Anklam feiert Baufortschritt: Nikolaikirche wird zum Ikareum

Die Stadt Anklam hat am 19. Juni 2025 einen bedeutenden Baufortschritt bei einem ihrer herausragendsten Projekte gefeiert: der Umgestaltung der historischen Nikolaikirche. Diese ehrwürdige, jahrhundertealte Kirche wird zu einem modernen Museum namens Ikareum umgewandelt.

Das Projekt hat eine tiefgreifende Bedeutung für Anklam und die gesamte Region, da es die Kirche von einem sakralen Bauwerk zu einem Ausstellungsort mit internationalem Anspruch transformiert. Es handelt sich um ein ambitioniertes Vorhaben, das die historische Substanz des Gebäudes bewahrt, während es gleichzeitig für eine zukunftsweisende Nutzung adaptiert wird.

Aktuell befindet sich das Großprojekt im dritten Bauabschnitt. Dieser Abschnitt ist besonders hervorzuheben, da er als das bislang größte Teilprojekt innerhalb der Gesamtumgestaltung der Kirche gilt. Die Arbeiten in diesem Bereich sind intensiv und entscheidend für die finale Gestalt des Ikareums. Ein wesentlicher Bestandteil dieses dritten Bauabschnitts ist der Ausbau der Emporen. Diese Baumaßnahme markiert einen zentralen architektonischen Übergang, der die Vision des neuen Museumsgebäudes als einen Ort der Präsentation und Bildung unterstreicht.

Das gesamte Investitionsvolumen für die Umgestaltung der Nikolaikirche zum Ikareum beläuft sich auf beträchtliche 10,5 Millionen Euro. Die Stadt Anklam plant, dass der Umbau bis zum Jahr 2027 vollständig abgeschlossen sein soll. Nach Fertigstellung wird das Otto-Lilienthal-Museum seinen neuen Sitz in dem umgestalteten Gebäude finden und dort seine Ausstellungen präsentieren. Es sind auch aktuelle Ausstellungstipps vom Otto-Lilienthal-Museum in Anklam verfügbar.

Die Stadt Anklam betrachtet das Ikareum als ein wahres Leuchtturmprojekt. Die Vision ist es, dass dieses Museum als eine „Kathedrale der Luftfahrt“ weit über die regionalen Grenzen hinausstrahlen und Besucher aus nah und fern anziehen wird. Es soll nicht nur ein Museum sein, sondern ein Symbol für Innovation, Geschichte und die Verbindung von Technik und Kultur. Die Umwandlung der Nikolaikirche in das Ikareum stellt somit einen wesentlichen Schritt in der kulturellen und touristischen Entwicklung der Region dar und verspricht, Anklam als wichtigen Standort für Luftfahrtgeschichte und moderne Museumskultur zu etablieren.

Hermann Henselmann und der architektonische Wandel der DDR

A) PROFIL AP Der Weg von der radikalen Moderne in die repräsentative Staatsarchitektur ist selten geradlinig. Hermann Henselmanns Biografie zeigt exemplarisch, wie stark architektonisches Schaffen im 20. Jahrhundert von politischen Rahmenbedingungen abhängig war. Er begann als Vertreter des Neuen Bauens, der Funktionalität über Dekoration stellte, doch die gesellschaftlichen Umbrüche nach 1945 erforderten eine andere Sprache. Die Adaption des sozialistischen Klassizismus war für ihn kein reiner Pragmatismus, sondern der Versuch, dem neuen Staat ein Gesicht zu geben. Diese Phase der Monumentalität währte jedoch nur kurz. Mit der ökonomischen Notwendigkeit, Wohnraum schnell und industriell zu fertigen, geriet der individuelle Entwurf ins Hintertreffen. Henselmann, der die "Arbeiterpaläste" der Stalinallee entworfen hatte, musste zusehen, wie die Baukräne der sechziger Jahre eine standardisierte Stadtlandschaft formten. Seine Kritik an der Uniformität des Plattenbaus wurde in den Fachgremien zwar gehört, hatte jedoch gegen die ökonomischen Sachzwänge kaum eine Chance. Er blieb eine öffentliche Figur, doch seine gestalterische Handschrift verschwand zunehmend aus dem Stadtbild. Die Bauten der frühen Jahre stehen heute als steinerne Zeugen einer Zeit, in der Architektur noch den Anspruch hatte, mehr zu sein als reine Bedarfsdeckung. B) SEITE AP Die Architekturgeschichte der DDR lässt sich an den Brüchen in Hermann Henselmanns Werk ablesen. Als Chefarchitekt Ost-Berlins prägte er die Phase des nationalen Aufbaus, in der repräsentative Boulevards und aufwendig gestaltete Fassaden den Anspruch des Staates auf kulturelle Geltung untermauerten. Die Karl-Marx-Allee ist das gebaute Ergebnis dieser Doktrin, die bewusst den Gegensatz zum westlichen Funktionalismus suchte. Der Übergang zur industriellen Bauweise in den sechziger Jahren markierte jedoch eine Zäsur. Die Abkehr von handwerklicher Individualität hin zur seriellen Fertigung drängte Henselmanns architektonisches Verständnis an den Rand. Während er weiterhin für städtebauliche Qualität und differenzierte Stadträume plädierte, forderte die Planwirtschaft messbare Effizienz. Diese Entwicklung spiegelt den generellen Wandel der DDR-Gesellschaft wider, in der utopische Entwürfe zunehmend pragmatischen Sachzwängen wichen. Henselmanns Werk bleibt als Dokument dieser Spannung erhalten, sichtbar im Kontrast zwischen den Prachtbauten der fünfziger Jahre und den funktionalen Großsiedlungen der späteren Jahrzehnte. C) SEITE JP Hermann Henselmann steht wie kaum ein anderer Architekt für die visuelle Identität der frühen DDR. Seine Entwürfe für die Stalinallee definierten, wie eine sozialistische Hauptstadt auszusehen hatte: monumental, traditionsbewusst und repräsentativ. Diese Architektur war ein politisches Statement, das weit über die reine Schaffung von Wohnraum hinausging. Mit dem Einzug der Plattenbauweise verlor dieser Ansatz jedoch an Relevanz. Die Prioritäten verschoben sich zugunsten von Schnelligkeit und Kostenreduktion, was Henselmanns Position schwächte. Er wurde vom Gestalter zum Verwalter eines Erbes, das die neue Generation von Planern als überholt betrachtete. Heute ermöglicht der zeitliche Abstand einen nüchternen Blick auf sein Schaffen, das sich zwischen politischer Anpassung und künstlerischem Anspruch bewegte. Die Gebäude der Karl-Marx-Allee bilden bis heute eine markante Achse im Berliner Stadtgefüge.