
Als „Biologie!“ im September 1990 in die Kinos kam, existierte die DDR bereits nicht mehr. Die Geschichte, die der Film erzählt, stammt jedoch direkt aus den letzten Jahren des Landes. Sie handelt von Jugendlichen, die mit Fernglas, Notizbuch und Bestimmungsheft unterwegs waren und dabei auf Dinge stießen, die nicht in die Lehrbücher passten.
Im Mittelpunkt steht die 15-jährige Ulla, gespielt von Stefanie Stappenbeck. Sie gehört zu den Jungen Naturforschern, beobachtet Vögel, erkundet Bäche und interessiert sich für alles, was in ihrer Umgebung lebt und wächst. Bei einer Exkursion entdeckt sie, dass in einem geschützten Landschaftsgebiet gebaut wird. Wo eigentlich Natur erhalten bleiben soll, entstehen eine private Datsche und eine Forellenzucht. Hinter dem Vorhaben steht der Vater ihres Freundes Winfried, ein Generaldirektor mit guten Verbindungen.
Ulla gibt sich mit den Erklärungen der Erwachsenen nicht zufrieden. Je genauer sie hinsieht, desto deutlicher wird, dass für manche Regeln gelten und für andere nicht. Der Film begleitet sie bei ihrem Versuch, den Eingriff in die Natur öffentlich zu machen. Dabei erlebt sie, wie schnell Türen geschlossen werden können, wenn wirtschaftliche Interessen und persönlicher Einfluss ins Spiel kommen.
Die Vorlage für den Film lieferte die Erzählung „Die Wasseramsel“ des Schriftstellers und Naturfotografen Wolf Spillner. Bereits Anfang der 1980er Jahre wurde über eine Verfilmung gesprochen. Das Drehbuch lag lange in den Schubladen der Verantwortlichen. Erst 1989, als viele bisherige Gewissheiten ins Wanken gerieten, erhielt das Projekt grünes Licht.
„Biologie!“ zeigt eine Seite des DDR-Alltags, die selten im Mittelpunkt von Spielfilmen stand. Viele Jugendliche engagierten sich damals in Arbeitsgemeinschaften der Jungen Naturforscher, kartierten Vogelbestände, pflegten Amphibienteiche oder zählten seltene Pflanzenarten. Gleichzeitig sahen sie verschmutzte Flüsse, rauchende Schornsteine und Wälder, die unter den Emissionen der Industrie litten.
Gerade diese Erfahrungen verleihen dem Film seine Authentizität. Er erzählt nicht von großen politischen Ereignissen, sondern von einer Schülerin, die das ernst nimmt, was ihr über den Schutz der Natur beigebracht wurde. Aus dieser einfachen Ausgangssituation entwickelt sich eine Geschichte über Verantwortung, Glaubwürdigkeit und den Blick einer Generation auf die Welt der Erwachsenen.