Überwachung auf hoher See: Der Politoffizier an Bord


Wenn die Frachtschiffe der Deutschen Seereederei Rostock Kurs auf Kuba, Kanada oder Indien nahmen, öffnete sich für viele Seeleute eine Welt, die den meisten DDR-Bürgern verschlossen blieb. Doch die Fahrten über die Ozeane bedeuteten nicht nur Abenteuer, fremde Häfen und monatelange Reisen. An Bord fuhr stets auch das Misstrauen des Staates mit.

Schon bevor ein Seemann überhaupt anheuern durfte, musste er zahlreiche Prüfungen durchlaufen. Die begehrte Ausreisekarte war Voraussetzung für den Einsatz auf internationalen Routen. Wer sie verlor oder nicht erhielt, blieb an Land.

Auf vielen Schiffen gehörte der sogenannte GdK – der Gesellschaftliche Mitarbeiter des Kapitäns – zur Besatzung. Anders als Nautiker, Maschinisten oder Funker hatte er keine Wache zu gehen und keine technische Verantwortung. Seine Arbeit spielte sich vor allem in Versammlungsräumen und Gesprächen ab. Er organisierte politische Schulungen, informierte über aktuelle Parteibeschlüsse und galt als Verbindung zwischen Partei und Besatzung.

Unter Seeleuten war diese Funktion oft umstritten. Während die Mannschaft in Maschinenraum, Kombüse oder auf Deck arbeitete, wurde der GdK von manchen als Beobachter wahrgenommen. Auf dem Frachtschiff „Halle“ blieb ein Politoffizier namens Witt vielen in unangenehmer Erinnerung. Ehemalige Besatzungsmitglieder beschrieben ihn als streng und wenig zugänglich. Andere machten ganz andere Erfahrungen. Wolfgang Henk etwa genoss auf mehreren Schiffen hohes Ansehen. Er kümmerte sich um Personalfragen, vermittelte bei Konflikten und setzte sich häufig für die Anliegen der Besatzung ein.

Dass die staatlichen Kontrollen so eng waren, hatte einen Hintergrund. Immer wieder nutzten Seeleute die Möglichkeit, im Ausland zu bleiben. Besonders bekannt wurde ein Vorfall aus dem Jahr 1964. Das Fischverarbeitungsschiff „Johannes R. Becher“ befand sich vor Neufundland, als sein Schiffsarzt auf den britischen Trawler „Ross Fighter“ wechselte, um verletzte Fischer medizinisch zu versorgen. Nach Abschluss der Behandlung kehrte er nicht mehr zurück. Die späteren Ermittlungen ergaben, dass er seine Flucht offenbar lange vorbereitet hatte.

Für die verbliebene Besatzung konnten solche Fälle Folgen haben. Wer bei Vorgesetzten oder Sicherheitsorganen Zweifel auslöste, musste damit rechnen, nach der Heimkehr sein Seefahrtsbuch zu verlieren. Für viele bedeutete das das Ende eines Berufs, den sie oft aus Leidenschaft gewählt hatten.

Zwischen Sturm, Schichtdienst und langen Monaten fern der Heimat gehörte deshalb noch etwas anderes zum Alltag auf den DSR-Schiffen: das Wissen, dass jede Reise nicht nur über die Weltmeere führte, sondern auch unter den wachsamen Blicken eines Staates stattfand, der seinen Seeleuten nie ganz vertraute.

Schokoladentradition in Dresden zwischen VEB Elbflorenz und Neuanfang

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wenn Werner Mühle von früher erzählt, kann er die Temperatur der Schokolade noch immer an der Oberlippe spüren. Teaser: Fast vierzig Jahre lang stand er in den Hallen des VEB Elbflorenz, erst als Lehrling, später als Obermeister. Seine Biografie ist typisch für eine Generation, die ihre Bestätigung nicht im politischen System, sondern in der Qualität ihrer Hände Arbeit fand. Sie produzierten Pralinen für den Export, "Weltniveau" nannten sie das, während die eigene Bevölkerung oft mit einem eingeschränkten Sortiment vorliebnehmen musste. Der Stolz auf das geleistete Handwerk war echt, unabhängig von den Mängeln der Planwirtschaft. Dann kam das Jahr 1990. Über Nacht stornierten die Händler die Verträge, die Produktion stand still, die Maschinen verstummten. Für Mühle und seine Kollegen bedeutete das nicht nur Arbeitslosigkeit, sondern den Verlust eines sozialen Gefüges, das über Jahrzehnte gewachsen war. Dass heute wieder alte DDR-Maschinen in Dresden laufen, diesmal in kleinen Manufakturen, ist eine späte Pointe der Geschichte. Der Geruch von gerösteten Kakaobohnen zieht wieder durch die Stadt, anders als früher, aber die Erinnerung an die alten Werkhallen bleibt bestehen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Dresden war einst die Schokoladenhauptstadt Deutschlands, bevor Enteignung und Planwirtschaft die Strukturen veränderten. Teaser: Die Geschichte der Dresdner Süßwarenindustrie ist ein Lehrstück über den industriellen Wandel in Ostdeutschland. Nach der Verstaatlichungswelle 1972 verschwanden traditionsreiche Familienunternehmen im VEB Elbflorenz. Was folgte, war eine Zeit der Widersprüche: Einerseits technischer Erfindergeist und hochwertige Exportware, andererseits Rohstoffknappheit und "Bückware" für den Binnenmarkt. Der radikale Bruch erfolgte 1990. Anders als in anderen Branchen, die sich langsam transformierten, traf die Marktwirtschaft die ostdeutsche Schokoladenindustrie mit voller Härte. Die Insolvenz des VEB Elbflorenz steht exemplarisch für die Deindustrialisierung der frühen 90er Jahre. Dass Marken wie Nudossi heute wieder erfolgreich sind, war damals nicht absehbar und ist eher dem Eigensinn einzelner Unternehmer zu verdanken als politischer Planung. Die alten Rezepturen haben überlebt, die industriellen Großstrukturen von einst sind jedoch Geschichte. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die alten Maschinen des VEB Nagema heute wieder begehrt sind. Teaser: Jahrzehntelang galten die massiven DDR-Anlagen als veraltet, laut und ineffizient im Vergleich zur westlichen Hochtechnologie. Doch in der Nische zeigt sich ein anderes Bild. Die Langlebigkeit und die spezifische Art, wie diese Walzwerke die Schokoladenmasse verarbeiten, werden heute von Manufakturen wieder geschätzt. Es wirft ein interessantes Licht auf das industrielle Erbe der DDR: Was wurde zu schnell verschrottet? Die Wertschätzung für die technische Substanz kommt spät, oft erst, nachdem die ursprünglichen Betriebe längst abgewickelt wurden. Die Qualität war da, sie konnte sich unter den Bedingungen der Mangelwirtschaft und des abrupten Systemwechsels nur schwer behaupten. Vielleicht liegt in dieser späten Rückbesinnung auf die Technik eine Art Versöhnung mit der eigenen Industriegeschichte.