Die Lebenswege der Ehefrauen der DDR-Staatsführung nach 1989

Mit dem Ende der DDR verloren nicht nur die Machthaber ihre Positionen, sondern auch ihre Ehefrauen das gewohnte Leben. Zwischen Exil, Rückzug und juristischer Aufarbeitung spiegeln ihre Biografien den radikalen Bruch von 1989 wider.

Der politische Umbruch von 1989 markierte für die Ehefrauen der DDR-Staatsführung eine fundamentale Zäsur. Während ihre Ehemänner im Fokus der historischen und juristischen Aufarbeitung standen, vollzog sich der Statusverlust der Partnerinnen oft im medialen Schatten. Ihr abgeschirmtes Leben in der Waldsiedlung Wandlitz endete abrupt und zwang sie zur Konfrontation mit einer neuen Realität.

Eine politische Sonderrolle nahm Margot Honecker ein, die als Ministerin für Volksbildung bis zuletzt selbst Macht ausübte. Ihr Weg führte über Moskau in das chilenische Exil. Bis zu ihrem Tod im Jahr 2016 blieb sie unversöhnt mit den gesellschaftlichen Verhältnissen im vereinigten Deutschland und verteidigte das politische System der DDR sowie ihre eigenen Maßnahmen kompromisslos.

Ganz anders gestaltete sich der Lebensabend von Lotte Ulbricht. Die Witwe des ersten Staatsratsvorsitzenden lebte bis 2002 zurückgezogen am Majakowskiring. Sie betrachtete den Niedergang des Staates mit Bitterkeit, die sich vor allem gegen den Nachfolger ihres Mannes richtete. Dennoch nutzte sie die neuen Reisefreiheiten im hohen Alter für diskrete Fahrten in das westliche Ausland.

Für Alice Stoph, Ehefrau des langjährigen Ministerpräsidenten Willi Stoph, bedeutete die Wende vor allem den Verlust der materiellen Privilegien und die Konfrontation mit den strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihren Mann. Sie begleitete ihn durch die Prozesse der Nachwendezeit, zog sich jedoch gesellschaftlich vollständig zurück und verstarb später weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit.

Erika Krenz, die Frau des letzten SED-Generalsekretärs Egon Krenz, musste den tiefen Fall von der kurzzeitigen First Lady zur Ehefrau eines Inhaftierten bewältigen. Ihre Biografie war in den 1990er Jahren geprägt von Loyalität während der Haftstrafe ihres Mannes. Das Paar fand später einen privaten Rückzugsort an der Ostsee, wo sie bis zu ihrem Tod 2017 lebte.

Brigitte Gerlach, Gattin des LDPD-Vorsitzenden und kurzzeitigen Staatsoberhaupts Manfred Gerlach, repräsentiert jenen Teil der erweiterten Führungsebene, der den Übergang vergleichsweise geräuschlos vollzog. Nach dem Ende der politischen Ämter zog sich das Paar ins Privatleben in der Provinz zurück, ohne dass es zu einer vergleichbaren dauerhaften öffentlichen Ächtung kam wie bei den Familien der SED-Spitze.

Die Biografien dieser Frauen zeigen keine homogene Nachwende-Geschichte. Das Spektrum reicht von ideologischer Verbitterung und Flucht bis hin zum stillen Arrangement mit den neuen Realitäten. Sie alle eint jedoch die Erfahrung, in einer Gesellschaft leben zu müssen, die das politische Lebenswerk und die Privilegien ihrer Familien überwunden hatte.