Der Fall Astor/Arkona: Zwischen Klassenkampf und Devisenjagd


Als die „Arkona“ im Herbst 1985 erstmals unter DDR-Flagge auslief, war sie das modernste Passagierschiff des Landes. Auf den Decks standen Urlauber des FDGB, die Kurs auf Kuba oder die Ostsee nahmen. Für viele war eine Reise auf dem neuen Schiff etwas Besonderes. Die Kabinen, die Restaurants und die Ausstattung hatten wenig mit dem zu tun, was die meisten DDR-Bürger aus ihrem Alltag kannten.

Dabei hatte die „Arkona“ bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Das Schiff war 1980/81 auf der Hamburger HDW-Werft gebaut worden und wurde als „Astor“ bekannt. Millionen Fernsehzuschauer kannten es aus der ZDF-Serie „Das Traumschiff“. Nach wirtschaftlichen Problemen wechselte das Schiff zur südafrikanischen Reederei Safmarine.

Als die DDR 1985 nach einem Nachfolger für die in die Jahre gekommene „Völkerfreundschaft“ suchte, rückte die „Astor“ in den Blick. Der Kauf war kompliziert. Offiziell unterstützte die DDR die internationale Isolation des Apartheidregimes in Südafrika. Deshalb wurde der Erwerb über Mittelsmänner und Firmenkonstruktionen abgewickelt. Am 29. August 1985 ging das Schiff schließlich für rund 165 Millionen D-Mark an die Deutsche Seereederei Rostock über und erhielt den Namen „Arkona“.

Lange blieb das neue Flaggschiff jedoch nicht den DDR-Urlaubern vorbehalten. Schon ab 1986 lag die „Arkona“ häufig in westlichen Häfen und fuhr mit Gästen aus der Bundesrepublik. Reiseveranstalter wie die TUI charterten das Schiff für ihre Kreuzfahrten. Die Besatzung kam aus der DDR, die Passagiere meist aus dem Westen.

Für die Seeleute bedeutete das Arbeit in einer Welt, die vielen Landsleuten verschlossen blieb. Während zuhause auf vieles gewartet werden musste, zahlten die Gäste an Bord in harter D-Mark. Genau diese Einnahmen waren der Grund, weshalb die „Arkona“ so oft für westliche Veranstalter unterwegs war.

So wurde aus dem neuen Urlauberschiff der DDR vor allem ein Devisenbringer. Die „Arkona“ fuhr unter DDR-Flagge, verdiente ihr Geld aber überwiegend mit westlichen Reisenden. Auf kaum einem anderen Schiff zeigte sich dieser Gegensatz zwischen Anspruch und wirtschaftlicher Realität so deutlich wie auf den weißen Decks der „Arkona“.

Ostalgie als Balsam: Warum die Erinnerung immer milder wird

Teaser 1. Persönlich (Emotionaler Zugang) Rosarote Brillen statt harter Fakten: Warum erscheint die DDR im Rückspiegel vieler Menschen immer idyllischer? Historiker Frank Trentmann erklärt das Phänomen der "Ostalgie" als emotionalen Schutzmechanismus. Interessanterweise sind es oft Jüngere, die heute die Lebensleistung ihrer Eltern verteidigen – und dabei die Realität der Diktatur verdrängen. Ein Gespräch über die Macht der versöhnlichen, aber trügerischen Erinnerung, die wie ein Balsam auf den Seele wirkt. (396 Zeichen) 2. Sachlich-Redaktionell (Informativer Fokus) Faktencheck DDR-Erinnerung: War früher wirklich vieles besser? Im Gespräch mit Gert Scobel demontiert der Historiker Frank Trentmann gängige Mythen der Ostalgie. Er belegt mit historischen Daten: Der wirtschaftliche Bankrott der DDR drohte schon 1988, nicht erst durch die Treuhand-Politik. Zudem warnt er eindringlich vor der künstlichen Trennung von "normalem Alltag" und politischer Diktatur in der Rückschau. Eine notwendige historische Einordnung. (390 Zeichen) 3. Analytisch und Atmosphärisch (Tiefere Einsicht) Gefangen im Gestern: Ein nostalgischer Schleier legt sich über die Geschichte der DDR und blockiert die Gegenwart. Frank Trentmann analysiert die "Ostalgie" tiefenpsychologisch als einen gesellschaftlichen Verdrängungsmechanismus. Indem der Alltag im Sozialismus verklärt wird, entzieht man sich der schmerzhaften Auseinandersetzung mit systemischen Fehlern. Eine Diagnose einer Republik, die mental im Rückwärtsgang festhängt und den klaren Blick nach vorne scheut. (417 Zeichen)