Linke im Thüringer Landtag: Schaft fordert Neubewertung von Migrations- und Haushaltspolitik

Christian Schaft, Vorsitzender der Linken im Thüringer Landtag, sorgte bei der jüngsten Landespressekonferenz für Gesprächsstoff – sowohl durch die positiven Signale nach der Bundestagswahl als auch durch scharfe Kritik an der aktuellen Regierungsstrategie.

Bereits zu Beginn der Konferenz betonte Schaft das „Comeback“ der Linken. Mit 8,77 % der Stimmen habe die Partei ein deutliches Signal gesetzt, wie er erklärte. Besonders beeindruckend sei der Mitgliederzuwachs: Über 100.000 Mitglieder zählen nun zur Partei – ein Wert, der im Vergleich zum Vorjahr, als die Mitgliederzahl noch halb so hoch lag, als Zeichen des neu erwachten politischen Interesses interpretiert wird. „Wir erleben einen Generationswechsel“, betonte Schaft und wies darauf hin, dass der Großteil der Neumitglieder junge Menschen, vornehmlich Frauen, seien.

Ein zentrales Thema der Konferenz war die Haushaltsdebatte. Schaft stellte die Finanzierung von 37 Abschiebehaftplätzen in den Mittelpunkt seiner Kritik. Er bezeichnete diese als „teuer und ineffektiv“ und erklärte, dass von den jährlich rund 3 Millionen Euro, die dafür ausgegeben würden, stattdessen beispielsweise über 2100 Integrationskurse finanziert werden könnten. Für die Linke steht fest: Ein Haushalt, in dem auch nur ein Abschiebehaftplatz eingeplant ist, sei für sie inakzeptabel.

Neben der Finanzdebatte kritisierte Schaft auch die interne Dynamik der aktuellen Regierungskoalition, die er als ein „Zweckbündnis ohne das Vertrauen“ früherer rot-rot-grüner Regierungsbildungen beschrieb. Er bemängelte das wiederholte Bedienen populistischer Schlagworte wie den „Weckruf“ und forderte, dass die Politik über kurzfristige, symbolische Maßnahmen hinausgehen müsse. Für ihn müssen konkrete und zukunftsweisende Lösungsansätze gefunden werden, die den Herausforderungen im Bereich Migration, Soziales und Bildung gerecht werden.

Parallel zur Pressekonferenz läuft in der Fraktion eine Haushaltsklausur, in der Änderungsanträge erarbeitet werden, um den Landeshaushalt im April trotz der derzeitigen politischen Unsicherheiten umzusetzen. Schaft unterstrich, dass die Linke bereit sei, Verantwortung zu übernehmen – sei es in der Haushaltsgestaltung oder in der Debatte um eine humane und effiziente Migrationspolitik.

Abschließend appellierte Schaft an die Regierungsparteien: Ein Umdenken in der Migrationspolitik sei längst überfällig. „Wenn jetzt die einzige Antwort auf das Wahlergebnis die Forderung nach 37 Abschiebehaftplätzen ist, dann ist das nicht die Antwort“, betonte er. Vielmehr müssten präventive Maßnahmen und eine Beschleunigung der behördlichen Abläufe in den Vordergrund rücken, um die Probleme nachhaltig zu lösen.

Mit seinen klar formulierten Positionen versucht die Linke, sich als moderne, sozial gerechte Kraft zu profilieren – eine Alternative zu den bisherigen politischen Konzepten, die seiner Meinung nach zu wenig auf die wirklichen Bedürfnisse der Menschen eingehen.

Steinernes Schweigen und politische Wende: Das Ehrenmal Treptow 1989

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Es gibt Orte, die speichern Geschichte nicht nur, sie atmen sie aus. Wenn man heute durch den Treptower Park läuft, zwischen den riesigen Pappelreihen und dem roten Granit, spürt man eine seltsame Ruhe. Aber 1989 war dieser Ort alles andere als ruhig. Er war ein Brennglas. Ich habe mir noch einmal angesehen, was in diesem einen Jahr dort alles passiert ist. Im Mai standen dort noch die alten Männer in ihren Mänteln und feierten eine Wahl, die keine war. Im Oktober stand dort Gorbatschow, und alle Blicke ruhten auf ihm, voller Hoffnung, dass sich endlich etwas bewegt. Und im Dezember, als die Mauer schon offen war, kippte die Stimmung in Wut und Farbe. Es ist faszinierend, wie schnell sich die Bedeutung von Symbolen ändern kann, wenn die Gesellschaft drumherum aufwacht. Steine verändern sich nicht, aber unser Blick auf sie wandelt sich jeden Tag. B) SEITE 1 (Kontext) Das Sowjetische Ehrenmal in Berlin-Treptow gilt oft als zeitloser Ort des Gedenkens. Doch ein Blick in die Chronik des Jahres 1989 zeigt, wie sehr das Monument in die politischen Kämpfe der Wendezeit verstrickt war. Innerhalb weniger Monate wandelte sich die Funktion der Anlage radikal. Im Mai 1989 diente es noch der SED-Führung zur Inszenierung ihrer Macht nach den gefälschten Kommunalwahlen. Im Oktober wurde es durch den Besuch Michail Gorbatschows zur Kulisse für das Ende der alten Doktrinen. Ende Dezember schließlich markierten Schmierereien mit Parolen wie "Besatzer raus" das endgültige Ende der staatlich verordneten Unantastbarkeit. Die darauf folgende Instrumentalisierung der Vorfälle durch die PDS zeigt, wie sehr Geschichte gerade in Umbruchzeiten als politische Waffe dient. Ein Lehrstück über Deutungshoheit. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Der "Befreier" aus Bronze blickt seit 1949 über Berlin. Aber wen oder was er beschützt, das definierte das Jahr 1989 neu. Erst war er der Garant der SED-Herrschaft, dann im Oktober die Kulisse für Gorbatschows Reformversprechen, und im Dezember plötzlich Zielscheibe von Wut und Vandalismus. Symbole bleiben nur so lange stabil, wie die Macht, die sie stützt. Wenn diese Macht zerfällt, werden aus Denkmälern Fragen.