
Wenn eine Frau in der DDR in Hotels, Bahnhofsgaststätten oder Tanzlokalen verkehrte und Kontakte zu ausländischen Besuchern pflegte, konnte sie schnell ins Visier der Behörden geraten. Zuständig war dabei nicht nur die Staatssicherheit. Eine zentrale Rolle spielte auch das Arbeitsgebiet 1 der Kriminalpolizei, kurz K1.
Die Beamten dieser Spezialeinheit beobachteten Milieus, die als problematisch galten. Dazu gehörten Menschen ohne festen Arbeitsplatz, Kleinkriminelle, Schwarzmarkthändler – und Frauen, denen Prostitution nachgesagt wurde. Ihre Namen tauchten in Berichten, Karteien und Ermittlungsakten auf. Oft reichte schon ein Verdacht, eine Kontrolle oder eine Anzeige, um erfasst zu werden.
Besonders aufmerksam verfolgten die Behörden Frauen, die sich in Interhotels, Gaststätten oder an Orten aufhielten, an denen Besucher aus dem Westen anzutreffen waren. Für die Sicherheitsorgane waren solche Kontakte von Interesse. Die Frauen bewegten sich in Bereichen, die Einblicke in Gespräche, Gewohnheiten und Begegnungen ermöglichten, die den Behörden sonst verborgen geblieben wären.
Wer einmal registriert war, blieb häufig über Jahre in den Akten. Zeitzeuginnen berichten von wiederholten Vorladungen, Befragungen und Kontrollen. Manche wurden in geschlossene venerologische Stationen eingewiesen, andere in Einrichtungen gebracht, in denen ihr Leben bis ins Detail dokumentiert wurde. Aus den gesammelten Informationen entstand ein engmaschiges Bild ihrer persönlichen Verhältnisse.
Genau diese Akten konnten später zum Druckmittel werden. Frühere Einträge, Kontakte oder Vorwürfe wurden bei Gesprächen mit Ermittlern erneut hervorgeholt. Die Aussicht auf weitere Maßnahmen, neue Verfahren oder eine erneute Einweisung sorgte bei vielen Betroffenen für Angst und Unsicherheit. In dieser Situation versuchten Kriminalpolizei und Staatssicherheit immer wieder, Frauen zur Zusammenarbeit zu bewegen.
Für die Betroffenen bedeutete das oft einen Alltag zwischen Anpassung und Vorsicht. Jede Kontrolle konnte neue Fragen nach sich ziehen, jede Bekanntschaft Aufmerksamkeit erregen. Die Geschichte der K1 erzählt deshalb nicht nur von Polizeiakten und Ermittlungen. Sie erzählt auch von Frauen, die am Rand der Gesellschaft lebten und deren Leben über Jahre hinweg von Beobachtung, Misstrauen und behördlicher Kontrolle begleitet wurde.