematisieren die schleichende Normalisierung rechtsextremer Narrative ebenso wie die Resilienz der Zivilgesellschaft. Besonders wertvoll ist dabei die historische Einordnung, die mentale Kontinuitäten bis in die DDR-Zeit sichtbar macht. Eine wichtige Lektüre für alle, die die aktuellen Entwicklungen in Ostdeutschland fundiert verstehen wollen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Begriff „Extremwetterlagen“ meint hier keinen Regen, sondern das soziale Klima einer Region im Umbruch. Teaser: Wie lernt man, gegen den Wind zu atmen, wenn er einem direkt ins Gesicht bläst? Die Reportagen von Präkels, Pruschmann, Thériault und Leistner beschreiben den Osten nicht als Problemzone, sondern als Seismograph. Sie zeigen, wie sich das Miteinander verändert, wenn politische Extreme zum Alltag werden. Ein ruhiges, aber eindringliches Buch über die Temperatur unserer Gesellschaft. QUELLE: https://www.verbrecherverlag.de/wp-content/uploads/2025/05/Leseprobe-Extremwetterlagen.pdf

Generation Gleichschritt: Ein Ostdeutscher rechnet mit der westlichen Moral-Elite ab

Teaser (Social Media / Newsletter) Ralf Schuler wollte eigentlich Regisseur werden, doch die DDR schickte ihn ins Glühlampenwerk. Heute ist er einer der schärfsten Kritiker des westdeutschen Medien-Mainstreams. Im Interview rechnet der NIUS-Politikchef mit der „Generation Gleichschritt“ ab, zieht Parallelen zwischen Woke-Kultur und SED-Propaganda und erklärt, warum er sich noch nie in einem Politiker so getäuscht hat wie in Friedrich Merz. Ein Gespräch über Herkunft, Haltung und den unbestechlichen Blick des Ostens.

Geralf Pochop und der Punk-Widerstand in der DDR

Ein kalter Wind weht durch das Waldstück bei Halle, als Männer in Ledermänteln einen Jugendlichen aus dem Auto zerren und ihn vor die Wahl stellen: Verrat oder Untergang. Die Stille zwischen den Bäumen wirkt bedrohlicher als jedes Verhörzimmer der Staatssicherheit. Geralf Pochop erlebt in den achtziger Jahren, wie der DDR-Staat jugendliche Punks systematisch kriminalisiert, inhaftiert und schließlich zur Ausreise zwingt, nur weil sie anders aussehen wollen. Der Zeitzeuge berichtet von Willkür und Widerstand kurz vor dem Mauerfall.

Honeckers heimlicher Milliardär: Die Akte Schalck-Golodkowski

Persönlicher Teaser (Social Media / Newsletter) Gier kennt keine Farbe. Nicht einmal das Rot der DDR-Flagge. Vergessen Sie alles, was Sie über die "gute alte Planwirtschaft" zu wissen glaubten. Die Wahrheit ist dreckiger. Während Honecker winkte, schaufelte ein Mann im Hintergrund Milliarden. Alexander Schalck-Golodkowski war das Phantom der DDR – ein Genosse, der wie ein Gangsterboss agierte. Waffenhandel, Kunstraub und der Verkauf von Menschenleben gegen Devisen: Das war der wahre Motor des "Arbeiter- und Bauernstaates". Besonders bitter: Der Westen spielte mit. Franz Josef Strauß und der Milliardenkredit? Weniger Nächstenliebe, mehr knallharte Profitgier. Dieses Kapitel der Geschichte tut weh, weil es zeigt, dass Moral im Kalten Krieg oft nur eine Währung war – und zwar eine sehr weiche. Wer DDR-Nostalgie hegt, sollte diese Fakten kennen. Sie sind das Gegengift zu jeder Verklärung.
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