Erfurt/Berlin. Wenn Zahlen eine politische Erdbebenwarnung sein können, dann liefert der aktuelle INSA-Meinungstrend vom 8. Dezember 2025 genau diese Erschütterung. Die Analyse der Demoskopen zeichnet das Bild einer Bundesrepublik, die politisch in zwei verschiedene Sphären zerfällt und deren Bürger das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit des Staates weitgehend verloren haben.
Die neue Machtarithmetik
Die vielleicht wichtigste Nachricht vorweg: Die politischen Kräfteverhältnisse haben sich gedreht. Bundesweit liegt die AfD nun vor der Union. Doch diese gesamtdeutsche Zahl verdeckt den eigentlichen Riss, der durch das Land geht. Schaut man tief in die Daten, offenbart sich eine dramatische West-Ost-Spaltung. Im Westen kann die Union ihren Status als „Volkspartei“ noch knapp wahren und liegt 3,5 Prozentpunkte vor der AfD.
Hegemonie im Osten
Ganz anders die Lage in den neuen Bundesländern. Hier ist von einem Kopf-an-Kopf-Rennen keine Rede mehr. Die AfD ist im Osten zur unangefochtenen Macht geworden und liegt unglaubliche 25,5 Prozentpunkte vor der CDU/CSU. Ein solcher Abstand deutet nicht mehr auf volatiles Wahlverhalten hin, sondern auf eine kulturelle und politische Verfestigung, die Ostdeutschland zu einer Bastion der Blauen macht.
Links überholt Grün
Auch im linken Spektrum gibt es Bewegung, die für die Ampel-Parteien besorgniserregend ist. Die Linke hat die Grünen überholt – ein Indiz dafür, dass Themen wie soziale Gerechtigkeit oder Friedenspolitik wieder stärker verfangen als ökologische Transformationsthemen, oder dass die Enttäuschung über die Regierungsarbeit der Grünen in Wählerwanderungen mündet.
Die unmögliche Mehrheit
Die Koalitionsrechner in Berlin dürften angesichts dieser Zahlen ins Schwitzen geraten. Eine „Große Koalition“ (Schwarz-Rot) käme auf keine 40 Prozent mehr. Die einzige rechnerisch solide Mehrheit, die INSA ausweist, wäre ein Bündnis, das politisch bislang ausgeschlossen wird: Eine Koalition aus AfD und Union käme auf 51 Prozent der Stimmen. Diese theoretische „Blau-Schwarze“ Mehrheit erhöht den Druck auf die Brandmauer-Debatte innerhalb der Union massiv.
Der Kern des Misstrauens: Innere Sicherheit
Doch woher kommt dieser Erdrutsch? INSA liefert die Antwort beim Thema „Innere Sicherheit“. Die Zahlen sind verheerend für die Regierenden: Mehr als zwei Drittel der Bürger sehen hier massive Defizite. Nur jeder Siebte ist zufrieden.
Noch alarmierender ist der Blick in die Zukunft: Nicht einmal jeder vierte Deutsche glaubt noch, dass die Politik in der Lage ist, diese Defizite zu beheben. Zwei Drittel der Bevölkerung haben innerlich gekündigt und trauen dem Staat die Lösungskompetenz nicht mehr zu.
Besonders brisant: Dieser Pessimismus ist kein Phänomen der Ränder. Die Mehrheit der Anhänger aller Parteien teilt die Skepsis. Wenn selbst die Wähler der Regierungsparteien nicht mehr an die Problemlösungskapazität ihrer Vertreter glauben, ist die Krise systemisch.
Der INSA-Trend vom Dezember 2025 ist mehr als eine Wasserstandsmeldung. Er ist das Protokoll einer Entfremdung. Während der Osten politisch einen völlig eigenen Weg eingeschlagen hat, eint West und Ost nur noch eines: Die Sorge um die Sicherheit und der Zweifel daran, dass Berlin noch Antworten hat.


Berlin. Es ist ein Bild für die Abendnachrichten: Franziska Brantner steht im Haus der Bundespressekonferenz, in der Hand ein Stück Papier, das sie mit ernster Miene in die Kameras hält. Doch es ist kein Gesetzentwurf und kein Wahlprogramm. „Das hier“, sagt die Grünen-Politikerin mit scharfer Stimme, „das ist die Scheidungsurkunde von Donald Trump mit Europa.“
11. Dezember 1989. Ein kalter Montag in Ost-Berlin. Wer an diesem Morgen das „Neue Deutschland“ aufschlägt, liest Sätze, die wie in Stein gemeißelt wirken – und doch schon Risse zeigen. „Wir erklären mit aller Entschiedenheit, dass wir die DDR nicht im Stich lassen werden“, lässt sich Michail Gorbatschow zitieren. Es klingt wie ein Schwur, doch für historisch Kundige liest es sich heute wie ein Nachruf.
Es ist ein grauer Wintertag in Berlin, das Brandenburger Tor im Hintergrund, als zwei Welten aufeinanderprallen, die sich im digitalen Raum längst blockiert hätten. Auf der einen Seite „Ein Gollan“, konservative YouTuberin und Provokateurin vom Dienst, bewaffnet mit einem Schild: „In Gedenken an die Opfer der Masseneinwanderung“. Auf der anderen Seite ein junger Mann, Fahrrad, wortgewandt, links – und verpixelt.
Es ist ein Bild der Ruhe, das Tino Chrupalla vermitteln will. Während draußen die politische Debatte um ein mögliches Parteiverbot der AfD tobt, sitzt der Parteichef im Studio des österreichischen Senders exxpressTV und lächelt die Vorwürfe weg. Ein Verbot? Für ihn kein Damoklesschwert, sondern ein „Signal der Schwäche“ der politischen Konkurrenz. Im Dezember 2025, drei Monate nach einer Bundestagswahl, die die politische Landschaft fragmentiert zurückgelassen hat, gibt sich der AfD-Frontmann nicht mehr als Rebell, sondern als wartender Machtpolitiker.
Es ist ein schmaler Grat zwischen gesundem Regionalstolz und einer trotzigen „Wagenburg-Mentalität“. Mit dem Lied „Ostdeutschland“ betritt die Band EICHENBLUT genau diesen Grat – und tritt dabei fest auf. Was als emotionale Hymne für eine Region daherkommt, entpuppt sich bei genauerem Hinhören als ein musikalisches Manifest, das tief in die aktuelle politische Seele Ostdeutschlands blicken lässt.


Von der Euphorie der Grenzöffnung bis zum Kater der Realität – ein Rückblick auf das wohl emotionalste Weihnachtsfest der deutschen Geschichte.
Torgau, Wittenberg, Eilenburg – Namen von Städten, die für Tausende ehemaliger DDR-Heimkinder nicht für Geografie, sondern für ein lebenslanges Trauma stehen. Eine Reise in die Vergangenheit einer staatlich organisierten Kindesmisshandlung.
Eine sächsische Kleinstadtidylle mit düsterem Kern: In Waldheim leben die Menschen seit 300 Jahren Wand an Wand mit Schwerverbrechern, politischen Häftlingen und der eigenen Geschichte. Eine Spurensuche zwischen Verdrängung und Symbiose.