Das Grubenunglück von Zwickau 1960: Als die Schicht nicht endete

Der Morgen des 22. Februar 1960 begann in Zwickau wie viele Wintermorgen im Revier. Bergleute fuhren im Steinkohlenwerk „Karl Marx“ ein, verabschiedeten sich von ihren Familien und verschwanden mit dem Förderkorb in der Tiefe. Für die Männer unter Tage war es ein gewöhnlicher Montag.

Rund 1.000 Meter unter der Erde kam es jedoch zu einer Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosion. Innerhalb weniger Sekunden verwandelten sich Teile des Bergwerks in eine tödliche Falle. Die Druckwelle raste durch die Strecken, Sauerstoff wurde verdrängt, giftige Gase breiteten sich aus. Viele Kumpel hatten keine Möglichkeit mehr, ihre Rettungsgeräte anzulegen. Am Ende verloren 123 Bergleute ihr Leben.

Die Katastrophe traf eine Region, deren Alltag seit Generationen vom Bergbau bestimmt wurde. Schichtwechsel, Fördertürme und Kohlezüge gehörten zum vertrauten Bild. Gleichzeitig standen die Gruben unter hohem Produktionsdruck. Die heimische Steinkohle wurde gebraucht, während Investitionen in Technik und Sicherheit oft hinter den Anforderungen zurückblieben. Ein Beispiel dafür war der Wetterschacht „Morgenstern VI“, der die Frischluftversorgung verbessern sollte, aber nie fertiggestellt wurde.

Nach der Explosion begann ein verzweifelter Kampf um Menschenleben. Rettungsmannschaften arbeiteten unter schwierigsten Bedingungen. Hitze, Rauch und giftige Gase erschwerten jeden Vorstoß. Immer wieder kehrten Helfer erschöpft aus der Grube zurück, während über Tage hinweg Angehörige vor dem Werk auf Nachrichten warteten.

Schließlich entschied eine Regierungskommission, die brennenden Grubenfelder mit Latexschaum abzudämmen, um die Feuer zu ersticken. Für die noch vermissten Bergleute bedeutete diese Maßnahme das Ende aller Hoffnung.

In den Tagen danach standen die Fördertürme still. In vielen Wohnungen blieben Stühle am Küchentisch leer. Frauen verloren ihre Männer, Kinder ihre Väter, Kollegen ihre langjährigen Weggefährten. Die Trauer reichte weit über Zwickau hinaus.

Bis heute erinnert das Unglück an die Risiken des Bergbaus. Hinter der Zahl von 123 Toten stehen einzelne Lebensgeschichten – Männer, die an diesem Februarmorgen zur Arbeit fuhren und nie wieder nach Hause zurückkehrten.