Er trägt Hut, hat eine Knubbelnase und geht mit großen Schritten voran. Bei Rot breitet er die Arme aus: Hier bleiben Sie stehen! Das Ostampelmännchen gehört zu den bekanntesten Gestaltungen aus der DDR. Am 13. Oktober 2026 jährte sich die Vorstellung seiner Entwürfe zum 65. Mal. Der Verkehrspsychologe Karl Peglau hatte seine Vorschläge am 13. Oktober 1961 eingereicht. Bis zum ersten Einsatz vergingen allerdings acht Jahre: 1969 leuchteten die Figuren an der Berliner Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße.
Peglau wollte ein verständliches, sympathisches Signal schaffen. Hut, Bauchansatz und Nase verliehen der Figur einen unverwechselbaren Charakter. Die kräftige Silhouette bot zugleich eine größere Leuchtfläche. Die ausgebreiteten Arme des roten Männchens verdeutlichen das Anhalten, die ausschreitenden Beine des grünen das Losgehen. Hinter dem freundlichen Erscheinungsbild steckte eine durchdachte Funktion.
Dass die Form tatsächlich einen Unterschied machen kann, untersuchte 2013 ein Forschungsteam der Jacobs University Bremen. In einem Experiment erkannten Versuchspersonen die Bedeutung der Ostfiguren anhand ihrer Gestalt schneller als die der Westfiguren. Die Ergebnisse sprechen für eine prägnantere Form. Einen Nachweis geringerer Unfallzahlen lieferte dieses Experiment allerdings nicht.
Nach der deutschen Einheit sollte vielerorts auch an den Fußgängerampeln vereinheitlicht werden. Ostampelmännchen wurden ausgetauscht. Doch für den kleinen Hutträger engagierten sich Menschen aus Ost und West. Ein „Komitee zur Rettung der Ampelmännchen“ setzte sich für seinen Erhalt ein – mit Erfolg. Aus einem alltäglichen Verkehrszeichen wurde zugleich ein Symbol dafür, dass etwas Vertrautes bleiben konnte.
Vielleicht berührt diese Geschichte gerade deshalb: An einem kleinen Gegenstand lässt sich eine große Frage diskutieren. Was war erhaltenswert, weil es funktionierte, weil Menschen daran hingen oder weil beides zusammenkam? Beim Ampelmännchen gelang es, genauer hinzusehen. Sein Wert lässt sich an seiner Gestaltung und seinem Nutzen erkennen.
Quellen: AMPELMANN Berlin zur Entstehungsgeschichte; Jacobs University Bremen zur Studie von 2013; Deutsches Historisches Institut, „German History in Documents and Images“.