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Jungbürgermeister in Sachsen verzweifelt an der Bürokratie der Politik

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Mit nur 25 Jahren wurde Philipp Eichler Bürgermeister. Der parteilose Fleischer wollte ranklotzen, doch der Kampf mit der Bürokratie ist mühsamer als gedacht. Und nach der Kommunalwahl kommt womöglich ein weiteres Problem auf ihn zu.

Philipp Eichler ist Bürgermeister in Rothenburg/O.L., der östlichsten Kleinstadt Deutschlands.

1268 erstmals urkundlich erwähnt, blickt die östlichste Kleinstadt an der Neiße auf eine lebendige Geschichte zurück. Schon damals entwickelte sich der Ort zu einer kleinen, florierenden Stadt im Mittelpunkt des landwirtschaftlichen und handwerklichen Lebens an der Neiße. Der Name leitet sich vermutlich von einem der ältesten Gutsbesitzer, von Rothenburg, ab. Die mittelalterlichen Strukturen mit schmuckem Rathaus, Marktplatz, Gässchen und „kutschengerechtem“ Kopfsteinpflaster sind gut erhalten. Saniert und liebevoll gepflegt präsentieren wir uns heute dem Besucher.

Rothenburg war über einen langen Zeitraum landwirtschaftlich geprägt und die Stadtentwicklung wurde stark durch die Familie von Martin beeinflusst. So finden sich noch heute der Martinshof (diakonische Einrichtung) und das Martin-Ulbrich-Haus (orthopädische Klinik) in der Stadt. Bis 1945 hatte Rothenburg den Sitz der Kreisverwaltung inne. Nach dem 2. Weltkrieg fiel dieser an die Stadt Niesky.

Nördlich der Stadt entstand ab den 1950er Jahren ein Militärflugplatz. Im Jahr 1991 wurde dieser aufgelöst und schrittweise in eine zivile Nutzung überführt. Auf dem Gebiet des ehemaligen militärischen Geländes siedelte sich vor allem produzierendes Gewerbe an. Wo einst die Schulungsgebäude standen, findet sich heute ein moderner Sportkomplex. Die Sporteinrichtungen werden auch von der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) genutzt, welche seit 1994 in der Kleinstadt an der Neiße ihren Sitz hat.

Auf den ersten Blick ist es romantisch still… Doch der zweite Blick zeigt das lebendige Rothenburg: Hier gibt es eine Schwimmhalle, 36 aktive Vereine, Kindergärten, Grund- und Oberschule, ein Mehrgenerationenhaus, Gewerbegebiete, eine Bibilothek und Museen… und das mitten in einer noch unberührten Landschaft, die zum Durchatmen einlädt.

Erste Filmaufnahmen der Berliner S-Bahn in den Jahren 1900-1927

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Die S-Bahn Berlins war einst das leistungsfähigste Nahverkehrsmittel Europas und gilt bis heute als eine der wichtigsten Verkehrsadern der deutschen Hauptstadt. Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1924 zurück, als die erste Strecke offiziell in Betrieb genommen wurde. Diese Eröffnung war das Ergebnis jahrzehntelanger Planungen und Vorbereitungen, die bereits 1891 mit der Einführung eines speziellen Nahverkehrstarifs und der Trennung von Nah- und Fernverkehr auf der Schiene begannen.

Die Entscheidung, den Nah- und Fernverkehr zu trennen, war ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Effizienz und Zuverlässigkeit des Schienenverkehrs in Berlin. Diese Maßnahme ermöglichte es, den wachsenden Bedarf an städtischem Transport zu bewältigen und die Infrastruktur entsprechend zu planen. Der spezielle Nahverkehrstarif machte das Reisen innerhalb der Stadt erschwinglicher und förderte die Nutzung der Bahn als bevorzugtes Verkehrsmittel.

Mit der Inbetriebnahme der ersten elektrischen S-Bahn-Strecke im Jahr 1924 begann eine neue Ära im städtischen Nahverkehr. Die Elektrifizierung war eine technologische Innovation, die den Betrieb wesentlich effizienter und umweltfreundlicher machte. Die S-Bahn ermöglichte es, große Menschenmengen schnell und zuverlässig durch die Stadt zu transportieren, was besonders in der wachsenden Metropole Berlin von großer Bedeutung war.

Die S-Bahn wurde schnell zu einem unverzichtbaren Bestandteil des städtischen Lebens. Ihre Netze erstreckten sich über die gesamte Stadt und darüber hinaus, verbanden wichtige Stadtteile, Geschäftsviertel und Wohngebiete miteinander und erleichterten den Zugang zu Arbeitsplätzen, Bildungseinrichtungen und Freizeitzielen. Die Frequenz der Züge und die Dichte des Netzes machten sie zum Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs in Berlin.

Während des Zweiten Weltkriegs und der anschließenden Teilung Berlins wurde die S-Bahn vor enorme Herausforderungen gestellt. Die Strecken und Infrastruktur erlitten erhebliche Schäden, und die Teilung der Stadt führte zu einer Aufspaltung des Netzes. In Ost- und West-Berlin wurden unterschiedliche Systeme betrieben, die erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands wieder zu einem einheitlichen Netz zusammengeführt wurden.

Heute ist die S-Bahn Berlin wieder ein Symbol für die Wiedervereinigung und den Fortschritt der Stadt. Sie wird ständig modernisiert und erweitert, um den aktuellen Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht zu werden. Ihre lange Geschichte und kontinuierliche Entwicklung machen sie zu einem faszinierenden Beispiel für die Evolution des städtischen Nahverkehrs und zu einem wesentlichen Bestandteil des täglichen Lebens in Berlin.

„Adern von Jena“ verbinden Fernwärmenetz mit innovativem Kulturprojekt

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Die „Adern von Jena“ sind ein innovatives Kulturprojekt, das die Stadt Jena mit ihrem modernen Fernwärmenetz verbindet. Diese Initiative verwandelt die technischen Infrastrukturen der Fernwärmeleitungen in ein kulturelles Erlebnis und schafft ein Bewusstsein für nachhaltige Energieversorgung.

Die Fernwärmeleitungen, die normalerweise im Untergrund verlaufen und unsichtbar sind, werden durch das Projekt in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Mit kreativen Installationen und künstlerischen Darstellungen entlang der Leitungswege wird die Bedeutung dieser „Adern“ der Stadt hervorgehoben. Sie versorgen Jena mit umweltfreundlicher Wärme und tragen erheblich zur Reduktion von CO2-Emissionen bei.

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die künstlerische Gestaltung der oberirdischen Abschnitte und Wartungsstationen der Fernwärmeleitungen. Lokale Künstler wurden eingeladen, diese Strukturen mit kreativen und inspirierenden Kunstwerken zu versehen. Diese Kunstwerke erzählen Geschichten über die Stadt, ihre Bewohner und die Bedeutung der nachhaltigen Energieversorgung.

Zusätzlich werden entlang der Fernwärmeleitungen Informationstafeln und interaktive Installationen aufgestellt, die den Bürgern und Besuchern Einblicke in die Funktionsweise und Vorteile der Fernwärme bieten. Diese Informationen sollen das Bewusstsein für die Wichtigkeit nachhaltiger Energielösungen schärfen und das Verständnis für die technologischen Hintergründe fördern.

Das Projekt umfasst auch geführte Touren und Bildungsprogramme für Schulen und interessierte Gruppen. Diese Touren bieten eine Gelegenheit, die Fernwärmeleitungen und die dazugehörige Infrastruktur aus nächster Nähe zu erleben. Die Teilnehmer lernen dabei nicht nur technische Details, sondern auch die Bedeutung der Fernwärme für den Klimaschutz und die städtische Lebensqualität.

Durch das Kulturprojekt „Adern von Jena“ wird die Fernwärmeinfrastruktur zu einem integralen Bestandteil des städtischen Lebens und der kulturellen Identität. Es zeigt, wie technische Innovation und künstlerischer Ausdruck Hand in Hand gehen können, um das Bewusstsein für wichtige gesellschaftliche Themen zu fördern.

Insgesamt ist das Projekt ein gelungenes Beispiel dafür, wie technische Infrastrukturen in den öffentlichen Raum integriert und kulturell aufgewertet werden können. Es fördert das Verständnis für nachhaltige Energieversorgung und stärkt das Gemeinschaftsgefühl der Stadtbewohner. Die „Adern von Jena“ sind somit nicht nur lebensnotwendige Versorgungsleitungen, sondern auch ein lebendiges Kulturprojekt, das die Stadt Jena bereichert und zukunftsweisende Akzente setzt.

weitere Informationen unter www.adern-von-jena.de

Ein Mannschaftsportrait des FC Carl Zeiss Jena zur Saison im Juli 1987

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Der FC Carl Zeiss Jena, gegründet am 13. Mai 1903 als Fußballabteilung des Vereins „Centrale für Glühlampen“, hat eine bewegte und traditionsreiche Geschichte. Der Verein, der nach dem renommierten Optikunternehmen Carl Zeiss benannt wurde, spielte eine bedeutende Rolle im deutschen und internationalen Fußball.

In den frühen Jahren etablierte sich der Club schnell in der regionalen Fußballszene und schloss sich 1911 der Nordostdeutschen Fußball-Meisterschaft an. Nach dem Ersten Weltkrieg konsolidierte sich der Verein und erlebte in den 1920er und 1930er Jahren eine Phase des Wachstums und Erfolgs.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Verein in die Betriebssportgemeinschaft (BSG) Carl Zeiss Jena integriert, was zu einem neuen Aufschwung führte. In den 1950er Jahren spielte die Mannschaft in der DDR-Oberliga, der höchsten Spielklasse der DDR. Der Verein erzielte in dieser Zeit bemerkenswerte Erfolge, darunter mehrere DDR-Meisterschaften und FDGB-Pokalsiege. 1963 wurde die BSG in den Fußballclub Carl Zeiss Jena umbenannt und konzentrierte sich fortan ausschließlich auf den Fußballsport.

Die 1960er und 1970er Jahre waren die goldene Ära des FC Carl Zeiss Jena. Der Club gewann dreimal die DDR-Meisterschaft (1963, 1968, 1970) und wurde viermal FDGB-Pokalsieger (1960, 1972, 1974, 1980). Der größte internationale Erfolg gelang 1981, als der Verein das Finale des Europapokals der Pokalsieger erreichte, wo man knapp gegen Dinamo Tbilisi verlor.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 musste sich der Verein neuen Herausforderungen stellen. Der FC Carl Zeiss Jena trat zunächst in der 2. Bundesliga an, konnte jedoch nicht dauerhaft die Erfolge der DDR-Zeit wiederholen und stieg mehrfach ab und auf. Die finanzielle Situation des Vereins war oft angespannt, was zu weiteren sportlichen Rückschlägen führte.

In den 2000er Jahren durchlief der Verein eine Phase der Konsolidierung. Nach einigen Jahren in der Regionalliga und der 3. Liga gelang 2006 der Aufstieg in die 2. Bundesliga, allerdings konnte der Club die Klasse nicht halten und stieg 2008 wieder ab. Der FC Carl Zeiss Jena kämpfte weiter um Stabilität und sportlichen Erfolg, wobei er sich als Ausbildungsverein profilierte und talentierte Spieler förderte.

Heute spielt der FC Carl Zeiss Jena in der Regionalliga Nordost und arbeitet kontinuierlich daran, an die früheren Erfolge anzuknüpfen. Der Verein bleibt eine feste Größe im deutschen Fußball und genießt eine treue Fangemeinde.

Der FC Carl Zeiss Jena ist ein Symbol für Beständigkeit und Tradition im deutschen Fußball. Trotz zahlreicher Höhen und Tiefen hat der Verein seine Identität bewahrt und bleibt ein wichtiger Bestandteil der Sportkultur in Jena, in Thüringen und darüber hinaus.

Eine atemberaubende Reise durch die naturreiche Region Fischland-Darß-Zingst

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Die Region Fischland-Darß-Zingst, gelegen an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns, ist eine der schönsten und abwechslungsreichsten Urlaubsregionen Deutschlands. Sie erstreckt sich über die Halbinsel Fischland, den Darß und die Halbinsel Zingst und bildet zusammen eine faszinierende Naturlandschaft, die sowohl für Badeurlauber als auch für Naturliebhaber viel zu bieten hat.

Die einzigartige Geografie der Region ist geprägt von langen, feinsandigen Stränden, dichten Wäldern und malerischen Lagunenlandschaften. Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft erstreckt sich über weite Teile des Darß und Zingst und bietet zahlreichen bedrohten Tierarten, wie Kranichen und Seeadlern, ein geschütztes Zuhause. Besonders beeindruckend ist das alljährliche Naturschauspiel der Kranichrast im Herbst, wenn Tausende dieser majestätischen Vögel hier Rast machen.

Das Fischland, der westlichste Teil der Region, ist bekannt für seine weiten Strände und die charmanten Seebäder, wie Wustrow und Ahrenshoop. Ahrenshoop, einst ein Künstlerdorf, zieht auch heute noch viele Kunstschaffende und -interessierte an. Zahlreiche Galerien und Kunsthandwerksbetriebe zeugen von der kreativen Energie des Ortes.

Der Darß, mittig gelegen, beeindruckt durch seine dichten, ursprünglichen Wälder, die zum Nationalpark gehören. Der Darßer Wald lädt zu ausgedehnten Wanderungen und Radtouren ein. Die Westküste des Darß mit dem Darßer Ort und dem urigen Leuchtturm ist ein beliebtes Ziel für Naturliebhaber und bietet atemberaubende Ausblicke auf die rauhe Ostsee.

Zingst, der östlichste Teil der Halbinsel, ist ein moderner Kurort und ein beliebtes Urlaubsziel für Familien. Die gut ausgebaute touristische Infrastruktur mit zahlreichen Unterkünften, Restaurants und Freizeitangeboten sorgt für einen angenehmen Aufenthalt. Besonders beliebt sind die geführten Bootstouren auf den Boddengewässern und die erlebnisreichen Fahrradtouren durch die weitläufige Natur.

Die Region Fischland-Darß-Zingst ist nicht nur ein Paradies für Erholungssuchende, sondern auch ein bedeutendes kulturelles Zentrum. Traditionelle Feste und Veranstaltungen, wie das Tonnenabschlagen und die Zeesenboot-Regatten, bieten spannende Einblicke in die lokale Kultur und Geschichte. Darüber hinaus sind die zahlreichen Museen und historischen Bauwerke, wie das Kapitänshaus in Wustrow oder das Forst- und Jagdmuseum in Born, ein Muss für kulturinteressierte Besucher.

Dank ihrer vielfältigen Landschaften, der reichen Tierwelt und der harmonischen Verbindung von Natur und Kultur ist die Region Fischland-Darß-Zingst ein ganz besonderes Urlaubsziel, das zu jeder Jahreszeit seine Besucher verzaubert. Ob beim Strandurlaub, bei Wanderungen durch die unberührte Natur oder beim Erkunden der malerischen Dörfer – hier findet jeder das passende Erlebnis für einen unvergesslichen Aufenthalt.

Stephan Kramer über die Gefahr von Rechtsaußen in Thüringen

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Stephan Kramer, Präsident des Amtes für Verfassungsschutz in Thüringen, im Gespräch mit dem Journalisten Martín Steinhagen – Mittschnitt der Veranstaltung vom Mittwoch, 29. Mai, im Kulturzentrum Schlachthof Wiesbaden.

Stichworte zu den Inhalten:
» Wie real ist die Gefahr, die von der extremen Rechten in Thüringen ausgeht? Was bedeutet eine Machtübernahme von Rechtsextremisten für das Bundesland und für Deutschland?
» Welche Bedeutung haben die rechtsextreme AfD Thüringen und ihr Vorsitzender Björn Höcke für die Bundespartei? Woran macht sich die Einstufung der AfD Thüringen als „erwiesen rechtsextremistische Bestrebung“ fest?
» Welche Ursachen liegen der Stärke der extremen Rechten in Thüringen zugrunde? Warum erhält die AfD in den ostdeutschen Bundesländern so große Zustimmung?
» Welche Rolle spielt die Strategie einer radikalen „Mosaik-Rechten“? Haben sich im Zusammenspiel von Neonazis, Reichsbürgern, rechtsoffenen verschwörungsideologischen Mobilisierungen und der AfD neue demokratiefeindliche Allianzen gebildet?
» Welche Rolle spielt der Verfassungsschutz für den Schutz der Demokratie? Der Verfassungsschutz Thüringen hat bei der Bekämpfung des Rechtsextremismus lange mehr als versagt, die Szene und ihr Terrorpotential unterschätzt und ihr über V-Männer relevante finanzielle Ressourcen verschafft. Was hat sich beim VS Thüringen verändert?
Welche ambivalente Rolle spielen Verfassungsschutzämter als „Frühwarnsystem der Demokratie“?

Stephan Kramer ist seit 2015 Präsident des Amtes für Verfassungsschutz in Thüringen. Zuvor war er zehn Jahre lang Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er ist Mitglied des Stiftungsrates der Amadeu Antonio Stiftung.
Seine Amtsvorgänger spielten unrühmliche Rollen: Der Verfassungsschutz Thüringen hatte in den 1990er Jahren zahlreiche V-Leute in die Szene eingeführt und sie großzügig finanziell und logistisch unterstützt. Die Szene wuchs und radikalisierte sich, aus ihr ging u.a. der NSU hervor.

Martín Steinhagen arbeitet als freier Journalist in Frankfurt/Main, u.a. für DIE ZEIT und ZEIT ONLINE. Er recherchiert überwiegend zur extremen und militanten Rechten, Polizei und Justiz und hat jahrelang den hessischen NSU-Untersuchungsausschuss begleitet. 2021 erschien sein Buch „Rechter Terror: Der Mord an Walter Lübcke und die Strategie der Gewalt“.

Neues Senckenberg-Institut an der Uni Jena

©Jan-Peter Kasper/FSU

Jena. Heute wurde das Senckenberg Institut für Pflanzenvielfalt an der Friedrich-Schiller-Universität Jena gegründet. In Anwesenheit von Minister Wolfgang Tiefensee sowie Minister Timon Gremmels wurde das Institut als Bestandteil Senckenbergs in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen. Das neue Institut beherbergt unter anderem das Herbarium Haussknecht – mit etwa 3,5 Millionen Belegen eine der bedeutendsten europäischen Sammlungen von Pflanzen. Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Bettina Stark-Watzinger, gratulierte in einer Videobotschaft und betonte, dass „auch der Wissenschaftsstandort Deutschland von der Neugründung profitiere“.

Pflanzen spielen eine unverzichtbare Rolle in den Ökosystemen weltweit. Sie bilden die Grundlage des Lebens, indem sie Sauerstoff produzieren, Kohlenstoffdioxid binden und Lebensraum sowie Nahrung für zahlreiche Lebewesen schaffen. Ohne Pflanzen würden das Gleichgewicht der Natur, die Ökosysteme und das Klima so wie wir es kennen nicht existieren. Darüber hinaus sind Pflanzen für uns Menschen von unschätzbarem Wert als Nahrungsmittel und Quelle für Medizin und Rohstoffe.

„Jena ist eine Hochburg der Biodiversitätsforschung. Das neue Senckenberg-Institut fügt sich hervorragend in diese wissenschaftliche Tradition und das vorhandene Forschungsumfeld ein. Allein das in Jena ansässige Herbarium Haussknecht ist eine Sammlung von unschätzbarem Wert. Ihre wissenschaftliche Nutzbarkeit wird sich durch die Kooperation mit Senckenberg noch einmal deutlich erhöhen. Umgekehrt wird mit dieser Institutsneugründung die internationale Sichtbarkeit und Bedeutung der Jenaer Biodiversitätsforschung noch einmal deutlich gestärkt. Als Land unterstützen wir das Vorhaben deshalb auch finanziell in erheblichem Umfang“, sagt Thüringens Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee.

In Jena soll am achten Senckenberg-Institut zukünftig der Biodiversitätswandel im Anthropozän – dem durch den Menschen geprägten Zeitalter – mit modernen und innovativen Methoden in zeitlicher Tiefe und räumlicher Breite umfänglich analysiert werden. Die an der Universität Jena bereits etablierten Professuren für Integrative Taxonomie der Pflanzen und für Funktionelle Biodiversität der Pflanzen werden zukünftig mit zwei neuen Senckenberg-Professuren für Ökologie und Evolution der Moose sowie „Digital Collectomics“ gemeinsam die Sammlungsbestände des Jenaer Herbariums für ihre Forschungen verwenden, um den Biodiversitätswandel zu erforschen.

Prof. Dr. Georg Pohnert, vorläufiger Leiter der Friedrich-Schiller-Universität Jena, freut sich: „In Jena gibt es optimale Bedingungen für eine neuartige sammlungsbezogene Forschung und Lehre: Das Senckenberg-Institut wird eingebettet in die innovative Forschungslandschaft am Standort Jena. Forschungsschwerpunkte an unserer Universität, in denen Ökologie, Evolution und Biodiversität erforscht wird bilden ein perfektes Umfeld für die neue Einrichtung. Aber auch das Institut für Informatik, sowie das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig tragen zur Einbettung der neuen Aktivitäten bei. Weiterhin bestehen umfangreiche Anknüpfungspunkte und Kooperationen zum Exzellenzcluster Balance of the Microverse und zu außeruniversitären Forschungsinstituten wie dem Max-Planck-Institut (MPI) für Biogeochemie, dem MPI für Chemische Ökologie und dem MPI für Geoanthropologie.“

Das Herbarium Haussknecht zählt mit 3,5 Millionen Belegexemplaren zu einem der europaweit bedeutendsten Herbarien und ist zugleich die größte botanische Regionalsammlung Deutschlands. „Die Sammlung ist ein großer Schatz, der Potenziale für unterschiedliche Forschungsfragen birgt“, erläutert Prof. Dr. Christine Römermann, Leiterin des Senckenberg Instituts für Pflanzenvielfalt Jena und fährt fort: „Durch die Digitalisierung verknüpft mit ‚Imaging‘ und der Einbeziehung von Künstlicher Intelligenz und ‚Deep Learning‘, durch die Integration von Datenbanken, und durch die Anwendung molekulargenetischer Methoden kann nun das umfangreiche Potenzial dieser einzigartigen Sammlung für die Analyse des Biodiversitätswandels gehoben und geteilt werden.“ Römermann und ihr Team planen, die biologische Vielfalt und ihre Veränderungen sowie Wechselwirkungen räumlich explizit und über einen Zeitraum des letzten Jahrhunderts zu rekonstruieren. Auch Prognosen und Handlungsoptionen für die Erhaltung der Artenvielfalt sollen zukünftig von den Forschenden in Jena entwickelt werden.

„Das nunmehr achte Senckenberg-Institut ist Bestandteil unseres strategischen Erweiterungsvorhabens ‚Anthropocene Biodiversity Loss‘. Durch dieses können wir unseren systemischen Ansatz der Geobiodiversitätsforschung – der Erforschung der Vielfalt des Lebens mit den zahlreichen Wechselwirkungen im System Erde – in enger Kooperation mit den Partnereinrichtungen vor Ort konsequent weiterentwickeln und vertiefen. Um den drängendsten Herausforderungen unserer Zeit – der Zwillingskrise aus Biodiversitätsverlust und Klimawandel – begegnen zu können, ist es unabdingbar, Daten und Informationen in Wissen und schlussendlich in Handlungsoptionen umzuwandeln. Unsere Sammlungen – zu denen nun auch das beeindruckende Herbarium Haussknecht gehört – sind unersetzbare Archive der Natur. Wir können diese im Rahmen des Erweiterungsvorhabens zu digitalen Forschungsplattformen ausbauen und Sammlungsdaten mit globalen Daten zum System Erde verknüpfen. So übernimmt Senckenberg als Teil der Leibniz-Gemeinschaft Verantwortung für Mensch und Natur gegenüber künftigen Generationen. Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Beteiligten und Unterstützer*innen und freue mich außerordentlich über das neue Institut in unserer Senckenberg-Familie“, schließt Prof. Dr. Klement Tockner, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Autor: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Public Viewing verliert an Beliebtheit

Repräsentative Umfrage der Universität Hohenheim zu EM-Erwartungen, Vermarktung, Medienverhalten & sozialen Aspekten
Die EM als Medienereignis

Hohenheim. Public Viewing ist weniger beliebt als gedacht: Die Mehrheit der Deutschen will die Fußball-EM dieses Jahr lieber am privaten Fernseher verfolgen. Der Hauptgrund nicht ins Stadion zu gehen: Die Tickets sind den meisten zu teuer. Zu diesen Ergebnissen kommt die Fußball-EM-Studie unter der Leitung von Marketing-Experte Prof. Dr. Markus Voeth von der Universität Hohenheim in Stuttgart. Die Studie basiert auf einer Umfrage unter 1.000 Personen in Deutschland zu den Themen sportliche Erwartungen, Sponsoring und Sport-Vermarktung, Medienwirksamkeit sowie sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen. Die Universität Hohenheim veröffentlicht die Ergebnisse in vier Teilen.

Über 70 Prozent der Deutschen wollen die Spiele der Fußballeuropameisterschaft der Herren in diesem Jahr vor dem heimischen Fernseher verfolgen. Ein Hauptgrund ist das generelle Preisniveau der EM-Tickets, das die Mehrheit der Befragten als zu hoch empfindet. Lediglich die Preise für Spiele der Gruppenphase werden größtenteils als angemessen eingestuft.

„Trotzdem möchte knapp ein Drittel aller EM-Interessierten nicht auf die gute Stimmung sowie das Gemeinschaftsgefühl verzichten und die Spiele beim Public Viewing verfolgen“, so Studienleiter Prof. Dr. Voeth vom Fachgebiet Marketing & Business Development an der Universität Hohenheim. Auf der anderen Seite verzichten darauf 20 Prozent der Befragten aufgrund von Terrorangst und 34 Prozent geben „zu viele Menschen“ als Grund an, nicht zum Public Viewing zu gehen. Beliebte Alternativen sind das private „Public Viewing“ im Freundes- und Bekanntenkreis und das Verfolgen der Spiele in der Kneipe oder Bar.

„Wenn es darum geht, EM-Themen während der Arbeitszeit zu verfolgen, ist im Vergleich zu den vorherigen Turnieren die Toleranz der Arbeitgeber deutlich höher“, sagt Co-Studienleiter Tom Huhnke. „Im Durchschnitt gehen Befragte davon aus, rund 24 Minuten ihres Arbeitstages für die EM-Themen zu nutzen.“

Tickets für Deutschland-Spiele am begehrtesten – auch auf dem Schwarzmarkt

Fast 14 Prozent der Befragten haben sich über das offizielle Ticketportal der UEFA für ein Ticket bei der EM 2024 beworben. Davon haben 45 Prozent auch ein Ticket erhalten. Rund 10 Prozent der Befragten geben an, weiterhin auf der Suche nach Tickets zu sein. „Dabei scheint es für sie keinen Unterschied zu machen, ob die Tickets über die UEFA-Plattform oder über den Schwarzmarkt verfügbar sind“, so Stjepan Jurisic, der ebenfalls an der Leitung der Studie beteiligt war.

Am begehrtesten sind die Tickets für die Deutschland-Spiele: Zwei Drittel der Interessierten wären bereit, ein solches Ticket auf dem Schwarzmarkt zu erwerben, und würden dafür im Schnitt rund 184 Euro bezahlen. Dabei variiert die individuelle Zahlungsbereitschaft von 10 Euro bis maximal 2.000 Euro pro Ticket. Für Spiele anderer Nationalmannschaften würden immerhin noch 28 Prozent der Befragten Tickets auf dem Schwarzmarkt kaufen.

EM-bezogene Werbeaktivitäten wieder deutlich positiver eingestuft

Stand bei der umstrittenen Winter-WM 2022 in Katar die deutsche Bevölkerung WM-bezogenen Werbeaktivitäten von Unternehmen skeptisch wie nie zuvor gegenüber, hat sich die Einstellung wieder gewandelt: Die EM 2024 in Deutschland wird als potenzielle Werbeplattform deutlich positiver wahrgenommen. Werbemaßnahmen sind daher präsenter und werden vorteilhafter eingeschätzt.

„Unsere Studie zeigt jedoch auch, dass Werbeaktivitäten im Rahmen von Fußball-Weltmeisterschaften bei der deutschen Bevölkerung meist nur einen kurzfristigen Effekt haben“, sagt Prof. Dr. Voeth. „So können sich nur knapp 10 Prozent der Befragten noch an viele Produkte erinnern, die zur WM 2022 beworben wurden.“

„Wenn überhaupt, dann bietet sich EM-bezogene Werbung nach wie vor besonders bei Sportartikeln an“, ergänzt Tom Huhnke. Das sehen auch 80 Prozent der Befragten so. Mit jeweils rund 53 Prozent Zustimmung eignet sich aus Konsumentensicht die EM aber auch für die Bewerbung von Softdrinks und Textilien. Als eher ungeeignet empfinden die Befragten die EM als Werbeplattform für Mund- und Zahnpflegeprodukte, Schreibwaren sowie Mineralöl.

Bastian Schweinsteiger Deutschlands beliebtester TV-Experte

So überrascht auch nicht die Antwort auf die Frage, wie gut Fußballspieler zu den beworbenen Marken passen, sagt Stjepan Jurisic: „In den Augen der Deutschen sind sowohl Serge Gnabry und Adidas als auch Leroy Sane und Nike nahezu ein ‚perfect match‘. Die Werbepartnerschaft zwischen Kevin Trapp und About You wird dagegen als eher unpassend empfunden.“

Die geeignetsten TV-Experten für EM-Berichterstattungen sind für die Deutschen das Weltmeistertrio Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker und Christoph Kramer sowie Thomas Hitzlsperger. Auf einer Skala von 1 bis 6 erhielt der ehemalige Mannschaftskapitän den Bestwert von 4,8 Punkten. Auf dem zweiten Platz liegt Mertesacker mit 4,6 Punkten. Die beiden Ex-Nationalspieler Kramer sowie Hitzlsperger folgen mit jeweils 4,4 Punkten.

HINTERGRUND: EM-Studie 2024

„Football’s coming home! – Die Heim-EM 2024: Was denkt die deutsche Bevölkerung?“ lautet der Titel der EM-Studie 2024. Die Online-Umfrage unter 1.000 Teilnehmer:innen ist in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit bevölkerungsrepräsentativ. Durchgeführt wurde sie zwischen dem 1. Mai und 17. Mai 2024 vom Lehrstuhl für Marketing und Business Development der Universität Hohenheim sowie vom Lehrstuhl für Marketing der Universität Potsdam und dem Marktforschungsinstitut Dynata.

Das Fachgebiet von Prof. Dr. Markus Voeth begleitet die FIFA-Fußballweltmeisterschaften und UEFA-Fußballeuropameisterschaften der Männer seit 2001 mit regelmäßigen repräsentativen Bevölkerungsbefragungen. Schwerpunkte sind Themen wie Begeisterung, Pläne und Fanverhalten der Bevölkerung, ergänzt durch wechselnde Sonderschwerpunkte wie beispielsweise politische oder soziale Themen rund um die sportlichen Großereignisse. Einzel- und Langzeitstudien sollen einerseits Stimmungsindikatoren, andererseits auch konstruktiver Beitrag für eine erfolgreiche Organisation sein.


Weitere Informationen finden Sie unter
„Teil 1: Deutsche Fans glauben an Titelgewinn der Nationalelf“
„Teil 2: Kauflust der deutschen Fans gestiegen“

Schreibwettbewerb für junge Menschen ab 9 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern

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Voll romantisch schreiben!

Schwerin. Mach mit beim KLiP: Ihr seid aufgerufen, euch am Kinder- und Jugendliteraturpreis Mecklenburg-Vorpommern, kurz KLiP, zu beteiligen. Der KLiP richtet sich an Menschen zwischen 6 und 20 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern.

KLiP ist ein Schreibwettbewerb.

Wir suchen Gedichte, Kurzgeschichten oder auch szenische Texte. (Es können auch Texte in nichtdeutscher Sprache eingesandt werden. Diese werden für die Jury übersetzt.)

Der 250. Geburtstag von Caspar David Friedrich ist der Anlass für den Preis.

Daher auch das Motto: „Voll romantisch!“ – Schließlich war Friedrich ein Romantiker.

Seine Bilder und sein Leben können der Ausgangspunkt für eure Texte sein. Ihr könnt euch aber auch einfach an unserem Motto orientieren.


Voll romantisch schreiben!

Von weitem gesehen – nichts als Landschaften.
Aber genauer hingucken, lohnt sich. Habt ihr das Schiff entdeckt, das auf einem der Bilder von Eisschollen begraben wird? Was mag da an Bord geschehen sein? Wo ist die Mannschaft? Konnte sie sich retten?
Oder das Bild von dem Mann, der oben auf dem Berg steht. Er ist nur von hinten zu sehen. Er scheint auf die Wolken zu blicken. Wer könnte das sein? Was geht ihm wohl gerade durch den Kopf?
Oder die drei Leute, die sich den Kreidefelsen auf Rügen ansehen. Besser gesagt, das Meer, das zwischen den Bäumen hindurchschimmert.
Was machen sie da? Ob sie ahnen, dass die schönen weißen Kreidefelsen heute gar nicht mehr da sind?
Wenn Caspar David Friedrich heute leben würde, was für Landschaften würde er wohl malen?


Wer ist KLiP?
Ausgedacht haben sich KLiP der Literaturrat Mecklenburg-Vorpommern, das Literaturvermittlungsprogramm Weltenschreiber für M-V des Literaturhaus Rostock und das Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten. Zu gewinnen gibt es Sachpreise.

Wann ist KLiP?
Ihr könnt sofort anfangen zu schreiben.
Ladet eure Texte einfach über den Button „Bewerbung“ hoch. Bis zum 6. September 2024 könnt ihr eure Texte hochladen. Danach ist Schicht im Schacht.
Eure Texte sollten maximal 9000 Zeichen (mit Leerzeichen) lang sein, das sind ausgedruckt etwa fünf Normseiten.
Ihr müsst die maximale Länge nicht ausreizen. Euer Text darf auch kürzer sein.

Wer ist die KLiP-Jury?
In der Jury sitzen sechs Expertinnen und Experten für Kinder- und Jugendliteratur aus Mecklenburg-Vorpommern.
Die Jury liest sich alles, wirklich alles durch, was ihr einreicht. Dann sucht sie aus allen Altersklassen jeweils drei Texte aus, die ausgezeichnet werden.

Was gibt es bei KLiP zu gewinnen?
Gold, Diamanten, ein nigelnagelneues Auto.
Nein, stimmt gar nicht.

Wir haben Preise für euch, die mit Literatur und mit Mecklenburg-Vorpommern zu tun haben. Mehr verraten wir noch nicht. Seid gespannt!

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Kontakt
Literaturrat Mecklenburg-Vorpommern
Fachstelle Literatur
Everest Girard, Matthias Schümann
c/o St Spiritus
Lange Straße 49/51
17489 Greifswald

fachstelle(at)literaturrat-mv.de

instagram: literatur_rat_mv

Die Geschichte der VEB Pentacon Dresden in der DDR

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Der VEB Pentacon Dresden war ein bedeutender Hersteller von Kameras und optischen Geräten in der DDR. Der Betrieb entstand 1964 durch die Fusion mehrerer traditionsreicher Unternehmen der Dresdner Kamera- und Optikindustrie, darunter Zeiss Ikon, die Ihagee Kamerawerk und Welta-Kamera-Werk. Pentacon war der zentrale Kamera-Hersteller in der DDR und spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte der Fotografie.

Ursprünge und Entwicklung
Die Ursprünge von Pentacon reichen zurück bis ins 19. Jahrhundert, als in Dresden zahlreiche Firmen gegründet wurden, die Kameras und optische Geräte herstellten. Besonders Zeiss Ikon war weltweit bekannt für seine hochwertigen Kameras. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Dresdner Kamerabetriebe verstaatlicht und 1964 im VEB Pentacon zusammengeführt. Der Name Pentacon leitet sich von „Pentaprism“ und „Contax“ ab, einer früheren Kameramarke von Zeiss Ikon.

Produktspektrum
Pentacon produzierte eine breite Palette von Kameras, von einfachen Sucherkameras bis hin zu komplexen Spiegelreflexkameras. Eines der bekanntesten Modelle war die Praktica-Serie, die für ihre Zuverlässigkeit und hohe Bildqualität bekannt war. Die Praktica-Kameras wurden nicht nur in der DDR, sondern weltweit verkauft und erfreuten sich großer Beliebtheit bei Amateur- und Profifotografen. Auch die Exa- und Exakta-Modelle, ursprünglich von Ihagee entwickelt, wurden unter Pentacon weitergeführt.

Technologische Innovationen
Pentacon war bekannt für seine technologischen Innovationen. Die Kameras des Unternehmens waren mit fortschrittlichen Funktionen ausgestattet, die sie zu einem ernsthaften Wettbewerber auf dem internationalen Markt machten. Besonders die Praktica-Kameras zeichneten sich durch ihre robuste Bauweise und die Verwendung hochwertiger Materialien aus. Pentacon entwickelte auch eine Reihe von Wechselobjektiven, die in Kombination mit den Kameragehäusen eine große Flexibilität boten.

Herausforderungen und Niedergang
Trotz ihrer Erfolge stand Pentacon vor großen Herausforderungen. Die wirtschaftliche Situation in der DDR und die Konkurrenz aus dem Westen machten es dem Unternehmen schwer, technologisch auf dem neuesten Stand zu bleiben. Mit dem Fall der Mauer 1989 und der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 verschärften sich die Probleme. Die Firma musste sich der Marktwirtschaft stellen, und viele ehemalige Mitarbeiter verloren ihre Arbeitsplätze.

Nach der Wende erlebte der VEB Pentacon Dresden dramatische Veränderungen, die schließlich zum Ende des traditionsreichen Betriebs führten. Im Jahr 1990 übernahm die Treuhandanstalt, die für die Privatisierung der volkseigenen Betriebe der DDR zuständig war, das Ruder. Kurzzeitig zeigten japanische Investoren Interesse an Pentacon, entschieden jedoch, dass eine Zusammenarbeit aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unrentabel wäre. Auch die Umwandlung des Betriebs in eine privatwirtschaftliche GmbH konnte das Schicksal von Pentacon nicht wenden.

Die Probleme waren vielfältig: Die Produktionskosten waren hoch, die Kameramodelle technisch veraltet und die Konkurrenz aus Asien überwältigend stark. Pentacon legte zwar verschiedene Sanierungspläne vor, doch diese wurden von der Treuhand abgelehnt. Schließlich wurde das Unternehmen am 2. Oktober 1990 liquidiert. Diese Entscheidung markierte das Ende einer Ära in der deutschen Kamera- und Optikindustrie, in der Pentacon über Jahrzehnte hinweg eine bedeutende Rolle gespielt hatte.

Erbe und Bedeutung
Trotz der Schwierigkeiten hinterließ Pentacon ein bedeutendes Erbe. Die Kameras und Objektive des Unternehmens sind heute bei Sammlern und Fotografen sehr geschätzt. Pentacon spielte eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der Fotografie in der DDR und trug maßgeblich zur weltweiten Verbreitung von Spiegelreflexkameras bei. Die Geschichte von Pentacon ist ein faszinierendes Kapitel der Industriegeschichte, das die Innovation und Anpassungsfähigkeit der Dresdner Kamera- und Optikindustrie zeigt.

Wer mehr erfahren möchte: https://zeissikonveb.de