Knapp 13 Kilometer Autobahn, rund 726 Millionen Euro veranschlagte Gesamtkosten, eine Inbetriebnahme frühestens 2030: Der Lückenschluss der A143 westlich von Halle zeigt, wie weit öffentliche Bauvorhaben von ihren ursprünglichen Versprechen abrücken können. Nach Angaben des Steuerzahlerbundes wurden 2004 noch etwa 151 Millionen Euro erwartet. Heute steht fast das Fünffache im Raum.
Die Überschrift vom Kilometer für fast 60 Millionen Euro ist rechnerisch nachvollziehbar. Allerdings werden hier die Gesamtkosten eines anspruchsvollen Abschnitts auf seine Länge verteilt. Darin stecken Brücken, Tunnel, die Sicherung alter Bergbaugebiete und Schutzmaßnahmen für die Natur. Wer diese Summe mit einer einfachen Fahrbahn auf freiem Feld vergleicht, macht es sich zu leicht.
Ebenso bequem wäre es, Naturschützern die Verantwortung zuzuschieben. Das Bundesverwaltungsgericht erklärte den ursprünglichen Planfeststellungsbeschluss 2007 wegen naturschutzrechtlicher Mängel für rechtswidrig und nicht vollziehbar. Die Klagen trafen also auf tatsächliche Fehler. Im Mai 2026 wies das Gericht dagegen eine weitere Klage gegen den Weiterbau ab. Auch das gehört zur vollständigen Geschichte.
Höhere Baupreise, aufwendigere Altbergbausanierung und zusätzliche Anforderungen an Brücken erklären laut Verkehrsministerium die Kostensteigerungen. Sie beantworten aber noch nicht, welche Risiken frühzeitig berücksichtigt wurden und welche vermeidbaren Fehler vorlagen. Aus der Kostensteigerung allein lässt sich kein genauer Betrag verschwendeten Steuergeldes ableiten.
Für mich liegt darin der politische Kern: Wer ein solches Projekt weiterführt, muss seinen heutigen Nutzen mit seinen heutigen Kosten begründen. Die Menschen haben Anspruch auf eine nachvollziehbare Kostenaufstellung, belastbare Verkehrsprognosen und einen ehrlichen Zeitplan. Infrastruktur braucht Investitionen. Sie braucht ebenso Verantwortliche, die erklären, warum aus ihren Zusagen immer höhere Rechnungen werden.