Über 90 Prozent der Frauen in der DDR waren berufstätig.


Diese Zahl wird häufig genannt, wenn es um das Leben von Frauen im Osten Deutschlands geht. Sie begegnet einem in Statistiken, Dokumentationen und Erinnerungen. Tatsächlich gehörte die arbeitende Frau zum vertrauten Bild der DDR: die Ingenieurin im Kombinat, die Verkäuferin im Konsum, die Krankenschwester im Schichtdienst oder die Facharbeiterin am Fließband.

Morgens wurden Kinder in die Krippe oder den Kindergarten gebracht, anschließend ging es zur Arbeit. In vielen Städten und Gemeinden gehörte dieser Ablauf zum Alltag. Während in der Bundesrepublik viele Frauen nach der Geburt eines Kindes ihre Erwerbstätigkeit unterbrachen, blieben Mütter in der DDR meist im Beruf.

Wer mit Frauen spricht, die diese Zeit erlebt haben, hört unterschiedliche Erinnerungen. Viele erzählen mit Stolz von ihrem Beruf. Sie verdienten eigenes Geld, lernten Fachberufe und standen im Arbeitsleben auf eigenen Beinen. Für manche bedeutete das eine Selbstverständlichkeit, die sie nie infrage stellten.

Doch zum Arbeitstag gehörte oft mehr als die Schicht im Betrieb. Nach Feierabend begann für viele Frauen die nächste Etappe des Tages. Es musste eingekauft werden, manchmal nach längerer Suche, weil bestimmte Waren gerade nicht verfügbar waren. Kinder wollten betreut werden, Wäsche musste gewaschen, Essen gekocht und der Haushalt organisiert werden. Viele erinnern sich an Tage, die früh begannen und erst spät endeten.

In den Betrieben waren Frauen überall anzutreffen. Sie arbeiteten in Laboren, Schulen, Krankenhäusern, Büros und Produktionshallen. Wer allerdings die Gruppenfotos der höchsten Parteigremien oder die Besetzung wichtiger Führungspositionen betrachtet, entdeckt dort überwiegend Männer. Frauen waren präsent, aber an den Spitzen von Partei, Wirtschaft und Staat deutlich seltener vertreten.

Nicht jede Frau erlebte den Alltag auf die gleiche Weise. Alleinerziehende Mütter standen häufig unter besonderem Druck, wenn ein Kind krank wurde oder Betreuungsmöglichkeiten ausfielen. Ältere Frauen mussten mit kleinen Renten auskommen. Wer gesundheitliche Probleme hatte, stieß oft auf zusätzliche Schwierigkeiten. Solche Lebensgeschichten finden sich selten in Statistiken, aber häufig in Erinnerungen und Familienerzählungen.

Deshalb erzählt die Zahl von über 90 Prozent berufstätigen Frauen nur einen Teil der Geschichte. Hinter ihr stehen Millionen Frauen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen. Sie arbeiteten in Werkhallen, Arztpraxen, Schulen und Büros. Sie organisierten Familien, versorgten Kinder und bewältigten den Alltag. Ihr Leben bestand nicht aus Zahlen und Quoten, sondern aus Frühschichten, Einkaufsnetzen, Kinderwagen, Familienfeiern und den vielen kleinen Aufgaben, die jeden Tag aufs Neue erledigt werden mussten.

Das Auftrittsverbot der Klaus Renft Combo im September 1975

A) PROFIL AP: Hook: In den 1970er Jahren stellte sich auf den Schulhöfen der DDR oft die Frage, ob man den angepassten Rock bevorzugte oder die wilde Variante. Teaser: Wer sich für die Klaus Renft Combo entschied, wählte mehr als nur Musik. Die Band aus Leipzig stand für eine Unangepasstheit, die sich an westlichen Vorbildern orientierte und die Grenzen des Sagbaren in der DDR austestete. Die Musiker um Klaus Renft und Thomas Schoppe verkörperten einen Lebensentwurf, der sich nur schwer in die Pläne der Kulturbürokratie pressen ließ. Der Konflikt, der sich über Jahre aufgebaut hatte, eskalierte am 22. September 1975 in einem Leipziger Amtszimmer. Anlass war ein geplantes Album, das Themen wie Republikflucht offen ansprach. Die Reaktion der Bezirkskommission für Unterhaltungskunst war keine Diskussion über künstlerische Inhalte, sondern ein bürokratischer Akt der Härte. Ohne die neuen Lieder überhaupt anzuhören, wurde der Band mitgeteilt, dass sie "nicht mehr existent" sei. Dieses Urteil zog eine Kette von persönlichen Tragödien nach sich, von Inhaftierungen bis zu Ausbürgerungen. Die physische Präsenz der Band wurde beendet, ihre Musik aus den Medien verbannt. Was blieb, war die Erinnerung des Publikums, das den staatlichen Beschluss nicht akzeptierte. An den Häuserwänden Leipzigs fand sich der Slogan "Renft lebt" als stiller Protest gegen die administrative Wirklichkeit. Musik und kulturpolitischer Machtanspruch standen sich hier unversöhnlich gegenüber, wobei die administrativen Maßnahmen die kulturelle Bedeutung der Gruppe langfristig eher konservierten als löschten. B) SEITE AP: Hook: Am 22. September 1975 demonstrierte die DDR-Kulturbürokratie, wie schnell ein anerkanntes Künstlerkollektiv seinen Status verlieren konnte. Teaser: Die Klaus Renft Combo wurde an diesem Tag von der Bezirkskommission für Unterhaltungskunst in Leipzig vorgeladen. Was formell als Einstufung galt, war faktisch die Exekution eines Verbots. Die Band hatte geplant, auf ihrem dritten Album Texte zu veröffentlichen, die das Tabu der Republikflucht berührten. Die Reaktion des Staates war eindeutig: Da die Inhalte nicht mit der sozialistischen Realität übereinstimmten, wurde die Gruppe für "nicht mehr existent" erklärt. Der Vorgang illustriert die Mechanismen der Zensur in der DDR. Es bedurfte keines öffentlichen Prozesses, sondern einer administrativen Entscheidung, um Karrieren zu beenden und Biografien zu brechen. Die Musiker wurden kriminalisiert oder zur Ausreise gedrängt, ihre Werke aus der Öffentlichkeit entfernt. Dennoch zeigt der Fall auch die Grenzen staatlicher Kontrolle, da der Mythos der Band im privaten Gedächtnis der Bevölkerung überdauerte. C) SEITE JP: Hook: Ein heimlicher Mitschnitt dokumentiert das Ende der Klaus Renft Combo am 22. September 1975 in Leipzig. Teaser: Die Band war zur Einstufung geladen, doch die Kommission unter Ruth Oelschlägel verweigerte das Anhören der neuen Songs. Begründet wurde dies mit der fehlenden Übereinstimmung der Texte mit der sozialistischen Realität. Besonders die "Rockballade vom kleinen Otto" hatte die Grenzen des Systems überschritten. Das Urteil lautete, die Gruppe sei "nicht mehr existent". Dieser Verwaltungsakt beendete die legale Karriere einer der wichtigsten DDR-Rockbands. Es folgten Verhaftungen und Ausbürgerungen. Der Versuch, eine kulturelle Strömung durch bürokratische Maßnahmen zu stoppen, führte zur Zerschlagung der Band, konnte aber ihre Wirkung auf die Jugendkultur der 1970er Jahre nicht rückgängig machen.