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Gera 1990: Ein einzigartiges Zeitzeugnis in der ersten Phase der Währungsumstellung

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Gera, die Metropole Ostthüringens mit ihren etwa 140.000 Einwohnern, erstreckt sich malerisch in einem Talkessel entlang der Weißen Elster, umgeben von einer bergigen Landschaft. Diese geographische Lage prägte die Stadt ebenso wie ihre wechselvolle Geschichte, die von wirtschaftlichem Aufschwung, Krieg, sozialistischem Wandel und postsozialistischer Transformation gezeichnet ist.

Ursprünge und industrielle Blütezeit
Bereits im Mittelalter entwickelte sich Gera zu einem bedeutenden Zentrum des Handwerks und Handels. Tuchmacher und Bierbrauer bildeten einflussreiche Zünfte, die über Jahrhunderte das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben der Stadt bestimmten. Mit der Industrialisierung erlebte Gera im 19. Jahrhundert einen erneuten Aufschwung. Die Textilindustrie, später ergänzt durch Werkzeugmaschinenbau und optische Technologien, machte die Stadt zu einem der wirtschaftlichen Motoren der Region.

Die Zeit der DDR: Wirtschaft und Stadtbild im Sozialismus
Während der DDR-Zeit wandelte sich Gera zu einer typischen Arbeiterstadt. Betriebe wie der VEB Modedruck, Unternehmen der optischen Industrie und der Werkzeugmaschinenbau prägten die Wirtschaft. Zudem spielte der Uranbergbau, betrieben von der Wismut, eine entscheidende Rolle. Der Uranabbau diente hauptsächlich den sowjetischen Atomprogrammen und hinterließ sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Spuren.

Die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und die sozialistische Baupolitik formten das Stadtbild nachhaltig. Ganze Straßenzüge wurden abgerissen, um Platz für Neubauten in Plattenbauweise zu schaffen. Besonders die Neubausiedlung Lausanne galt als Vorzeigeprojekt des sozialistischen Wohnungsbaus. Hier lebte ein Drittel der Einwohner Geras, doch die technokratische Gestaltung der Plattenbauten ließ wenig Raum für soziales und kulturelles Zusammenleben. Erst in den 1970er Jahren begann man, historische Bauten wiederzuentdecken und zu rekonstruieren.

Die Wende: Wirtschaftlicher und sozialer Umbruch
Mit der politischen Wende 1989/90 stand Gera wie die gesamte DDR vor einer radikalen Transformation. Die Einführung der D-Mark am 1. Juli 1990 markierte den Beginn der wirtschaftlichen Neuordnung. Betriebe, die jahrzehntelang in einem planwirtschaftlichen System operiert hatten, mussten sich nun auf die Marktwirtschaft umstellen. Viele von ihnen, darunter die Wismut und das Zeisswerk, sahen sich mit drastischen Einschnitten konfrontiert. Die Schließung von Unternehmen und der damit verbundene Verlust von Arbeitsplätzen führten zu einer hohen Arbeitslosigkeit, insbesondere unter Frauen und älteren Arbeitnehmern.

Der Wandel brachte auch tiefgreifende soziale Veränderungen mit sich. Die Preise für Grundnahrungsmittel stiegen rapide, während die Einkommen vieler Bürger hinter den Lebenshaltungskosten zurückblieben. Die Menschen mussten sich an eine neue Realität anpassen, in der sie nun eigenverantwortlich für Versicherungen und die Zukunft ihrer Kinder sorgen mussten.

Gesellschaftliche Spannungen und politische Neuordnung
Die politischen Veränderungen spiegelten sich in den Wahlergebnissen der Kommunalwahl wider: CDU, SPD und PDS etablierten sich als dominierende Parteien. Doch die neue Parteienlandschaft brachte nicht nur Hoffnungen, sondern auch Unzufriedenheit. Finanzielle Probleme zwangen die Stadtverwaltung, Kredite aufzunehmen, während soziale Sicherungsmaßnahmen wie die Kinderbetreuung in Gefahr gerieten.

Die gesellschaftliche Unsicherheit führte zu Spannungen. Hausbesetzungen durch alternative Gruppen und die Zunahme rechter Gewalt verdeutlichten die Polarisierung. Rechtsradikale Skinheads nutzten die Instabilität, um ihre nationalistischen und ausländerfeindlichen Einstellungen zu propagieren. Die Polizei, die sich im Umbruch befand, hatte Schwierigkeiten, der wachsenden Gewaltbereitschaft Herr zu werden.

Ein Blick auf die Zukunft
Die Jahre nach der Wiedervereinigung waren für Gera von Herausforderungen und Hoffnungen geprägt. Während viele Menschen von der neuen Reisefreiheit und den Möglichkeiten der Marktwirtschaft begeistert waren, blieb die Unsicherheit über die Zukunft ein ständiger Begleiter. Dennoch zeigten der ungebrochene Wille zur Anpassung und die Suche nach neuen Perspektiven, dass Gera auch in schwierigen Zeiten resilient bleibt.

Geras Geschichte ist ein Spiegelbild der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert: Von der Blütezeit der Industrialisierung über die Zäsur des Zweiten Weltkriegs und die sozialistische Transformation bis hin zum Umbruch der Wiedervereinigung. Die Stadt hat stets gezeigt, dass sie in der Lage ist, sich neu zu erfinden. Heute steht Gera vor der Herausforderung, die Vergangenheit mit der Zukunft zu verbinden und sich als lebenswerte Stadt in Ostthüringen neu zu positionieren.

Die grausamen Verbrechen des Henkers von Buchenwald

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Buchenwald – ein Name, der untrennbar mit den dunkelsten Kapiteln der Menschheitsgeschichte verknüpft ist. Auf dem malerischen Ettersberg bei Weimar verbarg sich ein Ort, an dem unerträgliches Leid, systematische Unterdrückung und unfassbare Grausamkeiten den Alltag bestimmten. Unter den vielen Akteuren dieses Schreckensregimes ragt ein Name besonders hervor: Martin Sommer, bekannt als „der Henker von Buchenwald“. Sein Leben und Wirken verkörpern den extremeren Wahnsinn und Sadismus, der das NS-Regime prägte.

Ein unscheinbarer Anfang – Der Weg in die Finsternis
Martin Sommer wurde am 8. Februar 1915 in einer kleinen thüringischen Gemeinde als Sohn einfacher Bauern geboren. Bereits in jungen Jahren war sein Charakter von einer rauen Strenge geprägt. Der Bauernhof, die harten körperlichen Arbeiten und der disziplinierte Erziehungsstil seines Vaters hinterließen ihre Spuren. In einer Zeit politischer und wirtschaftlicher Umwälzungen offenbarte sich bald seine Verbannung in die Ideologien, die damals Deutschland erfassten.

Mit 16 Jahren trat er 1931 in die NSDAP ein – ein Schritt, der sein gesamtes Leben radikal verändern sollte. Zwei Jahre später folgte der Eintritt in die SS. Die nationalsozialistische Propaganda, die in Organisationen wie der Hitlerjugend und später der NSDAP allgegenwärtig war, formte nicht nur seine politischen Überzeugungen, sondern auch die brutalen Neigungen, die Sommer in den folgenden Jahrzehnten ausleben sollte.

Vom Bauernsohn zum sadistischen Vollstrecker
Die SS-Totenkopfverbände, zu denen Sommer 1935 kam, wurden zum Synonym für skrupellose Brutalität. Diese Eliteeinheiten, deren Hauptaufgabe es war, Konzentrationslager zu bewachen, boten ihm nicht nur Aufstiegschancen, sondern auch den Freiraum, seine bereits vorhandene Neigung zur Gewalt in schockierender Intensität auszuleben.

Innerhalb kürzester Zeit entwickelte er sich vom unauffälligen Bauernsohn zu einem gefürchteten Blockführer in Buchenwald. In dieser Position war er verantwortlich für die Überwachung und Bestrafung von Häftlingen – eine Aufgabe, in der er immer wieder neue, grausame Methoden der physischen und psychischen Folter einsetzte. Berichten zufolge zählte sein Repertoire unter anderem das Einfrieren von Menschen in Eiswasser sowie die sogenannte „Fahlhängefolter“, bei der Gefangene furchtbare Schmerzen durch gewaltsame Aufhängungen erlitten.

Buchenwald – Zwischen Kultur und Horror
Der Bau des Konzentrationslagers Buchenwald, der im Juli 1937 begann, stand in einem makabren Kontrast zur Kultur der Region. Der Ettersberg, ein Symbol der natürlichen Schönheit und der Nähe zur historischen Stadt Weimar, wurde zur Kulisse eines Grauens, das weit über die Landesgrenzen hinaus Schlagzeilen machte. Hier, inmitten des idyllischen Thuringens, entwickelte sich ein grausamer Ort der Vernichtung und Unterdrückung.

Sommer stieg in den Rängen weiter auf, erhielt 1937 die Leitung des sogenannten Bunkers – eines Arresttrakts, der zur systematischen Isolation und Demütigung der Häftlinge diente. In den 26 kleinen Zellen des Bunkers wurden körperliche und seelische Qualen zur täglichen Kost. Trotz regelmäßiger interner Untersuchungen wegen Korruption und Machtmissbrauch blieb sein sadistisches Handeln lange Zeit ungebremst.

Justiz und die späte Abrechnung
Gegen Ende der Kriegsjahre geriet Martin Sommer vermehrt ins Visier interner Ermittlungen. Vorwürfe der geheimen, eigenmächtigen Ermordungen und massenhaften Menschenrechtsverletzungen wurden laut, als auch aus der SS-Führung selbst Schritte zur Aufklärung eingeleitet wurden. 1943 endete zunächst sein Wirken in den Lagern, als er nach frontnahen Verwundungen und einer Gefangennahme der amerikanischen Streitkräfte in die Kriegsgefangenschaft gelangte.

Doch die Abrechnung mit seinen Taten verzögerte sich nicht – in den 1950er Jahren wurde er von einem ehemaligen Häftling in Berlin wiedererkannt, und ein neues Ermittlungsverfahren leitete letztlich den Prozess in Bayreuth ein. 1957 fand das Urteil statt: Sommer wurde wegen der Ermordung von mindestens 25 Häftlingen zu lebenslanger Haft verurteilt und verlor seine bürgerlichen Rechte.

Nach über drei Jahrzehnten in Haft endete sein Leben am 17. Juni 1988. Sein Name blieb ein Synonym für das Ausmaß menschlicher Grausamkeit, das in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches zur Tagesordnung wurde, und erinnert eindrücklich daran, wohin ungezügelter Sadismus und Machtmissbrauch führen können.

Ein Mahnmal an die Menschlichkeit
Die Geschichte von Martin Sommer, dem Henker von Buchenwald, illustriert eindrucksvoll die Abgründe, in die der menschliche Geist zu sinken fähig ist. Sie mahnt uns, nie zu vergessen, dass das Versäumnis von Gerechtigkeit und das Verharmlosen totalitärer Systeme den Nährboden für derart unfassbare Verbrechen bereiten können.

Buchenwald und die damit verbundenen Grausamkeiten sind nicht nur Kapitel in Geschichtsbüchern, sondern ein immerwährender Appell an die Verantwortung einer jeden Generation, sich für die Bewahrung der Menschenwürde und Freiheit einzusetzen.

Dieser Beitrag wurde im Rahmen einer Dokumentation erstellt, die sich der umfassenden Aufarbeitung der Verbrechen des NS-Regimes widmet. Die Erinnerung an die Opfer und das kritische Innehalten vor den Taten der Vergangenheit sollen als ewige Mahnung dienen: Wir müssen verhindern, dass sich solche Schatten wieder über unsere Geschichte legen.

Der Große Zapfenstreich der NVA zum 40. DDR‑Jubiläum

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Am 7. Mai 1989 versammelten sich Hunderte Berliner und Gäste der Hauptstadt auf der Prachtallee Unter den Linden, um dem Großen Zapfenstreich der Nationalen Volksarmee (NVA) 1989 zum 40. Jahrestag der Deutschen Demokratischen Republik beizuwohnen. Der Schauplatz, die Neue Wache von Karl Friedrich Schinkel, diente seit Jahrzehnten als Mahnmal für die Opfer von Faschismus und Militarismus und bildete den würdigen Rahmen für eine Zeremonie, die in ihrer pathetischen Strenge und ritualisierten Ästhetik die Geschichte und Selbstinszenierung der DDR widerspiegelt.

Pünktlich um 20:00 Uhr ertönte der erste Hornstoß, als das Ehrenbataillon des Wachregiments „Friedrich Engels“ in makelloser Formation auf den Vorplatz trat. Gewehrschulter, Marsch! Die Schritte klangen präzise auf dem Kopfsteinpflaster, während das zentrale Orchester der NVA gemeinsam mit dem Stabsmusikkorps und dem Spielmannszug der Stadtkommandantur den Abend eröffnete. Im Scheinwerferlicht traten Armeegeneral Heinz Kessler und weitere hochrangige Repräsentanten der SED sowie Vertreter der Sowjetarmee hervor, um die Soldaten zu begrüßen.

In einer knappen Ansprache würdigte Kessler die Verdienste der Truppe: „Genossen Soldaten und Matrosen, Unteroffiziere und Fähnriche, ich beglückwünsche Sie zum 40. Jahrestag der Deutschen Demokratischen Republik.“ Die Worte hallten in der stillen Fassade der Neuen Wache wider, bevor das Gewehr abgelegt und die Musik erneut ansetzte. Mit einem feierlichen Fanfarenstoß begann der traditionelle Teil der Gedenkzeremonie: Präsentiert das Gewehr! Augen rechts! Fahnenkommando, im Exerzierschritt Marsch!

Die akustische Dramaturgie wogte zwischen Militärmarsch und sinfonischer Elegie. Mal steigerte sich das Tempo zu aufrüttelnden Rhythmen, mal senkten sich die Töne zu getragenen Trauermusiken, die den Opfern des Faschismus und Militarismus gedenken sollten. Ein Glockenschlag markierte den Übergang zum stillen Teil, in dem die Flaggen gesenkt und die Gewehre zum Salut emporgehoben wurden.

Den Höhepunkt bildete der Vorbeimarsch des Ehrenbataillons: In strengem Takt rückten die Uniformierten an den Ehrengästen vorbei, deren Blicke von Würde und Staatsraison zeugten. Unter ihnen sah man Günter Schabowski, Inge Lange und Berlins Oberbürgermeister Erhard Krack. Die sowjetischen Militärdelegierten, angeführt von Generaloberst Meussier, erinnerten an die enge Bündnistreue zur UdSSR.

Gegen 20:45 Uhr endete das Zeremoniell mit dem letzten klangvollen Takt des Musikkorps. Applaus erfüllte den Platz, ehe sich die Reihen lösten und die Besucher in die Abendluft strömten. Der Große Zapfenstreich der NVA 1989 zum 40. Jahrestag der DDR wurde so zum historischen Schauspiel: Ein Ritual aus Disziplin und Symbolik, das an die Glanzzeiten der DDR erinnerte und zugleich die Widersprüche eines Systems vor Augen führte, das nur wenige Monate später politisch ins Wanken geriet.

Bau und Fall der Berliner Mauer (1961-1989)

Die Berliner Mauer, ein Symbol der Teilung Deutschlands und des Kalten Krieges, wurde am 13. August 1961 errichtet und fiel am 9. November 1989. Ihre Geschichte markiert eine Ära der politischen Spannungen und letztlich den Triumph des Freiheitsstrebens der Menschen.

Der Bau der Mauer (1961)
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt, verwaltet von den USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion. Berlin, inmitten der sowjetischen Zone gelegen, wurde ebenfalls in vier Sektoren geteilt. Die Spannungen zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion führten 1949 zur Gründung zweier deutscher Staaten: der Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Westen und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Osten.

Die DDR litt unter massiven Abwanderungen. Zwischen 1949 und 1961 flohen etwa 2,7 Millionen Menschen aus der DDR, viele davon über Berlin. Diese Fluchtwelle schwächte die DDR wirtschaftlich und politisch erheblich.

Um diesen Exodus zu stoppen, beschloss die DDR-Führung unter Walter Ulbricht, unterstützt von der Sowjetunion, eine drastische Maßnahme. In der Nacht zum 13. August 1961 begann der Bau der Berliner Mauer. Soldaten und Arbeiter riegelten die Grenze ab, errichteten Stacheldrahtzäune und später eine Betonmauer. West-Berlin war nun vollständig vom Osten abgeschnitten.

Das Leben mit der Mauer
Die Berliner Mauer war mehr als eine physische Barriere. Sie war ein tödliches Hindernis für diejenigen, die versuchten, aus der DDR zu fliehen. Die Mauer umfasste Betonwände, Wachtürme, Panzersperren und einen Todesstreifen, der von bewaffneten Grenzsoldaten patrouilliert wurde. Schätzungen zufolge kamen zwischen 1961 und 1989 etwa 140 bis 245 Menschen bei Fluchtversuchen ums Leben.

Für die Menschen in Berlin bedeutete die Mauer eine brutale Trennung von Familien, Freunden und Arbeitsplätzen. Während der Westen relativ frei blieb, herrschte im Osten ein repressives Regime, das Dissens mit harten Mitteln unterdrückte.

Der Fall der Mauer (1989)
In den 1980er Jahren begann die Sowjetunion unter der Führung von Michail Gorbatschow, politische und wirtschaftliche Reformen einzuführen. Diese „Perestroika“ und „Glasnost“ genannten Reformen beeinflussten auch die osteuropäischen Staaten, einschließlich der DDR.

In der DDR führte ein wachsender Unmut über das Regime zu Massendemonstrationen, insbesondere in Leipzig und Berlin. Diese „Montagsdemonstrationen“ forderten Freiheit und Reformen. Am 9. November 1989, nach wochenlangen Protesten und zunehmendem Druck auf die DDR-Führung, verkündete der SED-Funktionär Günter Schabowski in einer Pressekonferenz überraschend, dass die Grenzen geöffnet würden. Noch am selben Abend strömten Tausende von Ost- und West-Berlinern zu den Grenzübergängen, und die Mauer fiel.

Nachwirkungen
Der Fall der Berliner Mauer leitete das Ende der DDR und die Wiedervereinigung Deutschlands ein, die am 3. Oktober 1990 offiziell vollzogen wurde. Die Mauer bleibt ein starkes Symbol für die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands sowie für den Triumph des Freiheitswillens über autoritäre Regime. Heute erinnern zahlreiche Denkmäler und Gedenkstätten in Berlin an die Mauer und ihre Opfer, während Teile der Mauer als Mahnmale und touristische Attraktionen erhalten geblieben sind.

„Friedensstüchtig statt kriegstüchtig“ – Kundgebung zum 80. Jahrestag der Befreiung

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Berlin. Mehrere hunderte Menschen versammelten sich am frühen Abend im Berliner Tiergarten nahe dem Ehrenmal der Sowjetarmee, um gemeinsam den 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus zu begehen. Die Organisatoren der Kundgebung setzten dabei auf einen klaren Appell für Frieden, Diplomatie und deutsch-russische Verständigung – und positionierten sich deutlich gegen eine als „Kriegshysterie“ kritisierte Politik.

Bereits in seiner Eröffnungsrede zeichnete ein Sprecher in roten, weißen und blauen Farbtönen das Bild einer solidarischen Haltung. Mit einem Zitat Otto von Bismarcks – „Ewigen Frieden erreiche man nur, wenn man die Interessen aller berücksichtigt“ – prangerte er die Ausgrenzung russischer Diplomaten bei offiziellen Gedenkveranstaltungen an und lobte das besonnene Auftreten des russischen Botschafters. „Es ist unerträglich, russische Stimmen vom Mahnmal fernzuhalten“, so der Redner, der sich stattdessen für einen „Bismarckdialog“ einsetzte, der Deutsche und Russen im Gespräch zusammenbringt.

Im weiteren Verlauf kritisierten Redebeiträge eine zunehmende „geistige Aufrüstung“ in Europa: Das „Säbelrasseln“ westlicher Politiker und das Fehlen diplomatischer Initiative wurden als Symptome einer gefährlichen Politik bezeichnet. „Europa hat sich von einem Friedensprojekt zu einem Kriegsprojekt gewandelt“, warnte eine Rednerin und rief die Anwesenden auf, in ihren Wahlkreisen Druck auf Abgeordnete auszuüben: „Wir wollen nicht diese Kriegshysterie, wir wollen Frieden. Die Russen sind nicht unsere Feinde, sie sind unsere Freunde.“

Zeitzeugen als Mahnung
Ein zentraler Moment der Kundgebung war die Videobotschaft der 95‑jährigen Ludmilla Sirotta, einer Überlebenden der Leningrader Blockade. Sirotta schilderte eindringlich die Qualen des Winters 1941/42, die Hungersnot und den ungebrochenen Überlebenswillen der Bevölkerung. „Wir träumten täglich von der Öffnung einer zweiten Front“, berichtete sie. Ihr bewegter Appell endete mit einem Dank an die sowjetischen Soldaten und dem Wunsch nach andauernder Freundschaft zwischen den Völkern.

Musikalisch untermalte ein Ensemble aus vier Sängerinnen und Sängern den Abend mit dem Klassiker „Sag mir, wo die Blumen sind“, bevor der Berliner Sänger Vlad Meer russische Kriegsballaden von Wladimir Wyssozki interpretierte.

Brückenbauer zwischen den Nationen
Historikerin und Autorin Dr. Inge Pardon gab im Gespräch mit Alisa Tulpanova, Urenkelin des sowjetischen Militärwissenschaftlers Sergei Tulpanov, Einblicke in Leben und Werk des Familienpatriarchen. Tulpanov, der bereits als Jugendlicher an den Schlachten von Leningrad und Stalingrad teilgenommen hatte, zeichnete sich später in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands als Leiter für Presse, Rundfunk und politische Bildung aus. „Er war Brückenbauer im wahrsten Sinne des Wortes – halb Deutsch, halb Russe, zutiefst Humanist und Kommunist“, beschrieb Tulpanova.

Abschließend sendete Yuri Starovaczik, ehemaliger Bürgermeister von Wolgograd und Ehrenbürger von Hiroshima, eine Videobotschaft aus Russland. Er erinnerte an die historische Wende in der Schlacht um Stalingrad 1943 und zitierte Willy Brandt: „Versöhnung ist der Grundstein für dauerhaften Frieden.“ Auch er warb dafür, den Blick weg von Konfrontation und hin zu Verständigung zu richten.

Ausblick und Spendenaufruf
Die Organisatoren betonten, die Kundgebung sei unabhängig von staatlicher oder finanzieller Förderung aus Moskau organisiert worden. Mit Blick auf künftige Veranstaltungen riefen sie zu Spenden auf, um den Dialog zwischen Deutschen und Russen weiterzuführen. Unter dem Motto „Mehr Dialog als jede Waffe“ soll der „Bismarckdialog“ in den kommenden Monaten fortgesetzt werden.

Mit ihrem pazifistischen Programm und der Einbettung in persönliche Zeitzeugenerfahrungen hat die Berliner Kundgebung am russischen Denkmal den 80. Jahrestag der Befreiung zu einem leidenschaftlichen Plädoyer für Verständigung und Versöhnung gemacht – gerade in einer Zeit, in der internationale Spannungen erneut zunehmen.

Soziologe Steffen Mau über die (gefühlte) Spaltung der Gesellschaft

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Zu Gast im Studio: Steffen Mau, Soziologe und Professor für Makrosoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Mau gehört seit 2021 zum Sachverständigenrat für Integration und Migration.

Steffen Mau ist ein renommierter deutscher Soziologe und Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin. Geboren 1968, hat Mau eine beeindruckende akademische Karriere hinter sich, die ihn zu einem der führenden Köpfe in der deutschen Soziologie gemacht hat. Seine Forschung konzentriert sich auf soziale Ungleichheit, Wohlfahrtsstaaten, Sozialstruktur und soziale Wandlungsprozesse, insbesondere im Kontext der Globalisierung und Digitalisierung.

Mau studierte zunächst Soziologie an der Universität Bremen und promovierte dort 2000 mit einer Arbeit über die Transformation des Wohlfahrtsstaates. Nach seiner Promotion setzte er seine akademische Laufbahn in Bremen fort und erhielt 2004 eine Professur für Politische Soziologie an der Universität Bremen. Im Jahr 2010 wechselte er an die Universität Flensburg, bevor er 2015 den Ruf an die Humboldt-Universität zu Berlin annahm.

In seinen zahlreichen Publikationen setzt sich Mau mit den Auswirkungen globaler und europäischer Integrationsprozesse auf nationale Gesellschaften auseinander. Er untersucht, wie soziale Ungleichheiten und soziale Mobilität durch wirtschaftliche, politische und technologische Veränderungen beeinflusst werden. Ein zentrales Thema seiner Arbeit ist die Erosion sozialer Kohäsion und die Zunahme von Ungleichheiten in der modernen Gesellschaft.

Mau ist bekannt für seine kritische Analyse der neoliberalen Politik und ihrer Auswirkungen auf den Sozialstaat. In seinem Buch „Das metrische Wir: Über die Quantifizierung des Sozialen“ (2017) diskutiert er, wie die zunehmende Erfassung und Quantifizierung sozialer Phänomene durch Big Data und digitale Technologien unsere Gesellschaft verändern. Dieses Werk hat breite Beachtung gefunden und gilt als bedeutender Beitrag zur Soziologie der Digitalisierung.

Neben seiner akademischen Tätigkeit ist Steffen Mau auch in der Politikberatung aktiv und beteiligt sich an öffentlichen Debatten über soziale Gerechtigkeit und die Zukunft des Wohlfahrtsstaates. Er ist ein gefragter Redner und Kommentator in den Medien und trägt mit seinen Analysen und Vorschlägen zur Gestaltung einer sozial gerechteren Gesellschaft bei.

Mau hat für seine Arbeit mehrere Auszeichnungen erhalten, darunter den renommierten Leibniz-Preis 2021, der ihm für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen verliehen wurde. Dieser Preis unterstreicht seine Bedeutung und den Einfluss seiner Forschung auf die zeitgenössische Soziologie und die öffentliche Diskussion in Deutschland und darüber hinaus.

Sein Engagement und seine Forschung haben Steffen Mau zu einer einflussreichen Stimme in der deutschen Soziologie gemacht. Er wird weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Analyse und Lösung sozialer Probleme in einer sich rasch verändernden Welt leisten.

BSG Aktivist Schwarze „Pumpe“ – Ein Denkmal der DDR-Fußballkultur

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In der facettenreichen Geschichte des DDR-Sports gibt es Namen, die über die reine Bezeichnung eines Vereins hinausgehen – Namen, die Geschichten von Identität, Leidenschaft und Wandel erzählen. Die BSG Aktivist Schwarze Pumpe gehört zu diesen Ausnahmen. Schon allein der klangvolle, fast mystische Name „Pumpe“ weckt Erinnerungen an glorreiche Tage, an emotionale Erlebnisse im Jahnstadion und an eine ganz besondere Ära des regionalen Fußballs.

Zwischen Industrie und Leidenschaft
Die Geschichte der „Pumpe“ ist untrennbar mit der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung der Region Hoyerswerda verbunden. Im DDR-System stand der Betriebssport oft in enger Verknüpfung mit den heimischen Industriekonzernen. Beim Gaskombinat Schwarze Pumpe, dessen wirtschaftlicher Erfolg auf der Veredelung von Braunkohle beruhte, floss nicht nur Geld in die Produktionshallen, sondern auch in die Sportanlagen und in den Fußballverein. So wurde der Verein zu einem Symbol: Er war mehr als nur ein Team – er war Ausdruck des industriellen Fortschritts und zugleich ein Hort der regionalen Identität.

Glanzmomente und dramatische Wendepunkte
Erinnerungen an legendäre Trainer wie Peter Prell und Helden des Spiels wie Hartmut Jank prägen das kollektive Gedächtnis. Unter Prells zwölfjähriger Amtszeit erlebte die Mannschaft nicht nur sportliche Höhenflüge, sondern auch nervenaufreibende Momente, die in den Annalen des DDR-Fußballs unvergessen bleiben. Ein Highlight war der dramatische Pokalkrimi von 1984: Ein Treffer von Jank zwang den favorisierten Gegner in die Verlängerung – ein Moment, der für die Fans und den Verein gleichermaßen zum Symbol des unerschütterlichen Kampfgeistes wurde.

Doch nicht alles war Sonnenschein. Die Vereinsgeschichte kennt auch dunklere Kapitel, wie die Zwangsrückstufung in die Bezirksliga, die den Spielern als Mahnmal der damaligen politischen und wirtschaftlichen Zwänge diente. Solche Tiefpunkte waren Teil des Systems, in dem Leistung und Loyalität manchmal durch bürokratische Eingriffe und wirtschaftliche Kalküle überschattet wurden.

Der Wandel nach der Wende
Mit dem Wendeherbst 1989 begann für den Verein – wie für so viele andere auch – eine bewegte Übergangsphase. Die Zeiten, in denen Braunkohle und staatliche Unterstützung den Sport beflügelten, waren vorbei. Der Verein musste sich neu definieren, kämpfte um seine Existenz und wandelte sich von der Betriebssportgemeinschaft Aktivist zu einem modernen Fußballklub. Heute, unter dem Namen Hoyerswerda FC, findet man die einstigen Giganten des Spielfelds in den bescheidenen Gefilden der Kreis-Oberliga wieder – ein Spiegelbild des tiefgreifenden Wandels, den die Gesellschaft und der Sport in den vergangenen Jahrzehnten durchlebt haben.

Erinnerung und Identität – Das Erbe der Pumpe
Trotz der Veränderungen bleibt das Erbe der „Pumpe“ lebendig. In den Erinnerungen der Fans, in den Geschichten der ehemaligen Spieler und in den Chroniken der Region schwingt der Geist jener glorreichen Zeiten mit. Der Verein mag sich in den unteren Ligen behaupten müssen, aber sein Name – ebenso markant wie symbolträchtig – ruft Erinnerungen wach. Er steht für eine Ära, in der Fußball mehr war als nur ein Spiel: Er war ein Ausdruck des Zusammenhalts, ein Spiegelbild der sozialen und wirtschaftlichen Strukturen einer ganzen Generation.

Heute bleibt nur der Wunsch, dass auch in den neuen Zeiten wieder ein wenig der Glanz vergangener Tage auflebt – vielleicht nicht in Form von großen Siegen und Jubelmeilen, sondern als stille Hommage an eine Ära, in der der Verein und seine Anhänger im Gleichklang mit der Geschichte einer Region schlugen. Denn am Ende ist es dieser unvergessliche Mix aus industrieller Kraft, sportlichem Ehrgeiz und gelebter Gemeinschaft, der die BSG Aktivist Schwarze Pumpe zu einem wahren Denkmal der DDR-Fußballkultur macht.

Musikalische Lesung mit City-Legende Toni Krahl in Wurzen

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Wurzen. Am Abend des 12. April öffnete das Kulturhaus Schweizer Garten in Wurzen seine Pforten für einen besonderen Gast: Toni Krahl. Der Musiker, der fast fünf Jahrzehnte lang als Frontmann der legendären Band City bekannt war, lud vor rund 100 Gästen zu einer „musikalischen Lesung“ ein. Bewaffnet mit seiner Gitarre und seinem Buch, bot Krahl gemeinsam mit seinem Gesprächspartner Kai Suttner, dem ehemaligen Tourmanager der Pudies, einen Abend voller persönlicher Einblicke, Geschichten und natürlich Musik. Suttner führte mit dem „roten Faden“ durch das Programm, um Krahl, der sich manchmal „ein bisschen verwurstelt“, zu leiten und allerhand Persönliches und Hintergründiges zu entlocken.

Der Abend in Wurzen war eine Mischung aus Gesprächen, Lesungen aus Krahls Buch und immer wieder eingestreuten Liedern. Ein zentrales Thema war das Ende von City. Die Band hatte 2022 mit ihrer Abschiedstournee „quasi die letzte Runde“ gedreht. Krahl sprach vom „kollektiven Suizid“ der Band nach dem viel zu frühen Tod ihres Kollegen Klaus. Sie hätten beschlossen, das gemeinsame Vermächtnis – 50 Jahre zu erreichen, was auch Teil von Klaus‘ Therapie während seiner Krankheit gewesen sei – noch zu erfüllen. Dies sei ihnen auch in seinem Namen auf „sehr ehrenvolle und erfolgreiche“ Weise gelungen. City war und ist Krahls Leben, und er würde es im Grunde „noch mal genauso“ machen, auch wenn er ein paar Fehler vermeiden würde, die man aber vorher nicht wissen könne.

Auch das 1987 erschienene City-Album „Casablanca“ wurde thematisiert. Dieses Album markierte laut Krahl einen wichtigen Schritt: „city war nicht mehr nur am Fenster city lehnte sich weit hinaus mit klarem Blick auf die Realitäten draußen“. Die Platte mit Texten aus der Feder von Alfred Rösler-Kleint galt zu DDR-Zeiten als mutig und fand große Beachtung. Textzeilen wie „wollen wir uns kennenlernen müssen wir das Haus verlassen“ oder „wenn du Lastiges er wie aus einem Wel wandern wann wandern wann“ zeugen von dieser Haltung.

Toni Krahl spielte die Lieder an diesem Abend so, wie sie entstanden sind: mit Gitarre und Gesang. Er erklärte, dass die Band die Songs erst später im Studio einspielte, am Sound feilte und abmischte. Den wohl bekanntesten City-Hit, „Am Fenster“, spielte er jedoch nicht, da dieser Song laut ihm nur mit Geige wirke. Ohnehin habe er keinen einen Lieblingstitel, das sei wie einen Lieblingskind aus fünf Kindern auszuwählen. Auch wenn „Am Fenster“ durch seinen Erfolg und das „über Nacht in die Herzen der Leute gespielt“ eine Sonderstellung habe, seien ihm die anderen Lieder genauso viel wert.

Seit dem Ende von City befindet sich Toni Krahl im „Unruhezustand“. Er freute sich unglaublich, dass ihm die Band Silly zutraute und ihm „ihre Lieder anvertraut“. Er musste sich mit deren ganz anderen Themenvielfalt und Musik „schwer auseinandersetzen“ und die Songs für die Bühne „zu meinen machen“, da er nicht „die Telefonmo singen“ könne. Er teilte sich das Mikrofon mit Julia Neigel, einer „wunderbaren Sängerin“ und „radikal netten“ Kollegin. Nach zwei tollen Jahren sei nun aber Zeit für neue Pläne, denn Krahl kann nach eigener Aussage „die Füße nicht stillhalten“.

Die neuen Pläne münden in seinem ersten Soloalbum, das im September erscheinen soll. Es ist aber nicht gänzlich solo, da er eine Band gegründet hat: Tony Ko die Kings vom Prinzlauerberg (Kings mit X geschrieben). Das Album enthält ausschließlich neue Songs, die auch auf die Bühne gebracht werden sollen. Bei Live-Auftritten will die Band aber auch „kräftig mit der City Fahne wedeln“, da Krahl große Sehnsucht nach den alten Songs hat. In Wurzen gab er bereits eine Kostprobe des neuen Materials.

Die Besetzung von Tony Ko verspricht musikalische Qualität: Neben Krahl gehören dazu Reinhard Peter Reit (Gitarrist von Rockhaus), Tobias Unterberg (Cello, früher bei der Folk-Punk-Band zu Insta Buckets), André Kunze (Keyboards, Produzent der letzten sechs City-Alben und laut Krahl ein toller Künstler) sowie Carsten Klick am Schlagzeug (Projektmusiker, der u.a. mit Joachim Witt und Silly gespielt hat).

Toni Krahl sieht sein neues Album als „logische Fortsetzung“ von City, auch wenn die Musik durch die Zusammenarbeit mit anderen Individuen vielleicht etwas anders klingen wird. Seine musikalischen Wurzeln in den 70ern und 80ern seien aber unverkennbar. Mit einem Augenzwinkern merkte er an, dass er zur Verfügung stehe, wenn gesagt werde, „der Ostrck muss hier gerettet werden“.

Das Publikum in Wurzen zeigte sich begeistert. Krahl hatte sichtlich Spaß an der Musik. Die Gäste genossen die Anekdoten und die Geschichten aus Krahls langem Schaffen. Es sei faszinierend gewesen, die Geschichte von damals zu hören, und die Musik habe emotional berührt – „gab ein Sachen da waren wir schon in Tränen da ne“. Nach dem Konzert nahm sich Toni Krahl noch Zeit, signierte geduldig Alben, Bücher und CDs und stellte sich für Fotos zur Verfügung. Der Abend zeigte: Auch nach dem Ende von City ist Toni Krahl künstlerisch noch lange nicht am Ziel, sondern voller Energie und neuer Pläne.

Ganztagserziehung in der DDR – Alltag zwischen Bildung und Gemeinschaft

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In der DDR war die Ganztagserziehung für Schulkinder mehr als nur ein Betreuungskonzept – sie war fester Bestandteil des täglichen Lebens und prägte ganze Generationen. Nach dem regulären Unterricht und einem gemeinsamen Mittagessen folgte im Schulhort ein strukturiertes Programm, das Raum für Lernen, Kreativität und soziale Interaktion bot. Die Kinder lösten unter Anleitung ihre Hausaufgaben, entwickelten dabei Selbstständigkeit und lernten, Verantwortung zu übernehmen.

Die Aufnahmen aus dem Jahr 1988 in einer Schule an der Wilhelm-Firl-Straße im Wohngebiet „Fritz Heckert“ dokumentieren diesen besonderen Alltag eindrucksvoll. Auf den Bildern erscheinen junge Schülerinnen und Schüler, die in kleinen Gruppen an Aufgaben arbeiteten, spielerisch ihre Talente entdeckten und in Arbeitsgemeinschaften ihr Wissen erweiterten. Hier verschmolzen Lernen und Freizeit in einem harmonischen Zusammenspiel – ein Ansatz, der sowohl die Entwicklung sozialer Kompetenzen als auch die Vermittlung schulischer Inhalte förderte.

Lehrerinnen und Lehrer waren in diesem System nicht nur reine Wissensvermittler, sondern auch Betreuer und Mentoren. Sie sorgten dafür, dass jedes Kind individuell unterstützt wurde und zugleich die Werte der Gemeinschaft erlebte. Das strukturierte Betreuungsprogramm ermöglichte es, den Tag nicht nur nach schulischen Gesichtspunkten zu gliedern, sondern auch kreative und freizeitgestaltende Elemente gezielt einzubinden. Solidarität, Disziplin und Zusammenhalt standen dabei stets im Mittelpunkt.

Ein weiteres Kennzeichen der Ganztagserziehung war die enge Kooperation zwischen Schule und Elternhaus. Schon in jungen Jahren erlebten die Kinder, dass Bildung und gemeinschaftliches Miteinander untrennbar miteinander verbunden sind. Die täglichen Angebote boten die Gelegenheit, schulische Inhalte zu vertiefen und gleichzeitig praktische Fähigkeiten zu erlernen – ob beim Basteln, Musizieren, Sporttreiben oder handwerklichen Arbeiten. Diese integrative Herangehensweise bereitete sie auf das spätere Leben in einer sozial organisierten Gesellschaft vor.

Zudem spiegelte der Schulalltag das politische Selbstverständnis der DDR wider, in der Bildung als Schlüssel zur Gestaltung einer sozialistischen Gesellschaft galt. Der enge Kontakt zwischen Lehrkräften und Schülern, die Förderung der Gemeinschaft sowie das Erlernen von Selbstdisziplin waren wesentliche Bausteine eines kollektiven Fortschritts. Trotz ideologischer Prägungen bot dieser Ansatz für viele Beteiligte einen Ort des Lernens und des gegenseitigen Vertrauens.

Die fotografische Dokumentation jener Zeit ermöglicht uns heute einen lebendigen Einblick in den Schulalltag der DDR. Sie erzählt von einer Ära, in der pädagogische Konzepte weit über reine Wissensvermittlung hinausgingen und die soziale Entwicklung der Kinder in den Vordergrund rückten. Die Erinnerungen an diese Zeit sind vielfach nostalgisch, mahnen aber zugleich, die Vielschichtigkeit von Erziehungssystemen und den Stellenwert von Gemeinschaft in der Bildung nicht zu unterschätzen.

Abschließend lässt sich feststellen, dass die Ganztagserziehung in der DDR ein umfassendes Bildungserlebnis bot – ein Erbe, das den Grundstein für ein solidarisches Zusammenleben legte und noch heute nachwirkt. Die nachhaltige Wirkung dieser Erziehungsform zeigt sich in den Erinnerungen ehemaliger Schülerinnen und Schüler, deren persönliche Geschichten belegen, wie eng schulische Förderung und gemeinschaftliches Miteinander miteinander verwoben waren. Dieses einzigartige Konzept, das weit über den reinen Unterricht hinausging, bleibt als prägendes Kapitel einer besonderen Bildungszeit unvergessen.

Ein Blick auf Andreas Thom: Jung, erfolgreich und voller Potential

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Im März des Jahres 1985 richtet sich der Blick auf einen jungen Mann, der bereits mit 19 Jahren die Fußballbühne der DDR maßgeblich mitgestaltet: Andreas Thom. Mit einer Größe von 1,78 Metern und 68 Kilogramm Gewicht hat der Oberschüler bereits sechs Einsätze in der A-Nationalmannschaft vorzuweisen. Sein Debüt gab er dabei gegen Algerien in Aue.

Ein entscheidender Faktor in seiner bisherigen Entwicklung ist das Elternhaus in Herzfelde bei Berlin. Wie zu vernehmen ist, hat es einen großen Einfluss auf seine positive Entwicklung. Sein Vater, Richard Thom, war selbst Fußballspieler und langjähriger Übungsleiter bei der TSG Herzfelde. Für ihn stand außer Frage, dass sein Sohn Fußballspieler werden sollte, und er verfolgte Andreas‘ Weg mit besonderer Freude. Auch die Mutter unterstützte ihn stets, gerade in schwierigen Phasen. Eine solche frühe Schwierigkeit war Andreas‘ geringe Körpergröße von nur 1,28 Metern, als er mit sechs Jahren bei der TSG Herzfelde seine Leidenschaft für den Fußball entdeckte. Doch er ließ sich nicht aufhalten: Als Neunjähriger fiel er den Talentfindern des BFC Dynamo auf.

Es folgte ein kontinuierlicher Aufstieg durch die Schüler-, Jugend-, Junioren- und Männermannschaften. Gerade 18-jährig gab er 1983 seinen Einstand in der höchsten Spielklasse gegen Jena. Wenig später gelang ihm im Spiel gegen den 1. FC Lok Leipzig sein erstes Oberligator, nach Vorlage von Ernst. Er hat sich sehr schnell in die Mannschaft integriert und ist schnell in sie hineingewachsen.

Neben seinem Talent auf dem Platz zeichnet Andreas Thom eine offene und ehrliche Persönlichkeit aus. Er besitzt gute Charaktereigenschaften, ist sehr trainingsfleißig und immer zu einem Späßchen bereit. Aufgrund seines Alters lacht er noch viel. Auf dem Spielfeld liegen seine Vorzüge in der ausgeprägten Technik, der Antrittsschnelligkeit und auch im Kopfballspiel. Zudem verfügt er über Durchsetzungsvermögen, auch wenn hier noch Fortschritte möglich sind. Eine wichtige Entwicklung, die er machen muss, ist die vom Vorbereiter zum Vollstrecker. Dennoch hat er seine Qualitäten bereits unter Beweis gestellt: Nach seinem ersten Europapokaltor gegen die AS Rom folgte ein zweites gegen den FC Aberlin, und schließlich traf er effektvoll zweimal gegen Austria Wien. Mit ähnlichen Schussqualitäten wird am kommenden Sonnabend in Sofia gerechnet.

Ein persönliches Detail am Rande: Andreas hat einen Wellensittich namens Hansi. Hansi ist ein lieber Freund von Andreas und kann beeindruckende 142 Wörter sprechen. Die meisten davon hat ihm Andreas‘ Mutter beigebracht; die Worte „Tor“ oder „Fußball“ gehören bisher noch nicht zu Hansis Repertoire.

Andreas Thom verkörpert die Hoffnung auf eine erfolgreiche Fußballzukunft. Sein Talent, sein Fleiß und die Unterstützung seines Umfelds bilden das Fundament für seinen bisherigen Erfolg und das Potential, das noch in ihm steckt.