Der Grundlagenvertrag von 1972 markierte in der deutsch-deutschen Geschichte eine signifikante Zäsur, die weit über rein diplomatische Aspekte hinausging. Die Verhandlungen zwischen Egon Bahr und Michael Kohl mündeten in einen Briefwechsel, der westdeutschen Journalisten erstmals offiziell das Recht zur Berichterstattung aus der DDR einräumte. Egon Bahr kommentierte das Ergebnis damals mit einer nüchternen Prognose über zukünftig „schlechte Beziehungen“, was den bevorstehenden, mühsamen Prozess der Annäherung treffend beschrieb. Bahr nutzte dabei eine taktische Finesse, indem er das Bundesinnenministerium als unnachgiebigen Akteur darstellte, um diplomatische Spielräume zu wahren. Für die SED-Führung blieb dieser Schritt dennoch ein riskantes Wagnis, da er die bisherige Isolation durchbrach und einen Rahmen für dauerhafte, systemimmanente Reibungen schuf.
Die Reaktion des DDR-Staatsapparates auf diese neue westliche Präsenz war von einem tiefen Misstrauen geprägt, das strukturelle Züge annahm. Zur Sicherung der eigenen Machtstabilität wurde eigens die Abteilung 213 geschaffen, deren primäre Aufgabe die Überwachung der akkreditierten Journalisten war. In der Logik des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) galten diese Korrespondenten als vorgeschobene Posten des Feindes. Ihnen wurden pauschal subversive Pläne unterstellt, insbesondere die Absicht, eine innere Opposition zu formieren. Diese Sichtweise rechtfertigte aus Sicht der Sicherheitsorgane eine flächendeckende und lückenlose Überwachung. Das MfS setzte hierfür auf ein breites Repertoire nachrichtendienstlicher Mittel, von der akustischen Wohnraumüberwachung bis zur Kontrolle der Post.
Die Aktenlage, die heute rund 100 laufende Meter umfasst, dokumentiert die Intensität dieser Verfolgung detailliert. Es wurden Inoffizielle Mitarbeiter (IM) angesetzt, um Korrespondenten in konstruierte Situationen zu bringen, die von inszenierten Zollvergehen bis hin zu privaten Kompromittierungsversuchen reichten. Trotz der drakonischen Strafandrohungen für DDR-Bürger, die Kontakt zu westlichen Medienvertretern aufnahmen, mussten die Journalisten ihren Arbeitsalltag in diesem Spannungsfeld organisieren. Sie navigierten täglich zwischen den staatlichen Auflagen und ihrem westlichen Informationsauftrag. Die DDR-Führung forderte eine „sachbezogene“ Berichterstattung, was faktisch den Verzicht auf Kritik an führenden Personen bedeutete. Verstöße wurden sanktioniert, wie die Ausweisung des Korrespondenten Lothar Löwe exemplarisch zeigte.
Das strategische Ziel der SED-Führung bestand darin, die Entstehung einer sogenannten feindlich-negativen Gegenöffentlichkeit unter allen Umständen zu verhindern. Erschwert wurde die journalistische Arbeit zusätzlich durch logistische Hürden, die heute archaisch anmuten. Die Entwicklung von Filmmaterial war oft nur im West-Berliner System des SFB möglich, was ständige Grenzübergänge erforderte. Ulrich Schwarz vom Spiegel betonte rückblickend die Schwierigkeit, Nachrichten so zu publizieren, dass Informanten nicht gefährdet wurden. Da offizielle Stellen in der DDR kaum verifizierbare Fakten lieferten, erhöhte dieser staatliche Druck paradoxerweise die Glaubwürdigkeit der West-Berichte in der Bevölkerung. Das Westfernsehen und der Rundfunk fungierten dabei wie ein Loch im Fahrradschlauch der Zensur.
Ein entscheidender Faktor in dieser medialen Dynamik war der sogenannte Feedback-Loop. Informationen aus dem Inneren der DDR gelangten über westliche Sender wie den Deutschlandfunk oder die ARD zurück zu den Bürgern im Osten. Sendungen wie „Kennzeichen D“ wurden dabei nicht nur von der Bevölkerung, sondern auch von SED-Genossen aufmerksam verfolgt, was zu einem schleichenden, aber unaufhaltsamen Verlust des staatlichen Informationsmonopols führte. Für die Opposition in der DDR, etwa für Bürgerrechtler wie Ulrike Poppe, wirkten die Journalisten oft als Schutzschild. Die mediale Präsenz verlieh den Verfolgten eine Öffentlichkeit und damit eine gewisse Würde, die vor willkürlichen Zugriffen schützen konnte. Zudem leisteten Korrespondenten materielle Hilfe, indem sie Manuskripte oder Wachsmatrizen für illegale Schriften über die Grenze transportierten.
Historisch betrachtet stärkte die kontinuierliche Arbeit der Korrespondenten das Bewusstsein für den Zusammenhalt der Nation. Karl Wilhelm Fricke wies darauf hin, dass diese Berichterstattung verhinderte, dass sich die Deutschen in Ost und West gänzlich fremd wurden. Berichte über Themen wie Intershops oder Ausreisebewegungen mobilisierten die Bevölkerung und trugen maßgeblich zur Vorbereitung der friedlichen Revolution von 1989 bei. Ehemalige Funktionäre wie Günter Schabowski räumten Jahre später ein, dass man die Qualität der Berichte durchaus achtete und die Korrespondenten als Akteure sah, die die Grenzen des Machbaren geschickt ausloteten. Letztlich scheiterte die totale Kontrolle der SED an der Kraft der Information. Die Stasi blieb ohnmächtig gegen eine Dynamik, die den Zusammenbruch des Systems beschleunigte und den Weg zur Einheit ebnete.