Barkas B1100 – Versteckt vor der Verschrottung


Die Geschichte des Barkas B1100 beginnt nicht auf einer Automobilausstellung, sondern in abgelegenen Scheunen. Dort standen in den 1980er Jahren die Prototypen eines Transporters, der den Barkas B1000 ablösen sollte. Kaum jemand bekam die Fahrzeuge zu Gesicht.

Ehemalige Mitarbeiter erinnern sich an Fahrten über Landstraßen zu versteckten Unterständen. In Scheunen bei Langstrieges wurden die Versuchswagen untergebracht. Mechaniker mussten regelmäßig nach ihnen sehen, Batterien laden, Öl wechseln und die Motoren laufen lassen. Probefahrten fanden oft erst nach Einbruch der Dunkelheit statt.

Dabei arbeiteten die Entwickler an einem deutlich moderneren Fahrzeug. Der B1100 erhielt eine neue Karosserie, eine verbesserte Vorderachse und verschiedene Motorvarianten. Unter anderem wurde ein Viertaktmotor aus sowjetischer Produktion getestet. Im Vergleich zum vertrauten B1000 wirkte der Prototyp wie ein Blick in die Zukunft.

Um den technischen Abstand zu westlichen Herstellern einschätzen zu können, beschaffte Barkas auch Vergleichsfahrzeuge von Volkswagen und Mercedes. Die Ingenieure untersuchten deren Konstruktionen und suchten nach Lösungen, die sich mit den eigenen Möglichkeiten umsetzen ließen.

Viele Pläne scheiterten jedoch an den Bedingungen der Zeit. Moderne Fertigungsanlagen fehlten, Zulieferer konnten neue Bauteile oft nicht in ausreichender Zahl bereitstellen. Während die Entwickler noch an Verbesserungen arbeiteten, veränderte sich das wirtschaftliche Umfeld grundlegend. Nach 1989 standen plötzlich moderne Transporter aus dem Westen zur Verfügung.

Damit schien auch das Ende des B1100 besiegelt. Die Prototypen sollten verschrottet werden. Doch einige Mitarbeiter und Verantwortliche entschieden sich, die Fahrzeuge zu verstecken und zu erhalten. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, dass die wenigen verbliebenen Exemplare bis heute existieren.

Wer vor einem Barkas B1100 steht, sieht deshalb mehr als einen Transporter, der nie in Serie ging. Er sieht ein Stück Entwicklungsarbeit aus den letzten Jahren der DDR – und die Menschen, die trotz aller Schwierigkeiten an ihrem Projekt festhielten.