Vom Stolz der Textilindustrie zur Lost Place: Das Schicksal der Chemnitzer Wirksschule

In Altchemnitz, an der Elsaser Straße, steht ein Gebäude, das einst den Stolz der Chemnitzer Textilindustrie repräsentierte. Errichtet etwa 1926/27 als kombinierter Schul- und Bürobau, diente es der Höheren Fachschule für Wirkerei und Stickereiindustrie Chemnitz und Limbach, da das bestehende Schulgebäude an der Sedanstraße (heute Wilhelm-Raabe-Straße) nicht mehr ausreichte. Der Name „Wirksschule“ leitet sich analog zum „Wirkbau“ (Textilmaschinenbau in der Nähe) vom Begriff „Fadenschlingen“ aus der Textiltechnologie ab.

Obwohl das Gebäude an der Elsaser Straße durch den Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt wurde und eigentlich abgerissen werden sollte, entschied man sich aufgrund der großen Bedeutung der Textilindustrie für den Weiterbetrieb als Ausbildungszentrum. Bereits 1950 wurde hier die Ingenieurschule für Textiltechnologie Chemnitz, später Karl-Marx-Stadt, eingerichtet. Diese bot ein breites Ausbildungsspektrum und war während der Teilung Deutschlands die größte Fachschule für Textil- und Bekleidungsindustrie in der DDR. Bis zu 700 Meister, Techniker und Ingenieure im Textilbereich konnten hier gleichzeitig ausgebildet werden. Die Wirksschule leistete so einen Beitrag zum Erfolg und Transfer der Chemnitzer Technologien in der Textilindustrie.

Im Jahr 1969 wurde die Ausbildung im Textilbereich an die Technische Hochschule (TH), die heutige Technische Universität (TU) Chemnitz, angegliedert. Damit gingen auch die Gebäude an der Sedanstraße und der Elsaser Straße in den Besitz der Hochschule über. Ende der 1980er Jahre befanden sich jedoch beide Schulgebäude in einem sehr schlechten baulichen Zustand. Während das Gebäude an der Wilhelm-Raabe-Straße (ehemals Sedanstraße) Anfang der 1990er Jahre umfangreich saniert und rekonstruiert wurde und ab November 1994 Sitz der Philosophischen Fakultät und später des Instituts für Psychologie wurde, verschlechterte sich der Zustand an der Elsaser Straße.

In den 1990er Jahren nutzten die neugegründeten Fakultäten Wirtschaftswissenschaften und Philosophie zwar noch die Hörsäle der Wirksschule. Der Standort an der Elsaser Straße wird in der Chronik der TU Chemnitz noch einmal am 22. März 1995 erwähnt, als dort ein Versuchsfeld für Stückgutfördertechnik öffnete. Doch die vorhandenen Hörsäle entsprachen nicht mehr dem Zeitgeist, und 1998 wurde ein neues Hörsaalgebäude auf dem Campus an der Reichenhainer Straße eröffnet. Wann genau der universitäre Teil an der Elsaser Straße aufgegeben wurde, lässt sich nicht mehr exakt ermitteln, vermutet wird aber die Zeit etwa um 1997/98 mit der Eröffnung des neuen Hörsaalgebäudes.

Die Gründe, warum die TU Chemnitz den Standort an der Elsaser Straße aufgab, dürften vielschichtig sein. Die schlechte Bausubstanz Ende der 80er Jahre, die nicht mehr zeitgemäßen Hörsäle und die Abseitigkeit des Standortes im Vergleich zum zentraleren Campus Reichenhainer Straße spielten wohl eine Rolle.

Nach der Schließung als Universitätsstandort verfiel die Wirksschule zusehends. Bereits aus den 2000er Jahren gibt es Aufnahmen, die zeigen, wie Bäume auf dem Bürogebäude wuchsen. Um 2010 diente die Wirksschule zudem als inoffizielle Unterkunft für Obdachlose. Der Bauzustand verschlechterte sich weiter. Teile des Dachbodens des Bürogebäudes waren bereits in den 2000er Jahren eingestürzt. Eine Katastrophe ereignete sich am 10. oder 11. August 2013, als ein Dachstuhlbrand das komplette Dach des Gebäudes vernichtete.

Obwohl sich der Gebäudeverbund der ehemaligen Wirksschule unter Denkmalschutz befindet, bleibt der Grund, warum die TU Chemnitz diesen über Jahre vernachlässigte und schließlich ganz verließ, Gegenstand von Vermutungen. Während die TU Chemnitz zuletzt mit ihrer Universitätsbibliothek in die aufwendig sanierte und umgebaute Alte Aktienspinnerei gezogen ist, scheint der Standort an der Elsaser Straße, die alte Wirksschule, vergessen zu sein.

Es bleibt die Frage nach potenziellen zukünftigen Nutzungen und ob der Denkmalschutz noch zum Erhalt des Objektes beitragen kann. Fest steht nur, dass die alte Wirksschule eine wichtige Rolle in der Geschichte der Chemnitzer Textilindustrie und Ausbildung gespielt hat.

Aufstand gegen Hermann Kant: Berliner Autoren fordern Wandel

Im Klub der Kulturschaffenden herrscht dichte Rauchluft, als vierundzwanzig Schriftsteller an diesem grauen Tag ihre Unterschrift unter ein Papier setzen, das den endgültigen Bruch besiegelt. Es ist Mitte Dezember in Berlin, die Mauer ist offen, und die Geduld mit den alten, verknöcherten Strukturen ist bei den Anwesenden endgültig aufgebraucht. Am 15. Dezember 1989 erklären Berliner Autoren um Helga Schubert und Joachim Walther ihren Austritt aus der Bevormundung durch den Verbandspräsidenten Hermann Kant. Sie verweigern der Führung die Gefolgschaft, nachdem diese Reformen blockierte, und fordern in einem scharfen historischen Dokument eine sofortige Neugründung ihres Berufsverbandes.

Steinernes Schweigen und politische Wende: Das Ehrenmal Treptow 1989

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Es gibt Orte, die speichern Geschichte nicht nur, sie atmen sie aus. Wenn man heute durch den Treptower Park läuft, zwischen den riesigen Pappelreihen und dem roten Granit, spürt man eine seltsame Ruhe. Aber 1989 war dieser Ort alles andere als ruhig. Er war ein Brennglas. Ich habe mir noch einmal angesehen, was in diesem einen Jahr dort alles passiert ist. Im Mai standen dort noch die alten Männer in ihren Mänteln und feierten eine Wahl, die keine war. Im Oktober stand dort Gorbatschow, und alle Blicke ruhten auf ihm, voller Hoffnung, dass sich endlich etwas bewegt. Und im Dezember, als die Mauer schon offen war, kippte die Stimmung in Wut und Farbe. Es ist faszinierend, wie schnell sich die Bedeutung von Symbolen ändern kann, wenn die Gesellschaft drumherum aufwacht. Steine verändern sich nicht, aber unser Blick auf sie wandelt sich jeden Tag. B) SEITE 1 (Kontext) Das Sowjetische Ehrenmal in Berlin-Treptow gilt oft als zeitloser Ort des Gedenkens. Doch ein Blick in die Chronik des Jahres 1989 zeigt, wie sehr das Monument in die politischen Kämpfe der Wendezeit verstrickt war. Innerhalb weniger Monate wandelte sich die Funktion der Anlage radikal. Im Mai 1989 diente es noch der SED-Führung zur Inszenierung ihrer Macht nach den gefälschten Kommunalwahlen. Im Oktober wurde es durch den Besuch Michail Gorbatschows zur Kulisse für das Ende der alten Doktrinen. Ende Dezember schließlich markierten Schmierereien mit Parolen wie "Besatzer raus" das endgültige Ende der staatlich verordneten Unantastbarkeit. Die darauf folgende Instrumentalisierung der Vorfälle durch die PDS zeigt, wie sehr Geschichte gerade in Umbruchzeiten als politische Waffe dient. Ein Lehrstück über Deutungshoheit. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Der "Befreier" aus Bronze blickt seit 1949 über Berlin. Aber wen oder was er beschützt, das definierte das Jahr 1989 neu. Erst war er der Garant der SED-Herrschaft, dann im Oktober die Kulisse für Gorbatschows Reformversprechen, und im Dezember plötzlich Zielscheibe von Wut und Vandalismus. Symbole bleiben nur so lange stabil, wie die Macht, die sie stützt. Wenn diese Macht zerfällt, werden aus Denkmälern Fragen.