Alexander Schalck-Golodkowski: Der Kapitalist im SED-Gewand

Alexander Schalck-Golodkowski gehörte zu den geheimnisvollsten Machtfiguren der DDR. Nach außen trat er als loyaler Funktionär des sozialistischen Staates auf, hinter den Kulissen jedoch bewegte er sich wie ein internationaler Geschäftsmann zwischen Banken, Devisengeschäften, Waffenexporten und geheimen Handelswegen. In einem Staat, der den Kapitalismus offiziell bekämpfte, wurde ausgerechnet Schalck-Golodkowski zum wichtigsten Mann für harte Westdevisen.

Geboren 1932 in Berlin, stieg er in der DDR rasch auf. Seine eigentliche Machtbasis entstand jedoch erst mit der sogenannten „Kommerziellen Koordinierung“, kurz KoKo. Dieses weitgehend abgeschottete System aus Firmen, Konten und Tarnunternehmen operierte fernab der öffentlichen Kontrolle. Während viele DDR-Bürger Mangelwirtschaft, Wartezeiten und leere Regale erlebten, organisierte Schalck-Golodkowski Geschäfte mit westlichen Unternehmen, beschaffte Luxusgüter und sorgte dafür, dass dringend benötigte Devisen ins Land kamen. Selbst Parteikader wussten oft nicht genau, wie groß sein Einfluss tatsächlich war.

Besonders legendär wurde sein Gespür für finanzielle Machtpolitik. Schalck-Golodkowski sammelte Kunst, liebte exklusive Dinge und bewegte sich erstaunlich selbstverständlich in der Welt westlicher Banken und Konzerne. Gleichzeitig ließ er heimlich mehr als 21 Tonnen Gold als eiserne Reserve der DDR lagern – verborgen in einem Berliner Keller. Diese Mischung aus sozialistischem Machtapparat und kapitalistischem Denken machte ihn zu einer Ausnahmefigur innerhalb der SED-Führung.

Sein wohl spektakulärster Erfolg gelang ihm Anfang der 1980er Jahre. Gemeinsam mit dem CSU-Politiker Franz Josef Strauß vermittelte er einen Milliardenkredit aus dem Westen, der die wirtschaftlich angeschlagene DDR zunächst vor dem Zusammenbruch bewahrte. Dass ausgerechnet ein konservativer Antikommunist der DDR finanziell half, wirkte damals wie ein politisches Paradox – doch für Schalck-Golodkowski zählten weniger Ideologien als wirtschaftliches Überleben.

Als die DDR 1989 zerfiel, verlor auch er seine Macht. Im Dezember floh er überraschend in die Bundesrepublik – aus Angst vor Ermittlungen der eigenen Behörden. Viele DDR-Bürger sahen in ihm später das Symbol einer Funktionärsschicht, die im Verborgenen lebte und wirtschaftete, während der Alltag vieler Menschen von Einschränkungen geprägt war. Nach langen juristischen Auseinandersetzungen lebte Schalck-Golodkowski schließlich zurückgezogen in Bayern. Dort starb er 2015 – als einer der letzten großen Schattenmänner der untergegangenen DDR.