Zwischen Bilanzen und dem Gewicht der Erinnerung

In den Tresoren lagerten die Barren, während draußen die Werktore zufielen. Man erinnert sich an den schweren Geruch von Maschinenöl, an das rhythmische Dröhnen der Stanzen, das plötzlich nicht nach Feierabend, sondern nach Endgültigkeit verstummte. Die Inventurlisten der Treuhand sprachen nüchtern von Altlasten und Liquidationsbedarf, doch die Hände derer, die dort Jahrzehnte arbeiteten, spürten noch das physische Gewicht des Stahls und der Produkte, die in die Welt gingen.

Die Übertragung von Reserven und Bodenschätzen in neue Zuständigkeiten geschah später fast geräuschlos, eine buchhalterische Notwendigkeit im großen Einigungsvertrag. Doch während der materielle Wert in gesamtdeutschen Bilanzen aufging oder verrechnet wurde, blieb die biographische Leistung derer, die ihn einst erwirtschafteten, oft als unverbuchte Position im Raum stehen. Das Gefühl einer Entwertung bezog sich selten auf das Bankkonto, sondern auf die Wahrnehmung der eigenen Geschichte.

Dabei war die Ineffizienz der Wirtschaft real; nicht jede Fabrik war ein verkanntes Juwel, und viele Produkte hielten dem globalen Wettbewerb objektiv nicht stand. Es gab den Rost und es gab das Gold, oft nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Die historische Realität liegt selten in der glatten Summe unter dem Strich, sondern in der komplexen Gleichzeitigkeit von maroder Struktur und wertvoller, vorhandener Substanz.

Für den Blick von außen war die Abwicklung eine zwingende ökonomische Logik, für den Blick von innen oft eine Entkernung der Identität. Beides existiert heute nebeneinander, ohne sich gegenseitig aufzuheben. Was dem einen als notwendige Sanierung erschien, war dem anderen ein Verlust von Bedeutung, der sich nicht in Währung beziffern ließ. Vermögen definiert sich unterschiedlich, je nachdem, ob man es verwaltet oder ob man es schwinden sieht.

Die späte Anerkennung dessen, was tatsächlich vorhanden war, ändert heute keine Kontostände mehr, aber sie verändert vielleicht den Tonfall des Rückblicks. Ein stilles Nicken in Richtung der geleisteten Arbeit kostet nichts und wiegt in der Summe doch bisweilen schwerer als manche Goldreserve.