
Wenn in der DDR eine Schule, ein Betrieb oder ein Kulturhaus zur „Messe der Meister von Morgen“ einlud, standen auf den Tischen oft Flugmodelle, Schaltungen, Messgeräte oder selbst entwickelte technische Lösungen. Hinter den Exponaten standen Jugendliche, die viele Nachmittage in Arbeitsgemeinschaften, Schullaboren oder Werkstätten verbracht hatten.
Die „Messe der Meister von Morgen“, kurz MMM, wurde 1958 von der FDJ ins Leben gerufen. Sie richtete sich an Schüler, Lehrlinge und junge Arbeiter. Wer hier ausstellte, hatte sich häufig bereits auf Schul- oder Betriebsebene qualifiziert. Über Kreis- und Bezirksmessen führte der Weg für die erfolgreichsten Teilnehmer bis zur zentralen Ausstellung nach Leipzig.
Besonders lebendig war die Arbeit in den Stationen der Jungen Naturforscher und Techniker. Dort wurde gesägt, gelötet, gezeichnet und experimentiert. Jugendliche bauten Flugmodelle wie den „Junior“ oder den „Falke“, konstruierten elektronische Schaltungen oder entwickelten kleine technische Hilfsmittel. Viele erinnern sich an den Geruch von Holzleim, an Bauteile in kleinen Schachteln und an lange Nachmittage über Bauplänen und Zeichnungen.
Gefragt waren nicht nur originelle Ideen. Die vorgestellten Projekte sollten möglichst einen praktischen Nutzen haben. In Betrieben wurden Rationalisierungsvorschläge gesucht, die Material sparen, Arbeitsabläufe vereinfachen oder die Produktion verbessern konnten. Technisches Interesse und wirtschaftliche Erwartungen gingen dabei oft Hand in Hand.
Die MMM gehörte für viele Jugendliche zum Alltag der DDR. Wer erfolgreich war, erhielt Urkunden, Auszeichnungen oder die Möglichkeit, seine Arbeit auf einer höheren Ebene zu präsentieren. Fotos von jungen Erfindern erschienen in Betriebszeitungen oder lokalen Medien.
Auch die Literatur griff dieses Milieu auf. In Thomas Brussigs Roman „Helden wie wir“ entwickelt der junge Klaus Uhltzscht einen Akustik-Baukasten und wird als Kind zu einer Bezirksmesse delegiert. Die satirische Schilderung überzeichnet manches, beschreibt aber eine Welt, die vielen ehemaligen Teilnehmern vertraut vorkommt.
Für die einen war die MMM ein Wettbewerb, für andere eine Gelegenheit, Technik auszuprobieren, Neues zu lernen und Gleichgesinnte zu treffen. Zwischen Werkbank, Schulunterricht und Messehallen entstand ein Umfeld, in dem Neugier und Tüftlergeist einen festen Platz hatten.