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Bundeskanzler Olaf Scholz „Die Botschaft der vielen war: Wir gehören zusammen!“

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Am 9. Oktober 1989 erlebte Leipzig einen historischen Moment, der in die Geschichtsbücher einging. Inmitten einer angespannten politischen Lage wagten es 70.000 Bürgerinnen und Bürger, gegen das DDR-Regime zu protestieren. Unter dem Motto „Wir sind das Volk“ schrieben sie Weltgeschichte. In einem Video erinnert Olaf Scholz an die mutigen Menschen, die trotz Drohungen und Gerüchten über gewalttätige Repressionen durch die Staatsgewalt auf die Straße gingen. Diese Demonstration, die von der Nikolaikirche ausging, war ein entscheidender Moment in der Friedlichen Revolution, der schließlich den Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands ebnete.

Olaf Scholz würdigt in seinem Statement vor allem den unglaublichen Mut der Demonstranten, die trotz ihrer Angst zusammenkamen, um ihre Freiheit einzufordern. Unter den Protestierenden waren Frauen, Männer, Junge und Alte, Arbeiterinnen, Professoren, Studentinnen und Künstler. Sie alle vereinte der Wunsch nach einem Leben in Würde, Freiheit und Gerechtigkeit. Scholz betont die Offenheit dieses „Wir“, das Menschen unterschiedlicher Hintergründe zusammenbrachte, die das diktatorische System der DDR nicht länger hinnehmen wollten.

Besonders berührend sei, so Scholz, die Botschaft, die von dieser Bewegung ausging: Die Menschen in Leipzig standen für den Zusammenhalt und den gemeinsamen Willen zur Veränderung. Sie protestierten gegen ein System, das keine freie Meinungsäußerung zuließ, und gegen Wahlen, die keine echte Wahlmöglichkeit boten. Diese Demonstration war der Beginn eines Prozesses, der schließlich zur friedlichen Wiedervereinigung Deutschlands führte.

Scholz betont in seinem Video, dass dieser Wandel nicht nur dem Mut der Demonstranten zu verdanken sei, sondern auch günstigen geopolitischen Umständen sowie der Unterstützung internationaler Freunde und Partner. Doch am Anfang stand die Entschlossenheit der vielen Menschen, die in Leipzig auf die Straße gingen und mit ihrer friedlichen Bewegung das DDR-Regime ins Wanken brachten.

Die Bedeutung dieser Leipziger „Mutnacht“, wie Scholz sie nennt, lässt sich bis heute spüren. Der Satz „Wir sind das Volk“, der damals gerufen wurde, steht für Zusammenhalt und den Kampf für Freiheit. Scholz macht deutlich, dass dieser Satz ein Vermächtnis ist, das sich niemand, insbesondere nicht von extremistischen Kräften, vereinnahmen lässt. Er ist ein Symbol für den Zusammenhalt in der Gesellschaft und den Wunsch, gemeinsam für eine gerechtere und bessere Zukunft einzustehen.

Wenn heute das 35. Jubiläum der Friedlichen Revolution gefeiert wird, so betont Scholz, feiern wir keine perfekte Einheit, sondern die vielen Erfolge, die trotz aller Herausforderungen erreicht wurden. Es geht nicht darum, dass alles problemlos verlaufen ist, sondern darum, wie viel die Menschen in der DDR und in Deutschland insgesamt trotz widriger Umstände erreicht haben. Scholz betont, dass die Worte „Wir sind das Volk“ und „Wir sind ein Volk“ nicht nur in den Geschichtsbüchern stehen, sondern auch heute noch relevant sind.

Scholz schließt sein Statement mit einer positiven Botschaft: Der Zusammenhalt, der damals in der Friedlichen Revolution sichtbar wurde, bleibt auch heute wichtig. Das Jubiläum ist eine Gelegenheit, die gemeinsamen Errungenschaften zu feiern und sich daran zu erinnern, wie viel uns als Gesellschaft eint. Die Friedliche Revolution war ein Zeichen dafür, dass der Wille der Menschen, in Freiheit und Würde zu leben, stärker ist als jedes autoritäre Regime. Und dieses Erbe wird auch in Zukunft weiterleben.

Chemnitz neu entdecken: Eine Stadt voller verborgener Schätze

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Mit einem Sack voller Vorurteile kam Laura Stephan vor vier Jahren eher widerwillig nach Chemnitz, einer Stadt, die oft im Schatten größerer Metropolen wie Leipzig oder Dresden steht. Für viele ist Chemnitz, eine Stadt am Rande des Erzgebirges, bloß eine unscheinbare Industriegroßstadt, die von den wirtschaftlichen Umbrüchen der Nachwendezeit gezeichnet ist. Doch was Laura damals nicht wusste: Diese Stadt sollte ihr Leben nachhaltig verändern. Heute kann sie sich keinen anderen Ort als Heimat vorstellen. Die Redakteurin beim ERF, einem christlichen Medienhaus, ist tief in die Stadt eingetaucht und hat das gefunden, was viele nicht sehen: Chemnitz ist mehr als graue Plattenbauten und stillgelegte Fabriken – es ist eine Stadt voller Kreativität, Hoffnung und einer pulsierenden Kulturszene, die sich unter der Oberfläche entfaltet.

In ihrem Film „Chemnitz – entdecke das Ungesehene“ nimmt Laura Stephan die Zuschauer mit auf eine Reise durch das Chemnitz, das nur wenige wirklich kennen. Sie zeigt Orte und Menschen, die das Besondere in dieser Stadt entdeckt haben, und erzählt ihre Geschichten. Es sind Geschichten von Mut, Zusammenhalt und von einer Stadt, die sich neu erfindet. Die Menschen, die Laura auf ihrer Reise trifft, verkörpern das Motto der Europäischen Kulturhauptstadt 2025: „Chemnitz“ – entdecke das Ungesehene.

Doro und Jens Tuffner von der Möbelgalerie Tuffner gehören zu diesen Menschen. In ihrer Galerie haben sie sich ganz dem Upcycling von Möbeln verschrieben. Was andere wegwerfen würden, verwandeln sie in Kunstwerke – so wie Chemnitz selbst, das sich von einer ehemaligen Industriestadt zu einem kreativen Zentrum entwickelt. Die Tuffners haben die Veränderungen in Chemnitz hautnah miterlebt und sind stolz darauf, Teil dieser Entwicklung zu sein. Für sie ist Chemnitz eine Stadt der Möglichkeiten, eine Stadt, in der man mit Ideen und Engagement viel bewegen kann.

Auch Jörg vom Bandbüro und Adrian von der Band Meniak verkörpern diesen Spirit. Das Bandbüro ist ein Treffpunkt für Musiker, ein Ort der Vernetzung und der Kreativität. Hier treffen junge Bands auf erfahrene Musiker, es entstehen neue Projekte und Kollaborationen. Jörg, der das Bandbüro leitet, ist überzeugt davon, dass Chemnitz ein perfekter Ort für die Musikszene ist. Die Stadt bietet Freiräume, die es anderswo nicht mehr gibt. Adrian, der Frontmann von Meniak, sieht das ähnlich. Für ihn ist Chemnitz eine Stadt, in der man sich als Künstler entfalten kann. Die Band Meniak ist ein gutes Beispiel dafür, wie Chemnitz Kreativität und Innovation fördert.

Josua Schulze, Pastor des „Blessings“, hat in Chemnitz nicht nur eine geistliche Heimat gefunden, sondern auch eine Gemeinschaft, die sich aktiv für das Wohl der Stadt einsetzt. Im „Blessings“, einer modernen Kirche in der Stadt, treffen sich Menschen aller Generationen, um gemeinsam über Gott und die Welt zu sprechen. Dabei steht der Gedanke im Vordergrund, die Stadt zu bereichern und einen positiven Einfluss zu nehmen. Josua und seine Gemeinde sind überzeugt davon, dass Chemnitz eine Stadt mit großem Potenzial ist und dass jeder dazu beitragen kann, dieses Potenzial zu entfalten.

Ein weiterer wichtiger Akteur in Chemnitz ist der Kulturhauptstadtpfarrer Holger Bartsch. In seiner Rolle bringt er Kirche und Kultur zusammen und setzt sich für die kulturelle Entwicklung der Stadt ein. Für ihn ist die Ernennung Chemnitz‘ zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 eine einmalige Chance, die Stadt auf eine neue Ebene zu heben. Er sieht darin eine Möglichkeit, die Stärken der Stadt zu zeigen und Menschen aus ganz Europa nach Chemnitz zu bringen. Theresa Seifert, eine junge Künstlerin, teilt diese Vision. Sie hat in Chemnitz nicht nur ihre kreative Heimat gefunden, sondern auch ein Netzwerk von Gleichgesinnten, die gemeinsam an der Zukunft der Stadt arbeiten. Für Theresa ist Chemnitz ein Ort der Inspiration, ein Ort, an dem man Neues schaffen und sich künstlerisch austoben kann.

All diese Menschen und Geschichten zeigen, dass Chemnitz viel mehr ist als das Bild, das viele von der Stadt haben. Die Ernennung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025 bietet Chemnitz die Möglichkeit, sich neu zu positionieren und das zu zeigen, was bisher oft im Verborgenen lag: die kreative, lebendige und innovative Seite der Stadt. Laura Stephan hat auf ihrer Reise durch Chemnitz genau diese Seiten entdeckt. Sie hat Menschen getroffen, die nicht nur in Chemnitz leben, sondern die Stadt aktiv mitgestalten und ihr ein neues Gesicht geben.

„Chemnitz – entdecke das Ungesehene“ ist mehr als nur ein Film über eine Stadt. Es ist ein Aufruf, genauer hinzusehen, sich auf das Unbekannte einzulassen und das Besondere im Alltäglichen zu entdecken. Chemnitz zeigt uns, dass es oft die unscheinbaren Orte sind, die das größte Potenzial haben. Laura Stephan ist ein Beispiel dafür, wie Vorurteile überwunden werden können und wie eine Stadt, die auf den ersten Blick vielleicht nicht glänzt, zu einem Ort der Heimat und der Inspiration werden kann.

Die Reise durch Chemnitz hat nicht nur Lauras Sicht auf die Stadt verändert, sondern zeigt auch, dass Chemnitz für viele Menschen ein Ort ist, an dem Träume wahr werden können – ein Ort, an dem das Unentdeckte darauf wartet, gesehen zu werden. Die Europäische Kulturhauptstadt 2025 wird diese Geschichten einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen und hoffentlich noch mehr Menschen in den Bann dieser besonderen Stadt ziehen.

Statements nach dem drittem Sondierungstreffen in Thüringen

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Zum drittem Sondierungstreffen stellten sich Vertreter der Thüringer CDU, der SPD und des Bündnisses „Soziale Wende“ (BSW) den Medien, um über den aktuellen Stand der Sondierungsgespräche zu berichten. In der Pressekonferenz, die von intensiven Themen wie Migration und Bildung dominiert wurde, gaben Andreas Bühl, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, Steffen Schütz, Kovorsitzender des BSW, und Katharina Schnitte, stellvertretende SPD-Landesvorsitzende, Einblicke in den Fortschritt der Verhandlungen.

Migration und Bildung als zentrale Themen
Andreas Bühl eröffnete das Pressestatement mit einem Rückblick auf die bisherigen Gespräche. „Wir haben bereits über Migration und Bildung gesprochen, zwei Themen, die die Menschen in Thüringen stark bewegen“, erklärte er. Diese Themen seien nicht nur zur Landtagswahl wichtig gewesen, sondern stellten auch zentrale Herausforderungen für die zukünftige Regierungsarbeit dar. Besonders im Bildungsbereich wolle man gegen den Unterrichtsausfall vorgehen und die Personalprobleme in den Schulen lösen. „Es gibt zahlreiche konkrete Maßnahmen, die wir besprochen haben, aber diese müssen im Falle von Koalitionsverhandlungen weiter ausgearbeitet werden“, so Bühl weiter.

Im Bereich Migration gab es bereits Fortschritte: Mit dem SPD-geführten Innenministerium seien erste positive Veränderungen zu spüren. „Wir sehen hier eine Chance, diesen Weg in einer neuen Koalition weiterzugehen“, sagte Bühl. Besonders die Fragen nach der Unterbringung von Flüchtlingen und schnelleren Rückführungen stünden dabei im Fokus.

Ein konstruktives Klima
Bühl lobte die Atmosphäre der Gespräche als konstruktiv und optimistisch. Trotz der großen Themen, die noch zur Diskussion stünden, sei er zuversichtlich, dass man in den kommenden Tagen weitere Fortschritte machen werde. Auch im Gesundheitsbereich, in der Justiz und bei innenpolitischen Themen gebe es noch Gesprächsbedarf.

Katharina Schnitte von der SPD griff diesen positiven Tenor auf und betonte, wie wichtig es sei, dass die Gespräche in einem Geist der Kooperation geführt würden. „Wir haben zwar Unterschiede in Sachfragen, aber uns eint der Wunsch, ein Aufbruchssignal zu senden und zu zeigen, dass Politik Veränderungen bewirken kann“, sagte sie.

Bildung: Ein Kernanliegen der SPD
Schnitte hob die Bedeutung des Themas Bildung für ihre Partei besonders hervor. „Unser zentrales Versprechen ist der Aufstieg durch Bildung. Wir wollen Thüringen zum familienfreundlichsten Bundesland machen“, erklärte sie. Es gehe nicht nur darum, atmosphärisch aufeinander zuzugehen, sondern auch konkrete Ergebnisse zu erzielen. Dabei sei es wichtig, politische Bausteine festzulegen, die am Ende in die Koalitionsgespräche eingebracht werden könnten.

Besonders erfreulich sei der Konsens über das Thema kostenfreies Mittagessen in den Schulen. „Das ist ein zentrales Anliegen der SPD, und wir haben hier die Zustimmung der möglichen Koalitionspartner erhalten“, berichtete Schnitte. Auch die beitragsfreien Kitajahre seien ein großes Thema, bei dem man sich einig sei, dass dies nicht rückgängig gemacht werden solle.

Migration: Ein schwieriges Thema, aber Fortschritte
Auch beim Thema Migration gab es Fortschritte. Schnitte erklärte, dass man sich darüber einig sei, die Plätze für die Aufnahme von Flüchtlingen in landeseigenen Einrichtungen zu erweitern und die Schließung der Einrichtung in Suhl weiter voranzutreiben. „Wir wollen die Zuständigkeiten Richtung einer zentralen Ausländerbehörde verlagern und die Flüchtlingsaufnahme effizienter gestalten“, sagte sie. Dies sei ein Punkt, der im weiteren Verlauf der Verhandlungen noch vertieft werden müsse.

Unterschiedliche Parteien, gemeinsames Ziel
Schnitte unterstrich, dass in den Sondierungsgesprächen drei sehr unterschiedliche Parteien aufeinandertreffen, die jeweils verschiedene Werte und Prioritäten vertreten. „Aber es geht darum, Kompromisse zu finden, die alle Seiten mittragen können“, so die SPD-Politikerin. Wichtig sei für die Sozialdemokratie, dass am Ende eine sozialdemokratische Handschrift erkennbar bleibe.

Abschließend äußerte sich Schnitte kritisch zu einem jüngst veröffentlichten Artikel, in dem diplomatische Bemühungen der Union gegenüber der neuen Wagenknecht-Partei thematisiert wurden. Sie betonte, dass Bundespolitik nicht in die Sondierungsgespräche hineinwirken dürfe. „Wir konzentrieren uns auf Thüringen und die Themen, die wir hier im Land bewegen können“, so Schnitte.

Ausblick auf die nächsten Schritte
Zum Abschluss der Pressekonferenz gab Andreas Bühl einen Ausblick auf die weiteren Sondierungen. Man sei bestrebt, bis Ende der Woche ein Papier vorzulegen, das den Parteien als Grundlage für weitere Verhandlungen dienen könne. „Unser Ziel ist es, bis Ende der Woche so weit voranzukommen, dass wir das Ergebnis unseren Gremien vorlegen können“, erklärte er.

Die Sondierungsgespräche in Thüringen gehen damit in eine entscheidende Phase. Es bleibt abzuwarten, ob die unterschiedlichen Parteien ihre Differenzen überwinden und gemeinsam eine tragfähige Koalition schmieden können.

Schmalkalden: Geschichte aus der Luft – Ein filmisches Meisterwerk

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Am Ende des neuen Films über Schmalkalden steht eine klare Aussage, die die Bedeutung dieser Stadt treffend zusammenfasst. Schmalkalden ist eine Stadt voller Geschichte, in der bedeutende Persönlichkeiten wie Martin Luther und Philipp Melanchthon während des Schmalkaldischen Bundes tiefe Spuren hinterlassen haben. Doch nicht nur diese Theologen, auch viele andere historisch bedeutsame Figuren prägten das Bild der Stadt, was im Film durch beeindruckende Sequenzen eindrucksvoll zum Ausdruck kommt.

Der Film beginnt mit einem eindrucksvollen Rundgang: Landgräfin Hedwig Sophie schreitet in einer blauen Robe durch den von ihr geschaffenen Terrassengarten des Renaissance-Schlosses Wilhelmsburg. Im majestätischen Riesensaal schaut Landgraf Wilhelm IV. auf sein prachtvolles Schloss hinab. Die Kamera hebt ab und zeigt eine Stadt, die von reich verzierten Fachwerkhäusern geprägt ist und ihren historischen Charme in jedem Winkel bewahrt. Diese Fachwerkhäuser sind nicht nur stumme Zeugen der Vergangenheit, sie erzählen von der wechselvollen Geschichte Schmalkaldens.

Während der Flug weitergeht, führt der Weg entlang kunstvoller Graffiti, darunter „The Day The Clown Cried“ von CASE und „The Bat“ von ROA. Diese modernen Kunstwerke fügen sich harmonisch in das Stadtbild ein und zeigen Schmalkalden als eine Stadt, die Tradition und Moderne gekonnt verbindet. Der Flug setzt sich fort in die Innenstadt, wo romantische Gassen, Cafés und Gaststätten eine beschauliche Atmosphäre schaffen.

Im Historischen Rathaussaal treffen der historische Bürgermeister und der heutige Bürgermeister Thomas Kaminski aufeinander. Diese Szene bringt die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart auf den Punkt. Auf dem Altmarkt wartet Herzogin Elisabeth von Rochlitz, die einzige Frau im Schmalkaldischen Bund und eine der einflussreichsten Frauen ihrer Zeit. Ihr Auftritt verdeutlicht die Rolle der Frauen in der Reformationszeit, die oft im Schatten ihrer männlichen Kollegen standen, aber dennoch entscheidenden Einfluss auf das Zeitgeschehen hatten.

Die Kamera führt den Zuschauer weiter zur spätgotischen Hallenkirche St. Georg, die majestätisch in die Höhe ragt. Begleitet von feierlicher Musik, sinkt die Kamera hinab in das Kirchenschiff, wo Philipp Melanchthon, einer der wichtigsten Weggefährten Luthers, auf den Zuschauer wartet. Melanchthon, als „Lehrer Deutschlands“ bekannt, ist eine zentrale Figur der Reformation und der Bildung. Die Szene unterstreicht, wie stark Schmalkalden mit den Ideen und Persönlichkeiten der Reformationszeit verbunden ist.

Im weiteren Verlauf des Films wird das typische Schmalkalden gezeigt: enge Gassen, liebevoll verzierte Fachwerkhäuser, kleine Läden und Boutiquen. Diese Bilder vermitteln das idyllische Kleinstadtleben am Rande des Thüringer Waldes. Die Kamera gewährt dem Zuschauer einen Blick in Luthers Wohnung, wo der Reformator symbolisch in einer Bibel blättert. Die Bibelübersetzung, die sich im Jahr 2022 zum 500. Mal jährt, ist ein zentrales Element der deutschen Sprach- und Kulturgeschichte. Diese Szene erinnert daran, welche Bedeutung Luther nicht nur für die religiöse, sondern auch für die sprachliche und literarische Entwicklung Deutschlands hatte.

Der Film endet mit beeindruckenden Aufnahmen von Schloss Wilhelmsburg, einer der prächtigsten Renaissanceanlagen Deutschlands. Im weißen Saal begrüßt Museumsdirektor Dr. Kai Lehmann die Zuschauer und nimmt sie mit auf eine Reise in die bewegte Geschichte Schmalkaldens. Die abschließende Botschaft des Films ist klar: Schmalkalden hat einen wichtigen Platz in der deutschen und internationalen Geschichte. Ohne die Ereignisse, die hier stattfanden, könnte die Welt heute ganz anders aussehen.

Dieses filmische Meisterwerk entstand in Zusammenarbeit zwischen der Stadt Schmalkalden, der Tourist-Information, dem Museum Schloss Wilhelmsburg, der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten sowie den Drohnenführern Maik und André Menz. Die außergewöhnlichen Luftaufnahmen wurden mit einem Multikopter (FPV) eingefangen, der es ermöglichte, dynamische Flüge aus ungewöhnlichen Perspektiven zu realisieren. Besonders beeindruckend ist, dass der Multikopter sogar in die historischen Innenräume der Stadt fliegen konnte, was dem Film eine besondere Nähe zur Stadtgeschichte verleiht.

Die sorgfältige Montage und Vertonung durch René Kellermann fangen nicht nur die Schönheit der Stadt, sondern auch deren emotionale und historische Tiefe ein. Mit viel Fingerspitzengefühl und einem Auge für den perfekten Moment entstanden so Aufnahmen, die die Stadt in all ihrer Pracht zeigen. Ein großer Dank gilt auch den zahlreichen Komparsen in historischen Gewändern, die das Stadtbild zum Leben erwecken und dem Film Authentizität verleihen.

Der Film ist nicht nur eine Hommage an Schmalkalden, sondern auch ein emotionales Erlebnis, das den Zuschauer direkt in die Geschichte dieser bemerkenswerten Stadt eintauchen lässt. Er begeistert und inspiriert zugleich, die Stadt selbst zu besuchen und die Eindrücke, die der Film vermittelt, mit eigenen Augen zu erleben.

Jena 1987: Der Wunsch nach Veränderung und die Entstehung unabhängiger Bewegungen

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Ende März 1980 fand in Erlangen ein bedeutendes Ereignis statt: die vierte deutsch-deutsche Städtepartnerschaft sollte ratifiziert werden. An der Spitze der Ehrengäste aus Jena war der Bürgermeister, der angesichts der angekündigten Teilnahme ehemaliger ausgewiesener Jenaer an der Feierlichkeiten seine Bedenken äußerte. Er verbat sich jeden störenden Kontakt und drohte mit seiner Abreise, sollte die Situation nicht seinen Vorstellungen entsprechen. Die Erlanger Stadtväter zeigten sich bereitwillig, seinem Wunsch nachzukommen, was auf die nach wie vor sensiblen Themen der deutschen Teilung und der politischen Verhältnisse hinweist.

Während sich die kommunalen Politiker in Erlangen um ein harmonisches Fest bemühten, war die Situation in der DDR jedoch von tiefgreifenden Veränderungen geprägt. Die Hoffnungen der Menschen richteten sich nicht nur auf den Austausch von Funktionären, sondern auch auf den Dialog und die Begegnung zwischen Bürgern beider deutscher Staaten ohne Ausgrenzung. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass das Bedürfnis nach Kommunikation und Verständnis über politische Grenzen hinweg in der Bevölkerung stark ausgeprägt war.

Zur gleichen Zeit, in Berlin-Kreuzberg, trafen sich junge Menschen aus Jena, die gerade aus der DDR geflohen waren. In der neuen Umgebung fühlten sie sich nicht einmal völlig fremd, da bereits einige Hundert ihrer Landsleute zwischen Türken und Westdeutschen lebten. Es war bereits die dritte Generation von DDR-Bürgern, die emigrierte. Die ersten waren in den 1970er Jahren nach der Biermann-Aussweisung geflohen, die nächsten in den frühen 1980er Jahren, als ihre friedlichen Aktivitäten nicht länger toleriert wurden.

In Jena, das gerade sein 750-jähriges Stadtjubiläum gefeiert hatte, waren die staatlichen Behörden unnachgiebig gegenüber der nicht angepassten Jugend. Private Amateuraufnahmen aus den 1970er Jahren zeigen eine lebendige Szene, die versuchte, sich der staatlichen Reglementierung zu entziehen. Jugendliche entwickelten eigene Vorstellungen von Kleidung, Musik, Politik und Lebensstil, was zu Treffen in der Stadt und Wanderungen mit bis zu 300 Personen führte. Diese Aktivitäten versetzten die Behörden in Panik, und viele erlebten die Härte der Ordnungshüter am eigenen Leib.

Besonders tragisch ist der Fall von Matthias Domaschk, der nach einem Verhör durch die Staatssicherheit zu Tode kam. Sein Tod löste landesweite Proteste aus, die bis heute nachwirken, ohne dass die genauen Umstände geklärt wurden. Friedensaktivitäten wurden gewaltsam unterbunden, und viele Beteiligte wurden zur Ausreise gedrängt. Roland Jahn beispielsweise wurde sogar zwangsabgeschoben. Für die nächste Generation, die damals noch zur Schule ging, war all dies Geschichte. Doch die Entscheidung, die DDR zu verlassen, war geprägt von den Erfahrungen ihrer Vorgänger, die mit ihren politischen Hoffnungen gescheitert waren.

Die Jugendlichen, die nun in Kreuzberg lebten, erlebten die starren Strukturen der DDR, die seit Generationen bestehen. Sie hatten die Aufgabe, ihren eigenen Weg zu finden und Freiräume zu entdecken, die im sozialistischen System oft nicht vorhanden waren. Aus diesen Versuchen entwickelten sich zahlreiche Aktionen, die zunächst unpolitisch waren, aber dennoch die Möglichkeit boten, außerhalb der staatlichen Kontrolle zu agieren.

Ein bemerkenswertes Beispiel ist die Floßfahrt auf der Saale, die von einer Gruppe junger Leute organisiert wurde. Sie hatten ein einfaches Floß aus Fässern gebaut und unternahmen eine dreitägige Fahrt von Jena bis Weißendorf. Trotz der primitiven Bauweise war das Erlebnis für alle Beteiligten ein großer Spaß. Leider dauerte es nicht lange, bis die Behörden einschritten und das Floß konfiszierten. Die Jugendlichen wurden von der Staatssicherheit verhört und mit Strafen bedroht, sollten sie erneut ähnliche Aktivitäten durchführen. Solche Aktionen verdeutlichen den ständigen Konflikt zwischen dem Drang nach Freiheit und den repressiven Maßnahmen des Staates.

In der DDR war es für die Jugend zunehmend schwierig, ihre Kreativität und Spontaneität auszuleben. Der Druck der Behörden war allgegenwärtig, und viele junge Menschen zogen es vor, sich in den Hintergrund zurückzuziehen, um Problemen mit den Ordnungshütern zu entgehen. Doch der Wunsch nach Selbstverwirklichung und Gemeinschaft blieb. Spontane Aktionen, wie das erste Open-Air-Frühstück in Jena, fanden großen Anklang bei der Bevölkerung. Die Jugendlichen hatten Tische eingedeckt, Musik gemacht und die Freude am gemeinsamen Essen und Feiern geteilt. Doch auch diese Freiheit wurde schnell von der Polizei unterbunden, die die Versammlung auflöste und die Teilnehmer mit Ordnungsstrafen belegte.

Die repressiven Maßnahmen der DDR führten dazu, dass viele Jugendliche sich diskriminiert und eingeschränkt fühlten. Es war nicht nur eine Frage des Ausweises, sondern auch eine Frage der persönlichen Freiheit und der Möglichkeit, ihre Ideen und Träume zu verwirklichen. Die Hoffnung auf eine Veränderung der politischen Verhältnisse blieb, und der Wunsch, mehr Freiräume zu schaffen, wurde laut.

Es wurde immer klarer, dass die Jugendarbeit und die Eigeninitiative der Jugendlichen von den Funktionären der DDR nicht verstanden oder toleriert wurden. Die Bürokratie erstickte oft die Spontaneität, die für die Entwicklung einer lebendigen Gesellschaft notwendig ist. Die persönlichen Erfahrungen und das Streben nach Veränderung prägten das Bewusstsein einer ganzen Generation und führten letztendlich zur Frage, wie es mit der DDR weitergehen sollte. Die Entstehung von unabhängigen Gruppen und Bewegungen war ein Zeichen für den wachsenden Wunsch nach Veränderung und einem Leben jenseits der staatlichen Kontrolle.

Diese Entwicklungen in Jena und der gesamten DDR waren Teil eines umfassenden Wandels, der in den folgenden Jahren zur Wende und schließlich zur Wiedervereinigung Deutschlands führte. Die Kämpfe der Jugendlichen und die Entbehrungen, die sie durchlebten, sind wichtige Kapitel in der Geschichte der deutschen Teilung und des Aufbruchs in eine neue Zukunft.

Bodo Ramelow zweifelt an Effektivität eines Corona-Untersuchungsausschusses

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Thüringens geschäftsführender Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) äußert deutliche Bedenken hinsichtlich der Effektivität eines geplanten Corona-Untersuchungsausschusses im Thüringer Landtag. Er ist skeptisch, ob ein solcher Ausschuss ausreichend breit gefasst werden kann, um die vielfältigen Folgen der Pandemie in angemessener Weise aufzuarbeiten. Seiner Meinung nach sei der Fokus eines Untersuchungsausschusses zu eng und beschränke sich hauptsächlich auf mögliche Fehler im regierungsamtlichen Handeln, während wesentliche Fragen zur zukünftigen Krisenbewältigung nicht behandelt würden. „In einem Untersuchungsausschuss gibt es einen eingeschränkten Suchradius. Dort werden ausschließlich Fehler im regierungsamtlichen Handeln untersucht, aber die Frage, was wir für die Zukunft aus der Corona-Pandemie mit Blick auf Resilienz lernen, wird nicht beantwortet“, betonte Ramelow in einem Interview mit der Presse.

Ramelows Forderung nach umfassender Aufarbeitung
Statt eines reinen Untersuchungsausschusses plädiert Ramelow für eine systematische Aufarbeitung der Pandemie, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene. Er spricht sich für die Einrichtung einer Enquete-Kommission aus, die die Pandemie und ihre Auswirkungen umfassend analysieren und dabei vor allem Zukunftsfragen in den Mittelpunkt stellen soll. „Ich bin seit längerer Zeit der Überzeugung, dass es eine systematische Aufarbeitung braucht“, erklärte der Ministerpräsident. Diese solle weniger auf die Frage der Schuldzuweisung fokussiert sein, sondern vielmehr die notwendigen Lehren für mögliche künftige Pandemien und ähnliche Krisensituationen ziehen. „Es geht nicht um Schuld, sondern um die Frage, welche Schlussfolgerungen für eine mögliche nächste pandemische Großlage zu ziehen sind“, stellte Ramelow klar.

Ein zentraler Punkt, der dabei untersucht werden müsste, sei die unzureichende Ausstattung mit medizinischem Material zu Beginn der Pandemie. Ramelow kritisiert, dass es anfangs keine Verpflichtung zum Tragen von FFP2-Masken gegeben habe und stattdessen selbst genähte Masken akzeptiert wurden. „Hintergrund ist ein Erkenntnisprozess, dass das Material nicht vorhanden gewesen ist“, erläuterte er. Die Tatsache, dass die Produktion von medizinischen Produkten wie Masken in der Vergangenheit ins Ausland verlagert worden sei, habe das Land in eine schwierige Lage gebracht. Dies sei eine wesentliche Lehre, die gezogen werden müsse, um in Zukunft besser auf ähnliche Situationen vorbereitet zu sein.

Unterschiedliche Ansätze zur Aufarbeitung der Pandemie
Trotz Ramelows Vorbehalte treibt die Opposition, bestehend aus der neuen Wagenknecht-Partei BSW (Bündnis Sahra Wagenknecht) und der CDU, die Einrichtung eines Corona-Untersuchungsausschusses im Thüringer Landtag voran. Dieser soll sich insbesondere mit der Rolle und Verantwortung der Thüringer Landesregierung in der Pandemie auseinandersetzen. Neben den 15 Abgeordneten der BSW haben auch CDU-Vertreter wie Fraktionschef Mario Voigt, der Parlamentarische Geschäftsführer Andreas Bühl sowie die Abgeordneten Beate Meißner und Marcus Malsch den Antrag auf Einsetzung des Untersuchungsausschusses unterzeichnet.

Andreas Bühl von der CDU betonte, dass seine Partei den Antrag unterstütze, obwohl sie ursprünglich eine Enquete-Kommission für den geeigneteren Weg gehalten habe. „Wir wollen zusammenführen und nicht spalten, dazu gehört auch Fehler einzuräumen“, sagte Bühl und fügte hinzu, dass die Union den Blick im Ausschuss „konstruktiv nach vorne richten“ wolle. Die Einrichtung einer Enquete-Kommission sei zwar der präferierte Weg der CDU gewesen, doch nachdem absehbar war, dass ein Untersuchungsausschuss kommen würde, habe die Union den BSW-Antrag unterstützt, um die nötige Mehrheit zu sichern. „Da jedoch absehbar war, dass es in jedem Fall einen Corona-Untersuchungsausschuss geben wird, haben wir dem BSW-Antrag zum Mindestquorum verholfen“, erklärte Bühl weiter. Bereits vor zwei Jahren hatte die Union im Landtag versucht, eine Enquete-Kommission zu initiieren, war jedoch gescheitert.

Vorbehalte gegenüber dem Untersuchungsausschuss
Trotz der breiten politischen Unterstützung für den Untersuchungsausschuss äußert Bodo Ramelow deutliche Zweifel daran, dass dieses Gremium die notwendigen Erkenntnisse für die Zukunft liefern wird. Er glaubt nicht, dass der Ausschuss in der Lage sein wird, tiefgreifende Lehren aus der Pandemie zu ziehen. „Dass der Ausschuss jetzt die notwendigen Lehren für die Zukunft zutage fördert, daran habe ich erhebliche Zweifel“, sagte Ramelow. Dennoch stellt er klar, dass er den Ausschuss nicht aktiv bekämpfen werde. „Aber ich werde diesen Ausschuss nicht bekämpfen und mich den Befragungen stellen“, kündigte er an.

Ramelow geht davon aus, dass die Einsetzung des Untersuchungsausschusses im Thüringer Landtag eine Mehrheit finden wird. Er selbst gehört weiterhin als Abgeordneter diesem Parlament an und wird sich dem Ausschuss in seiner Rolle als ehemaliger Ministerpräsident stellen. Dabei betonte er, dass es ihm wichtig sei, dass die richtigen Fragen gestellt werden – insbesondere mit Blick auf die zukünftige Krisenresilienz des Landes.

Die Rolle der Parteien bei der Aufarbeitung
Die Frage, wie die Corona-Pandemie und ihre Folgen politisch aufgearbeitet werden sollen, bleibt ein kontroverses Thema in Thüringen. Während die BSW und die CDU einen klaren Fokus auf die Untersuchung von Fehlern und Versäumnissen der Landesregierung legen wollen, sieht Ramelow die Notwendigkeit, weiter zu denken. Eine rein rückwärtsgerichtete Analyse der Pandemiepolitik reiche seiner Meinung nach nicht aus. Vielmehr müsse der Blick in die Zukunft gerichtet werden, um die Krisenfestigkeit von Staat und Gesellschaft zu stärken. Die SPD hatte bereits in der Vergangenheit die Einrichtung einer Enquete-Kommission gefordert, konnte sich jedoch in der damaligen Koalition nicht durchsetzen.

Mit der geplanten Einsetzung des Corona-Untersuchungsausschusses steht Thüringen nun vor der Herausforderung, die unterschiedlichen politischen Ansätze zur Aufarbeitung der Pandemie miteinander zu vereinen. Es bleibt abzuwarten, ob der Ausschuss tatsächlich in der Lage sein wird, sowohl die Vergangenheit aufzuarbeiten als auch die Weichen für eine bessere Krisenbewältigung in der Zukunft zu stellen.

Propaganda in Ost-Berlin 1950: Die DDR im Aufbruch

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Im Jahr 1950, nur ein Jahr nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 7. Oktober 1949, war Ost-Berlin das Zentrum der politischen Macht und das Schaufenster des sozialistischen Aufbaus. Die DDR-Regierung unter der Führung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) nutzte Propaganda intensiv, um das neu geschaffene sozialistische System zu legitimieren und die Bevölkerung zu überzeugen. Ost-Berlin, als Hauptstadt und Symbol des Sozialismus in Deutschland, spielte hierbei eine zentrale Rolle.

Propaganda als Instrument der Machtsicherung
Für die DDR-Führung war klar: Um die Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen und den Sozialismus als das „bessere“ System im Vergleich zur kapitalistischen Bundesrepublik zu präsentieren, musste die öffentliche Meinung konsequent gesteuert werden. Bereits 1950 zeigte sich, dass Propaganda in der DDR mehr als nur politisches Werkzeug war – sie wurde zum allgegenwärtigen Teil des öffentlichen Lebens. Überall in Ost-Berlin fanden sich Plakate, Schriften und Radiosendungen, die das Lob des Sozialismus verkündeten.

Die SED nutzte alle verfügbaren Medien – Zeitungen, Rundfunk und später das Fernsehen – um ihre Botschaften zu verbreiten. Im Jahr 1950 dominierte die „Neues Deutschland“, das zentrale Parteiorgan der SED, den öffentlichen Diskurs. Die Zeitung pries die Errungenschaften der DDR an, stellte den Aufbau der Schwerindustrie in den Vordergrund und propagierte die soziale Gerechtigkeit im Arbeiter- und Bauernstaat.

Personenkult um Stalin und Ulbricht
Ein wesentlicher Bestandteil der Propaganda war der Personenkult, der um Josef Stalin, den sowjetischen Führer, und Walter Ulbricht, den Vorsitzenden des DDR-Staatsrats und der SED, betrieben wurde. Stalin wurde als der „große Freund des deutschen Volkes“ verehrt, dessen Rote Armee das Land von den Nazis befreit habe und der nun den Aufbau des Sozialismus unterstützte. Ulbricht wurde als der Vorkämpfer der sozialistischen Sache in Deutschland dargestellt, ein Mann, der die Interessen der Arbeiterklasse verkörperte und das Land auf dem Weg zum Kommunismus führen sollte.

In Ost-Berlin wurden Denkmäler und Statuen zu Ehren Stalins errichtet. Der Personenkult fand sich auch in den Schulen und Lehrmaterialien wieder, wo die Leistungen der sozialistischen Führung gepriesen wurden. Dabei ging es stets um die Betonung der engen Verbundenheit zwischen der DDR und der Sowjetunion – ein Motiv, das sich durch alle propagandistischen Mittel zog.

Der Feind im Westen
Die Propaganda in der DDR zielte 1950 nicht nur darauf ab, den eigenen Staat zu loben, sondern auch den westdeutschen Kapitalismus als Feind zu brandmarken. Die Bundesrepublik wurde als das „imperialistische Bollwerk“ der USA und des Kapitalismus dargestellt, wo die Rechte der Arbeiterklasse mit Füßen getreten würden. In Ost-Berlin gab es große öffentliche Veranstaltungen, bei denen diese Gegensätze immer wieder betont wurden.

Besonders die Wiederbewaffnung Westdeutschlands und die Westintegration im Rahmen der NATO waren zentrale Themen der DDR-Propaganda. Diese wurden als Schritte hin zu einem neuen Krieg dargestellt, angeführt von den USA und unterstützt von westdeutschen „Kriegsverbrechern“, die in der Bundesrepublik wieder in hohen Positionen arbeiten würden. Gleichzeitig präsentierte sich die DDR als „Friedensstaat“, der für die Abrüstung und die Einheit Deutschlands in einem sozialistischen Rahmen kämpfe.

Propaganda im Alltag
Die Propaganda durchdrang auch den Alltag der Menschen in Ost-Berlin. Auf großen Paraden, wie dem 1. Mai oder dem „Tag der Befreiung“ am 8. Mai, wurden die Errungenschaften der Arbeiterklasse gefeiert. Die SED organisierte Massenkundgebungen, auf denen Arbeiter und Bauern als „Helden des sozialistischen Aufbaus“ dargestellt wurden. Ost-Berlin war voll von Symbolen und Bildern, die die Verbindung von Staat und Arbeiterklasse hervorhoben. Plakate zeigten muskulöse Arbeiter, die stolz auf ihre Arbeit waren, und Frauen, die im sozialistischen System gleichberechtigt waren.

In den Schulen wurde den Kindern von klein auf beigebracht, dass der Sozialismus das einzig wahre System sei. Die Helden des Zweiten Weltkriegs und die Befreier aus der Sowjetunion wurden verehrt. Lehrbücher und Lehrpläne waren durch und durch ideologisch geprägt und betonten den Klassenkampf und die Überlegenheit des sozialistischen Systems.

Zukunftsvision: Der Sozialistische Aufbau
1950 stand Ost-Berlin nicht nur als Symbol des gegenwärtigen Sozialismus, sondern auch als Vorbild für die sozialistische Zukunft. Die DDR-Propaganda zeichnete ein Bild einer strahlenden Zukunft, in der soziale Gerechtigkeit, Fortschritt und Frieden herrschen würden. Der Wiederaufbau der Stadt nach den Zerstörungen des Krieges wurde als gemeinsames Werk des Volkes gefeiert. Besonders der Wohnungsbau und der Aufbau von Fabriken und Schulen wurden als Meilensteine des sozialistischen Aufbaus hervorgehoben.

Große Pläne wurden verkündet, wie die DDR in kürzester Zeit zu einem modernen, sozialistischen Industriestaat aufsteigen würde, der den Westen in allen Belangen überholen werde. Die „Fünfjahrespläne“ der DDR, die in Anlehnung an das sowjetische Modell entwickelt wurden, sahen massive Investitionen in die Schwerindustrie vor. Diese Projekte wurden in der Propaganda als „Leuchttürme des Fortschritts“ dargestellt.

Propaganda als Mittel zur Legitimation
Die Propaganda in Ost-Berlin im Jahr 1950 war ein zentrales Mittel, um die DDR-Führung und das sozialistische System zu legitimieren. Durch eine geschickte Mischung aus Lob für die eigenen Errungenschaften, der Verherrlichung der Führerfiguren und der Verteufelung des westlichen Kapitalismus wurde eine stabile ideologische Grundlage geschaffen. Ost-Berlin war der Schauplatz, auf dem diese Inszenierungen stattfanden, und es diente der DDR als Modell für den Rest des Landes.

Die DDR befand sich im Jahr 1950 in einer Phase des Aufbaus und der Konsolidierung, und die Propaganda spielte dabei eine Schlüsselrolle.

Stasi und Bürgerproteste 1989: Der Wendepunkt der DDR-Geschichte

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1999 begann das Jahr auch für die Stasi mit mehrseitigen Planvorgaben: Politischer Untergrund und die Ausreisebewegung in der DDR sollten noch stärker zersetzt werden als bislang. „Jegliche Überraschung ausschließen“ hieß die Devise. Doch die Zeit war voller Überraschungen, besonders für die Stasi. Das Klima in der DDR war mutiger geworden. Nicht nur die Anzahl der Graffitis, die von der Stasi registriert wurden, zeugte von diesem Wandel. Es war das fünfte Jahr nach Michail Gorbatschows Amtsantritt in der Sowjetunion, dessen Politik von Perestroika und Glasnost das starr regierende Politbüro der DDR hartnäckig ignorierte. Nach dem Motto: „Wenn der Nachbar seine Wohnung neu tapeziert, gibt es keinen Grund, ihm nachzueifern.“ Die Nostalgie nach dem Status quo blieb ein Tabu, und schlimmer noch: Schon das Werben für Gorbatschow konnte zur Inhaftierung führen, wie eine Fotoserie der Fotografin Karin Kriegel vom 1. Mai 1989 eindrucksvoll dokumentiert.

In dieser angespannten Lage äußerten sich besorgte Stimmen aus der Staatsführung, die darauf hinwiesen, dass die Situation gefährlich sei. Doch der Mut der Bürger wuchs. Ein Vergleich mit den eigenen Schwierigkeiten schien nicht mehr möglich. „Die, die vom Leben ausgehenden Impulse der Gesellschaft aufgreifen und dementsprechend ihre Politik gestalten, dürften keine Angst vor Schwierigkeiten haben“, erklärte ein SED-Funktionär. Aber die Staatsmacht reagierte anders. Die Volkspolizei ließ ab Anfang 1989 gezielt trainieren, wie man Demonstranten in den Griff bekommt. Der Einsatz von Schutzschild und Helm sowie Zweikampf-Techniken wurden wichtig. Das Ziel war klar: Proteste sollten im Keim erstickt werden. Zahlreiche zivile Kräfte wurden vor Ort mobilisiert, um sicherzustellen, dass Demonstranten keine Öffentlichkeit erhielten, wie etwa am Rande der Leipziger Messe.

Trotz dieser massiven Repression wuchs der Bürgermut. Die regierende SED verzeichnete in ihren Lageberichten einen starken Mitgliederverlust. So wurden im Rapport der Kreisleitung allein Anfang Oktober 1989 59 Austritte dokumentiert – ein beispielloser Vorgang. Offen drohten Bürger ihrem maroden Staat mit einer Vielzahl von Protesten. Bis zum Mai 1989 registrierten staatliche Stellen 220.000 Eingaben von DDR-Bürgern. Die Hälfte davon drohte, an den bevorstehenden Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 nicht teilzunehmen, wenn sich ihr Alltag nicht verbessere. Für die SED, die alleinherrschende Partei, kam es noch härter: Bei der Kommunalwahl kontrollierten erstmals junge, kritische Wähler die Auszählung der Stimmen. Schnell stellte sich heraus, dass es Wahlfälschungen im großen Stil gegeben hatte. Zahlreiche DDR-Bürger schrieben Anzeigen an die Generalstaatsanwaltschaft, die jedoch auf Weisung der Stasi nicht bearbeitet wurden. Proteste wurden vom autoritären Staat als Diskreditierung der Wahlen gewertet, und die SED griff durch.

Jeden 7. eines Monats verabredeten sich Bürger zu Protesten. So auch am 7. September 1989 auf dem Alexanderplatz, wo Demonstranten verhaftet wurden. Diese Bilder wurden von einem Kamera-Team eingefangen, und ein Passant hielt sie fälschlicherweise für das Westfernsehen. Der Mut der Bürger wurde sichtbar, als sie ihre Stimme erhoben und Freiheit forderten. Auch im ersten Quartal 1989 registrierte die SED fast 89.000 Ausreiseanträge, von denen nur rund 6.000 bearbeitet wurden. Die Bürokratie war mit dieser Bewegung völlig überfordert. Der Druck auf die DDR nahm zu, als Ungarn im Mai 1989 seine Westgrenze nach Österreich öffnete. Mehr als 33.000 DDR-Touristen nutzten zwischen Juni und Oktober 1989 diese Möglichkeit zur Flucht. Eine ähnlich hohe Anzahl flüchtete in die diplomatischen Vertretungen der Bundesrepublik, vor allem in Prag, wo Ende September mehr als 8.000 Flüchtlinge aus der DDR auf das Gelände der Botschaft gelangten.

Eine Woche vor dem 40. Geburtstag der DDR wurden die Flüchtlinge schließlich unter Druck von Moskau und Bonn dazu gebracht, mit der Bahn auszureisen. Doch die DDR wollte, dass diese Flüchtlinge von Prag nach Hof erneut durch die DDR reisen, was das Geschehen in den folgenden Tagen beeinflusste. „Wir wollen raus, wir wollen raus, wir wollen raus!“, riefen die Menschen am Dresdner Hauptbahnhof, wo es Anfang Oktober zur Eskalation kam. Weitere Ausreisewillige besetzten den Bahnhof, und Polizei sowie Armee gingen gewaltsam gegen die Protestierenden vor. Doch auch diese Maßnahmen konnten den Frust nicht unterdrücken.

Die Szenen in Dresden sprachen sich schnell herum, und landesweit wurde eine Eskalation befürchtet. Die SED heizte die Stimmung weiter an und meldete demonstrativ, an der Seite Chinas zu stehen, dessen Staatsmacht im Juni die Demokratiebewegung in Peking mit Panzern niedergewalzt hatte. Mehrere tausend Menschen starben damals, und nun wurde die Gegenwart als besonders aggressives antisozialistisches Auftreten des imperialistischen Klassengegners dargestellt. Die SED warnte davor, dass die Protestierenden in der Gegenwart konterrevolutionäre Elemente seien.

Trotz alledem hielt der Bürgermut in Dresden an. Der Polizeifunk offenbart, wie überfordert die Staatsmacht war, die versuchte, die „negativen Kräfte“ in den Griff zu bekommen. „Ich muss die zwei Kompanien aber erst aus dem Sicherungsbereich rausziehen und aufsitzen lassen“, hieß es im Funkverkehr. Das Vertrauen der Bürger in die staatliche Macht schwand, als sie merkten, dass die Polizei nicht bereit war, den Dialog zu suchen. An diesem Abend des 8. Oktobers gingen Kirchenvertreter auf die Polizei zu und baten um Deeskalation. Ein zufällig ausgewählter Kreis von 20 Demonstranten wurde von der Polizei akzeptiert, und man war erleichtert, dass die Menschen nicht mehr mit Gewalt, sondern mit dem Wunsch nach einem Dialog auf die Straße gingen.

Diese Gespräche zeigten, dass die Polizisten auch ein gewisses Unbehagen gegenüber den gewaltsamen Maßnahmen empfanden, die sie gegen ihre Mitbürger ergreifen mussten. Der Eindruck, dass die Menschen, die auf die Straße gingen, etwas ganz anderes wollten, wurde immer stärker: Sie forderten nicht unbedingt den „besseren Westen“, sondern einfach eine Veränderung ihrer Lebenssituation.

Am 6. und 7. Oktober 1989, dem 40. Geburtstag der DDR, kam es zu Protesten, die die Stasi und die SED in Alarmbereitschaft versetzten. Der Fackelzug der FDJ zeigte, dass viele aus der FDJ nicht nur Gorbatschow umjubeln wollten, sondern auch ihren Unmut über die herrschenden Verhältnisse kundtun wollten. Die Proteste nahmen zu, als sich auf dem Alexanderplatz eine spontane Demonstration entwickelte. „Raus! Raus! Freiheit! Freiheit!“ riefen die Menschen, doch der Demozug wurde brutal aufgelöst.

Die Gethsemanekirche im Prenzlauer Berg wurde zu einem Zufluchtsort für viele Demonstranten, die dort Verletzte versorgten und Informationen austauschten. Ein rumänisches Filmteam dokumentierte die Ereignisse, aber das Material wurde später von der Stasi konfisziert. Auch die Parolen, die vor der Kirche skandiert wurden, durften nicht an die Öffentlichkeit gelangen.

Am 7. Oktober, während in Plauen bis zu 20.000 Menschen demonstrierten, wurde der Protest mit massivem Polizeieinsatz beantwortet. Hubschrauber umkreisten die Menge, und Löschfahrzeuge wurden als Wasserwerfer eingesetzt. Diese Taktiken entfachten jedoch nur noch mehr Widerstand. Die Freiwillige Feuerwehr von Plauen protestierte gegen diesen politischen Missbrauch und erklärte, dass sie sich diesen nicht mehr gefallen lassen würden. Auch in Karl-Marx-Stadt, wo eine Lesung oppositioneller Texte stattfinden sollte, gingen 700 Menschen auf die Straße.

Die Angst in der SED und der Stasi wuchs, als sie merkten, dass die Protestbewegung sich ausbreitete und andere Städte ansteckte. Leipzig wurde in den Oktobertagen für Journalisten gesperrt, während die Montagsdemonstrationen, die seit September regelmäßig stattfanden, immer mehr Menschen anzogen. Am 9. Oktober 1989 zogen 70.000 Menschen friedlich durch Leipzig, ohne dass die Polizei sie aufhalten konnte. Die Bilder des Protests gelangten ins Westfernsehen und weckten auch in anderen Städten den Mut zur Protest.

Die Protestbewegung war nicht mehr aufzuhalten, und die Bürger forderten lautstark Reformen und Veränderungen. Der Abend des 9. Oktober stellte einen Wendepunkt in der Geschichte der DDR dar. Es war der Anfang vom Ende des autoritären Regimes, das sich in den folgenden Wochen und Monaten selbst zerlegte. Die Ereignisse von 1989 führten schließlich zur Wiedervereinigung Deutschlands und zur Überwindung des starren, repressiven Systems der DDR.

Die Stasi, die einst als unüberwindliche Macht galt, war am Ende nicht mehr in der Lage, die Veränderungen aufzuhalten. Die Stimmen der Bürger wurden zu laut, um ignoriert zu werden, und die Wende in der DDR hatte begonnen.

Die Gründung der DDR am 7. Oktober 1949

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Am 7. Oktober 1949 wurde die Deutsche Demokratische Republik (DDR) offiziell gegründet. Dieses Datum markiert den Beginn eines sozialistischen Staates, der sich auf dem Gebiet der damaligen sowjetischen Besatzungszone formierte. Die Gründung der DDR war das Ergebnis einer tiefen Spaltung Deutschlands, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs immer deutlicher zutage trat. Während in den westlichen Besatzungszonen unter der Führung der USA, Großbritanniens und Frankreichs 1949 die Bundesrepublik Deutschland (BRD) gegründet wurde, formierte sich im Osten ein sozialistischer Gegenentwurf, der stark unter dem Einfluss der Sowjetunion stand.

Vorgeschichte der Gründung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 stand Deutschland in Trümmern, politisch und wirtschaftlich zerstört. Die Alliierten – die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion – hatten das Deutsche Reich besiegt und beschlossen auf der Potsdamer Konferenz die Aufteilung des Landes in vier Besatzungszonen. Die Hauptstadt Berlin wurde ebenfalls in vier Sektoren geteilt, obwohl sie geografisch tief in der sowjetischen Besatzungszone lag.

In den folgenden Jahren entwickelte sich eine immer stärkere politische und wirtschaftliche Divergenz zwischen den westlichen Besatzungszonen und der sowjetischen Besatzungszone. Während im Westen marktwirtschaftliche Reformen und eine politische Neuausrichtung in Richtung Demokratie vorangetrieben wurden, setzte die Sowjetunion in ihrer Besatzungszone auf die Einführung des Sozialismus und die Umgestaltung der Gesellschaft im Sinne marxistisch-leninistischer Prinzipien.

Ein wesentlicher Schritt in dieser Entwicklung war die Gründung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) im Jahr 1946. Sie entstand aus der Zwangsvereinigung von KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) und SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) in der sowjetischen Besatzungszone. Die SED sollte in den kommenden Jahrzehnten die dominierende Partei in der DDR werden und die politische und gesellschaftliche Ausrichtung des Landes bestimmen.

Mit der Blockade Berlins 1948/49 und der Währungsreform in den Westzonen verschärften sich die Spannungen zwischen den ehemaligen Alliierten. Der Kalte Krieg begann, und die Teilung Deutschlands schien unausweichlich. Im Mai 1949 wurde schließlich die Bundesrepublik Deutschland gegründet, und wenige Monate später, am 7. Oktober 1949, folgte die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik als sozialistischer Gegenentwurf.

Die Gründung der DDR
Am 7. Oktober 1949 trat der „Deutsche Volksrat“, ein provisorisches Parlament, in Ost-Berlin zusammen und erklärte die Gründung der DDR. Wilhelm Pieck, ein führendes Mitglied der SED, wurde zum ersten Präsidenten der DDR ernannt, während Otto Grotewohl das Amt des Ministerpräsidenten übernahm. Die Macht in der DDR lag jedoch faktisch in den Händen der SED und ihrer Führung, insbesondere bei Walter Ulbricht, dem Vorsitzenden des Politbüros der SED.

Die DDR verstand sich von Beginn an als sozialistischer Staat, der sich am Vorbild der Sowjetunion orientierte. Die Verfassung der DDR betonte die Führungsrolle der Arbeiterklasse und die Notwendigkeit einer zentral geplanten Wirtschaft. Der Staat sollte das gesamte Leben der Bürger durchdringen und im Sinne des Sozialismus umgestalten. Dazu gehörten auch weitreichende Maßnahmen zur Kollektivierung der Landwirtschaft und die Verstaatlichung von Industriebetrieben.

Gesellschaft und Politik in der DDR
Die SED etablierte sich rasch als die allein bestimmende Kraft in der DDR. Wahlen fanden zwar regelmäßig statt, waren jedoch nur eine formale Bestätigung der Entscheidungen, die zuvor in den Gremien der SED getroffen worden waren. Das politische System der DDR war stark zentralisiert und autoritär. Die SED nutzte den Staatsapparat, um ihre Kontrolle über alle Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens auszuweiten. Dies geschah unter anderem durch die Staatssicherheit, die 1950 gegründete „Stasi“, die sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem allgegenwärtigen Überwachungsorgan entwickelte.

Die DDR setzte in den 1950er Jahren auf den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft und propagierte die Gleichheit aller Menschen, die Überwindung von Klassengegensätzen und die Schaffung einer klassenlosen Gesellschaft. In der Praxis jedoch führte dies zu einer strengen politischen Kontrolle und einer hierarchischen Gesellschaftsordnung, in der die SED-Führung und ihre Anhänger die entscheidenden Positionen einnahmen.

Die DDR im Kalten Krieg
Die DDR befand sich von Beginn an in einem Spannungsverhältnis zu ihrer westlichen Nachbarin, der BRD. Der Kalte Krieg prägte die ersten Jahrzehnte der DDR-Geschichte entscheidend. Die SED-Führung betrachtete die BRD als feindlichen kapitalistischen Staat und verurteilte deren Politik der Westintegration und Wiederbewaffnung. Umgekehrt weigerte sich die BRD bis in die 1970er Jahre, die DDR als eigenständigen Staat anzuerkennen, und verfolgte die sogenannte „Hallstein-Doktrin“, die besagte, dass die BRD mit keinem Staat diplomatische Beziehungen aufnehmen würde, der die DDR anerkennt.

Die deutsch-deutsche Grenze wurde in den 1950er Jahren immer stärker militarisiert, und es kam zu massiven Fluchtbewegungen von Ost nach West. Besonders junge, gut ausgebildete Menschen verließen die DDR, was das Regime zunehmend in Bedrängnis brachte. Um diesen „Aderlass“ zu stoppen, errichtete die DDR am 13. August 1961 die Berliner Mauer. Diese physische Trennung zwischen Ost- und Westberlin wurde zum Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges.

Die DDR nach Ulbricht
Nach dem Bau der Berliner Mauer stabilisierte sich das politische System der DDR. Walter Ulbricht blieb bis 1971 an der Macht, ehe er von Erich Honecker abgelöst wurde. Honecker setzte auf eine Mischung aus sozialistischer Ideologie und einer Politik der relativen Stabilität und Konsumsteigerung. Die DDR bemühte sich in den 1970er Jahren um eine größere internationale Anerkennung und trat 1973 gemeinsam mit der BRD den Vereinten Nationen bei. Dennoch blieb die DDR ein von der Sowjetunion abhängiger Satellitenstaat, und innenpolitisch änderte sich an der Kontrolle durch die SED wenig.

Zusammenbruch der DDR
In den 1980er Jahren geriet die DDR zunehmend in eine wirtschaftliche und politische Krise. Die Mangelwirtschaft, der fehlende politische Freiraum und die anhaltende Fluchtbewegung führten zu wachsendem Unmut in der Bevölkerung. Der Reformkurs von Michail Gorbatschow in der Sowjetunion verstärkte den Druck auf das DDR-Regime, doch Honecker weigerte sich, grundlegende Veränderungen vorzunehmen. Im Herbst 1989 eskalierte die Situation: Massenproteste in mehreren Städten und die Flucht tausender DDR-Bürger über die Botschaften in Osteuropa führten schließlich zum Sturz des Regimes. Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, und am 3. Oktober 1990 wurde die DDR im Zuge der deutschen Wiedervereinigung aufgelöst.

Die Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 markiert einen entscheidenden Moment in der Geschichte der deutschen Teilung und des Kalten Krieges. Trotz ihrer Ambitionen, einen sozialistischen Musterstaat zu errichten, scheiterte die DDR letztlich an ihren inneren Widersprüchen und dem wachsenden Druck von außen.

Die Erfurter Altstadt vor und nach der Wende

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Ende der 1980er-Jahre war Erfurt, wie viele andere ostdeutsche Städte, stark vom Niedergang der DDR gezeichnet. Der historische Kern der Bezirksstadt, eine der bedeutendsten Städte Thüringens, stand kurz davor, dem Abriss zum Opfer zu fallen. Die maroden Gebäude spiegelten offenkundig die katastrophale Lage der Staatsfinanzen der DDR wider. Die Stadt war in einem erbärmlichen Zustand, der die Verzweiflung der letzten Jahre der DDR verdeutlichte.

Doch der Fall der Mauer brachte nicht nur politische Wende, sondern auch einen umfassenden Wandel für Erfurt. Dieter Demme, ein Fotograf, der seit 1967 in Erfurt lebt, hat diese dramatische Transformation dokumentiert. Seine Aufnahmen zeigen die teils desolaten Zustände der Altstadt und der Neubauten jener Zeit, die von fehlender Heizung bis zu anderen gravierenden Mängeln geprägt waren.

Mit dem Ende des DDR-Regimes begann eine Ära des Umbruchs und der Erneuerung. Bereits im Frühjahr 1990 flossen 4 Millionen D-Mark in die Sanierung der Altstadt, deren Gebäude zu drei Vierteln in einem äußerst schlechten Zustand waren. In den folgenden Jahren kamen weitere 100 Millionen D-Mark hinzu, um die einst graue Bezirksstadt in eine farbenfrohe Landeshauptstadt zu verwandeln.

Die erneuerte Altstadt von Erfurt ist heute ein Beispiel für gelungene Stadtentwicklung und bewahrt einen Großteil ihres historischen Charme. Dies verdankt die Stadt nicht nur den finanziellen Investitionen, sondern auch dem entschlossenen Einsatz ihrer Bürger. Unter dem mutigen Protest von Erfurtern bildeten die Bürger eine Menschenkette um die Altstadt, um deren Abriss zu verhindern und die historischen Gebäude zu bewahren. Dieser bürgerliche Widerstand war ein entscheidender Faktor für den Erhalt der Altstadt und trug dazu bei, dass Erfurt heute zu den schönsten Städten in den neuen Bundesländern gehört.

Dr. Martina Moritz, Direktorin des Museums für Thüringer Volkskunde in Erfurt, betont, wie wichtig es war, dass die Wende kam. Ihre Ausstellung, die Dieter Demmes Fotos aus der Zeit des Umbruchs zeigt, verdeutlicht die dramatischen Veränderungen und die Bedeutung des bürgerlichen Engagements.

Doch die Wende brachte nicht nur positive Veränderungen. Die 1990er-Jahre waren auch von Verlusten und Herausforderungen geprägt. Viele große Industrieanlagen, die einst den Stolz der DDR bildeten, wurden in der neuen Ära nicht erhalten. Dies führte zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und der Kriminalitätsrate in der Stadt. Die wirtschaftliche Lage war angespannt und viele Menschen mussten mit den Konsequenzen des Umbruchs kämpfen.

Heute, 20 Jahre nach der Wiedervereinigung, hat sich Erfurt jedoch wieder erholt. Die Arbeitslosigkeit ist gesenkt, die Einwohnerzahl steigt, und die Stadt zieht jährlich über 11 Millionen Touristen an. Diese Besucher flanieren durch die Straßen und genießen die wiederhergestellte Schönheit Erfurts, die sowohl die Geschichte als auch die moderne Erneuerung widerspiegelt.

Erfurt hat aus den turbulenten Zeiten des Sozialismus und der Wende gelernt und sich erfolgreich neu erfunden. Die Stadt ist ein lebendiges Beispiel für den Wandel von einer heruntergekommenen Bezirksstadt zu einer blühenden Landeshauptstadt. Der Untergang des Sozialismus hat Erfurt nicht nur Herausforderungen, sondern auch eine Chance gegeben, sich neu zu erfinden und in neuem Glanz zu erstrahlen.