Generation Gleichschritt: Ein Ostdeutscher rechnet mit der westlichen Moral-Elite ab

Der Bäcker, der kein Genosse sein wollte: Ralf Schuler rechnet mit der „Generation Gleichschritt“ ab

Es gibt diesen einen Moment im Gespräch, in dem Ralf Schuler nicht wie der abgeklärte Politikchef des Portals NIUS klingt, sondern wie der Junge aus Berlin-Köpenick, der er einst war. Er erzählt vom Geruch des Sauerteigs, der nachts in der Backstube seines Großvaters aus den Säcken quoll. „Das geht nicht weg“, sagt Schuler. Es ist dieser Geruch der Herkunft, den Schuler wie ein Schutzschild vor sich herträgt – gegen die Berliner Blase, gegen den Zeitgeist und gegen das, was er „Generation Gleichschritt“ nennt.

In einem ungewöhnlich persönlichen Format „Inside NIUS“ zieht der ehemalige BILD-Kanzlerreporter Bilanz. Nicht nur über ein politisch turbulentes Jahr 2025, in dem er sich vom fiktiven Kanzler Friedrich Merz „brutal enttäuscht“ zeigt, sondern über ein Leben zwischen zwei Systemen.

Die DDR als Blaupause der Kritik
Schuler ist der Archetyp des ostdeutschen Journalisten, der seine Skepsis nicht an der Garderobe abgibt. Seine Biografie liest sich wie ein klassisches DDR-Drama: Der Traum vom Filmregisseur platzt an der Ideologie. Weil er sich weigert, Unteroffizier zu werden, und im Abituraufsatz lieber über den Kunsthistoriker Winckelmann schreibt als über sozialistische Kampfliteratur, schickt ihn der Staat zur „Bewährung“ in die Produktion. Glühlampenwerk Narva, Dreischichtsystem, Hitze, Lärm.

Diese Erfahrung nutzt Schuler heute als schärfste Waffe. Wenn er über seinen Abgang beim Springer-Verlag spricht, zieht er direkte Parallelen. Die dortigen Diversity-Kampagnen, die Regenbogenflaggen und die „moralische Aufladung“ des Arbeitsplatzes hätten ihn an die DDR-Propaganda erinnert. „Ich möchte keiner Bewegung angehören“, sagt Schuler. Es ist der Satz eines Mannes, der Zwangskollektivierung erlebt hat und nun allergisch auf jede Form von Gruppendruck reagiert – sei es von der SED oder aus der HR-Abteilung eines westdeutschen Konzerns.

Enttäuschung über die Union
Politisch brisant ist seine Abrechnung mit Friedrich Merz. Schuler, der lange als Kenner der Union galt, beschreibt im Rückblick auf das Jahr 2025 einen Kanzler Merz, der seine konservativen Markenkern-Versprechen (Israel-Solidarität, Schuldenbremse) verraten habe. Ob diese Analyse einer realen politischen Entwicklung standhält oder eine düstere Prognose des NIUS-Chefs ist, bleibt Interpretationssache. Fakt ist: Schuler bedient hier das Narrativ des „verratenen Konservativen“, das auch die AfD stark macht.

Ein Dolmetscher des Ostens?
Am stärksten ist Schuler dort, wo er versucht, die mentale Kluft zwischen Ost und West zu erklären. Die Wahlerfolge der Ränder im Osten deutet er nicht als Extremismus, sondern als Reaktion auf eine mediale und politische Elite, die den Kontakt zur Basis verloren hat. „Die Leute merken, wenn man sich um die Realität herumdrückt“, so Schuler.

Er inszeniert sich als derjenige, der zuhört – auch denen, die sonst niemand einlädt. „Ich hasse niemanden“, ist sein Credo. Das mag in den Ohren seiner Kritiker, die NIUS als Krawall-Portal sehen, zynisch klingen. Doch für Schuler ist es die logische Konsequenz seiner Biografie: Wer einmal in einem System lebte, das Menschen wegen ihrer Meinung ausgrenzte, will im neuen System nicht dasselbe tun. Ob das „neue“ System tatsächlich so repressiv ist, wie Schuler es darstellt, ist debattierbar. Dass seine ostdeutsche Prägung ihn zu einem der scharfsinnigsten, wenn auch unbequemsten Beobachter des Berliner Betriebs macht, hingegen nicht.

Aufstand gegen Hermann Kant: Berliner Autoren fordern Wandel

Im Klub der Kulturschaffenden herrscht dichte Rauchluft, als vierundzwanzig Schriftsteller an diesem grauen Tag ihre Unterschrift unter ein Papier setzen, das den endgültigen Bruch besiegelt. Es ist Mitte Dezember in Berlin, die Mauer ist offen, und die Geduld mit den alten, verknöcherten Strukturen ist bei den Anwesenden endgültig aufgebraucht. Am 15. Dezember 1989 erklären Berliner Autoren um Helga Schubert und Joachim Walther ihren Austritt aus der Bevormundung durch den Verbandspräsidenten Hermann Kant. Sie verweigern der Führung die Gefolgschaft, nachdem diese Reformen blockierte, und fordern in einem scharfen historischen Dokument eine sofortige Neugründung ihres Berufsverbandes.

Der letzte Versuch: Wie aus der Staatspartei die SED-PDS wurde

MASTER-PROMPT HOOK Der Parteitag zur Umbenennung in SED-PDS im Dezember 1989 Am späten Sonntagnachmittag treten die Delegierten in Berlin vor die Öffentlichkeit und präsentieren einen Doppelnamen, der die Brücke zwischen alter Macht und neuer Identität schlagen soll. MASTER-PROMPT Teaser JP Die Suche nach dem dritten Weg Gregor Gysi steht am Rednerpult und beschwört die Gefahr eines politischen Vakuums, während im Saal die Hoffnung auf eine eigenständige DDR noch lebendig ist. Manche glaubten in diesen Tagen des Dezembers 1989 fest daran, dass ein demokratischer Sozialismus jenseits der Profitwirtschaft möglich sei. Am 18.12.1989 verabschiedete der Parteitag unter Gysis Führung ein Statut, das den Erhalt der staatlichen Eigenständigkeit zum obersten Ziel erklärte. MASTER-PROMPT Teaser Coolis Außerordentlicher Parteitag beschließt neuen Namen und Statut Nach intensiven Beratungen entscheiden die Delegierten am 17. Dezember 1989 in Berlin, die Partei künftig unter dem Namen SED-PDS weiterzuführen. Der Vorsitzende Gregor Gysi betont in seinem Referat den Willen zur Regierungsverantwortung und warnt vor einem Erstarken rechter Kräfte. Mit der Verabschiedung eines vorläufigen Statuts positioniert sich die Partei für den beginnenden Wahlkampf und bekennt sich zur Eigenstaatlichkeit der DDR.