Der Fall Matthias Domaschk – Ein Tod, der bis heute Fragen hinterlässt

Als Matthias „Matz“ Domaschk am Karfreitag 1981 mit seinem Freund Peter Rösch in den Zug nach Ost-Berlin stieg, ahnte niemand, dass er wenige Tage später tot sein würde. Der 23-Jährige aus Jena gehörte zu jener Generation junger DDR-Bürger, die ihren eigenen Weg suchte, sich in kirchlichen Kreisen engagierte und politische Entwicklungen offen diskutierte.

Domaschk war in der Jungen Gemeinde Jena-Stadtmitte aktiv. Er traf Freunde, führte Gespräche über Literatur, Musik und Politik und hatte sich auch an einer Unterschriftensammlung gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann beteiligt. Damit war er den Sicherheitsorganen bereits bekannt.

An jenem Aprilwochenende 1981 fand in Ost-Berlin der X. Parteitag der SED statt. Im ganzen Land waren Sicherheitskräfte verstärkt im Einsatz. Als der Zug von Jena Richtung Hauptstadt den Bahnhof Jüterbog erreichte, holten Transportpolizisten Domaschk und Rösch aus dem Abteil. Ihr Gepäck wurde durchsucht. Belastendes Material fand sich nicht. Dennoch wurden beide festgesetzt und nach Gera gebracht.

In der Untersuchungshaftanstalt der Staatssicherheit begannen stundenlange Verhöre. Später berichteten Weggefährten und Forscher von psychischem Druck, der auf Domaschk ausgeübt worden sein soll. Zu den Vorwürfen gehört auch der Einsatz von Tonbandaufnahmen, auf denen angeblich die Schreie seiner schwangeren Lebensgefährtin zu hören gewesen seien.

Am 12. April unterschrieb Domaschk eine Verpflichtungserklärung zur Zusammenarbeit mit der Staatssicherheit. Wenige Stunden später, gegen 14.15 Uhr, wurde er tot in einem Besprechungsraum der Haftanstalt aufgefunden.

Die Behörden erklärten den Fall umgehend als Suizid. Für Familie, Freunde und viele Menschen in Jena blieben jedoch Zweifel. In ihrem Umfeld wurde über die Ereignisse gesprochen, erinnert und nach Antworten gesucht. Nach 1990 beschäftigten sich Ermittler, Historiker und Untersuchungskommissionen erneut mit dem Fall. Eine eindeutige Klärung gelang jedoch nicht.

Heute erinnert eine Gedenktafel an seinem ehemaligen Wohnhaus in Jena an Matthias Domaschk. Wer dort vorbeigeht, stößt auf den Namen eines jungen Mannes, dessen Leben nach wenigen Tagen in den Händen der Staatssicherheit endete – und auf einen Fall, der auch Jahrzehnte später viele Fragen offenlässt.

Hermann Henselmann: Der Architekt, der Ideologie in Stein meißelte

Persönlicher Teaser Er baute Kulissen für die Ewigkeit. Hermann Henselmann war kein einfacher Architekt, er war ein Verwandlungskünstler zwischen den Fronten der Weltgeschichte. Ich finde es faszinierend, wie ein Mann, der in der klaren Ästhetik des Bauhauses startete, zum Schöpfer der pompösen DDR-Prachtmeilen wurde, nur um am Ende von grauen Betonplatten an den Rand gedrängt zu werden. Seine Geschichte ist für mich der Beweis, dass Talent allein nicht reicht – man muss den Zeitgeist nicht nur verstehen, sondern ihn formen wollen, selbst wenn der Preis dafür die eigene künstlerische Seele ist. Ein Leben wie ein Roman aus Stein. 3 Vorschläge für Überschriften Vom Bauhaus zum Zuckerbäcker: Die zwei Leben des Hermann Henselmann Architekt der Macht: Wie Henselmann Ostberlin erfand Glanz, Elend und Platte: Das steinerne Erbe der DDR