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Die unsichtbaren Klassen: Luxus und Lüge im DDR-Sozialismus

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Es roch nach Braunkohle und feuchtem Putz in den Straßen der DDR, doch hinter diskreten Türen und glänzenden Schaufenstern duftete es nach französischem Parfüm und frisch geröstetem Westkaffee. Während die offizielle Propaganda das Hohelied der klassenlosen Gesellschaft sang, etablierte die SED-Führung im Verborgenen ein perfides System der Ungleichheit, das die Bevölkerung in „Wir“ und „Die da oben“ spaltete.

Die Versorgungslage in den 1980er Jahren war prekär. Vor den Kaufhallen bildeten sich Schlangen für Bananen oder Ersatzteile. Doch parallel dazu existierte eine Schattenwirtschaft, die den Mangel für eine auserwählte Kaste außer Kraft setzte. Das sichtbarste Zeichen dieser Doppelmoral waren die „Exquisit“- und „Delikat“-Läden. Ursprünglich als Schaufenster des sozialistischen Wohlstands gedacht, wurden sie schnell zu Symbolen der Ausgrenzung. Hier gab es das, was der „Konsum“ nicht bot: italienische Schuhe, Schweizer Schokolade, Lachs und Ananas. Der Preis dafür war astronomisch, oft nur für jene erschwinglich, die über Westgeld verfügten oder Gehälter bezogen, von denen der Arbeiter nur träumen konnte.

Noch exklusiver und perfider war das System der „Sonderversorgung“. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit, in unscheinbaren Depots und versteckten Verkaufsstellen, bediente sich die Nomenklatura. Wer das richtige Parteibuch besaß, wer im Ministerium für Staatssicherheit oder im Zentralkomitee saß, für den galten die Gesetze der Planwirtschaft nicht. Eine spezielle Berechtigungskarte öffnete den Zugang zu einer Welt, in der Cavia, französischer Cognak und westliche Unterhaltungselektronik stapelweise lagerten. Organisiert wurde dieser staatliche Schmuggel maßgeblich durch die „Kommerzielle Koordinierung“ (KoKo) unter Alexander Schalck-Golodkowski, der Devisen beschaffte, um den Lebensstil der Elite zu finanzieren und den Staatsbankrott hinauszuzögern.

Die Intershops, jene glitzernden Inseln des Westens, in denen die D-Mark regierte, demütigten den DDR-Bürger täglich aufs Neue. Sie führten ihm vor Augen, dass seine eigene Währung und Arbeitskraft zweitrangig waren. Wer „Westverwandtschaft“ hatte, durfte teilhaben; wer nicht, drückte sich die Nase an den Scheiben platt.

Dieses System zementierte nicht nur materielle Unterschiede, es korrumpierte die Moral. Loyalität wurde gekauft – nicht mit Ideologie, sondern mit Bückware. Als die Mauer 1989 fiel, kollabierte auch dieses Kartell des Schweigens. Was blieb, war die bittere Erkenntnis vieler Bürger, dass die gepredigte Gleichheit nie mehr war als eine Fassade, hinter der sich eine privilegierte Oberschicht den Sozialismus bequem eingerichtet hatte.

Die geheimen Millionäre der DDR – Das Schattenreich des Reichtums

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Als die DDR gegründet wurde, stand ein großes Versprechen im Raum: Ein Land ohne Klassen, ohne Ausbeutung, in dem der Reichtum gerecht verteilt ist. Doch wer hinter die Fassade der sozialistischen Parolen blickte, erkannte schnell, dass auch im Arbeiter- und Bauernstaat manche gleicher waren als andere. Die offizielle Doktrin der Gleichheit wurde im Alltag durch ein feingesponnenes Netz aus Beziehungen, Privilegien und einer inoffiziellen Währung ausgehöhlt.

Schon früh zeigte sich, dass der „gleiche Lohn“ mehr Idee als Realität war. Während der Staat die Bescheidenheit als Tugend pries, etablierte sich im Verborgenen eine Schattenwirtschaft. Wer „jemanden kannte“, war König. Beziehungen – im Volksmund „Vitamin B“ genannt – wurden zur härtesten Währung des Ostens. Ein Telefonanschluss, eine neue Fliese fürs Bad oder ein Platz im Ferienheim: Nichts davon war schlicht käuflich, alles war verhandelbar für jene, die über das richtige Netzwerk verfügten.

Besonders perfide war die Rolle des Staates selbst. Während man den „Klassenfeind“ im Westen ideologisch bekämpfte, wurde seine Währung, die D-Mark, zum heimlichen Fetisch der DDR-Elite. In den Intershops und Exquisit-Läden offenbarte sich die Zwei-Klassen-Gesellschaft am deutlichsten. Hier, wo es nach Westseife und echtem Bohnenkaffee roch, endete die sozialistische Moral. Wer über Westgeld verfügte – sei es durch die „bucklige Verwandtschaft“ oder durch dunkle Kanäle –, konnte sich dem grauen Einheitsbrei entziehen.

Doch das System ging tiefer als nur bis zum Konsum. Es entstanden „Organisatoren“, Schattenunternehmer, die die Planwirtschaft am Laufen hielten, indem sie dort improvisierten, wo die Bürokratie versagte. Sie besorgten Material, das es offiziell nicht gab, und reparierten Maschinen mit Ersatzteilen, die nie geliefert wurden. Diese Menschen lebten in einer Grauzone: geduldet, weil nützlich, aber stets bedroht von der Willkür der Staatsmacht.

Der Gipfel dieser Doppelmoral war der Bereich Kommerzielle Koordinierung (KoKo) unter Alexander Schalck-Golodkowski. Hier agierte der Staat wie ein kapitalistischer Konzern, verschob Millionen auf geheime Konten und handelte mit allem, was Devisen brachte – von Antiquitäten bis hin zu Blutkonserven. Die DDR war am Ende moralisch bankrott, lange bevor sie finanziell kollabierte. Was blieb, war die Erkenntnis einer ganzen Generation: Dass man Gleichheit nicht verordnen kann, wenn die Gier im System selbst verwurzelt ist.

Hermann Henselmann: Der Architekt, der Ideologie in Stein meißelte

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Beton kann sprechen. Zumindest, wenn es nach Hermann Henselmann ging, sprach er die Sprache der Macht, der Ordnung und einer neuen gesellschaftlichen Utopie. Wer heute die Karl-Marx-Allee in Berlin entlangschreitet, wandert nicht nur durch eine Straße, sondern durch das versteinerte Ideal eines Mannes, der die visuelle Identität der DDR prägte wie kein Zweiter. Henselmann, 1905 als Handwerkersohn geboren, war weit mehr als ein bloßer Bauleiter; er war der Szenenbildner einer Republik, die sich über ihre Fassaden definierte.

Sein Weg war keineswegs geradlinig. Ausgebildet in der Weimarer Zeit, sog Henselmann zunächst die Prinzipien der Moderne auf – funktional, sachlich, sozial. Seine frühe Villa Kenwin am Genfersee war ein gläsernes Manifest dieser Haltung. Doch Geschichte wird selten in geraden Linien geschrieben. Mit dem Aufstieg der Nazis und dem späteren Zusammenbruch Deutschlands stand Henselmann vor den Trümmern alter Gewissheiten. Er entschied sich bewusst für den Osten, für die sowjetische Besatzungszone, getrieben von der Überzeugung, dass Architektur ein Werkzeug für den gesellschaftlichen Neuanfang sein müsse.

Der Wendepunkt kam in den 1950er Jahren. Die SED-Führung verwarf die „westliche“ Moderne als seelenlos. Was gefordert war, war Pomp, nationale Tradition und sowjetische Monumentalität. Henselmann, pragmatisch und visionär zugleich, lieferte. Er häutete sich vom Modernisten zum Meister des „Zuckerbäckerstils“. Die Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee) wurde sein Opus Magnum: Paläste für Arbeiter, reich verziert mit Keramik und Säulen, eine Inszenierung von Stärke und Stabilität. Er gab dem Sozialismus ein Gesicht, das jeder verstand.

Doch Symbole sind teuer. In den 1960er Jahren holte die ökonomische Realität die Visionen ein. Die DDR brauchte Wohnraum, schnell und billig. Die Ära des industriellen Plattenbaus brach an. Henselmanns dekorative Monumentalität galt plötzlich als bourgeois und verschwenderisch. Zwar behielt er Titel und Status, doch sein Einfluss erodierte. Er wurde zum Denkmal seiner selbst – geehrt, aber nicht mehr gehört. Die Plattenbau-Technokraten übernahmen das Ruder, und Henselmanns architektonische Poesie wich der Prosa der Fertigteilwerke.

Erst lange nach seinem Tod im Januar 1989, kurz vor dem Mauerfall, und nach den turbulenten Nachwendejahren, erfuhr sein Werk eine Renaissance. Heute wird die Karl-Marx-Allee nicht mehr nur als ideologischer Ballast, sondern als städtebauliches Gesamtkunstwerk von europäischem Rang begriffen. Henselmanns Bauten haben die Ideologie, die sie verherrlichen sollten, überlebt – ein stiller Triumph des Architekten über die Politik.

Verbotener Luxus: Die Parallelwelt der DDR-Elite

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Berlin, Hauptstadt der DDR. In den kühlen Morgenstunden roch die Stadt nach Braunkohle, Zweitaktgemisch und nassem Asphalt. Die Bürger warteten geduldig vor den HO-Läden, die Einkaufsnetze bereit für das, was der Tag bringen mochte – oder auch nicht. Doch nur wenige Straßen weiter, verborgen hinter unscheinbaren Fassaden und schweren Samtvorhängen, existierte eine völlig andere Realität. Eine Welt, in der der Sozialismus nach französischem Parfum, Havanna-Zigarren und äthiopischem Kaffee duftete.

Willkommen in der „geschlossenen Gesellschaft“. In exklusiven Restaurants wie dem „Ganimed“, dem „Haus am Döllensee“ oder dem „Club International“ zelebrierte die politische Elite der DDR einen Lebensstil, den es offiziell gar nicht geben durfte. Während in den Zeitungen Bescheidenheit als revolutionäre Tugend gepriesen wurde, servierten Kellner mit weißen Handschuhen in diesen hermetisch abgeriegelten Oasen Lachs aus Finnland, Schinken aus Ungarn und Weine aus Bordeaux. Diese Orte waren keine bloßen Gaststätten; sie waren die Bühne für ein System, das Wasser predigte und Wein trank.

Der Zugang zu diesen Enklaven war streng reglementiert. Ein Parteibuch allein reichte nicht; man musste „dazugehören“. Die Versorgung lief über spezielle Kanäle, oft orchestriert von der „Kommerziellen Koordinierung“ (KoKo) unter Alexander Schalck-Golodkowski, der Devisenbeschaffer des Staates. Was für den Export oder Intershops bestimmt war, landete hier auf den Tischen der Macht. Es war eine stille Währung: Privilegien gegen Loyalität.

Doch dieser Luxus hatte einen hohen Preis: die totale Überwachung. Die Stille in den mit Teppichen ausgelegten Räumen war trügerisch. Kellner waren oft inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit, geschult darauf, nicht nur zu servieren, sondern auch zu observieren. Ein zu lockerer Witz über die sowjetischen Brüder, eine sentimentale Erinnerung an den Westen oder ein Glas zu viel konnten eine Karriere beenden. In Lampenschirmen und Wandvertäfelungen versteckte Mikrofone zeichneten das Schweigen und das Flüstern auf. Die Elite saß in einem goldenen Käfig, den sie sich selbst gebaut hatte, gefangen in einem Ritual aus Genuss und Paranoia.

Diese Orte fungierten als Ventil für den enormen Druck eines Staates, der an seinen eigenen Widersprüchen zu ersticken drohte. Hier durfte man für Stunden vergessen, dass draußen die Planwirtschaft bröckelte. Doch je tiefer die Krise der 80er Jahre wurde, desto grotesker wirkte die Diskrepanz. Als im Herbst 1989 die Mauer fiel, endete auch das Zeitalter dieser bizarren Salonkultur. Die Vorhänge wurden aufgezogen, die Akten geöffnet. Was blieb, ist die Erinnerung an eine Zeit, in der Ungleichheit hinter verschlossenen Türen staatlich organisiert wurde – und der bittere Nachgeschmack einer Macht, die sich selbst am nächsten war.

Das diskrete Leuchten des Luxus: Die geheime Oberschicht der DDR

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In der offiziellen Lesart der Deutschen Demokratischen Republik war Reichtum ein Relikt des verhassten Kapitalismus. Die Losungen an den Fabrikmauern priesen Gleichheit, Brüderlichkeit und Solidarität. Doch hinter den grauen Fassaden der Plattenbauten und den hohen Mauern der Funktionärssiedlungen etablierte sich eine Realität, die den sozialistischen Traum ad absurdum führte: Eine Klassengesellschaft, in der nicht das Bankkonto, sondern Beziehungen, Parteibücher und der Zugang zu „Westgeld“ über den sozialen Status entschieden.

Schon früh zeigte sich, dass „Gleichheit“ eine hohle Phrase war. Während der Arbeiterstaat offiziell die Bescheidenheit predigte, wuchs hinter den Kulissen ein Netz aus Privilegien. Ein Parteiausweis oder der richtige Posten öffneten Türen, die dem gewöhnlichen Bürger verschlossen blieben. Es entstand eine Währung, die stabiler war als die Mark der DDR: Beziehungen. Wer jemanden kannte, der jemanden kannte, bekam das begehrte Ersatzteil, die Baugenehmigung oder den Platz im Ferienheim. Das Wort „organisieren“ wurde zum Synonym für das Überleben im Mangel.

Die wahre Elite jedoch, die Nomenklatura, lebte in einer völlig anderen Sphäre. In abgeschirmten Siedlungen wie Wandlitz genoss die SED-Führung einen Lebensstandard, der dem Westen in nichts nachstand – importierte Delikatessen, westliche Unterhaltungselektronik und maßgeschneiderte Kleidung. Die Doppelmoral war atemberaubend: Während man dem Volk den Konsumverzicht als revolutionäre Tugend verkaufte, trank man selbst französischen Cognac und fuhr schwedische Volvos.

Doch nicht nur die politische Elite profitierte. Es bildete sich eine „graue Ökonomie“ aus Handwerkern, Gastronomen und findigen „Organisatoren“, die die Lücken der Planwirtschaft nutzten. Sie waren die heimlichen Millionäre des Ostens. Ihr Reichtum war jedoch ein gefährliches Geheimnis. Man konnte ihn nicht zeigen. Luxus musste unsichtbar bleiben, versteckt hinter unscheinbaren Gartenzäunen, denn Neid und die Aufmerksamkeit der Staatssicherheit waren ständige Begleiter.

Auf staatlicher Ebene perfektionierte Alexander Schalck-Golodkowski dieses System mit dem Bereich „Kommerzielle Koordinierung“ (KoKo). Der Staat selbst wurde zum größten Hehler und Devisenschieber, um den bankrotten Sozialismus durch Geschäfte mit dem Klassenfeind am Leben zu erhalten. Ein zynischer Pakt: Die DDR brauchte den Kapitalismus, um ihre Existenz zu finanzieren.

Als die Mauer 1989 fiel, kollabierte nicht nur ein politisches System, sondern auch dieses Schattenreich. Die D-Mark, einst das Sehnsuchtsobjekt, wurde zum Richter. Viele der alten Netzwerke zerfielen, doch die Geschichte dieser geheimen Parallelgesellschaft bleibt ein Lehrstück über die Unmöglichkeit, die menschliche Natur per Dekret zu ändern. Was blieb, war die Erkenntnis: Wer im Sozialismus etwas brauchte, musste jemanden kennen – der ehrlichste Satz der DDR-Geschichte.

Thüringen prescht vor: Voigt verkündet „Jahr der Vereinfachung“ 2026

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Erfurt/Weimar – Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt hat auf der heutigen Regierungsmedienkonferenz weitreichende Ergebnisse der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) und des Thüringer Kabinetts vorgestellt. Im Zentrum standen dabei zwei wesentliche Erfolge für den Freistaat: eine umfassende Entbürokratisierungsoffensive und die Stärkung Weimars als Medienstandort.

Kampf dem „Bürokratiemonster“
Mit dem Ziel, das Leben für Bürger und Unternehmen spürbar zu erleichtern, kündigte Voigt das Jahr 2026 als „Jahr der Vereinfachung“ an. Bund und Länder haben sich auf rund 200 konkrete Maßnahmen geeinigt, die eine Entlastung von 16 Milliarden Euro und eine Reduzierung der Berichtspflichten um ein Drittel versprechen.

Ein Kernstück dieser Reform ist die sogenannte „Genehmigungsfiktion“. Künftig sollen vollständig eingereichte Anträge, die nicht innerhalb von drei Monaten bearbeitet werden, automatisch als genehmigt gelten. „Das ist ein Wendepunkt und eine Philosophieumkehr hin zu einer Kultur des Vertrauens“, betonte Voigt. Ausgenommen bleiben lediglich komplexe Planfeststellungsverfahren.

Auch spezifische Thüringer Initiativen fanden Gehör in Berlin: Die umstrittene Bonpflicht für das mittelständische Gewerbe, etwa in Bäckereien oder Friseursalons, soll fallen. Zudem entfällt für kleine und mittlere Unternehmen die Pflicht zur Bestellung eines Datenschutzbeauftragten, und die E-Mail soll künftig in vielen Bereichen die formelle Schriftform im Amtsverkehr ersetzen.

Neuer Medienrat in Weimar
Ein weiterer Erfolg für den Freistaat ist die Ansiedlung des neuen gesamtdeutschen Medienrates in Weimar. Das unabhängige Gremium, besetzt mit Experten, soll als inhaltliches Pendant zur KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten) fungieren. Seine Aufgabe ist die Kontrolle der Auftragserfüllung von ARD, ZDF und Deutschlandradio hinsichtlich Qualität, Ausgewogenheit und Meinungsvielfalt. Angesiedelt an der Bauhaus-Universität, soll der Rat den Medienstandort Thüringen weiter profilieren.

Konfliktfeld Finanzen
Trotz der Einigkeit bei der Modernisierung bleibt das Thema Finanzen ein Streitpunkt zwischen Bund und Ländern. Voigt mahnte erneut die Einhaltung des Konnexitätsprinzips an: „Wer bestellt, muss auch bezahlen.“ Insbesondere die explodierenden Kosten durch Bundesgesetze im Sozialbereich, wie dem Bundesteilhabegesetz, belasteten die Kommunen über Gebühr. Für das erste Quartal 2026 ist eine Sonder-MPK geplant, um hier Lösungen zu finden.

Zwischen Hochseehafen und Strandkorb: Ein Zeitdokument von 1978

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Der DEFA-Dokumentarfilm „DDR-Magazin 1978/12“ zeichnet ein Porträt des Bezirks Rostock, das heute wie eine Flaschenpost aus einer vergangenen Ära wirkt. Er zeigt eine Region im Spagat zwischen sozialistischer Industriemacht und der sommerlichen Leichtigkeit des Urlauberparadieses.

Es ist das Jahr 1978. Wer im Norden der DDR den Blick schweifen lässt, sieht nicht nur die weite See, sondern vor allem Kräne, Schlote und Stahl. Zumindest will es das „DDR-Magazin“ so. Der Film über den Ostseebezirk Rostock präsentiert die Region stolz als das „Tor zur Welt“. Wo einst – so der Duktus des Films – landwirtschaftliche Rückständigkeit herrschte, demonstriert nun ein ganzer Landstrich Weltniveau.

Der Rostocker Überseehafen bildet das pochende Herzstück dieser Erzählung. Hier wird rund um die Uhr gearbeitet; Lotsenboote manövrieren schwere Frachter durch das Gewässer, Güter aus der Sowjetunion und aller Welt werden umgeschlagen. Es ist ein Bild der Stärke und der internationalen Vernetzung, das hier gezeichnet wird. Die Warnow-Werft und die Energiegewinnung, euphemistisch als „Strom aus der Heide“ bezeichnet (gemeint ist das Kernkraftwerk bei Greifswald), dienen als Beweise für den geglückten Wandel vom Agrarland zum modernen Industriestandort.

Doch der Film fängt auch die andere Seite der Medaille ein: die Sehnsucht. Wenn im Sommer die Touristenzahlen die der Einheimischen übersteigen, verwandelt sich der „Arbeiterbezirk“ in die Badewanne der Republik. Die Kamera schwenkt über volle Strände in Warnemünde, zeigt das bunte Treiben zwischen Strandburgen und FKK, und dokumentiert die Erholung in den Heimen des FDGB-Feriendienstes. Es ist dieser Kontrast, der das Dokument heute so spannend macht: Die harte Arbeit auf der Werft steht direkt neben der sommerlichen Unbeschwertheit.

Auch städtebaulich wird der Zeitgeist der späten 70er Jahre sichtbar. Die historischen Hansestädte Wismar, Stralsund und Greifswald werden zwar für ihre Backsteingotik gewürdigt, doch der wahre Stolz gilt den Neubaugebieten. Die Plattenbau-Siedlungen werden als Lösung der Wohnungsfrage und Symbol für den gestiegenen Lebensstandard präsentiert – ein Versprechen auf Komfort mit Fernwärme und fließend Warmwasser.

Aus heutiger Sicht ist das „DDR-Magazin 1978/12“ mehr als nur Propaganda. Es ist eine visuelle Zeitreise in einen Alltag, in dem der Geruch von Dieselöl und Meersalz in der Luft lag und der Norden der Republik das maritime Aushängeschild eines ganzen Staates war.

Das Paradox von Magdeburg: Zufrieden im Privaten, Angst vor der Welt

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MAGDEBURG. Es ist ein sonniger Wintermorgen in Magdeburg, als Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und sein Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD) vor die Landespresse treten. Doch die Zahlen, die sie im Gepäck haben, zeichnen das Bild eines Bundeslandes, über dem dunkle Wolken hängen – zumindest in den Köpfen der Menschen. Der „Sachsen-Anhalt-Monitor 2025“ liegt vor, und er offenbart einen tiefen Riss, der sich durch die Gemütslage zwischen Arendsee und Zeitz zieht.

Das zentrale Ergebnis der Studie gleicht einem psychologischen Befund: Den Menschen in Sachsen-Anhalt geht es gut – aber sie glauben, dass alles schlechter wird. Die persönliche Lebenszufriedenheit verharrt auf einem bemerkenswert hohen Niveau. Die Arbeitslosigkeit ist vergleichsweise niedrig, die Reallöhne sind in den letzten Jahren gestiegen. „Wir haben uns diesen Wohlstand hart erarbeitet“, betont Haseloff, und es klingt wie eine Beschwörung der ostdeutschen Lebensleistung.

Doch sobald der Blick über den eigenen Gartenzaun schweift, kippt die Stimmung. 83 Prozent der Befragten äußern die Angst, künftig nicht mehr in Frieden leben zu können. 44 Prozent fühlen sich von den globalen Entwicklungen – Digitalisierung, Migration, Kriege – schlichtweg überfordert. Es ist die Rückkehr der „Ost-Angst“, jener spezifischen Unsicherheit einer Gesellschaft, die in 35 Jahren mehr Umbrüche erlebt hat als der Westen in 70.

Die fragilen Demokraten
Besonders alarmierend für die „Deutschlandkoalition“ in Magdeburg ist der Befund zur Demokratie. Zwar bekennt sich eine Mehrheit zur Demokratie als Staatsform, doch die Bindung ist brüchig. 54 Prozent der Sachsen-Anhalter klassifiziert die Studie als „fragile Demokraten“. Das sind Menschen, die das System nicht per se ablehnen, aber tief enttäuscht von dessen Output sind. Menschen, die erreichbar sind – aber eben auch verführbar.

Willingmann, der als Wissenschaftsminister für die Studie verantwortlich zeichnet, warnt vor falschen Schlüssen. Der harte Kern derer, die ein geschlossenes rechtsextremes Weltbild haben, liege stabil unter zehn Prozent. Doch die Grauzone ist riesig. Über die Hälfte der Befragten stimmt ausländerfeindlichen Aussagen zu oder hält den Islam für rückständig. Hier zeigt sich das Erbe einer homogenen Gesellschaft, die sich schwer damit tut, Heterogenität als Normalität zu akzeptieren.

Haseloffs Balanceakt
Für Reiner Haseloff ist dieser Termin ein Heimspiel und Minenfeld zugleich. Er, der dienstälteste Ministerpräsident, hat seine Popularität darauf aufgebaut, die ostdeutsche Seele zu streicheln und gleichzeitig väterlich zu ermahnen. Er deutet die Überforderung als verständliche Reaktion auf eine Welt im Wandel, warnt aber davor, den Rattenfängern von den Rändern auf den Leim zu gehen. „Wir dürfen uns unser Land nicht schlechtreden lassen“, ist sein Mantra.

Die politische Strategie dahinter ist klar: Die Landesregierung versucht, die Deutungshoheit über die Krise zurückzugewinnen. Indem man die Angst statistisch erfasst und benennt, will man sie den Populisten entreißen. Die Botschaft: Wir wissen, dass ihr Angst habt. Wir nehmen das ernst. Aber die Antwort ist nicht der Systemumsturz, sondern harte Arbeit an der Resilienz.

Ob diese Botschaft in den Plattenbauten von Halle-Neustadt oder den Dörfern der Altmark ankommt, bleibt offen. Der Monitor 2025 zeigt ein Land im Wartestand. Zufrieden mit dem Erreichten, aber panisch vor dem, was kommt. Es ist dieses typisch ostdeutsche Paradoxon, das auch das Wahljahr 2025/2026 bestimmen wird. Die Menschen wollen, dass alles so bleibt, wie es ist – und wählen dafür oft jene, die alles ändern wollen.

Der Überlebenskampf im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau

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Torgau. »Wenn mir vor 35 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich heute in aller Öffentlichkeit über den geschlossenen Jugendwerkhof in Torgau reden würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt.« Alexander Müller sitzt heute als freier Mann da, doch die Schatten seiner Jugend in der DDR reichen weit. Er ist ein Zeitzeuge jener brutalen Maschinerie, die Margot Honecker einst als notwendig für „Kriminelle“ bezeichnete, die in Wahrheit aber oft nur eines waren: unangepasst.

Geboren 1969 im sächsischen Bad Schlema, wuchs Müller in einer systemkritischen Familie auf. Schon früh eckte er an. Er verweigerte das FDJ-Hemd, wollte sich nicht vorschreiben lassen, welche Musik er hört oder wen er zum Freund hat. In den Augen der DDR-Pädagogik war der Jugendliche ein „Problemfall“. Die Konsequenz war drastisch: 1983 wurde der damals 14-Jährige gegen den Willen der Eltern zwangsausgeschult und in den Jugendwerkhof Burg verbracht.

Doch Müller blieb, wie er selbst sagt, der „Fuchs im Hühnerstall“. Er ordnete sich nicht unter. Was folgte, war die Verlegung in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau (GJWH) – die Endstation im Erziehungssystem der DDR. Diese Einrichtung, direkt dem Ministerium für Volksbildung unterstellt, hatte ein einziges, perfides Ziel: die Persönlichkeit der Insassen zu brechen, um „Umerziehungsbereitschaft“ herzustellen.

Müller beschreibt den Alltag in Torgau als eine Mischung aus militärischem Drill, physischer Gewalt und psychischer Zersetzung. Besonders berüchtigt war die sogenannte „Zockerei“ – als Sport getarnte Bestrafungsaktionen. Serien von bis zu 500 Liegestützen, Strecksprüngen und Kniebeugen sollten die Jugendlichen körperlich und mental mürbe machen. Hinzu kam Zwangsarbeit im Akkord, oft für westliche Zuliefererfirmen, für einen Hungerlohn von 70 Mark im Monat.

Alexander Müller kam zweimal nach Torgau. In seiner Akte stand der vernichtende Satz: „Es besteht bisher keine Aussicht auf Erfolg einer Erziehung.“ Doch gerade beim zweiten Aufenthalt entwickelte Müller eine innere Überlebensstrategie. In der Dunkelheit der Einzelarrestzellen fand er Halt im Gebet. »Ich bin nicht zerbrochen, nur ordentlich durchgebogen worden«, resümiert er heute.

Nach seiner Entlassung und einer schweren Zeit der Reintegration fand Müller seinen Mut wieder. Am 7. Oktober 1989 stand er in der ersten Reihe bei der Großdemonstration in Plauen – noch vor den entscheidenden Ereignissen in Leipzig. Torgau blieb für ihn lange eine „No-Go-Area“. Erst 2008 kehrte er zurück, stellte sich dem Trauma und der Geschichte. Heute kämpft er gegen das Vergessen und gegen die Verharmlosung der DDR-Diktatur. Seine Geschichte ist eine Mahnung daran, wie schnell ein totalitäres System die Menschlichkeit opfert – und wie stark der Wille zur Freiheit sein kann.

Haare ab, Uniform an: Ein ehrlicher DEFA-Blick auf die NVA-Wehrpflicht

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Rostock, 1971. Ein kühler Wind weht durch die Kasernentore, als für junge Männer aus der DDR ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Es sind 18 Monate, die ihre Jugend unterbrechen, 18 Monate „Dienst an der Waffe“. Der DEFA-Dokumentarfilm „Einberufen“ von Regisseur Winfried Junge ist ein bemerkenswertes Zeitdokument, das sich wohltuend von der üblichen militärischen Propaganda jener Jahre abhebt. Statt stählerner Helden zeigt Junge Menschen. Statt ideologischer Phrasen fängt er leise Zweifel und den pragmatischen Unmut der Rekruten ein.

Der Film dokumentiert den klassischen Ritus de Passage: die Verwandlung vom Individuum zum Rädchen im Getriebe der Nationalen Volksarmee (NVA). Die Kamera ist dabei, wenn die zivile Kleidung gegen das Einheitsgrau der Uniform getauscht wird. Sie hält drauf, wenn der Friseur routiniert die modischen Frisuren der 70er Jahre kappt – ein symbolischer Akt der Gleichschaltung, der in den gespiegelten Gesichtern der jungen Männer mehr erzählt als jeder Kommentar.

Junge, der später durch sein Monumentalwerk „Die Kinder von Golzow“ Filmgeschichte schreiben sollte, beweist auch hier sein Gespür für den authentischen Moment. Er zeigt den schmerzhaften Abschied von Freundinnen und Familien am Kasernentor, die Tränen und die unsicheren Blicke. Doch er fängt auch den Humor ein, der oft die einzige Waffe gegen den stumpfen Drill ist. Wenn ein Rekrut fragt, ob das morgendliche Wecken denn unbedingt mit der schrillen Trillerpfeife geschehen müsse, blitzt für einen Moment die Absurdität des militärischen Alltags auf.

„Einberufen“ ist keine Anklage, aber auch kein Werbefilm. Es ist eine Beobachtung. Wir sehen den Frühsport, die Ausbildung am Schützenpanzer und das Einrichten der Stuben. Der Film konserviert die Atmosphäre einer Ära, in der die Militarisierung der Gesellschaft zum Alltag gehörte, und gibt den namenlosen Soldaten, die ihre Pflicht erfüllten, ein Gesicht. Für den heutigen Zuschauer ist es ein unverstellter Blick in die Realität der DDR-Jugend – jenseits von FDJ-Hemden und Parteitagsreden.