Das Einkaufsnetz – Warum fast jeder eines in der Tasche hatte

Es passte in jede Jackentasche, wog fast nichts und war erstaunlich belastbar. Das Einkaufsnetz gehörte in der DDR zum Alltag wie der Haustürschlüssel oder das Portemonnaie. Wer unterwegs war, hatte es oft vorsorglich dabei – denn man wusste nie, wann es etwas zu kaufen gab.
Spontane Einkäufe waren in der DDR keine Seltenheit. Kam gerade eine Lieferung in die Kaufhalle oder zum Konsum, sprach sich das oft schnell herum. Wer zufällig vorbeikam und kein Behältnis dabeihatte, hatte ein Problem. Deshalb steckte das zusammengefaltete Einkaufsnetz bei vielen Menschen ständig in der Mantel- oder Handtasche.

Die Netze bestanden meist aus dehnbaren Kunststofffasern und konnten erstaunliche Lasten tragen. Kartoffeln, Äpfel, Milchflaschen oder Konservendosen – vieles fand darin Platz. Trotz ihres geringen Eigengewichts waren sie ausgesprochen robust und wurden oft über Jahre genutzt.
Plastiktüten gab es zwar ebenfalls, doch sie waren keineswegs selbstverständlich. Zudem wurden sie mehrfach verwendet und sorgfältig aufbewahrt. Das Einkaufsnetz war deshalb für viele die praktischere Lösung.

Typisch war auch der Satz: „Nimm das Netz mit, man weiß ja nie.“ Dahinter steckte Erfahrung. Wer unterwegs zufällig Kaffee, Südfrüchte oder andere begehrte Waren entdeckte, wollte die Gelegenheit nutzen. Auf einen späteren Einkauf konnte man sich nicht immer verlassen.

Das Einkaufsnetz wurde damit zu einem Symbol des improvisierten Alltags. Viele Einkäufe entstanden nicht nach einem festen Plan, sondern weil eine Ware gerade verfügbar war. Flexibilität gehörte zum Leben dazu.

Nach der Wiedervereinigung verschwand das Einkaufsnetz nach und nach aus dem Straßenbild. Plastiktüten wurden zum Massenartikel, später kamen Stoffbeutel hinzu. Das alte Netz landete in Schubladen, Kellern oder auf Dachböden.

Ironischerweise erlebt seine Idee heute eine Renaissance. Wiederverwendbare Einkaufstaschen gelten als umweltfreundlich und nachhaltig. Was heute als moderner Beitrag zum Klimaschutz beworben wird, war für Millionen DDR-Bürger jahrzehntelang selbstverständlicher Alltag.

Das kleine Einkaufsnetz war deshalb weit mehr als nur eine Tasche. Es war ein treuer Begleiter – und Ausdruck einer Zeit, in der man auf vieles vorbereitet sein musste.

Hermann Henselmann: Der Architekt, der Ideologie in Stein meißelte

Persönlicher Teaser Er baute Kulissen für die Ewigkeit. Hermann Henselmann war kein einfacher Architekt, er war ein Verwandlungskünstler zwischen den Fronten der Weltgeschichte. Ich finde es faszinierend, wie ein Mann, der in der klaren Ästhetik des Bauhauses startete, zum Schöpfer der pompösen DDR-Prachtmeilen wurde, nur um am Ende von grauen Betonplatten an den Rand gedrängt zu werden. Seine Geschichte ist für mich der Beweis, dass Talent allein nicht reicht – man muss den Zeitgeist nicht nur verstehen, sondern ihn formen wollen, selbst wenn der Preis dafür die eigene künstlerische Seele ist. Ein Leben wie ein Roman aus Stein. 3 Vorschläge für Überschriften Vom Bauhaus zum Zuckerbäcker: Die zwei Leben des Hermann Henselmann Architekt der Macht: Wie Henselmann Ostberlin erfand Glanz, Elend und Platte: Das steinerne Erbe der DDR