Omas gegen rechts in Werder: Für Freiheit und Demokratie und Gegen Hass und Spaltung

In einer Rede, die während eines Protests gegen die AfD in Werder gehalten wurde, äußerten die „Omas gegen Rechts“ ihre Besorgnis über die wachsende Unterstützung für rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien in Deutschland. Die Rednerin richtete sich speziell an die Sympathisanten und Wähler der AfD, die sich häufig empört fühlen, wenn man ihre Partei pauschal als rechtsextrem oder faschistisch bezeichnet. Dabei machte sie jedoch deutlich, dass viele führende Mitglieder und Abgeordnete der AfD im Bundestag und in den Landtagen als rechtsextrem und neonationalistisch eingestuft wurden und sich offen durch nationalsozialistisches Gedankengut auszeichnen. Die AfD habe zudem enge Verbindungen zu extremistischen Gruppen wie der ehemaligen NPD, die bis Juni 2023 den Namen „Nationalsozialistische Partei Deutschlands“ trug.

In ihrer Ansprache forderte die Rednerin die AfD-Sympathisanten auf, kritisch zu hinterfragen, warum sie eine Partei unterstützen, die nachweislich ehemalige Stasi-Mitarbeiter in ihren Reihen habe. Zudem wies sie darauf hin, dass die AfD den Verfassungsschutz abschaffen wolle – ein Schritt, der ihrer Meinung nach nur der Vermeidung weiterer Beobachtungen und Aufdeckungen ihrer extremistischen Umtriebe diene. Sie hob hervor, dass die AfD Gewalt gegen politische Gegner nicht nur toleriere, sondern fördere. Dies zeige sich in der Tatsache, dass Parteivertreter in der Vergangenheit von „öffentlichen Hinrichtungen“ politischer Gegner gesprochen hätten, darunter SPD-Politiker, die an das Schafott geliefert werden sollten.

Ein weiteres Anliegen der Rednerin war die radikalisierende Rhetorik der AfD, die das Ziel verfolge, genügend Menschen zu mobilisieren, um einen politischen Umsturz herbeizuführen. Sie betonte, dass, auch wenn man mit der Politik nicht zufrieden sei, dies kein Grund sei, eine antidemokratische Partei zu wählen. Vielmehr müsse man in einer Demokratie durch Wahlen politische Veränderungen herbeiführen. Sie warnte davor, dass eine Wahl der AfD die Möglichkeit, unliebsame Politiker abzuwählen, langfristig zunichtemachen würde, da in einer Diktatur diese Option nicht mehr existiere. Wer die Demokratie wähle, wähle die Freiheit; wer jedoch die Diktatur wähle, verliere diese Freiheit.

Im zweiten Teil ihrer Rede bedankte sich die Rednerin bei den Zuhörern für ihre Aufmerksamkeit und ermahnte sie, die Würde aller Menschen zu achten – nicht nur die der Deutschen. Sie betonte, dass sie sich für die Integration von Geflüchteten und die Förderung der Vielfalt in der Gesellschaft einsetze. In diesem Zusammenhang forderte sie die Anwesenden auf, moralische und persönliche Unterstützung für diese Ziele zu leisten.

Zum Abschluss zitierte die Rednerin Erich Kästner und verwies auf die Lehren aus der Zeit des Nationalsozialismus: Man dürfe nicht warten, bis der Freiheitskampf als Landesverrat diffamiert werde und aus einem kleinen Schneeball eine unaufhaltsame Lawine werde. Sie rief die Zuhörer dazu auf, gegen die gefährlichen Entwicklungen in der Politik aktiv zu werden und den „rollenden Schneeball“ zu zertreten, bevor es zu spät sei.

Die Veranstaltung endete mit der Bildung einer Menschenkette und den skandierten Protestrufen der Teilnehmer, die ihren Widerstand gegen die AfD und deren politischen Ziele lautstark zum Ausdruck brachten. Die Menge forderte unter anderem ein Ende der Lügen und Täuschungen der AfD und setzte sich für den Erhalt von Demokratie, Vielfalt und Menschenwürde ein. Die symbolische Aktion verdeutlichte den gemeinsamen Willen der Teilnehmer, sich entschieden gegen rechtsextreme Tendenzen zu stellen und für eine offene und demokratische Gesellschaft zu kämpfen.

Die Biermann-Ausbürgerung und der Beginn des offenen Widerstands in Jena

1. Teaser Profil Ein einziger Abend im November 1976 veränderte das politische Klima einer ganzen Stadt unwiderruflich und markierte den Punkt ohne Wiederkehr. Es war jener graue Novemberabend, an dem die Tagesschau in Schwarz-Weiß flimmerte und eine Nachricht in die Wohnzimmer trug, die wie ein physischer Schlag wirkte. In einer Jenaer Privatwohnung saßen zwei Dutzend junge Menschen, umgeben von Zigarettenrauch und klirrenden Teegläsern, und starrten ungläubig auf den Bildschirm. Die Ausbürgerung Wolf Biermanns war nicht nur ein Verwaltungsakt gegen einen Liedermacher; sie war für diese Generation in der DDR das endgültige Signal, dass der "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" eine Illusion bleiben würde. Die Reaktion ließ in der Universitätsstadt nicht lange auf sich warten. Einen Tag später, im „Klub der Intelligenz“, suchten viele nach Antworten. Der Saal war überfüllt mit jungen Gesichtern, die eigentlich wegen einer Lesung von Jurek Becker gekommen waren. Als dieser die Protestnote der Berliner Künstler verlas, brach sich das Unausgesprochene Bahn. Ein Raunen schwoll zu einer offenen Debatte an, die den Rahmen des Erlaubten sprengte. Doch der Geist war aus der Flasche. In der Evangelischen Jungen Gemeinde (JG) Stadtmitte gärte es weiter. Hier wurde nicht nur diskutiert, hier wurde gehandelt. Man schrieb den Offenen Brief der Künstler ab und sammelte Unterschriften. Die Antwort des Repressionsapparates folgte prompt und brutal in der Nacht zum 19. November. Doch statt Rückzug erzeugte die staatliche Härte eine Solidarisierungswelle, die quer durch die sozialen Schichten Jenas ging. 2. Teaser Seite Arne Petrich Ein einziger Abend im November 1976 veränderte das politische Klima einer ganzen Stadt unwiderruflich und markierte den Punkt ohne Wiederkehr. Die Ausbürgerung Wolf Biermanns war für viele junge Menschen in Jena das endgültige Signal, dass der "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" eine Illusion bleiben würde. Im „Klub der Intelligenz“ eskalierte die Situation, als Jurek Becker statt nur aus seinen Büchern zu lesen, die politische Realität thematisierte. Die daraufhin einsetzende Repression der Stasi, verraten durch Spitzel in den eigenen Reihen, führte zu Verhaftungen in der Jungen Gemeinde. Doch das Kalkül der Macht ging nicht auf: Statt Angst herrschte plötzlich eine neue, praktische Solidarität. Matthias Domaschk und andere organisierten Hilfe, sammelten Geld und vernetzten sich über soziale Grenzen hinweg. Es entstand ein Riss zwischen Staat und Jugend, der sich bis 1989 nicht mehr schließen sollte. 3. Teaser Jenapolis Ein einziger Abend im November 1976 veränderte das politische Klima einer ganzen Stadt unwiderruflich. Die Nachricht von der Ausbürgerung Wolf Biermanns löste in Jena eine Kettenreaktion aus, die vom „Klub der Intelligenz“ bis in die Junge Gemeinde reichte. Wo der Staat mit Härte und Verhaftungen reagierte, entstand unerwartet eine breite Solidaritätsbewegung. Historisch betrachtet markiert dieser November den Moment, in dem sich ein Riss auftat, der das Ende der DDR einläutete – der Beginn eines offenen Widerstands, der sich nicht mehr einschüchtern ließ.