In einer Ära, in der staatliche Medien auch für die jüngsten Bürger lehrreiche Inhalte bereithielten, gelang es der beliebten Kinderserie „Mit Jan und Tini auf Reisen“, den Alltag und die Funktionsweise des Gesundheitswesens in der DDR kindgerecht und unterhaltsam zu vermitteln. Eine Episode, in der die kleinen Helden einen Ausflug in die Poliklinik unternehmen, zeigt exemplarisch, wie medizinische Versorgung, Prävention und sozialistische Ideale miteinander verknüpft wurden.
Ein Abenteuer im Gesundheitssystem
Die besagte Folge beginnt mit einer unschuldigen Verwechslung: Beate hat ihren Turnbeutel vergessen, und so führt die Geschichte die jungen Protagonisten Jan und Tini in die Poliklinik – eine Einrichtung, in der zahlreiche Fachbereiche unter einem Dach zusammenarbeiten. Von der orthopädischen Gymnastik, die den Haltungsschäden entgegenwirken soll, bis hin zu den Besuchsstationen der Zahn-, Augen- und Röntgenabteilungen wird ein ganzheitlicher Blick auf die medizinische Versorgung gewährt.
Die Episode dient nicht nur der reinen Unterhaltung, sondern hat auch eine pädagogische Funktion: Sie soll Kinder mit den Abläufen im Gesundheitssystem vertraut machen und zugleich Ängste vor vermeintlich mysteriösen medizinischen Geräten wie dem Reflexhammer oder der Röntgenanlage abbauen. Mit kindgerechten Erklärungen wird vermittelt, dass Vorsorgeuntersuchungen nicht nur wichtig, sondern auch problemlos und schmerzfrei durchführbar sind.
Pädagogik trifft Propaganda
Die Sendung war weit mehr als eine bloße Unterhaltungsserie. Sie verfolgte das Ziel, junge Zuschauer an staatlich propagierte Werte wie Hilfsbereitschaft, Gemeinschaftssinn und die Bedeutung der Prävention heranzuführen. Durch den Besuch der Poliklinik sollte den Kindern auch vermittelt werden, dass das Gesundheitssystem der DDR – trotz aller bürokratischen Hürden – für jeden zugänglich und kostenlos war. Die klare Struktur der Einrichtung, von der Anmeldung bis zu den verschiedenen Fachabteilungen, stand sinnbildlich für den organisierten und sozial gerechten Aufbau des sozialistischen Staates.
Historischer Kontext und Nachwirkung
Im historischen Kontext betrachtet, spiegeln die in der Serie dargestellten Institutionen und Abläufe den Alltag vieler DDR-Bürger wider. Polikliniken waren in der DDR zentrale Anlaufstellen für die medizinische Versorgung der Bevölkerung. Sie zeichneten sich durch ein breites Angebot an Fachrichtungen aus und waren ein Garant für die kostenlose medizinische Grundversorgung – ein entscheidendes Element der sozialistischen Gesundheitsvorsorge.
Auch heute noch bietet die Serie einen nostalgischen Rückblick auf eine vergangene Zeit, in der staatliche Medien als pädagogische Instanz fungierten und medizinische Themen so aufbereitet wurden, dass sie sowohl informierten als auch das Vertrauen in das staatliche Gesundheitssystem stärkten.
„Mit Jan und Tini auf Reisen“ gelingt es, Geschichte, Pädagogik und Propaganda in einem Format zu vereinen, das den jungen Zuschauern auf unterhaltsame Weise das Funktionieren des DDR-Gesundheitssystems näherbringt. Die Poliklinik-Episode ist dabei ein gelungenes Beispiel dafür, wie medizinische Themen kindgerecht aufbereitet werden können – ein Erbe, das auch Jahrzehnte nach dem Ende der DDR nachhallt und uns zeigt, wie stark mediale Aufklärung in der Erziehung verankert war.