
Wenn dieser Satz im Klassenzimmer fiel, wussten viele Schülerinnen und Schüler der DDR, was auf sie zukam. Statt Schulbank, Tafel und Heften standen Werkhallen, Felder oder Werkstätten auf dem Programm. Für die meisten war das nichts Außergewöhnliches. Es gehörte zur Schulzeit wie Klassenarbeiten, Wandzeitungen oder der Sportunterricht.
Die Verbindung von Lernen und Arbeiten war fest im Bildungssystem verankert. Schon in den unteren Klassen kümmerten sich Kinder im Schulgarten um Beete, zogen Gemüse heran und lernten, wie aus einem Samenkorn eine Pflanze wird. Später wechselte der Unterricht häufiger aus dem Schulgebäude hinaus in die Praxis.
Ab der 7. Klasse gehörte die „Produktive Arbeit“ zum Alltag vieler Jugendlicher. Einmal in der Woche wurden Schulbücher gegen Arbeitskittel oder Gummistiefel getauscht. Je nach Region führte der Weg in ein Maschinenbauwerk, einen Chemiebetrieb, eine Gärtnerei oder auf die Felder einer LPG.
Dort warteten keine Unterrichtsstunden, sondern konkrete Aufgaben. In einigen Betrieben sortierten Schülerinnen und Schüler Bauteile, montierten einfache Baugruppen oder halfen beim Verpacken von Erzeugnissen. Auf dem Land standen Kartoffellesen, Unkrautjäten oder Arbeiten in Gewächshäusern auf dem Plan. Manche erinnern sich noch an den Geruch von Öl und Metall in den Werkhallen, andere an feuchte Morgenstunden auf den Feldern und an lange Fahrten mit dem Bus zur Einsatzstelle.
Nicht selten entstanden dabei Kontakte zu den Beschäftigten. Zwischen Maschinenlärm und Frühstückspause erzählten Facharbeiter von ihrem Beruf, erklärten Abläufe oder zeigten Handgriffe, die in keinem Schulbuch standen. Für manche Jugendliche waren diese Tage eine willkommene Abwechslung zum Unterricht. Sie fühlten sich ernst genommen und bekamen einen Einblick in die Arbeitswelt der Erwachsenen.
Andere empfanden die Einsätze eher als zusätzliche Pflicht. Die Arbeit war oft einfach, manchmal monoton, und nicht jeder konnte erkennen, welchen Bezug sie zum späteren Leben haben sollte. Wie die Zeit erlebt wurde, hing häufig vom Einsatzort, den Aufgaben und den Menschen ab, denen man begegnete.
So gehörte die „Produktive Arbeit“ für viele DDR-Schüler ganz selbstverständlich zur Jugend. Zwischen Klassenzimmer und Werkhalle entstand ein Stück Alltag, an das sich bis heute viele erinnern – mal mit einem Schmunzeln, mal mit Kopfschütteln, oft aber mit einer Fülle konkreter Bilder und Geschichten.