Hans Modrow – Der bescheidene Staatsmann, der die DDR zusammenhielt

Im Jahr 2023 wirkten die Worte des Philosophen Hegel, dass Völker nichts aus der Geschichte lernen, beängstigend aktuell, auch für den letzten Ministerratsvorsitzenden der DDR, Hans Modrow. Die Erinnerung an brennende Häuser und verzweifelt fliehende Menschen prägte Modrow tief, die „Narben sind geblieben“, wie es heißt. Doch Modrow selbst bleibt in Erinnerung als eine maßgebende Figur auf der politischen Bühne der DDR, die in einer Zeit des Umbruchs entscheidend dazu beitrug, dass kein Chaos ausbrach.

Hans Modrow, der Sohn eines Schuhmachers aus einem pommerschen Dorf, hat nie vergessen, woher er kam. Seine Bodenständigkeit und Bescheidenheit waren bemerkenswert. So lebte er in Dresden in einer Mietwohnung und beteiligte sich dort, wie zu DDR-Zeiten üblich, am gemeinschaftlichen Kehren des Treppenhauses. Diese Haltung spiegelte sich auch in seinem Auftreten wider: Während ein Politbüromitglied sich hupend im Volvo durch eine Menschenmenge zu einer Kundgebung bahnte, kam Hans Modrow im Citroën, verließ das Fahrzeug und bahnte sich zu Fuß seinen Weg durch die Menge, wobei er sich Zeit nahm, mit den jungen Leuten zu sprechen, die ihn erkannten und ansprachen. Seine Gelassenheit im Angesicht der Ungeduld des wartenden Politbüromitglieds, weil sich die Eröffnung der Kundgebung verzögerte, war bemerkenswert und gefiel.

Als im November 1989 die Volkskammer ihn zum neuen Regierungschef der DDR wählte, übernahm er eine immense Verantwortung. Seine größte Leistung war es, in einer Zeit des radikalen Wandels das Land vor dem Kollaps zu bewahren. Unter seiner Führung brach weder die Justiz noch die Polizei noch die Versorgung zusammen. Dies hat er als Ministerpräsident geregelt. Noch 20 Jahre später dankten ihm Menschen für die von ihm gemachten Gesetze, die es ihnen ermöglichten, ihr kleines Häuschen am Rande von Berlin zu behalten – die sogenannten „Modrow-Gesetze“.

Die Erinnerung an Hans Modrow bleibt die an einen „wunderbaren Menschen“, der sich selbst nie wichtiger oder größer machte, als er war. Er war neugierig auf die Welt und besaß ein hohes Maß an Verständnis für Menschen, die anders dachten als er. Seine Konsequenz und Ausdauer im Verfolgen politischer Ziele sowie seine Treue zu sich selbst prägten seine Persönlichkeit. Hans Modrow, der Mann, der sich weigerte, abgehoben zu sein, bleibt unvergesslich.

Der letzte Versuch: Wie aus der Staatspartei die SED-PDS wurde

MASTER-PROMPT HOOK Der Parteitag zur Umbenennung in SED-PDS im Dezember 1989 Am späten Sonntagnachmittag treten die Delegierten in Berlin vor die Öffentlichkeit und präsentieren einen Doppelnamen, der die Brücke zwischen alter Macht und neuer Identität schlagen soll. MASTER-PROMPT Teaser JP Die Suche nach dem dritten Weg Gregor Gysi steht am Rednerpult und beschwört die Gefahr eines politischen Vakuums, während im Saal die Hoffnung auf eine eigenständige DDR noch lebendig ist. Manche glaubten in diesen Tagen des Dezembers 1989 fest daran, dass ein demokratischer Sozialismus jenseits der Profitwirtschaft möglich sei. Am 18.12.1989 verabschiedete der Parteitag unter Gysis Führung ein Statut, das den Erhalt der staatlichen Eigenständigkeit zum obersten Ziel erklärte. MASTER-PROMPT Teaser Coolis Außerordentlicher Parteitag beschließt neuen Namen und Statut Nach intensiven Beratungen entscheiden die Delegierten am 17. Dezember 1989 in Berlin, die Partei künftig unter dem Namen SED-PDS weiterzuführen. Der Vorsitzende Gregor Gysi betont in seinem Referat den Willen zur Regierungsverantwortung und warnt vor einem Erstarken rechter Kräfte. Mit der Verabschiedung eines vorläufigen Statuts positioniert sich die Partei für den beginnenden Wahlkampf und bekennt sich zur Eigenstaatlichkeit der DDR.