Nach 26 Jahren: Herzzerreißendes Wiedersehen einer Familie aus der DDR

Halle an der Saale / Havanna, Kuba – Eine rührende Geschichte von Liebe, Trennung und schmerzhafter Sehnsucht findet nach über zwei Jahrzehnten ein glückliches Ende. Silke (48), eine alleinerziehende Mutter aus Halle an der Saale, hat ihre erste große Liebe, Pio Ramón, einen kubanischen Gastarbeiter, und damit den Vater ihrer Tochter Miriam, nach 26 Jahren wiedergefunden. Die Familie wurde in der ehemaligen DDR getrennt, als Pios Arbeitsvertrag auslief und er in seine kubanische Heimat zurückkehren musste.

Eine Liebe in der DDR Silke lernte den Kubaner Pio 1983 auf einem Fest kennen, als sie 19 Jahre alt war. Die beiden verliebten sich „hals über kopf“ und zogen zusammen. Ihr Glück schien perfekt, als 1986 ihre Tochter Miriam geboren wurde. Silke beschreibt diese Zeit als die „schönste Zeit meines Lebens“. Doch die Idylle zerbrach abrupt im November 1987, als Pios Arbeitsvertrag endete und er nach Kuba zurückkehren musste. Miriam war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal ein Jahr alt. Silke blieb mit ihrer kleinen Tochter in der DDR zurück und hat nach eigener Aussage „nie wieder so geliebt, wie [sie] ihn geliebt [hat]“.

26 Jahre der Sehnsucht Die Trennung hinterließ tiefe Spuren. Silke hat Pio nie vergessen und hegt den Wunsch, sich noch einmal so zu fühlen wie damals. Für sie war Pio ihre erste und „große Liebe ihres Lebens“. Auch ihre Tochter Miriam, heute 27 Jahre alt, die sich nicht an ihren Vater erinnern kann und ihn nur von Fotos kennt, litt unter der Abwesenheit. Miriam empfindet eine „riesengroße Sehnsucht“ nach ihrem Papa, die sie ihr ganzes Leben lang begleitet hat. Sie würde ihn „nie wieder loslassen“, wenn sie ihn treffen könnte.

Nach Pios Abreise hielten sie einige Jahre brieflichen Kontakt, doch dann blieben die Antworten aus. Silke versuchte vergeblich herauszufinden, was passiert sein könnte. Pio wiederum dachte, Silke sei weggezogen oder wolle nichts mehr von ihm wissen. Er betrachtete seine Familie in Deutschland weiterhin als seine einzige Familie und trug immer ein Foto seiner Tochter bei sich, oft weinend, da er eine „ganz große Sehnsucht“ nach ihnen hatte und sich oft einsam fühlte.

Die aufwändige Suche in Kuba Um Silke und Miriam zu helfen, machte sich Julia Leischik von SAT.1 auf die Suche nach Pio. Ihre Reise führte sie nach Havanna, Kuba. Der einzige Anhaltspunkt war Pios alte Adresse, von der aus er noch einige Jahre Briefkontakt gehalten hatte. Die Suche gestaltete sich schwierig. An Pios alter Wohnadresse erfuhr Julia von Nachbarn, dass Pio vor über zehn Jahren weggezogen sei und niemand wusste, wohin. Eine ehemalige Arbeitskollegin konnte sich an ihn erinnern, wusste aber nur, dass er in einer Cafeteria an der Calzada gearbeitet haben soll.

Nach erfolglosen Befragungen in zahlreichen Cafeterias der Hauptstraße erhielten Julia und ihr Dolmetscher Frank unerwartet Hilfe von einer Cafeteria-Inhaberin, deren Schwager Polizist in Havanna war. Dieser Polizist, Armando, konnte nach 90 Minuten Wartezeit Pios aktuelle Adresse ermitteln.

Die neue Spur führte Julia zum Hafen von Havanna, wo Pios Neffe Daniel arbeitete. Daniel war eine entscheidende Hilfe: Er konnte bestätigen, dass es Pio gut geht und dass er immer noch große Sehnsucht nach seiner Familie in Deutschland hatte. Daniel erreichte seinen Onkel Pio telefonisch, der daraufhin versprach, den Nachtzug nach Havanna zu nehmen, um seine Familie zu treffen.

Das Wiedersehen nach 26 Jahren Am nächsten Tag holten Julia und ihr Team Pio am Bahnhof von Havanna ab. Das Wiedersehen zwischen Pio und seiner Familie wurde in Deutschland organisiert. Nach 26 langen Jahren der schmerzhaften Trennung waren Silke, Miriam und Pio wieder vereint. Es war ein Moment großer Emotionen.

Pio verbringt nun einige Wochen in Deutschland, um seine erwachsene Tochter Miriam kennenzulernen und die verlorene Zeit aufzuholen. Die Quellen lassen die Hoffnung zu, dass es vielleicht auch eine „zweite Chance“ für Silke und Pios Liebe geben könnte.

Grabowsee: Vom Tuberkulose-Sanatorium zum sowjetischen Militärlazarett

Die Heilstätte Grabowsee als Spiegel der Systembrüche des 20. Jahrhunderts HOOK: Über 47 Jahre lang war die Heilstätte Grabowsee ein hermetisch abgeriegeltes Areal. Die Geschichte des Ortes erzählt exemplarisch von der Transformation medizinischer Einrichtungen durch politische Systeme und dem schwierigen Erbe der Besatzungszeit. BLOG-TEXT: Die architektonische Anlage am Grabowsee bei Oranienburg gilt als ein bedeutendes Zeugnis der Medizingeschichte. Gegründet 1896 vom Deutschen Roten Kreuz, war sie eine Antwort auf die Tuberkulose-Epidemie der Industrialisierung. Die Pavillonbauweise ermöglichte eine strikte Trennung der Patienten und maximale Frischluftzufuhr. Doch die ursprüngliche humanitäre Ausrichtung der Volksheilstätte wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts mehrfach überschrieben. Nach der Nutzung als Wehrmachtslazarett übernahmen 1945 die sowjetischen Streitkräfte das Gelände. Diese Zäsur prägte den Ort nachhaltiger als jede vorangegangene Epoche. Bis zum Truppenabzug 1992 blieb Grabowsee eine sowjetische Insel inmitten der DDR. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen und die absolute Isolation schufen eine Distanz zwischen den Besatzern und der lokalen Bevölkerung, die symptomatisch für viele sowjetische Liegenschaften in Ostdeutschland war. Während im Inneren ein russischsprachiger Alltag mit eigener Versorgung und Kultur stattfand, blieben die Vorgänge für Außenstehende undurchsichtig. Deutsche Angestellte, die als Hilfskräfte tätig waren, berichteten von einer strengen Hierarchie und einem strikten Redeverbot über interne Abläufe. Nach 1992 hinterließen die abziehenden Truppen nicht nur leerstehende Gebäude, sondern auch kulturelle Spuren wie Wandmalereien und Propaganda, die sich heute mit dem verfallenden Jugendstil mischen. Dieser Palimpsest der Geschichte macht den besonderen Reiz, aber auch die Schwierigkeit des Ortes aus. Der heutige Zustand ist geprägt von Vandalismus und natürlichem Verfall. Die Debatte um die Zukunft von Grabowsee verdeutlicht das generelle Problem im Umgang mit solchen Konversionsflächen: Die immensen Sanierungskosten stehen oft in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Nutzbarkeit in ländlichen Regionen. So bleibt Grabowsee vorerst ein Ort, an dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Widersprüchlichkeit physisch greifbar bleibt – vom sozialen Aufbruch der Kaiserzeit über die Kriege bis hin zur langen Phase der sowjetischen Präsenz in Ostdeutschland. https://www.facebook.com/arnepetrich/posts/pfbid037du4beewjMdW4L62hZrBqs6yaYpDizyGAdkr6dm9yY9bfKV8hvq7YAhUWK5dL4DQl