Mehr als nur eine „Kreml-Wanze“: Die Geschichte des Saporoshez in der DDR

In der Deutschen Demokratischen Republik war er gleichermaßen verschrien und begehrt – der Saporoshez, ein Kleinwagen aus sowjetischer Produktion. Während man im Volksmund spöttisch sagte, wer früher eine Ziege fuhr, fahre heute einen Saporoshez, war er für viele der einzige Weg zur schnellen motorisierten Freiheit.

Die Produktion des Saporoshez begann 1960 im ukrainischen Saporischschja. Die Karosserie kopierten die sowjetischen Ingenieure kurzerhand von Fiat. Erste Modelle dieses „schnittigen Kleinwagens“ kamen 1967 in die DDR, auch nach Stalinstadt, dem heutigen Eisenhüttenstadt. Der große Vorteil des Saporoshez: Während man zu dieser Zeit bereits jahrelang auf einen Trabant warten musste, gab es den Saporoshez sofort.

Doch schnell sprach sich herum, dass das Auto weder für schnelle noch für lange Fahrten taugte. Hunderte nagelneue Saporoshez rosteten in einem Auslieferungslager in Berlin vor sich hin. Beim Großteil der Bevölkerung war er als „Kreml-Wanze“ oder „Cordhosen-Traktor“ verschrien, viele warteten lieber jahrelang auf einen Trabant. Autokäufer wurden auch vom winzigen Kofferraum abgeschreckt. So verschwanden Familien wie die Eckerts nicht mit Koffern, sondern mit Einkaufstüten bepackt in den Ostseeurlaub, die Socken wurden „überall in die Ecken gedrückt“, weil ein sprachlicher Koffer „einfach nicht rein“ ging.

Es gab jedoch Entwicklungen: Die „Aktuelle Kamera“ pries einen neuen Saporoshez an. Es handelte sich um den Saporoshez SAS 966, der mit einem stärkeren Motor und Detailverbesserungen in die Serienfertigung ging. Diesen gab es mit 40 PS und 1200 Kubikzentimetern Hubraum. Er kostete um die 11.000 Mark, etwa so viel wie ein Trabant. In manchem war der Saporoshez dem Zweitakter aus Zwickau überlegen. Wo sich der Trabant den Berg hinauf quälte, zog der Saporoshez jetzt locker vorbei. Fahrer und Beifahrer hatten viel Beinfreiheit, da der Motor beim neuen Modell ebenfalls hinten war. Die Sitze waren gut gefedert.

Trotz Verbesserungen blieben Probleme und Gerüchte bestehen. Auf Dauer waren auf der Autobahn nicht mehr als 90 Kilometer pro Stunde drin, sonst drohte der Motor zu überhitzen. Schrecken verbreitete auch die benzinbetriebene Heizung. Diese machte Geräusche, die noch 2-3 Minuten weitergingen, nachdem die Heizung ausgeschaltet war. Besonders an Tankstellen wurde die Heizung misstrauisch beäugt; wenn jemand das Geräusch hörte, konnte es sein, dass man gleich „alles schein ausgestanden zusammen“ bekam. Regelmäßig kam es vor, dass Autos einfach abbrannten. Das passierte oft, weil viele versuchten, die Heizung selbst zu reparieren. Wenn dabei die Dichtung beschädigt wurde, tropfte Benzin genau auf die Heizung, die dann Feuer fing.

Die Ersatzteilsituation und die Verarbeitung wurden immer schlechter. Die Qualität entsprach dem sowjetischen Standard. Für deutsche Begriffe gab es „einige Ungereimtheiten“. Da gab es Rosttätigkeiten in der Karosserie oder Klappergeräusche. Der Saporoshez-Fahrer musste einiges ertragen, seine Autos wurden als „Tiger-Trommel“ und „Kolchosen-Traktor“ verspottet.

Doch alles in allem war der Saporoshez auch ein robustes Auto. Er war für russische Holperpisten konstruiert, geländegängig, wenn auch langsam. Ein Großvater war angeblich „äußerst zufrieden“, nachdem er ihn zehn Jahre ohne Probleme gefahren hatte. Doch als er ihn seinem Enkel schenkte, stand das Auto spätestens vier Wochen später mit Motorschaden wieder zu Hause.

Pro Jahr wurden etwa 10.000 Saporoshez in der DDR zugelassen – „verschwindend wenige“ im Vergleich zu anderen Fabrikaten. 1979 wurde der Import wegen zu großer Qualitätsmängel eingestellt. Fast zur gleichen Zeit begann Thomas Eckert eine Lehre als KFZ-Schlosser in einer Saporoshez-Vertragswerkstatt. Zu tun gab es dort genug, denn in der DDR wurde kaum ein Auto verschrottet.

Ende der 80er Jahre rollte ein neuer, modernerer Saporoshez im Werk in Saporischschja vom Band. Im Herbst 1989 wollte die DDR den Import wieder aufnehmen, doch dann kam die Wende. Niemand wollte jetzt noch Trabant oder Saporoshez fahren.

Thomas Eckert blieb der Marke treu, baute einen alten SAS 965 originalgetreu auf. 1992 eröffnete er mit seinem Bruder eine eigene Autowerkstatt und repariert dort bis heute die letzten verbliebenen Saporoshez. Schätzungsweise 150 tuckern heute noch durch Deutschland. Sie waren und bleiben Exoten.

Übrigens: Ein prominenter Fan des Saporoshez ist kein Geringerer als der russische Präsident Wladimir Putin. Es war sein erstes Auto, das seine Mutter in der Lotterie gewonnen hatte. Trotz seiner Mängel hat der Saporoshez eine einzigartige Geschichte in der DDR hinterlassen.

Der Gaukler, der den Minister nicht küssen wollte

MASTER-PROMPT HOOK - Profil Armin Mueller-Stahl und die verweigerte Umarmung der Macht In einer Reihe wartender Menschen steht der Schauspieler, als der Minister für Staatssicherheit auf ihn zutritt und ihn an seine ordensgeschmückte Brust ziehen will. Kurz bevor die Lippen des Politikers sein Gesicht berühren, weicht der Mann mit einem lauten Hinweis auf seinen angeklebten, fusselnden Bart zurück, woraufhin die anwesenden Funktionäre in betretenes Schweigen verfallen. MASTER-PROMPT Teaser JP Die Stille nach dem Scherz Ein Händedruck sollte es sein, doch der Griff an das Revers und die plötzliche, erzwungene körperliche Nähe des Ministers durchbrachen das Protokoll der Ehrung augenblicklich. Manchmal genügt ein einziger, scheinbar harmloser Satz über eine Maskerade, um eine staatlich inszenierte Feierlichkeit in eisiges Schweigen zu verwandeln. Ich sehe in diesem Moment der Weigerung, wie schmal der Grat zwischen dem gefeierten Volksschauspieler und einer unerwünschten Person in einem restriktiven System tatsächlich verlaufen konnte – eine Erfahrung, die den 25. Jahrestag des MfS 1975 prägte. MASTER-PROMPT Teaser Coolis Der Eklat beim Staatssicherheits-Jubiläum Während einer Auszeichnung zum 25. Jahrestag des Ministeriums für Staatssicherheit in Berlin kam es zu einer ungeplanten Interaktion zwischen Erich Mielke und dem Darsteller des Agenten Achim Detjen. Armin Mueller-Stahl verhinderte 1975 den demonstrativen Bruderkuss des Ministers durch eine beiläufige Bemerkung über seinen Bart, was die anwesenden Parteifunktionäre sichtlich irritierte. Diese Episode markierte einen Wendepunkt im Verhältnis des Schauspielers zur DDR-Staatsführung, der später in einem faktischen Berufsverbot und der Ausreise in die Bundesrepublik mündete.