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Schwenk Zement Bernburg: Eine Vision schafft „Aufschwung Ost“

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Bernburg, Januar 1990 – In einer Zeit, die von Unsicherheit und dem Abschied von alten Strukturen geprägt war, bot sich im ostdeutschen Bernburg eine einzigartige Chance für Pioniergeist und das Zusammenwachsen von Ost- und Westdeutschland. Das Zementwerk Bernburg, eines von vier ehemaligen volkseigenen Zementwerken (neben Rüdersdorf, Beuna und Karsdorf), die von der Treuhand zum Verkauf angeboten wurden, sollte zum Mittelpunkt einer gewaltigen Unternehmensstrategie werden.

Die alten Werke, teils um die Jahrhundertwende entstanden, teils um 1960 erbaut und „restlos veraltet“, stellten eine Herausforderung dar. Für Dr. Eberhard Schleicher, den Seniorchef des Hauses Schwenk, war die Begegnung mit dem Zementwerk Bernburg jedoch mehr als nur eine Herausforderung – sie war „eine Provokation und eine Vision zugleich“. Seine Überzeugung: „Auf diesem Platz muss ein neues Werk mit modernster Technik entstehen“.

Diese Vision mündete in eine gewaltige Investition, die die Zukunft einer ganzen Region bestimmen sollte. Eine entscheidende Strategie war dabei, die Baustoffe für das neue Werk direkt in der alten Zementfabrik Bernburg zu produzieren. Begünstigt wurde diese Entscheidung durch die reichen Vorkommen der Basisrohstoffe für Zement – Kalkstein und Tonerde – in unmittelbarer Nähe. Mit dieser Strategie wurde ein wichtiger Beitrag zum „Aufschwung Ost“ geleistet.

Der Übergang vom Alten zum Neuen erforderte auch einen Abschied. Während die alten Öfen ausgedient hatten und demontiert wurden, verringerte sich die Belegschaft zunächst auf ein Fünftel. Doch Schwenk Zement gestaltete diesen Personalabbau sozialverträglich: Eine Vielzahl von Firmen, die auf der neuen Großbaustelle tätig wurden, waren verpflichtet, ihren Personalbedarf überwiegend aus freigesetzten Zementwerkern zu decken.

Was einst wie ein Labyrinth aus veralteten Anlagen erschien, hat sich zu einem hochmodernen Industriekomplex entwickelt. Türme und Silos stehen heute vor der Vollendung. Die gewaltigen Bauelemente des Bernburger Werkes wurden aus dem Stoff hergestellt, den das fertige Werk in Zukunft selbst produzieren sollte: Zement. Mit modernster Technik werden Materialproben analysiert, und diese Produktionskontrolle garantiert „höchste Qualitätsansprüche“ als Endergebnis.

Die Vision von Dr. Eberhard Schleicher ist Wirklichkeit geworden. Das neue Zementwerk Bernburg markiert ein neues Kapitel in der Firmen- und Familiengeschichte von Schwenk, in der es „immer darauf ankam, was man daraus machte“. Es steht als leuchtendes Beispiel für gelungene Transformation und nachhaltige Investition im Rahmen des ostdeutschen Aufschwungs.

Archäologen legen Zwangsarbeiterlager der Henschel-Flugzeugwerke frei

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Schönefeld, Brandenburg – Jahrzehntelang lag die Vergangenheit unter einer Decke des Vergessens, verborgen durch Grenzanlagen und ein übersteigertes Sicherheitsbedürfnis der DDR-Führung. Doch nun, 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, fördert die jüngste Disziplin archäologischer Forschung in Schönefeld Zeugnisse eines brutalen und menschenverachtenden Zwangssystems zutage: die Überreste der ehemaligen Zwangsarbeiterlager der Henschel-Flugzeugwerke.

Auf dem weitläufigen Gelände zwischen Diepensee, dem heutigen Flughafen Schönefeld und der Waltersdorfer Chaussee, entstand ab 1934 das damals modernste Flugzeugwerk der Welt. In zwei modernen Produktionshallen fertigten 16.000 Menschen Sturzkampf- und Langstreckenbomber für Hitler-Deutschland. Eine streng geheime Lufterprobungsstelle in Diepensee testete zudem Vorläufer späterer Marschflugkörper. Zur Aufrechterhaltung dieser Rüstungsindustrie wurden bis 1943 allein in Schönefeld sieben Lager für zahllose Zwangsarbeiter errichtet, deren genaue Standorte bisher nur lückenhaft bekannt waren.

Ein Raum des Vergessens wird zurückgewonnen Die Bauarbeiten für die Grenzanlagen der DDR zu Westberlin und zum hermetisch abgeriegelten Flughafen Schönefeld zerstörten nach dem Krieg wichtige Zeugnisse aus der NS-Zeit. Oberirdisch ist von den Lagern nichts mehr erhalten geblieben. Erst durch den Oberbodenabtrag können Archäologen nun die Reste des ehemaligen Lagers 5 freilegen. Dieses Lager, eines der größten, beherbergte schätzungsweise 3.600 bis 5.000 Menschen und umfasste 81 Baracken. Auf dem Areal befanden sich zudem Luftschutzbunker, eine Leichenhalle, Kantinen und Sanitärgebäude.

Die freigelegten Betonteile liefern ein wichtiges Datum: den 1. März 1943, die Hochzeit des von Hitler-Deutschland entfesselten Weltkrieges. Genau hier wurden die Angriffswaffen für diesen Krieg gebaut.

Archäologische Befunde erzählen Geschichten Die Archäologen um Christoph Kunz haben erste konkrete Spuren gefunden, die Hinweise auf die ausgebeuteten Männer und Frauen aus ganz Europa geben, die an diesen Ort verschleppt wurden. Zu den Fundstücken, die das Lagerleben dokumentieren, gehören unter anderem:

• Stacheldraht, der die Umfriedung und Einzäunung des Geländes belegt.
• Diverse Barackenbestandteile, wie ein Blitzableiter.
• Ein Schild von einer Baracke mit kyrillischer Aufschrift „für Frauen“, was darauf hindeutet, dass es sich um eine Frauenbaracke handelte.
• Mehrere Zeltringe, die darauf schließen lassen, dass Kriegsgefangene und andere Gefangene auch in Zelten untergebracht waren. Dies war oft provisorisch notwendig, nachdem Baracken durch Bombardierungen – insbesondere durch Stabbrandbomben, die mit Phosphor gefüllt waren – abgebrannt waren.

Die Baracken selbst besaßen keine Betonfundamente, sondern wurden in einer Pfostenbauweise errichtet. Typische Befunde sind Pfostengruben und Pfostenstandspuren. Die Archäologen finden verkohlte Pfosten, die deutlich zeigen, dass die Gebäude abgebrannt sind. Im kalten Winter nach dem Krieg, als es an Baumaterial mangelte, wurden die abgebrannten Baracken komplett abgerissen.

Licht ins Dunkel bringen Obwohl es viele schriftliche Aufzeichnungen, Fotos und Filme aus dieser Zeit gibt, bleiben viele Fragen ungeklärt. Die archäologischen Grabungen können hier „Licht ins Dunkel bringen“ und fehlende Puzzleteile zur Geschichte der Zwangsarbeit und der NS-Rüstungsindustrie liefern. Die Archäologie des 21. Jahrhunderts hat bereits viele Erinnerungslücken geschlossen, und angesichts schwindender Zeitzeugen wird dieser gesellschaftliche Aspekt immer bedeutsamer. Die Funde in Schönefeld sind ein weiteres Zeugnis dafür, was alles möglich ist, um die Vergangenheit sichtbar zu machen und an die Opfer eines dunklen Kapitels der Geschichte zu erinnern.

Scharfe Kritik im Landtag: Professor Homburg bemängelt „Überreaktion“ der Corona-Politik

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In einer Anhörung im Landtag hat Professor Stefan Homburg von der Leibnitz Universität Hannover eine grundlegende Kritik an der deutschen Corona-Politik geäußert. Der Experte, der seit über 30 Jahren als Sachverständiger für Bundestag und Landtage tätig ist, vertritt die Kernthese, dass in der Coronakrise „zu viel“ getan wurde. Seiner Meinung nach lag die Ursache des Fehlers darin, dass klinische Messwerte über drei Jahre hinweg in der politischen Diskussion ignoriert wurden. Stattdessen habe sich die Politik an Labordaten, wie PCR-Werten, und an Computersimulationen orientiert, anstatt an tatsächlichen Messwerten, was zu einer Überreaktion führte.

Homburg untermauert seine These mit vier zentralen Belegen:

• Belegung der Intensivbetten: Daten des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zeigen, dass die Intensivstationen in Deutschland von 2021 bis 2025 stets zu etwa 85% belegt waren, was den Empfehlungen entspricht. Auffällig sei eine Unterbelegung im Jahr 2020, als Operationen politisch untersagt wurden, was viele Kliniken in Not brachte und ein milliardenschweres Subventionsprogramm erforderte. Homburg hebt hervor, dass die oft gezeigte „dramatische“ gepunktete Linie der PCR-positiven Patienten, die sowohl an Covid Erkrankte als auch z.B. Unfallopfer umfasste, nie mit der klinisch relevanten Linie der tatsächlichen Intensivbelegung verglichen wurde, die stabil verlief.

• Sterblichkeitsentwicklung: Die Grafik der wöchentlichen Todesfälle in Deutschland seit 2008 zeigt ein auffälliges Wellenmuster mit mehr Todesfällen im Winter. Homburg betont, dass die von der WHO definierte Pandemiezone (orange markiert) visuell nichts Besonderes darstellt, wenn man die Farbe wegließe. Eine höhere Sterblichkeit gab es Ende 2022 und insbesondere im März 2018 während einer starken Grippewelle, die die Sterblichkeit Ende 2020 (Coronawelle) übertraf.

• Zulassungsstudie von Pfizer: Homburg kritisiert die Fehlinterpretation der Ergebnisse dieser riesigen Studie mit 43.000 Patienten. Er legt dar, dass der Impfstoff zwar signifikant vor einem positiven PCR-Test plus Erkältungssymptom schützte (die oft zitierten 90-95%). Jedoch wurde ein Schutz vor Übertragung überhaupt nicht getestet. Homburg betont dies als besonders erwähnenswert, da Maßnahmen wie 2G/3G, einrichtungsbezogene Impfpflicht und die knapp gescheiterte allgemeine Impfpflicht ausschließlich auf der Behauptung basierten, der Impfstoff biete Schutz vor Übertragung, was nie bewiesen wurde. Der Schutz vor schwerer Erkrankung war in der Studie nicht signifikant, und es gab in der Impfgruppe mehr Tote als in der Kontrollgruppe sowie gehäuft Myokarditis-Nebenwirkungen. Das Experiment sei im Grunde gescheitert, doch die Politik habe eine Notzulassung erteilt, den Hersteller von der Haftung ausgeschlossen und die Studie entblindet, was sie de facto zerstört habe.

• Wirksamkeit der Maßnahmen im internationalen Vergleich: Unter Bezugnahme auf eine WHO-Studie, die in Nature veröffentlicht wurde, verglich Homburg die Übersterblichkeit in etwa 100 Ländern. Er hob hervor, dass Schweden, wo es nie einen Lockdown, kaum Kitaschließungen, wenig Schulschließungen (nur in oberen Klassen) und keine Maskenpflicht gab, wesentlich besser abschnitt. Dies widerlege die Annahme, Deutschland sei nur wegen der Maßnahmen glimpflich davongekommen.

Wie es besser gemacht werden kann – Homburgs Empfehlungen:

Homburg gab konkrete Ratschläge für die Zukunft, um eine Wiederholung solcher Fehler zu vermeiden:

1. Keine Politik nach Laborwerten: Er zeigte auf, wie winzige PCR-Wellen zu drastischen Maßnahmen wie dem ersten Lockdown oder der Bundesnotbremse führten, während viel höhere Inzidenzen im Sommer 2022 ohne Konsequenzen blieben.

2. Transparenz schaffen: Die Coronakrise sei eine Geschichte von „Löschen, Pimpen und Canceln“ von Daten. Als Beispiel nannte er die Stadt Weimar, die 2021 aufhörte, die Zahl der geimpften Klinikpatienten anzugeben, mit der Begründung, dies „verzerrt die Realität“ und spiele „Coronaleugnern in die Hände“.

3. Keine politische Willkür: Interne RKI-Protokolle, die durch einen Whistleblower bekannt wurden, belegen, dass Risikobewertungen des RKI auf politischen Weisungen beruhten und nicht auf fachlichem Rat. Beispiele sind die politische Ablehnung einer Reduzierung des Risikos im Hochsommer 2020 und im Februar 2022, oder dass das RKI die Beendigung der Pandemie durch den Minister aus der Zeitung erfuhr.

4. Fake News ignorieren: Homburg widerlegte die „Bergamo-Geschichte“ von Lastwagen voller Leichen als Legende, die selbst vom bayerischen Rundfunk widerlegt wurde. Es handelte sich um 13 Särge, die zu einem Krematorium gefahren wurden, da in Italien die Verbrennung unüblich ist und die Kapazitäten in Bergamo damals überlastet waren. Er wies darauf hin, dass die Aussage, eine weltweite Pandemie führe zu vielen Toten in nur einer Stadt, widersprüchlich sei.

5. Pandemieplan beachten: Homburg appellierte an die Abgeordneten, den Nationalen Pandemieplan Teil 1 zu beachten, der medizinisches Wissen aus Jahrzehnten enthält und vom RKI veröffentlicht wurde, aber komplett ignoriert wurde. Begriffe wie Schulschließungen, Ausgangssperren oder Lockdown stünden darin nicht und seien auch nicht medizinisch empfohlen oder in WHO-Leitlinien oder Lehrbüchern zu finden gewesen, sondern von der Politik „oktroyiert“ worden. Er ermutigte Brandenburg, sich zukünftig nicht politisch in Berlin „anklemmen“ zu lassen, sondern auf eigenes Urteilsvermögen zu setzen.

Unverhältnismäßigkeit der Maßnahmen aus Sicht der Krankenhäuser:

Abschließend ging Homburg auf das zentrale Thema der Verhältnismäßigkeit ein und bezog sich dabei auf Ausführungen eines Vorredners:

• Schließung ambulanter Praxen: Diese schlossen aus Angst, befeuert durch das „Schockpapier“ des Bundesinnenministeriums, das von Nichtmedizinern verfasst wurde und z.B. beschrieb, dass Kinder ihre Eltern töten könnten. Dies sei ein erstes Beispiel für Unverhältnismäßigkeit.

• „Freihaltung“ von Betten: Die politische Entscheidung, Operationen monatelang nicht zuzulassen, obwohl keine Patienten kamen, führte zu Problemen in den Kliniken, die durch Milliarden vom Bund abgefedert werden mussten, war aber unverhältnismäßig.

• Kinderbetreuung: Kitaschließungen waren für die Mitarbeiter der Krankenhäuser extrem problematisch und absolut unverhältnismäßig.

• Verlust von Mitarbeitern: Auch die Politik, symptomlos positiv getestete Mitarbeiter vom Dienst auszuschließen, war unverhältnismäßig.
Homburg schloss mit der Feststellung, dass es den Krankenhäusern und indirekt auch den Patienten insgesamt besser gegangen wäre, wenn die Politik verhältnismäßiger reagiert hätte.

Das vergessene Inferno von Dannenwalde: Ein Staatsgeheimnis explodiert

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Dannenwalde, 14. August 1977. Ein warmer, sonniger Sonntagnachmittag. Doch die Ruhe trügt. Gegen 13:30 Uhr zieht ein ungewöhnliches Gewitter aus nordöstlicher Richtung auf. Was dann geschieht, wird zum DDR-Staatsgeheimnis und prägt das Leben vieler Menschen nachhaltig: Das riesige Munitionslager der Sowjetarmee, tief im Wald versteckt, geht in die Luft. Ein einziger Blitzschlag in einen draußen gelagerten Raketenstapel löst die Katastrophe aus.

Hunderte Raketen vom Typ „Katjuscha“ mit leuchtenden Feuerschwänzen schlagen in den umliegenden Orten ein, zerstören Autos, treffen Häuser. Die Raketen fliegen in jede Richtung. Zeugen berichten von einem „Schwefelgeruch“, die Luft war kaum noch zu atmen. In Minutenschnelle ist Dannenwalde menschenleer, Panik ergreift die Bevölkerung, die Hals über Kopf ihre Häuser verlässt.

Die geheime „Muna“ und ihr brisanter Inhalt Das Munitionslager, von Einheimischen „Muna“ genannt, hat eine lange Geschichte. Sie begann 1938 mit dem Bau durch zivile Betriebe für die deutsche Luftwaffe. Nach 1945 wurde das Gelände von der Roten Armee übernommen und zu einem gigantischen Militärkomplex ausgebaut, mit Wohnhäusern, einer Raketentechnik-Basis, einem Chemielager und einem Munitionsdepot. Für DDR-Bürger war es eine absolute Sperrzone.

Brisant ist jedoch ein „Sonderlager“, nur 200 Meter vom Detonationsort entfernt. Hier lagerte die Sowjetarmee wahrscheinlich Kernwaffen. Hinweise darauf fand Dirk Heuschkel, ehemaliger Oberstleutnant der NVA, bei seinen Forschungen: Halterungen für Heliumflaschen, die zum Kühlen von Kernsprengköpfen benötigt werden, sowie zusätzliche Messfühler, die in normalen Bunkern nicht vorhanden sind.

Ignorierte Warnungen und beunruhigende Beobachtungen Schon vor dem Unglück gab es Warnsignale. Der damalige Kommandeur von Dannenwalde äußerte gegenüber einem Jagdbekannten, dass „wenn hier was in Dannenwalde passiert, alles ringsrum kaputt“ sei. Auch Erich Opitz, Stabschef Zivilverteidigung im Kreis Gransee, beobachtete seltsames Verhalten sowjetischer Posten und meldete seine Beobachtungen. Diese gelangten sogar auf den Tisch von Erich Mielke, doch es wurde nichts unternommen – Kritik am Regime der „Waffenbrüder“ wagte niemand.

Chaos und Heldentaten Als die Katastrophe beginnt, sind die ersten, die reagieren, oft einfache Bürger. Ulrich Helm, Fahrdienstleiter am Bahnhof Dannenwalde, sperrt geistesgegenwärtig alle Gleise. Ein Munitionszug, gerade erst ins Lager rangiert, muss schnellstens in Sicherheit gebracht werden. Trotz der sowjetischen Ablehnung von Hilfe, nähert sich Kurt Cruse, Feuerwerker und Eisenbahnspezialist, mit zwei Helfern den voll beladenen Waggons und zieht sie aus dem Gefahrenbereich.

Im Inneren des Lagers kämpfen sowjetische Soldaten einen Himmelfahrtskommando-Einsatz: Mit Räumpanzern schieben sie brennende Raketenstapel auseinander, um die Explosionskette zu stoppen. In einer riskanten Aktion werden sogar mehrere riesige Mittelstreckenraketen mit Sprengköpfen aus der unmittelbaren Gefahrenzone gefahren und Richtung Eichholz transportiert. Gegen 19:45 Uhr verstummen die Explosionen allmählich.

Die verschwiegene Wahrheit der Opfer Die Anzahl der Opfer unter den Soldaten der Roten Armee bleibt bis heute Staatsgeheimnis. Gerüchte kursierten, von 50 über 100 bis zu 300 sowjetischen Soldaten, die ums Leben gekommen sein sollen. Informelle Mitarbeiter der Stasi horchten entsprechende Gerüchte ab. Tatsächlich wurden tote sowjetische Soldaten in Zinksärgen in die Heimat überführt. Eine ungefähre Zahl von etwa 70 toten Soldaten wird angenommen. Die genaue Zahl kennen nur die russischen Militärs, denn die Dannenwalder Ereignisse unterlagen 40 Jahre lang strengster Geheimhaltung.

Nachwirkungen und die Vertuschung Die DDR verschwieg das Ereignis komplett. Keine Zeitung berichtete, kein Fernsehen, kein Rundfunk. Die Stasi öffnete wochenlang Briefe aus den Unglücksorten, führte Listen über „Gerüchteverbreiter“ und vernichtete jeden Brief, der das Explosionsunglück erwähnte. Alles wurde getan, um den „Raketensonntag“ aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verdrängen.

Die Aufräumarbeiten waren langwierig und gefährlich. Viele Geschosse flogen kilometerweit ins Land. Bei der Bergung fanden sich nicht nur ungefährliche Raketenhülsen, sondern auch eine vermutlich chemische Granate, eine Waffe, die sich offiziell gar nicht in der DDR befinden durfte. Die beschädigten Raketen wurden tagelang in Transportern durch Dannenwalde und den kleinen Ort Barsdorf gefahren und auf einem sowjetischen Übungsgelände gesprengt. Diese Sprengungen führten zu gewaltigen Druckverhältnissen, die erhebliche Schäden an Gebäuden und elektrischen Geräten in der Umgebung verursachten.

Erst nach dem Abzug der Roten Armee 1992 kam Manches ans Tageslicht. Bis heute ist der Wald rund um die ehemalige Muna nicht frei von gefährlicher Munition. Karlheinz Grunske, ein Augenzeuge, führt noch heute Munitionsbergungstrupps zu verdächtigen Stellen, um Überreste wie die 3 Meter lange M21-Rakete zu bergen. Die Frage, ob tatsächlich ein Blitzeinschlag die Kettenreaktion auslöste, bleibt bis heute ein Geheimnis.

Dirk Heuschkel und der militärhistorische Verein Nordbrandenburg setzen sich heute gemeinsam mit den Dannenwaldern dafür ein, an den 14. August 1977 und die hier ums Leben gekommenen Soldaten zu erinnern. Ein kleines Denkmal soll an dieses vergessene Geschehen erinnern.

Karbidfabrik Schkopau: Ein Kampf zwischen Tradition, Fortschritt und Staub

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Im Oktober 1987 war die Karbidfabrik innerhalb des VEB Chemische Werke in Schkopau ein lebendiges Zeugnis des komplexen Zusammenspiels von Tradition, Fortschritt und harter Realität. Diese 50 Jahre alte Anlage, strategisch entscheidend für die Produktion von Kunststoffen, Chemiefasern und sogar Autoreifen, stellte Karbid her, indem Kohle und Kalkstein bei extremen Temperaturen von rund 2000 Grad Celsius geschmolzen wurden.

Strategische Bedeutung und ökonomisches Paradox
Siegfried Richter, Leiter der Karbidproduktion, hob die strategische Entscheidung hervor, organische Kohlenwasserstoffe für Buna auf Karbid- statt Erdölbasis zu erzeugen. Dieser Ansatz sicherte die Unabhängigkeit von entscheidenden Rohstoffimporten und nutzte heimische Ressourcen, was angesichts der jährlich für fünf bis sechs Millionen Tonnen Erdölimporte ausgegebenen Millionen von Dollar eine erhebliche wirtschaftliche Entlastung bedeutete. Richter räumte jedoch ein, dass diese Produktionsweise nicht unbedingt ökonomisch sinnvoll war.

Hochdruckproduktion und herausfordernde Bedingungen
Die Fabrik arbeitete rund um die Uhr in 12-Stunden-Schichten, wobei zwölf Öfen jährlich etwa eine Million Tonnen Karbid produzierten. Dieser immense Ausstoß benötigte mehr als das Zwölffache des Energieverbrauchs der Stadt Halle. Die Arbeit war berüchtigt schwer, was sich im Sprichwort „Wer einen Sommer im Karbid durchhält, der bleibt“ widerspiegelte. Erfahrene Arbeiter wie Franz Assakes, ein gelernter Schlosser mit über zwei Jahrzehnten Erfahrung in der Fabrik, verglichen die Arbeit am Ofen mit der Nähe zu einem Vulkan und waren einfach froh, gesund nach Hause zu kommen. Jüngere Arbeiter wie Olaf und Siebert, ausgebildete Chemiefacharbeiter und Jugendbrigadiere, bedienten bereits modernere, vollgeschlossene Öfen.

Investitionsstau und Umweltbedenken
Nachdem die Fabrik in den 1960er und 70er Jahren „auf Verschleiß gefahren“ wurde, da Erdöl zum primären Rohstoff der chemischen Industrie aufstieg, stand sie nun vor dringenden Investitionsnotwendigkeiten. Ein langfristiger Entwicklungsplan für die Karbidproduktion über das Jahr 2000 hinaus existierte, doch die Kosten waren immens; der Bau nur eines neuen Ofens würde 150 Millionen Mark kosten.

Die Umweltbelastung war ein drängendes Problem. Die Staubbelastung für die Arbeiter an den Öfen war „abnormal“ und betraf nicht nur sie, sondern auch Passanten an Bushaltestellen. Obwohl bereits eine Schwadenleitung zur Entstaubung installiert war, sollte eine für 1993 geplante Filteranlage eine deutliche Reduzierung der Umweltbelastungen bewirken. Eine wirksame biologische Kläranlage war in Betrieb, aber weitere Maßnahmen zum Schutz des Saale-Wassers waren erforderlich. Modernisierungsversuche, wie eine automatische Abstichvorrichtung, hatten sich als unzuverlässig erwiesen, und erhebliche Investitionen wurden immer wieder verschoben. Die Fabrik hinkte bei der Anwendung von Schlüsseltechnologien für die Produktherstellung deutlich hinterher.

Der Mensch im Mittelpunkt
Ein großes Problem war der Arbeitskräftemangel, der zu umfangreichen Überstunden führte. Der allgemeine Rückgang der Arbeitskräfte in der DDR, gepaart mit dem Versäumnis, frühzeitig auf personalintensivere, automatisierte Technologien umzustellen, schuf eine schwierige Situation für die Werksleitung.

Arbeiter wie Olaf und Siebert sahen sich anspruchsvollen Quoten gegenüber, mit 22 Abstichen pro Schicht. Es war schwierig, den eigenen Beitrag zum Gesamtergebnis innerhalb eines so großen Betriebs zu erkennen, und zahlreiche „Störgrößen“ beeinflussten ihre Arbeit. Die Leitung betonte die Bedeutung des individuellen Einfallsreichtums zur Überwindung dieser Hindernisse und erklärte: „Wenn das nämlich nicht so wäre, dann könnten wir Roboter einsetzen.“ Viele Arbeiter kamen aus verschiedenen Berufen zur Karbidfabrik, und Franz Assakes bemerkte, dass viele, denen die Arbeit am Abstich zu schwer war, schnell wieder gingen. Diejenigen, die blieben, waren stolz auf ihre anspruchsvolle Arbeit.

Trotz des Wunsches nach technologischen Verbesserungen herrschte Frustration über langsame Veränderungen und unzureichende Schulung, um die größeren Zusammenhänge ihrer Arbeit zu verstehen. Diskussionen drehten sich oft darum, wie Mitarbeiter ihre Anliegen vorbringen konnten, insbesondere in Anwesenheit von Parteifunktionären.

Zukunftsperspektiven und persönliche Entscheidungen
Trotz aller Härten zeigte sich eine tiefe Verbundenheit der Mitarbeiter mit dem Werk. Siegfried Richter, der Abteilungsleiter, der ursprünglich nur zwei Jahre bleiben wollte, hat sich schließlich für seine Karriere entschieden und erklärte: „Ich bleibe hier, bis sie mich mal im Sarg wegfahren oder rausschmeißen.“ Die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft, einschließlich einer größeren Wohnung und eines zweiten Kindes für ein junges Paar, das aus Halle Neustadt hierher gezogen war, verdeutlichten die persönlichen Einsätze trotz der unsicheren Aussichten.

Die Karbidfabrik in Schkopau blieb somit ein ergreifendes Beispiel für die komplexe Beziehung zwischen Ökonomie, Ökologie und wissenschaftlich-technischem Fortschritt. Es war ein Ort, an dem die Forderung nach zielgerichteten Investitionen auf die Möglichkeiten einer schnellen Realisierung traf und wo trotz aller Widrigkeiten Männer ihre schwere tägliche Arbeit verrichteten, im ständigen Kampf mit Staub, Hitze und der bleibenden Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Katastrophe am Karfreitag 1993: Das Zugunglück von Berlin-Wannsee

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Berlin-Wannsee – Ein sonniger Karfreitag im April 1993 wurde zum Schicksalstag für Hunderte Osterreisende, als ein Sonderzug auf dem Weg nach Berlin frontal mit einem Intercity kollidierte. Drei Menschen kamen ums Leben, 25 wurden schwer verletzt. Die tragische Kollision ereignete sich auf einer Strecke, die eigentlich entlastend für den Osterreiseverkehr dienen sollte.

Am 9. April 1993, einem sonnigen Karfreitag, herrschte auf den Bahnhöfen der Republik reger Osterreiseverkehr. Um die überfüllten Züge zu entlasten, setzte die Bahn Sonderzüge ein. Einer dieser Züge war ein Einsatzzug, der über Magdeburg nach Berlin fuhr und rund 700 Reisende an Bord hatte. Unter ihnen war der 33-jährige Ingenieur Christoph Thiele, der seine Eltern in Berlin besuchen wollte. Er kannte die Strecke, da er sie bereits etliche Male gefahren war.

Zur gleichen Zeit unternahmen Helmut und Elisabeth Anlauf in Berlin-Wannsee, einem beliebten Ausflugsziel, einen Osterspaziergang auf ihrem Lieblingsweg, dem Bürgermeister-Stöbe-Weg. Dieser Weg führt direkt an der Bahnstrecke entlang und bot eine ausgezeichnete Sicht auf den Reise- und S-Bahnverkehr. Das Ehepaar beobachtete gerne die Züge und informierte sich über den Fortschritt der Streckenerneuerung, bei der die Gleisarbeiten bereits abgeschlossen waren und nur noch die Elektrifizierung fehlte.

Das Unheil nimmt seinen Lauf
Während der Intercity mit zehn Waggons aus Berlin sich dem Waldgebiet im Wannsee näherte, hörte das Ehepaar Anlauf gleichzeitig einen Schnellzug aus Richtung Hannover und Magdeburg kommen. Der Abschnitt, an dem sie standen, lag in einer Kurve, und obwohl sie noch keinen Zug sehen konnten, hörten sie beide. Elisabeth Anlauf hörte deutlich den D-Zug, der aus dem Westen kam – jener Zug, in dem auch Christoph Thiele saß.

Im Inneren des entgegenkommenden Zuges blickte Christoph Thiele aus dem Fenster. „Ich guck nach vorne und seh einem Zug entgegenkommt und denk das auf dem Gegengleis und realisier irgendwie irgendwas stimmt da nicht und hoch der ist ja wir sind auf demselben Gleis“, beschreibt Thiele den Moment des Schreckens. Geistesgegenwärtig drückte er auf den Auslöser seiner Kamera, als die beiden Züge aufeinander zufuhren. Ihm gelang das „einmalige Foto“, das die „unausweichliche Katastrophe“ nur wenige Sekunden vor dem Zusammenstoß festhielt.

Elisabeth Anlauf konnte sich im letzten Moment in Sicherheit bringen. „Und dann hab ich gesehen Tatsache die fahnen die fahren auf ein an dem gleichen Gleis und dann dachte ich, dann hat es tatsächlich auch zwei drei mal heftig geholt da waren auf eine Staubentwicklung und der Koffer flog rum und ich auch ich dachte jetzt entgleister Zug und die Waggons fliegen da durch die Gegend und bin in Panik in den Wald gelaufen“, erinnert sie sich.

Frontalaufprall und gespenstische Stille
Die beiden Lokomotiven prallten mit über 70 Kilometern pro Stunde frontal aufeinander und bäumten sich auf. „Dann war Ruhe, dann hat man nichts mehr gehört wirklich Totenstille“, berichtet ein Augenzeuge. Die tonnenschweren Lokomotiven verkeilten sich ineinander. Die ersten beiden Waggons hinter den Loks wurden durch den Aufprall heftig getroffen, einer platzte förmlich auf.

Für die knapp 700 Passagiere endete die Osterreise inmitten des Waldes. Viele standen unter Schock und konnten kaum fassen, was geschehen war. Einige unversehrte Passagiere, darunter Christoph Thiele, begaben sich mit ihrem Gepäck aus den Zügen. Christoph Thiele realisierte, dass er Glück hatte, während weiter vorne im Gleisbett bereits Verletzte lagen.

Umfangreiche Rettungsaktion
Minuten später trafen die ersten Rettungskräfte ein. Obwohl Feiertag war, standen genügend Männer einsatzbereit. Feuerwehrmann Albrecht Broemme übernahm die Einsatzleitung. Das Ausmaß der Unfallstelle, die sich über 440 Meter erstreckte, war anfangs kaum zu überblicken. Die Retter suchten in dem Gewirr aus Stahl und Blech nach Verletzten, die sich nicht selbst befreien konnten. „Es zählt jede Minute“, so ein Retter. Oft blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich mit schwerem Gerät einen Weg zu den Verletzten freizuschneiden.

Die Arbeit war kräftezehrend und unter enormem Zeitdruck. Für die Verletzten im Zug schien die Zeit wie eine Ewigkeit zu vergehen, während sie auf Hilfe warteten. Mittlerweile waren 300 Rettungskräfte vor Ort, darunter der leitende Notarzt Dr. Wenger, dessen Team sich vor allem um die eingeschlossenen Verletzten kümmerte. Verletzte mit Brüchen konnten direkt im Zug versorgt werden, während schwerer Verletzte nach der Erstversorgung direkt in umliegende Krankenhäuser abtransportiert wurden.

Angesichts der Zerstörung wirkte es wie ein Wunder, dass überhaupt Menschen überlebten. Aus einem Waggon und dem Führerstand eines Zuges konnten die Rettungskräfte jedoch nur noch Tote bergen. Eine Frau aus der ersten Klasse des Intercity überlebte den Aufprall nicht. Der Lokführer des Zuges aus Berlin konnte sich durch einen Absprung retten und blieb unverletzt, ebenso der zweite Lokführer.

Auch Stunden nach dem Unglück, gegen 16 Uhr, irrten noch Reisende mit Gepäck am Unfallort umher. Polizeirat Gerfried Lindner und seine Männer durchkämmten das Waldgebiet, das sich über etliche Kilometer erstreckte, um desorientierte Reisende zu finden. Es dauerte bis in die Abendstunden, bis alle gefunden waren.

Die Ursache der Katastrophe
Die Untersuchung ergab, dass das Unglück durch einen Fehler des Fahrdienstleiters vom Bahnhof Wannsee verursacht wurde. Er hatte ein falsches Signal gesetzt und die Weichen falsch gestellt, sodass die beiden Züge auf demselben Gleis fuhren.
Das Foto, das Christoph Thiele kurz vor dem Zusammenstoß machte, zeigt die unweigerliche Katastrophe. Doch für ihn sind die Erinnerungen an das reale Bild stärker als das verblasste Foto selbst. Auch Elisabeth Anlauf quälten die Erinnerungen so lange, dass sie über zehn Jahre lang den Unglücksort mied. Für die Einsatzkräfte dauerte die Arbeit an diesem Osterwochenende noch lange an, um die Gleise freizuräumen.
Insgesamt wurden 25 Passagiere teils schwer verletzt, und drei Menschen kamen bei diesem Unglück ums Leben.

Forstwirtschaft in der DDR – Einblicke in die planmäßige Holzproduktion

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Die Wälder der Deutschen Demokratischen Republik, die rund 2,9 Millionen Hektar oder 27 Prozent der Landesfläche ausmachen, sind von entscheidender Bedeutung für die Volkswirtschaft und die Erholung der Bevölkerung. Dank der weitsichtigen Politik der Partei- und Staatsführung konnte eine planmäßige Anreicherung der lebenden Holzvorräte erreicht werden. Doch die sozialistische Gesellschaft stellte der Forstwirtschaft zwei wesentliche Aufgaben: erstens die kontinuierliche Versorgung der Volkswirtschaft mit Holz und anderen Waldprodukten unter Erhaltung und Mehrung des Waldbestandes, und zweitens die Bewirtschaftung der Wälder zur Erhaltung ihres positiven Einflusses auf die Landschaft und zur Befriedigung des wachsenden Bedürfnisses der Bevölkerung nach Erholung.

Intensivierung und wissenschaftlich-technischer Fortschritt als Gebot der Stunde
Um die gesteckten Ziele zu erreichen und die Volkswirtschaft stabil mit Holz zu versorgen, war eine weitere Intensivierung der Leistungsfähigkeit der Forstwirtschaft unerlässlich. Die Direktive des zehnten Parteitages der SED forderte eine Steigerung der Rohholzbereitstellung auf 10 bis 10,2 Millionen Kubikmeter bis 1985. Dies erforderte einen notwendigen Leistungsanstieg, der nur durch die Anwendung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts realisiert werden konnte. Eine wesentliche Erhöhung des Rationalisierungsmittelbaus war die Voraussetzung dafür, um die jährliche Produktion bis 1985 im Vergleich zu 1980 nahezu zu verdoppeln.

VEB Kombinat Forsttechnik Waren – Das Herz der Mechanisierung
Ein Großteil dieser dringend benötigten Rationalisierungsmittel wurde im VEB Kombinat Forsttechnik Waren entwickelt und produziert. Das 1976 gebildete Kombinat hat sich hervorragend entwickelt: Bisher wurden 19 Maschinen und Geräte in die Serienproduktion überführt und 20 Patente angemeldet. Etwa 2000 Lizenzinhaber, Schlosser und Ausbildungsberechtigte erhielten durch dieses Kombinat ihre Qualifizierung. Die Entwicklung und Produktion von Rationalisierungsmitteln zielte darauf ab, die Effektivität zu steigern, den Arbeitszeitaufwand sowie den Energie- und Materialeinsatz zu verringern und die ökonomischen Ergebnisse sowie die Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die maschinelle Entastung von Bäumen, die die Produktion in der Rohholzbereitstellung steigert, den Arbeitszeitaufwand und die körperlich schwere Arbeit reduziert sowie die Unfallgefahren senkt.

Moderne Technik im Einsatz: Von der Saat bis zum Transport

Die Quellen geben einen umfassenden Einblick in die Modernisierungsschritte in der DDR-Forstwirtschaft:

• Pflanzenproduktion: Die Forstwirtschaft war für die Bereitstellung von ausreichendem, qualitätsgerechtem Saatgut verantwortlich. Immer mehr Saatgut stammte aus speziell angelegten Samenplantagen. Jährlich wurden etwa 8000 kg Nadelholz- und 90.000 kg Laubholzsaatgut in Forstbaumschulen ausgebracht, um etwa 550 Millionen Forstpflanzen heranzuziehen. Die Aufforstung auf Traktoren befahrbaren Flächen wurde zunehmend maschinell durchgeführt. Maschinen wie die Räumpflanzmaschine „Universal“ des VEB Kombinat Forsttechnik Waren pflanzten mit einer Leistung von 1,4 bis 2,2 Hektar pro Schicht. Auch die Tanzmaschinenbau aus dem Bezirk Dresden ermöglichte eine platzweise Pflanzung von 1,5 Hektar pro Schicht.

• Bestandspflege und Holzernte:
– Chemische Pflege: Nach dem Institut für Forstwissenschaften Eberswalde erfolgte die Ausbringung chemischer Mittel zur Schädlingsbekämpfung überwiegend durch Bodengeräte (z.B. das ungarische Care-Team-Talk-Gerät auf dem W 50) oder bei Großflächen und schwer zugänglichen Gebieten per Flugzeug.
– Jungbestandspflege: Rund 50 Prozent der Wälder waren Jungbestände, deren rationelle Pflege entscheidend für zukünftige hohe Volumen- und Qualitätsleistungen war. Dabei konnten 30 bis 40 Kubikmeter Holz pro Hektar aus diesen jungen Beständen gewonnen werden. Die Bestände wurden in jeder zweiten Reihe bis etwa zwei Meter Höhe vorgehackt, um sie für nachfolgende Arbeiten begehbar zu machen und die Unfallgefahr zu mindern.
– Kleine Traktoren aus der ČSSR mit Umsturz- und Vorhaltungsrahmen erreichten eine Leistung von circa 2 Hektar pro Schicht.
– Die kombinierte Jungbestandspflege begann mit der Entnahme jeder fünften Reihe, wobei Motorsägen mit hochgezogenem Griff die Körperhaltung verbesserten. Die maschinelle Entastung und Bündelung gefällter Bäume konnte mit einer Entastungs-Bündelmaschine mit einer Leistung von bis zu 2 Kubikmetern pro Stunde erfolgen.
– Dort, wo das kombinierte Verfahren nicht anwendbar war, wurden Bäume nach dem Fällen mit Motorsägen gerückt, oft mit handlichen kleinen Seilwinden (ca. 40 kg, 60 m Seillänge, 10 kN Zugkraft, 1,3 m³/h Leistung).
– Eine besonders effektive Entastungsmaschine wurde im VEB Militärforstwirtschaftsbetrieb Zühlsdorff entwickelt und erfolgreich erprobt, mit einer Leistung von durchschnittlich 1,9 Festmetern pro Stunde.

• Ganzbaumhackverfahren: Eine der effektivsten Technologien der Dünnholzbereitstellung war das Ganzbaumhackverfahren, das die vollständige Verwertung allen gewachsenen Holzes ermöglichte und die Arbeitsproduktivität erheblich steigerte. Die Hackmaschine wurde aus Polen importiert, während Manipulator, Einzug und Teilabsichtung im VEB Kombinat Forsttechnik Waren gefertigt wurden. Die Leistung betrug 4 Kubikmeter pro Stunde, wobei durch Teilabsichtung mineralische Beimengungen, Rinde und etwa 50% der Blatt- bzw. Nadelmasse ausgesondert wurden.

• Moderne Rücketechnik: Der Film zeigte den Einsatz modernster Rücketechnik zur Verminderung von schwerer körperlicher Arbeit und Unfallgefahren.
– Eine finnische Maschine konnte sowohl das Fällen als auch das Entasten übernehmen, einsetzbar auf Flächen mit bis zu 1700 Stämmen pro Hektar und 25 cm Stammdurchmesser.
– Der Universal-Traktor 445 V aus Rumänien war mit Walter-Schild und Rückezange ausgestattet, die vom VEB Kombinat Forsttechnik Waren gefertigt wurden. Seine Leistung betrug 2-3,5 Kubikmeter pro Stunde.
– Der Forstspezialrücketraktor EU 451 war durch geringe Breite, Knicklenkung und Allradantrieb besonders für die Bestandspflege geeignet und erreichte mit Funkfernsteuerung eine Leistung von durchschnittlich 4 Kubikmetern pro Stunde.
– Der Traktor DF vom VEB Kombinat Nutzfahrzeuge Ludwigsfelde mit Manipulator und Klemmbank ermöglichte die Einmannbedienung direkt vom Fahrerstand aus, ebenfalls mit 4 Kubikmetern pro Stunde.
– Der Universal-Traktor 445 V konnte auch mit der finnischen Anbauseilwinde JL 306 kombiniert werden, die das Rücken in nicht befahrbarem Gelände ermöglichte und von nur einer Arbeitskraft bedient wurde.
– In Nadelholzbeständen der Endnutzung kam die Entastungsmaschine EA 60 zum Einsatz, die Bäume bis 60 cm Durchmesser entasten konnte. Ein Kollektiv des staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes Kyritz entwickelte eine elektronische Baueinheit zur Steuerung der Entastungsmesser, die alle bestehenden EA 60 Systeme nachrüstbar machte. Die Leistung betrug 9 m³/h bei Fichte und 6 m³/h bei Kiefer.

• Holztransport: Das dominierende Fahrzeug für den Schichtholztransport war der Lkw W 50 Pritsche mit Fünf-Tonnen-Anhänger. Eine wesentliche Effektivitätssteigerung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen wurde mit der Entwicklung eines Schichtholzfahrzeuges Kamaz 5320 aus der UdSSR mit Aufbau-Ladekran erreicht, das die Lademenge von 12 auf 18 Kubikmeter erhöhte. Auch der Langholztransport, bisher mit dem W 50 FA 2 mit Nachläufer körperlich schwer und unfallgefährdet, wurde durch die Entwicklung eines Forstaufbaus mit Aufbau-Ladekran auf dem Kamaz-Fahrgestell revolutioniert, was die Leistung von 12 auf 20 Kubikmeter pro Fahrt steigerte.

• Zentrale Holzaufbereitung und Schienenverkehr: Die Holzformung auf zentralen Anlagen spielte eine entscheidende Rolle zur weiteren Erhöhung der Effektivität. Ziel war es, bis 1985 etwa 4 Millionen Kubikmeter auf solchen Anlagen zu bearbeiten und umzuschlagen. Die Verlagerung eines Teils des Holztransports von der Straße auf die Schiene durch Ganzzugprogramme wurde als zwingend notwendig erachtet, um die Effizienz zu steigern und die Arbeitsbedingungen denen der Industrie anzugleichen.

Holz: Ein ständig reproduzierbarer Rohstoff
Holz nimmt als einer der wichtigsten Rohstoffe weltweit den dritten Rang nach Kohle und Erdöl ein und wird für etwa 12.000 Erzeugnisse eingesetzt. Angesichts des steigenden Rohstoffbedarfs, der mit der Bruttoproduktion der Volkswirtschaft zunimmt, kommt es darauf an, den Holzbedarf immer besser aus den einheimischen Wäldern zu decken. Bei intensiver Waldwirtschaft wird Holz zu einer nicht versiegenden Rohstoffquelle, da es im Gegensatz zu Erz, Erdöl oder Kohle ständig reproduziert wird. Der steigende Bedarf erforderte die Erschließung aller Holzressourcen und die vollständige Verarbeitung des Holzes.

Die DDR-Forstwirtschaft zeigte sich entschlossen, durch planmäßige Innovation und den Einsatz modernster Technik die hohen Anforderungen an die Holzversorgung zu erfüllen und gleichzeitig die Wälder als wertvolle Ressource für die Zukunft zu sichern.

„Deutschland im freien Fall“: Hans-Georg Maaßen über die tiefe Krise des Landes

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Hans-Georg Maaßen, ehemaliger Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV), ist eine Person, die polarisiert. Sein abruptes Ausscheiden aus dem Amt im Jahr 2018, gefolgt von einer tiefgreifenden politischen Neuorientierung und der Gründung der Partei Werteunion, wirft Schlaglichter auf das Selbstverständnis deutscher Institutionen, die Rolle der Medien und die Grenzen der Meinungsfreiheit. In einem ausführlichen Gespräch bietet Maaßen Einblicke in seine damalige Amtszeit, die Arbeitsweise des Inlandsgeheimdienstes und seine scharfe Kritik an der aktuellen politischen und medialen Landschaft Deutschlands.

Der Chemnitz-Skandal: Eine „vorsätzliche Falschinformation“?
Maaßens Absetzung als Präsident des Verfassungsschutzes im Jahr 2018 war eine Zäsur, die er als „Einschnitt mit Ansage“ beschreibt. Der Auslöser war seine öffentliche Aussage gegenüber der Bildzeitung, dass es nach Erkenntnissen seiner Behörde keine „Hetzjagden“ in Chemnitz gegeben habe, entgegen der Darstellung der damaligen Bundesregierung unter Angela Merkel und großer Teile der deutschen und internationalen Presse. Maaßen spricht von einer „mutmaßlich vorsätzlichen Falschinformation mit einer Absicht, nämlich die Öffentlichkeit fehlzuleiten und die Öffentlichkeit zu täuschen“. Er kritisiert, dass dieses Narrativ, unterfüttert durch ein „Hase bleib hier“-Video, das fälschlicherweise als „Menschenjagd“ betitelt wurde, von der Antifa gestreut und von ARD und der Bundeskanzlerin aufgegriffen wurde.

Für Maaßen war dies eine zweite Zäsur in seinem Leben – die erste war der Verlust seines Amtes, die zweite die Erkenntnis, „dass es möglich ist in Deutschland aus der Wahrheit eine Lüge zu machen und aus der Lüge eine Wahrheit“. Er betont, dass seine Äußerung mit dem damaligen Bundesinnenminister Horst Seehofer abgestimmt war und er die „vornehmste Pflicht“ eines Beamten erfüllt habe: zu widersprechen, wenn etwas rechtswidrig oder nicht rechtens ist. Dies sei im Bundesbeamtengesetz verankert und gelte für jeden Beamten, nicht nur für den Präsidenten des Verfassungsschutzes.

Der Verfassungsschutz: Ein „zahnloser Tiger“ ohne Polizeibefugnisse?
Maaßen beschreibt das Bundesamt für Verfassungsschutz als deutschen Inlandsgeheimdienst, dessen Modell auf dem britischen MI5 basiert. Im Gegensatz zur Gestapo, die Polizei mit geheimdienstlichen Befugnissen war, besitzt der Verfassungsschutz keine polizeilichen Gewaltbefugnisse wie Festnahmen, Hausdurchsuchungen oder Vernehmungen. Seine Hauptaufgabe sei das Sammeln und Auswerten von Informationen – offen (Ocent), menschlich (Humint) und technisch (Sigint).

Informationen, insbesondere zur Telekommunikationsüberwachung (wie E-Mails, WhatsApp, Telefonverkehr), bedürfen der Genehmigung der G10-Kommission des Bundestages, eines geheim tagenden Gremiums. Der Verfassungsschutz arbeitet dabei mit der „Harpune“, zielt also auf bekannte Personen mit konkreten Hinweisen, während ausländische Dienste wie der BND im Ausland mit dem „Schleppnetz“ arbeiten und strategische Überwachung betreiben können. Nach einer Telekommunikationsüberwachung müssen die Betroffenen grundsätzlich darüber informiert werden.

Kritik an der politischen Beobachtung und die „Delegitimierung“ des Amtes
Ein zentraler Kritikpunkt Maaßens ist die Beobachtung politischer Parteien durch den Verfassungsschutz, insbesondere der AfD. Er vergleicht die Situation mit dem Watergate-Skandal in den USA, wo bereits die Ausforschung einer konkurrierenden Partei zum Rücktritt des Präsidenten führte. Maaßen argumentiert, es fehle ein „Unrechtsbewusstsein“, wenn ein Geheimdienst genutzt werde, um Informationen aus einer Oppositionspartei zu generieren. Die rechtliche Hürde für Telekommunikationsüberwachung sei durch die Herabsetzung des Maßstabs (Einbeziehung der „Volksverhetzung“ nach Paragraph 130 StGB) erheblich gesenkt worden.

Maaßen selbst wird vom Verfassungsschutz beobachtet und als „Rechtsextremist“ eingestuft, was er als „perfide Technik“ und „Scheinargumentation“ der Behörde bezeichnet. Er klagt gegen diese Beobachtung. Für ihn ist die Beobachtung unbescholtener Bürger und neuer Parteien eine „Delegitimierung“ des Verfassungsschutzes, da er seine eigentliche Aufgabe vernachlässige und Extremismus verharmlose.

Werteunion: Eine neue politische Kraft für bürgerlich-konservative Werte
Nach seinem Ausscheiden aus dem BfV und dem Scheitern des Versuchs, die CDU von innen heraus zu reformieren, gründete Maaßen mit der Werteunion eine eigene Partei. Er sieht die CDU als „scheinkonservative Partei“, die das Gegenteil dessen tut, was sie verspricht, und die Massenmigration nach Deutschland „eröffnet“ hat. Die Werteunion positioniert sich als Alternative für klassische CDU- und CSU-Wähler und verfolgt eine Politik des „Rückbaus des Staates“ und einer „vernünftigen Migrationspolitik“ mit „klarem Schutz der Grenzen“.

Maaßen betont, dass die Werteunion nicht die AfD kannibalisieren wolle, sondern auf die Wähler der Union ziele. Er sieht seine Partei jedoch mit einer „Schweigemauer“ der Massenmedien konfrontiert, die über die AfD zwar negativ, aber immerhin berichten, die Werteunion aber totzuschweigen versuchen. Dies sei eine „bewusste Unterwanderung“ und ein „Aktivismus“ des Journalismus, der nicht mehr informieren, sondern „propagieren und agitieren“ wolle.

Ausblick: Geduld im „freien Fall“ und Hoffnung auf die Zukunft
Maaßen sieht Deutschland im „freien Fall“, angetrieben durch wirtschaftlichen Niedergang und Massenmigration. Er hofft auf einen „politisch-gesellschaftlichen Rückenwind“ für Parteien „auf der freien Seite der Brandmauer“. Obwohl er nicht davon ausgeht, dass die CDU mit der AfD koalieren wird, sieht er die Notwendigkeit einer parlamentarischen Mehrheit für eine Politikwende, die voraussichtlich Jahre dauern wird.

Insbesondere die Bürger im Osten Deutschlands, die eine „Diktaturerfahrung“ haben, seien kritischer und weniger „autoritätsgläubig“ als die im Westen, wo das Vertrauen in Medien und Autoritäten noch stark sei. Maaßen ist überzeugt, dass die persönliche Erfahrung vieler Bürger mit den Problemen des Landes irgendwann die mediale Täuschung durchbrechen wird.

Für die Werteunion stehen als nächste Schritte die Landtagswahlen 2025, beginnend in Baden-Württemberg, im Fokus, um in die Landesparlamente einzuziehen. Trotz der Herausforderungen bleibt Hans-Georg Maaßen zuversichtlich, dass Deutschland das „Schiff schon wieder flott machen“ kann, auch wenn es ein langer und schwieriger Weg werden wird.

Ein Stück Geschichte neu belebt: Die MZ ES 250-2 aus dem Baujahr 1967

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Ein Oldtimer-Enthusiast hat eine seltene MZ ES 250-2 aus dem Baujahr 1967, die zu den ersten produzierten Maschinen ihrer Art gehört, mit viel Liebe zum Detail restauriert. Das Motorrad, erkennbar an seiner frühen Fahrgestellnummer, erstrahlt nun in einer prächtigen Kombination aus Olivgrün und Beige, Farben, die es in der Vorkriegszeit gab. Der Besitzer hegte schon lange den Wunsch, eine Maschine in diesem spezifischen Olivton zu restaurieren, was ihn zum Kauf des damaligen Wracks – bestehend lediglich aus dem Rahmen und einigen Blechteilen – motivierte.

Die Restaurierung war ein voller Erfolg, und das Ergebnis ist ein Motorrad, das nicht nur optisch besticht, sondern auch historisch präzise die Besonderheiten des Baujahrs 1967 widerspiegelt. Besondere Aufmerksamkeit wurde auf Details gelegt, die ausschließlich in diesem Baujahr zu finden waren:

• Umlaufende Linierung auf dem Seitendeckel: Diese ist noch durchgehend und in Beige gehalten.
• Lenkerabdeckung: Auch diese ist noch in Beige ausgeführt.
• Sitzbank: Sie weist eine flache Form mit einer Teilungsnaht in der Mitte auf und kann hochgeklappt werden.
• Bremsgestänge: Hier wurde noch der alte Typ mit Splint anstelle des späteren Hakens verwendet.
• Fußrastenträger: Dieser ist dreiteilig ausgeführt; ab 1968 war er ein durchgezogenes Rohr.
• Fehlender Schriftzug: Ein markantes Merkmal ist das Fehlen des Schriftzugs auf dem Motorrad, da die Modelle von 1967 diesen noch nicht trugen.
• Tankaufnahme: Der Tank verfügt noch über einen kleinen „Pilz“ als Aufnahme, während spätere Modelle ein Stück Flachstahl mit Gewinde aufwiesen.

Der Besitzer ist sichtlich stolz auf sein „gelungenes Motorrad“, das ihn seit dem letzten Jahr begleitet. Er betont, wie froh er ist, diesen Schritt gegangen zu sein und das Motorrad nun zu besitzen. Diese MZ ES 250-2 ist somit nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern ein fahrendes Denkmal, das die Handwerkskunst und die spezifischen Designmerkmale ihrer Epoche perfekt einfängt.

Dieter Hallervorden: Eine Rückkehr nach Dessau und die Flucht aus der DDR

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Dessau, Sachsen-Anhalt – Für den bekannten Kabarettisten Dieter Hallervorden ist die Rückkehr nach Dessau eine Reise in die Vergangenheit, eine Rückkehr nach mehr als 50 Jahren. Die Erinnerungen an seine Kindheit in Dessau sind lebendig, wenn auch verändert. Das Haus, das er als Kind als „riesenhaft groß“ in Erinnerung hatte, und der Garten, in dem die Familie Tiere hielt und Pflanzen anbaute, wirken heute anders. Die damalige Selbstversorgung im Garten ist für ihn „heute einfach unvorstellbar“.

Prägende Jugend in der DDR
Hallervordens Jugend war jedoch nicht nur von idyllischen Garten-Erinnerungen geprägt. Seine „Lebensentwürfe als Jugendlicher prallten hart mit der Realität des Arbeiter- und Bauernstaates zusammen“. Seine Eltern gehörten nicht der Arbeiter- und Bauernklasse an, und es war ein Kampf für seinen Vater, Hallervorden den Besuch der Oberschule und das Abitur zu ermöglichen.

Die Schulzeit in der DDR war für Hallervorden ein „Ort des Grauens“. Die Rosa-Luxemburg-Oberschule empfand er als Qual; er sei „zur Schule ungefähr so gern gegangen wie andere zum Zahnarzt“ und habe sich dort „nie wohlgefühlt“. Der Unterricht ließ laut Hallervorden zu wünschen übrig, was sich beispielsweise zeigte, als sein „wunderbarer Französischunterricht“ nach wenigen Monaten endete und Russischunterricht erzwungen wurde.

Das Leben im deutschen Sozialismus war „straff organisiert“, und das Individuum zählte wenig gegenüber dem Kollektiv. Eigene Gedanken waren unerwünscht, und alles war vorgeplant. Hallervorden erinnert sich, zu den letzten dreien gehört zu haben, die nicht in der FDJ (Freie Deutsche Jugend) waren. Ihm wurde mangelndes „Klassenbewusstsein“ vorgeworfen, und er wurde unter Druck gesetzt, die Klasse zu wiederholen, falls er sich nicht anpasse. Er beschreibt, wie man den „Rücken beugt“, und aus echter Begeisterung für eine Idee ein „erzwungenes Bekenntnis zum Staat“ wurde. Uniformität bestimmte das Leben und Denken.

Die Entscheidung zur Flucht
Für Hallervorden war Meinungsfreiheit von größter Bedeutung, ebenso wie die Möglichkeit, sich selbst als Individuum zu verwirklichen. Er erkannte schnell, dass die DDR nicht sein Staat sein konnte. Diese „geistige Auseinandersetzung mit dem Regime“ war der Hauptgrund für seinen Entschluss, das Land zu verlassen. Materielle Gründe, wie „wo kriege ich dann besser die Butter und wo ist es vielleicht besser ins Kino zu gehen“, wären für ihn „nie Gründe gewesen“.

1958 reifte der Plan, der DDR den Rücken zu kehren. Vor dem Bau der Berliner Mauer war Berlin für viele, darunter Hallervorden, ein „Angelpunkt seiner Flucht“. Es gab zwar verschiedene Zonen in West-Berlin, aber keinen Stacheldraht und keine Mauer. Man konnte einfach in einen Zug steigen und in den nächsten Sektor fahren, was den „Weg in die Freiheit nicht weit“ machte. Die Beschränkung lag darin, dass man keine Möbel mitnehmen konnte und sich mit dem begnügen musste, was man am Leib trug oder im Koffer dabei hatte. Trotzdem war eine solche Flucht nicht ungefährlich; die Entdeckung des Plans hätte im DDR-Gefängnis enden können.

Ankunft in West-Berlin und kabarettistische Karriere
Als Hallervorden endlich in West-Berlin ankam, wusste er, dass dies der richtige Weg für ihn war. Er empfand ein „Gefühl der Erleichterung“. In West-Berlin gründete Dieter Hallervorden 1960 die berühmte Kabarettbühne „Die Wühlmäuse“, deren Chef er wurde. Obwohl er als Komiker Millionen von Fernsehzuschauern begeistert, gilt seine „große Liebe dem Kabarett“.