Zwischen Friedrichstraße, Astoria und Warnemünde: Wo sich die Welt in der DDR begegnete


Offiziell gab es in der DDR keine Prostitution. Doch an den Orten, an denen die DDR mit der Welt außerhalb ihrer Grenzen in Berührung kam, entstand ein anderes Bild. Vor allem Ost-Berlin, Leipzig und Rostock wurden zu Städten, in denen sich Reisende, Devisen und unterschiedliche Lebenswelten begegneten.

In Ost-Berlin spielte sich vieles rund um die internationalen Hotels, den Bahnhof Friedrichstraße und die Oranienburger Straße ab. Hier trafen Diplomaten auf Geschäftsleute, Journalisten auf Besucher aus dem Westen. Während auf den Straßen Menschen ihren Alltag lebten, entstanden hinter Hotellobbys, in Bars und Restaurants Kontakte, die oft von gegenseitigen Erwartungen geprägt waren. Nicht selten wurden diese Begegnungen von der Staatssicherheit aufmerksam beobachtet.

Leipzig zeigte ein anderes Gesicht. Mehrmals im Jahr verwandelte die Messe die Stadt. Die Hotels waren ausgebucht, auf den Straßen hörte man fremde Sprachen, in den Restaurants saßen Gäste aus vielen Ländern. Rund um das Astoria oder den Merkur suchten manche nicht nur geschäftliche Kontakte. Mit den westlichen Besuchern kamen Devisen, die im DDR-Alltag eine besondere Rolle spielten. Wenn die Messe endete und die Gäste abreisten, kehrte wieder Ruhe ein.

Noch stärker war der Blick nach außen in Rostock zu spüren. Im Hafen lagen Schiffe aus zahlreichen Ländern. Seeleute gingen an Land, besuchten Gaststätten, Bars oder Tanzlokale. In Warnemünde wurde die Storchenbar über Jahre zu einem bekannten Treffpunkt. Auch im Hotel Neptun begegneten sich Urlauber, Einheimische und internationale Besatzungen. Für viele Rostocker gehörten die Schiffe am Horizont zum Alltag. Mit ihnen kamen Waren, Geschichten und Eindrücke aus einer Welt, die für die meisten DDR-Bürger nur aus Erzählungen bekannt war.

Die Geschichte dieser drei Städte erzählt weniger von einem Randphänomen als von den wenigen Orten, an denen die DDR offen mit dem Ausland in Kontakt stand. Dort, wo Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammentrafen, entstanden Beziehungen, Geschäfte und Begegnungen, die offiziell nicht vorgesehen waren, aber dennoch zum Alltag gehörten.