Alice und Ellen Kessler wählen den selbstbestimmten Tod

Es war das wohl letzte große Ritual eines Lebens, das in vollkommener Synchronität begonnen hatte. Alice und Ellen Kessler, zwei der berühmtesten Zwillinge der deutschen Unterhaltungsgeschichte, haben ihrem Dasein gemeinsam ein selbstbestimmtes Ende gesetzt – still, vorbereitet, konsequent. 89 Jahre lang standen sie Seite an Seite: auf Bühnen, in Fernsehstudios, auf Welttourneen. Und nun auch im Tod.

Geboren 1936 im sächsischen Nerchau, gefeilt an der strengen Hand ihres Vaters, tanzten sie zuerst im Kinderballett der Leipziger Oper. Mit 16 flohen sie aus der DDR in den Westen – der mutigste Schritt ihres Lebens, getragen von dem unbedingten Willen zur Freiheit. In Düsseldorf mussten sie sich durchschlagen, in Paris wurde aus Talent Glamour. Mit 18 am Lido engagiert, avancierten sie zu internationalen Sensationen eines Europas im Wiederaufbruch. Sie zeigten Bein, als man das noch gewagt nennen musste. Sie gingen auf Welttournee, bevor Deutschland sich überhaupt im eigenen Spiegel ansah. Die USA, Frankreich, Italien – überall wurden die Kesslers gefeiert wie Botschafterinnen einer neuen Leichtigkeit.

Über sechs Jahrzehnte hinweg tanzten, sangen und spielten sie neben Fred Astaire, Frank Sinatra, Harry Belafonte. Und doch wirkten sie nie abgehoben. Disziplin, Dankbarkeit, Demut, Zweisamkeit – so hatten sie einmal ihr Erfolgsgeheimnis zusammengefasst. Ein Kodex, der weniger nach Showbusiness klang als nach Lebenskunst.

Zuletzt lebten sie zurückgezogen in Grünwald. Sie wussten, dass das Alter ihnen die Bühne nahm, aber nicht die Entscheidungsmacht über ihr eigenes Leben. Mitglied bei der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben, wählten sie ihren letzten Tag selbst. Eine Ärztin, ein Jurist waren an ihrer Seite. Keine Dramatik. Kein Aufsehen. Nur Konsequenz.

Es war die letzte, tiefste Form der Zweisamkeit: ein Ende, das keinen von beiden allein ließ. Ihr Wunsch, in einer gemeinsamen Urne bestattet zu werden, schließt nun einen Kreis, der nie offen war.

Alice und Ellen Kessler – zwei Leben, ein Takt. Bis zuletzt.

Die Realität der sowjetischen Truppenpräsenz in der DDR

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Wer in bestimmten Regionen der DDR aufwuchs, für den gehörte das ferne Grollen der Übungsplätze oder das Vibrieren der Fensterscheiben beim Durchbruch der Schallmauer zum Alltag. Teaser: Eine halbe Million sowjetische Bürger lebten zeitweise in der DDR – und doch blieben sie für die meisten Menschen seltsam unsichtbar. Sie existierten in einer Parallelwelt hinter Mauern und Zäunen, in hermetisch abgeriegelten Garnisonsstädten wie Wünsdorf, wo die Uhren nach Moskauer Zeit gingen. Die offizielle Lesart sprach von unverbrüchlicher Freundschaft und Waffenbrüderschaft. Doch die Realität war oft eine pragmatische Zweckgemeinschaft. Man arrangierte sich. An den Zäunen der Kasernen blühte ein stiller Tauschhandel: Diesel gegen Jeans, Uniformteile gegen Unterhaltungselektronik. Es waren Begegnungen aus dem Mangel heraus, die oft mehr über die tatsächlichen Verhältnisse aussagten als die ritualisierten Festakte der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Dass diese massive militärische Präsenz, die über Jahrzehnte als Garantie der SED-Macht galt, am Ende tatenlos blieb, ist eine der entscheidenden Wendungen der Geschichte. Als die Panzer 1989 in den Kasernen blieben, endete eine Ära, die den Osten Deutschlands tief geprägt hat. Zurück blieben riesige Areale, ökologische Altlasten und eine ambivalente Erinnerung an Nachbarn, die man kaum kannte. Die verlassenen Liegenschaften erzählen heute noch schweigend von dieser Zeit. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Es ist eine der großen historischen Ironien, dass die DDR-Führung am Ende ausgerechnet die Zeitschrift ihres engsten Verbündeten verbot. Teaser: Das Verhältnis zwischen der DDR und der Sowjetunion war über vier Jahrzehnte ein komplexes Geflecht aus Abhängigkeit, Ausbeutung und strategischer Partnerschaft. Was als Besatzungsregime begann, das unter anderem durch den Uranabbau der Wismut enorme Ressourcen abzog, wandelte sich später zu einer wirtschaftlichen Symbiose. Das billige Erdöl aus dem Osten hielt die DDR-Industrie lange am Laufen, während ostdeutsche Maschinenbauprodukte in die UdSSR flossen. Doch als Michail Gorbatschow in Moskau Reformen einleitete, wurde der große Bruder für die alten Männer in Ost-Berlin plötzlich zum politischen Risiko. Die Schutzmacht, die 1953 den Aufstand noch niedergeschlagen hatte, entzog dem Regime 1989 die Unterstützung. Die Geschichte dieser Beziehung ist nicht nur eine Militärgeschichte, sondern eine Parabel über den Aufstieg und Fall eines ganzen politischen Systems. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Abzug der Westgruppe der Truppen war die größte friedliche Truppenverlegung der Geschichte. Teaser: Über Jahre rollten die Züge gen Osten, beladen mit Material, Menschen und der Erinnerung an fast ein halbes Jahrhundert Präsenz. Für die Soldaten war es oft kein triumphaler Heimweg, sondern eine Reise in die Ungewissheit eines zerfallenden Reiches. Was in Ostdeutschland blieb, waren nicht nur leere Kasernen und sanierungsbedürftige Böden, sondern auch das Bewusstsein, dass eine Ära unwiderruflich vorbei war. Die Spuren dieser Zeit verblassen langsam in der Landschaft.