Datenanalyst Tom Lausen kritisiert Aufarbeitung der Corona-Krise in Thüringen: „Eine Farce“

Erfurt, Thüringen – Im Rahmen des Corona-Untersuchungsausschusses in Thüringen hat der Datenanalyst Tom Lausen eine scharfe Kritik an der Aufarbeitung der Pandemie geäußert und die Darstellungen anderer Sachverständiger, insbesondere Dr. Lundershausen und Dr. Dickmann, als nicht sachgerecht zurückgewiesen. Er präsentiere „Daten und nicht böse Absichten“ und sehe die Bemühungen, das Geschehene im Nachhinein schönzureden, als problematisch an, insbesondere angesichts von 13.000 Toten in Thüringen.

Kritik an der Darstellung der Krise
Lausen, der selbst als Datenanalyst im Ausschuss gehört wurde, bemängelt, dass seine Vorrednerinnen, darunter die ehemalige Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen, Dr. Lundershausen, und die Risikokommunikationsexpertin Dr. Petra Dickmann, keine datenbasierten Erkenntnisse, sondern vielmehr emotionale Darstellungen und Behauptungen präsentiert hätten, man habe alles gut gemacht. Er widerspricht explizit der Annahme, dass die Impfungen „toll gewirkt“ hätten und man Busfahrer und andere Berufsgruppen hätte impfen sollen, da dies keine Strategie sei, sondern die Hinnahme einer Situation, in der man sich auf Pharmafirmen verlasse.

Entkräftung der Überlastungsthese durch Daten
Ein zentraler Punkt von Lausens Vortrag war die Widerlegung der These einer Überlastung der Krankenhäuser. Während Dr. Lundershausen und Dr. Dickmann der Meinung waren, es habe sehr wohl eine Überlastung gegeben, der man nur durch das Verschieben wichtiger Operationen und ständige Patientenverlegungen Herr geworden sei, legte Lausen gegenteilige Zahlen vor. Er erklärte, dass Patientenverlegungen zum Tagesgeschäft deutscher Krankenhäuser gehören. Im Jahr 2019 wurden in Thüringen rund 18.600 Patienten verlegt, im Jahr 2020 waren es sogar nur etwa 16.500. Zwar gab es auf Intensivstationen 2020 etwas mehr Verlegungen, doch Lausen betonte, dass dies das Verlegungsargument als „propagandistisches Element“ komplett aufhebe. Er bezeichnete es als „frech“, zu behaupten, Verlegungen hätten alles gerettet, und sah den Einsatz von Bundeswehrmaschinen für Verlegungen als eine „mediale Inszenierung“ ohne Notwendigkeit an.

Zweifel an der Statistik zu ungeimpften Patienten
Bezüglich der Behauptung, 90 % der schweren Verläufe hätten ungeimpfte Patienten betroffen, äußerte Lausen ebenfalls Bedenken. Er forderte eine genaue Betrachtung von Zeitpunkten und Zeiträumen und kritisierte, dass Dr. Lundershausen möglicherweise nur eine Momentaufnahme ohne genaue Quellenangabe oder Fallzahlen herangezogen habe. Lausen wies darauf hin, dass die Bundesregierung Daten vorlege, die zeigten, dass bei vielen im Krankenhaus liegenden Corona-Fällen der Impfstatus nicht erhoben, ermittelt oder verfügbar gewesen sei. Dies sei eine grundsätzliche Problematik, die verlässliche Aussagen verhindere. Er verwies darauf, dass im Herbst 2021, zum Zeitpunkt der 2G-Maßnahmen in Thüringen, viele Patienten mit Pflegegraden im Krankenhaus lagen und starben. Diese Menschen seien höchstwahrscheinlich geimpft gewesen, da sie oft aus Pflege- oder Altenheimen stammten, wo Ungeimpfte kaum zugelassen wurden, insbesondere wenn sie ihren Impfstatus nicht selbst bestimmen konnten. Dies stelle die Aussage von Dr. Lundershausen infrage.

Gesamtsterblichkeit als entscheidender Indikator
Lausen betonte die Notwendigkeit, die Gesamtsterblichkeit zu betrachten, anstatt sich ausschließlich auf wöchentliche Dashboards zu konzentrieren, die lediglich die COVID-19-Todesfälle zeigten. Er argumentierte, dass bei einer neuen Krankheit immer auch die Frage gestellt werden müsse, ob insgesamt mehr Menschen sterben als erwartet, um eine mögliche Umetikettierung von Todesursachen auszuschließen. Das wichtigste Ziel sei immer, Todesfälle zu verhindern, weshalb die Übersterblichkeit der entscheidende Endpunkt sei. Die Fokussierung auf die Einzelsterblichkeit von Corona verkenne die Realität und die umfassenderen Probleme.

Ablehnung von ausländischen Daten im Krisenmanagement
Lausen kritisierte vehement die Heranziehung von Daten aus Israel, Australien, England oder Südkorea zur Beurteilung der Lage in Thüringen. Er argumentierte, ein thüringischer Ministerpräsident müsse die Krise im eigenen Land managen und auf die Nachbarländer schauen, nicht ins Ausland. Die Verwendung von englischen Zahlen, wie sie auch von Prof. Drosten als Rechtfertigung für Maßnahmen genannt wurden, sei nicht nur unnötig, da deutsche Daten verfügbar gewesen wären, sondern auch irreführend, da England seiner Meinung nach „ziemlich schlecht abgeschnitten“ habe. Die Vergleichbarkeit von Daten aus verschiedenen Ländern sei zudem fragwürdig, da geografische und bevölkerungsspezifische Unterschiede relevant seien. Die hohen Übersterblichkeitsraten in Bergamo oder Madrid seien Ausnahmen gewesen und könnten nicht verallgemeinert werden.

Datenbasierte Entscheidungen versus „First Mover“-Strategie
Der Datenanalyst hob hervor, dass Daten die Grundlage für jede Entscheidungsfindung sein müssen. Er widersprach der Ansicht, in einer akuten Situation müsse man schnell handeln („First Mover“) und erst später Daten abgleichen. Lausen betonte, dass man keine Maßnahmen ergreifen dürfe, die Schaden anrichten, wenn keine Krisensituation im Krankenhaus vorliege und keine absehbar sei. Maßnahmen seien nicht immer gut, sondern könnten auch Schaden anrichten, indem sie Menschen verschrecken, Lebenswillen nehmen oder die Betreuung verschlechtern. Die Pflicht der Verordnungsgeber sei es gewesen, die Daten anzusehen und darauf basierend Entscheidungen zu treffen. Er sah ein „Unverständnis von Krisenlagen“ in der Haltung, die Wirklichkeit von den Entscheidungen abzukoppeln.

Deutschland im Vergleich zu Schweden
Abschließend stellte Lausen einen deutlichen Vergleich zwischen Deutschland und Schweden her. Er führte an, dass Schweden seit der Impfkampagne bei der Übersterblichkeit auf Platz 1 in Europa abgeschnitten habe, während Deutschland auf Platz 21 liege. Mit einer Übersterblichkeit von etwa 2 % in Schweden gegenüber rund 10 % in Deutschland, zeige sich, dass das größte Land in Europa „richtig schlecht abgeschnitten“ habe. Trotzdem wolle niemand mehr hinschauen.

Lausen sieht seine Aufgabe darin, Fakten sichtbar zu machen und Daten zu präsentieren, um eine fundierte Aufklärung zu ermöglichen, anstatt „Verschwörungstheorien“ zu nähren, wie ihm teilweise unterstellt wurde. Er kritisiert, dass ein anfangs beklagter „wackeliger Datenlage“ nun, wo Daten verfügbar sind, nicht gehört werden wolle.

Der Einsatz sowjetischer Schneefräsen im DDR-Winterdienst 1978/79

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL: Hook: Der plötzliche Temperatursturz am 28. Dezember 1978 veränderte den Alltag in der DDR innerhalb weniger Stunden grundlegend. Teaser: Wenn über den Katastrophenwinter gesprochen wird, stehen oft die Bilder der eingeschneiten Dörfer und der isolierten Insel Rügen im Vordergrund. Doch die Wiederherstellung der Infrastruktur war ein logistischer Kraftakt, der weitgehend von einer spezifischen Maschine abhing. Die sowjetische Schneefräse auf Basis des ZIL-LKWs war kein komfortables Arbeitsgerät. Mit einem Motor, der 150 PS leistete und eng mit militärischen Aggregaten verwandt war, fraß sie sich durch Schneewände, die bis zu drei Meter hoch waren. Für die Männer, die diese Maschinen bedienten, bedeutete der Einsatz im Norden der Republik eine extreme physische Belastung. Fahrer wie Heinz Mittelbach aus dem Erzgebirge wurden quer durch das Land beordert, um die Verkehrswege an der Küste freizulegen. In Schichten von bis zu 14 Stunden arbeiteten sie sich Meter für Meter voran. Dabei entwickelten sie eigene Fahrtechniken, um die massiven Verwehungen überhaupt bewältigen zu können. Es war ein Kampf gegen die Elemente, geführt mit einer Technik, die auf reine Robustheit ausgelegt war und keine Fehler verzieh. Die damaligen Strukturen ermöglichten eine schnelle, zentrale Umverteilung von Ressourcen von Süd nach Nord, doch die Naturgewalten zeigten auch die Grenzen dieses Systems auf. Die ZIL-Fräsen blieben noch lange nach diesem Winter ein vertrautes Bild auf den Straßen und sind teilweise bis in die jüngste Vergangenheit im Einsatz geblieben. Ihre Geschichte erzählt viel über den Umgang mit Ressourcen und die Prioritätensetzung in der DDR-Infrastrukturplanung. Es bleibt das Bild einer Landschaft, die langsam ihre Konturen zurückgewinnt. B) SEITE 1 und 2 (Kontext): Hook: Die gesetzlichen Grundlagen für den Winterdienst in der DDR unterschieden sich signifikant von den heutigen Regelungen. Teaser: Während heute oft von der Räumung nach „besten Kräften“ die Rede ist, existierte in der DDR eine Winterordnung, die den staatlichen Organen enge zeitliche Vorgaben setzte. Theoretisch bestand der Anspruch, dass Hauptverkehrswege innerhalb von zwei Stunden nach Schneefallbeginn beräumt sein mussten. Dies entsprach einem Rechtsanspruch des Bürgers gegenüber dem Staat, der eine hohe Erwartungshaltung an die Verfügbarkeit der Infrastruktur knüpfte. Im Katastrophenwinter 1978/79 traf dieser Anspruch auf eine Wetterlage, die jede Planung obsolet machte. Der Einsatz der schweren sowjetischen ZIL-Fräsen, die bis zu 1000 Tonnen Schnee pro Stunde bewegen konnten, war die materielle Antwort auf diese Herausforderung. Die Langlebigkeit dieser Technik, die teilweise über 40 Jahre im Dienst blieb, ist dabei ein technikhistorisches Detail, das die Pragmatik des ostdeutschen Winterdienstes unterstreicht. Die Straßen waren irgendwann wieder frei.