Die Straßenbahn hält vor den Wohnblöcken, Menschen kommen mit Einkaufstaschen, Kinder gehen durch die Grünanlagen. Eine Aufnahme von 1981 zeigt das erste Marzahner Wohngebiet bereits als belebten Stadtteil. Ende 1977 waren die ersten Mieter in die Neubauten an der Marchwitzastraße eingezogen. Nach und nach kamen wichtige Einrichtungen hinzu: 1979 wurde die Poliklinik am Helene-Weigel-Platz fertig, 1981 eröffnete das Kino „Sojus“. Zwischen den Häusern entstand eine neue Alltagswelt. Für die Bewohner wurde aus einer Baustelle ein vertrauter Ort mit eigenen Wegen und Treffpunkten.
Nach der Wende veränderten sich die Bedingungen. Besonders deutlich wurde das im Norden Marzahns. Im Gebiet der späteren Ahrensfelder Terrassen standen nach Angaben der Berliner Stadtentwicklungsverwaltung rund 30 Prozent der Wohnungen leer. Die Antwort war ein tiefgreifender Umbau: Elfgeschosser wurden teilweise abgetragen, übrig blieben unterschiedlich hohe Häuser mit drei bis sechs Etagen. Balkone, Dachterrassen und Mietergärten veränderten das Wohnen. Die Pläne waren zunächst heftig umstritten; auch ein Bewohnerbeirat wurde an den Gesprächen beteiligt. Für die Betroffenen ging es um ihre Wohnung und um ein Viertel, in dem sie einen Teil ihres Lebens verbracht hatten.
Die Entwicklung Marzahns lässt sich deshalb nicht allein an der Höhe seiner Häuser ablesen. Wohnungen wurden modernisiert, Parks und Spielplätze angelegt, Schulen und Freizeiteinrichtungen aufgewertet. Die Berliner Verwaltung beschreibt die Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf inzwischen als weitgehend saniert. Doch zwischen neuem Anstrich und gewachsener Nachbarschaft liegt ein Unterschied. Ein Haus lässt sich umbauen; Vertrauen und Zusammenhalt müssen Menschen miteinander entwickeln. Marzahns Geschichte erzählt von beidem: vom staatlich geplanten Neubau und davon, wie Bewohner daraus über Jahrzehnte ihr Zuhause machten.