Rosemarie Teuber begann 1965 als Erzieherin zu arbeiten. Wenn sie über den Alltag in ihrer DDR-Kinderkrippe spricht, stehen für sie die Kinder im Mittelpunkt: spielen, draußen sein, Geborgenheit vermitteln und die Eltern einbeziehen. Die Kinder seien behütet gewesen. Politisch seien sie in ihrer Einrichtung „in keiner Weise belästigt worden“. Im Kindergarten habe sie das damals anders wahrgenommen.
Doch Teuber erzählt auch von einer Grenze, die sie für ihre eigene Familie zog. Die Krippe öffnete von sechs bis achtzehn Uhr. Ihre eigenen kleinen Kinder wollte sie nicht schon um sechs Uhr abgeben. Als sie Mutter wurde, versuchte sie deshalb, Teilzeit zu arbeiten. Die langen Öffnungszeiten sagen dabei noch nichts darüber aus, wie viele Stunden einzelne Kinder tatsächlich betreut wurden.
Solche Erinnerungen gehören zur Geschichte der DDR. Hinter den Einrichtungen standen Menschen, die Kinder trösteten, mit ihnen spielten und Verantwortung für sie übernahmen. Ihre tägliche Arbeit verdient Anerkennung. Wie Kinder ihre Krippenzeit erlebten, hing auch davon ab, wer ihnen dort begegnete und wie auf ihre Bedürfnisse eingegangen wurde.
Gleichzeitig beschreibt Rosemarie Teuber ihre persönliche Erfahrung. Auch Kinderkrippen unterlagen staatlichen Erziehungsvorgaben. Liebevolle Betreuung im Alltag und politische Ziele des Staates konnten nebeneinander bestehen. Ebenso gehören die Erinnerungen derjenigen dazu, die ihre Krippenzeit weniger glücklich erlebt haben.
Besonders nachdenklich macht ihre Entscheidung als Mutter: Sie schätzte ihre Arbeit und wollte ihren eigenen Kindern dennoch die frühe Abgabe ersparen. Darin steckt eine Frage, die Familien bis heute beschäftigt: Wie lassen sich Beruf, verlässliche Betreuung und die Bedürfnisse kleiner Kinder miteinander vereinbaren?
Quellen: Videoaussage von Rosemarie Teuber; Deutsches Historisches Museum, „Kinderkrippe“; Bundeszentrale für politische Bildung, „Geschichte der frühkindlichen Bildung in Deutschland“.