Hans-Eckardt Wenzel: „Das Vaterland braucht dringend frische Helden“

Wenzel zu seinem Song auf Facebook: „Erstaunlicherweise spielte im Wahlkampf der Ukraine-Krieg kaum eine Rolle, obwohl in dieser Zeit nicht weniger Menschen zu Tode kamen. Das, was früher als Hauptmeldung in den Nachrichten diente, ist wie von Zauberhand verschwunden. Erst als der Friedensplan der Trump-Regierung auftauchte, brachte es die Kriegsliebhaber und Aufrüstungsfreunde in helle Aufregung. Den Hochmut der Kriegstrompeten kann es nur geben im Schutz der Macht. Nun geht es erst mal darum, diese Macht zu behalten. Da ist Zurückhaltung geboten, für ein paar Tage. Man hatte die diversen Kriegsverehrerinnen und Kriegsverehrer auf stand-by geschaltet und übte sich in demokratischer Folklore, derweil Aufrüstung und Militarisierung der Gesellschaft mit vollen Kräften von beinah allen demokratischen Parteien vorangetrieben wurde.
Die Summen, die wir bezahlen müssen für Waffen und Kriegswahn, werden wir erst nach den Wahlen erfahren. Man geht behutsam mit uns um. Gerüchte sprechen von 700 Milliarden. Wenn die Staaten genug gerüstet sind und das Volk traumatisiert mit Rachegelüsten und Feindbildern, dann wird es den Krieg auch geben, den, so die Logik der Militaristen, man nur durch Aufrüstung verhindern könne. Kriegstüchtig heißt: tüchtig morden können. Sie sprechen wieder von großen Zeiten. Versteckt eure Söhne. Das Vaterland braucht Helden. Das Geld für die Heldentaten ist schon bewilligt von der Regierung.“

Wenzel hat es auf den Punkt gebracht

Im Scheinwerferlicht des Wahlkampfes spielt der Ukraine-Krieg kaum eine Rolle – obwohl in jenen Tagen unzählige Menschen ihr Leben verloren haben. Was einst als Hauptnachricht diente, scheint plötzlich von der Bildfläche verschwunden zu sein, um sich dann im richtigen Moment in ein politisches Spektakel zu verwandeln. Der Friedensplan der Trump-Regierung war der Katalysator, der die Kriegsliebhaber und Aufrüstungsbefürworter in Aufruhr versetzte. Aber was steckt hinter dieser taktischen Inszenierung?

Es ist kaum zu übersehen, dass hinter den Kulissen eine ganz andere Logik am Werk ist. Während das öffentliche Wort zur beruhigenden Demokratie-Folklore verkommt, brodelt im Hintergrund die Ambition, die Macht zu sichern – koste es, was es wolle. Die Kriegsverfechter werden quasi auf Abruf gehalten, bereit, das Spiel aufzunehmen, sobald die politische Bühne ihren Rahmen neu ordnet. Dabei ist es nicht nur eine Frage der nationalen Sicherheit, sondern auch eine Frage der wirtschaftlichen Interessen und des Erhalts der politischen Macht.

Der heimliche Plan? Die massive Aufrüstung und Militarisierung der Gesellschaft. Es wird mit leisen Tönen verkündet, dass nach den Wahlen die wahren Kosten – jene Summe von angeblich 700 Milliarden – ans Licht kommen werden. Bis dahin jedoch wird behutsam mit der Bevölkerung umgegangen, als ob man sie vor der harten Realität schützen könnte. Diese Strategie erinnert an ein doppeltes Spiel: Einerseits wird die Öffentlichkeit beruhigt und andererseits gleichzeitig ein Klima der Angst und des Rachsuchtgeistes geschürt, das als Nährboden für einen erneuten Krieg dienen soll.

Wenn man genauer hinsieht, offenbart sich eine tiefgreifende Paradoxie: Während der Menschheit unermessliches Leid zugefügt wurde, wird der Krieg – der als solches immer das äußerste Übel darstellen sollte – plötzlich als notwendiges Übel dargestellt. Der Narrativ wechselt von der Schreckensrealität zur heroischen Erzählung: „Versteckt eure Söhne. Das Vaterland braucht Helden.“ Es ist ein Satz, der wie ein alter, verstaubter Schlachtruf aus vergangenen Zeiten anmalt, dass der wahre Patriotismus im blutigen Kampf um Macht und Ruhm liege.

Doch was sagen uns diese Worte über unsere Gesellschaft? Es ist ein Weckruf, dass die politischen Entscheidungsträger nicht nur bereit sind, in die Massenmedien zu investieren, sondern auch in ein System, in dem Krieg als Instrument der Macht und wirtschaftlichen Bereicherung dient. Die Rhetorik, die uns mit heroischen Bildern und heroischen Opfern lockt, verdeckt dabei die bittere Realität: Krieg ist und bleibt eine Maschine, deren Räder unaufhaltsam weiterradeln, solange sie von den Händen der Machtlenker angetrieben werden.

Unsere Demokratie, die einst den Anspruch hatte, Freiheit, Gerechtigkeit und Mitbestimmung zu verkörpern, wird so zum Spielball von Interessen, die über dem Wohlergehen der Menschen stehen. Es stellt sich die Frage: Wie lange dürfen wir noch zusehen, wie die wahren Kosten – nicht nur in Form von Milliarden, sondern vor allem in menschlichen Schicksalen – unter dem Deckmantel der Sicherheit und der nationalen Größe versteckt werden?

Die kollektive Verantwortung liegt in der kritischen Auseinandersetzung mit dieser Inszenierung. Wir müssen uns fragen, ob der Preis, den wir letztlich zahlen, nicht viel zu hoch ist. Es ist an der Zeit, dass die Öffentlichkeit nicht nur als Zuschauer, sondern als aktiver Teilnehmer an der Gestaltung einer friedlicheren und gerechteren Zukunft auftritt – ohne dabei von den Verlockungen der Machtspiele und des Kriegsromantizierens geblendet zu werden.

Der Diskurs muss sich ändern. Es braucht mehr Transparenz, weniger Manipulation und ein Umdenken, das den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellt – statt ihn als Spielball einer politischen Inszenierung zu missbrauchen. Nur so können wir hoffen, die Maschinen des Krieges endgültig zum Stillstand zu bringen und den Weg in eine Zukunft zu ebnen, in der Menschlichkeit und Frieden die wahren Helden sind.

Liedtext: 

Das Vaterland braucht dringend frische Helden. Ein Held zu werden, ist zur Zeit nicht schwer. Wer hält sein Wild, muss sich als Held nur mähen.

Kriegt einen Held, kriegt Geld und ein Gewehr. Und darf dein Echt auf echte Menschen schießen. Hopp in den Bauch, den Kopf, das ist legal.

Er darf auch treten, schlagen, spießen. Ist man ein Held, dann ist der Mord legal. Neideideideidei, neideideideidei.

Ist man ein Held, dann ist der Mord legal. Zerfetzt man ihm das Bein, den Kopf und Schlimmer, reißt ihn die Feindesdrone gar in zwei. Fürs Vaterland zu sterben lohnt sich immer, weil dort nur kann man leben froh und frei.

Der Wert des Helden ist nicht zu ermessen, gegen Barbaren, gegen schlechten Sinn. Die alten Kriege sind längst vergessen und all die alten Helden lang schon hin. Neideideideidei, neideideideidei.

Und all die alten Helden lang schon hin. Im Heldengrab, dem Altersheim für Helden, da liegen sie unter dem grauen Stein. Nun geht’s schon hin, ihr müsst euch einfach melden, die Börse wird euch ewig dankbar sein.

Nun geht’s schon hin, ihr müsst euch einfach melden, es ist so schön, ein Held zu sein. Neideideideidei, neideideideidei. Es ist so schön, ein Held zu sein.

Es ist so schön, ein Held zu sein.

Dreharbeiten auf der J.G. Fichte: Die Entstehung der DDR-Serie „Zur See“

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Es gibt Bilder, die sich im kollektiven Gedächtnis festsetzen, und doch erzählt das, was hinter der Kamera geschah, eine ganz eigene Geschichte. Teaser: Wer an die Serie „Zur See“ denkt, hat oft die eingängige Melodie im Ohr und die Gesichter von Horst Drinda oder Günter Naumann vor Augen. Doch die Realität der Dreharbeiten im Jahr 1974 auf dem Frachter „J.G. Fichte“ hatte wenig mit der Romantik zu tun, die später über die Bildschirme flimmerte. Die Bedingungen an Bord waren hart, geprägt von Hitze, Lärm und der Enge eines Schiffes, das seine besten Tage längst hinter sich hatte. Die Entscheidung für dieses alte Schiff war keine künstlerische, sondern eine rein pragmatische. Moderne Schiffe der DDR-Handelsflotte boten schlicht keinen Raum für ein Filmteam. So fand sich die prominente Riege der DDR-Schauspieler in einer Situation wieder, die keinen Rückzug erlaubte. Sie lebten Tür an Tür mit der echten Besatzung, teilten den begrenzten Komfort und die langen Abende auf See. Aus dieser Zwangsgemeinschaft entstand eine Atmosphäre, die sich wohl kaum künstlich herstellen ließ. Bemerkenswert ist, wie sehr der politische Arm des Staates auch auf den Weltmeeren präsent blieb. Die Angst vor Republikflucht bestimmte die Auswahl des Personals ebenso wie die Reiseroute. Selbst bei technischen Pannen im „kapitalistischen Ausland“ blieb der Bewegungsradius der Crew strikt reglementiert. Die Serie sollte Weltläufigkeit zeigen, entstand aber unter den Bedingungen strenger innerer Kontrolle. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus realer harter Arbeit, politischer Begrenzung und der großen Sehnsucht nach der Ferne, die den Kern dieser Produktion ausmachte. Die Zuschauer spürten, dass hier nicht nur Theater gespielt wurde. Die Arbeit an den Maschinen, der Umgang mit der Fracht – vieles davon entsprach den tatsächlichen Abläufen an Bord eines DSR-Frachters. Es bleibt das Dokument einer Zeit, in der die Grenzen eng waren, der Blick aber dennoch nach draußen ging. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Die Produktion der erfolgreichsten DDR-Fernsehserie war weit mehr als ein logistischer Kraftakt auf hoher See. Teaser: Als 1974 die Dreharbeiten zu „Zur See“ begannen, traf der kulturelle Auftrag des DDR-Fernsehens auf die nüchterne Realität der Schifffahrt. Die Serie sollte den Alltag der Handelsmarine glorifizieren und gleichzeitig das Fernweh der Bevölkerung stillen. Doch schon die Wahl des Drehortes zeigte die Grenzen auf: Statt eines modernen Vorzeige-Schiffes diente ein alter Truppentransporter als Kulisse, weil nur dort genug Platz für das Filmteam war. Die politischen Rahmenbedingungen waren ebenso eng wie die Kabinen. Die Stasi überprüfte jeden Beteiligten, die Reiseroute mied westliche Häfen, und selbst der Kontakt zum „Klassenfeind“ wurde administrativ unterbunden. Dennoch – oder gerade deshalb – entwickelte die Serie eine Authentizität, die bis heute nachwirkt. Die Geschichten basierten oft auf realen Logbucheinträgen, und die Schauspieler verschmolzen über Wochen mit der echten Besatzung. Interessanterweise lieferte dieses ostdeutsche Format, das die harte Arbeit in den Mittelpunkt stellte, die Blaupause für das westdeutsche „Traumschiff“. Während dort jedoch der Luxus regierte, blieb „Zur See“ ein Abbild der DDR-Gesellschaft: Man improvisierte, arbeitete hart und träumte sich für die Dauer einer Fernsehfolge in eine andere Welt. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Wer in der DDR zur See fuhr, besaß ein Privileg, das Millionen anderen verwehrt blieb. Teaser: Die Serie „Zur See“ bediente dieses Privileg visuell, während die Produktion selbst den Restriktionen des Landes unterworfen blieb. Die Schauspieler auf der „J.G. Fichte“ erlebten eine Freiheit zweiter Klasse: Sie waren unterwegs und doch eingesperrt, kontrolliert von politischen Vorgaben, die selbst auf dem Atlantik nicht endeten. Dass die Serie dennoch zum Straßenfeger wurde, lag an der Projektionsfläche, die sie bot. Sie zeigte eine Welt, in der ostdeutsche Tugenden global bestanden, auch wenn die Realität an Bord oft aus Rost, Schweiß und strenger Überwachung bestand. Es war der Versuch, die Weite zu inszenieren, ohne die eigenen Grenzen zu verlassen.