Soziologe Steffen Mau über die (gefühlte) Spaltung der Gesellschaft

Zu Gast im Studio: Steffen Mau, Soziologe und Professor für Makrosoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin. Mau gehört seit 2021 zum Sachverständigenrat für Integration und Migration.

Steffen Mau ist ein renommierter deutscher Soziologe und Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin. Geboren 1968, hat Mau eine beeindruckende akademische Karriere hinter sich, die ihn zu einem der führenden Köpfe in der deutschen Soziologie gemacht hat. Seine Forschung konzentriert sich auf soziale Ungleichheit, Wohlfahrtsstaaten, Sozialstruktur und soziale Wandlungsprozesse, insbesondere im Kontext der Globalisierung und Digitalisierung.

Mau studierte zunächst Soziologie an der Universität Bremen und promovierte dort 2000 mit einer Arbeit über die Transformation des Wohlfahrtsstaates. Nach seiner Promotion setzte er seine akademische Laufbahn in Bremen fort und erhielt 2004 eine Professur für Politische Soziologie an der Universität Bremen. Im Jahr 2010 wechselte er an die Universität Flensburg, bevor er 2015 den Ruf an die Humboldt-Universität zu Berlin annahm.

In seinen zahlreichen Publikationen setzt sich Mau mit den Auswirkungen globaler und europäischer Integrationsprozesse auf nationale Gesellschaften auseinander. Er untersucht, wie soziale Ungleichheiten und soziale Mobilität durch wirtschaftliche, politische und technologische Veränderungen beeinflusst werden. Ein zentrales Thema seiner Arbeit ist die Erosion sozialer Kohäsion und die Zunahme von Ungleichheiten in der modernen Gesellschaft.

Mau ist bekannt für seine kritische Analyse der neoliberalen Politik und ihrer Auswirkungen auf den Sozialstaat. In seinem Buch „Das metrische Wir: Über die Quantifizierung des Sozialen“ (2017) diskutiert er, wie die zunehmende Erfassung und Quantifizierung sozialer Phänomene durch Big Data und digitale Technologien unsere Gesellschaft verändern. Dieses Werk hat breite Beachtung gefunden und gilt als bedeutender Beitrag zur Soziologie der Digitalisierung.

Neben seiner akademischen Tätigkeit ist Steffen Mau auch in der Politikberatung aktiv und beteiligt sich an öffentlichen Debatten über soziale Gerechtigkeit und die Zukunft des Wohlfahrtsstaates. Er ist ein gefragter Redner und Kommentator in den Medien und trägt mit seinen Analysen und Vorschlägen zur Gestaltung einer sozial gerechteren Gesellschaft bei.

Mau hat für seine Arbeit mehrere Auszeichnungen erhalten, darunter den renommierten Leibniz-Preis 2021, der ihm für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen verliehen wurde. Dieser Preis unterstreicht seine Bedeutung und den Einfluss seiner Forschung auf die zeitgenössische Soziologie und die öffentliche Diskussion in Deutschland und darüber hinaus.

Sein Engagement und seine Forschung haben Steffen Mau zu einer einflussreichen Stimme in der deutschen Soziologie gemacht. Er wird weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Analyse und Lösung sozialer Probleme in einer sich rasch verändernden Welt leisten.

Eine atmosphärische Vermessung der ostdeutschen Gegenwart

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Manchmal muss man vom Rad steigen oder in einer Lokalredaktion anheuern, um wirklich zu verstehen, wie sich der Wind gedreht hat. Teaser: Wenn wir über den Osten sprechen, landen wir oft schnell bei Wahlergebnissen und Prozentzahlen. Aber was liegt darunter? Was passiert in den Dörfern, an den Stammtischen, in den Vereinen, wenn die Kameras weg sind? Für das Buch „Extremwetterlagen“ haben sich drei Autorinnen und ein Soziologe auf eine intensive Reise durch Sachsen, Brandenburg und Thüringen begeben. Sie waren als „Überlandschreiberinnen“ unterwegs, ganz nah dran an den Menschen. Tina Pruschmann fuhr mit dem Rad durchs Erzgebirge, Barbara Thériault arbeitete in einer Thüringer Lokalzeitung, Manja Präkels besuchte Initiativen in Brandenburg. Was sie mitgebracht haben, sind keine schnellen Urteile, sondern feine Beobachtungen über ein gesellschaftliches Klima, das rauer wird. Es geht um die Normalisierung von Dingen, die früher undenkbar waren. Um das Schweigen im Alltag und die historischen Linien, die bis in die DDR zurückreichen. Alexander Leistner ordnet diese Beobachtungen soziologisch ein und zeigt: Nichts davon kommt aus dem Nichts. Es ist eine Bestandsaufnahme der Gegenwart, die zeigt, wie anstrengend es sein kann, gegen den Wind zu atmen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Eine literarische und soziologische Vermessung der ostdeutschen Zustände jenseits der üblichen Schlagzeilen. Teaser: Im Vorfeld der letzten Landtagswahlen startete ein besonderes Projekt: Die Autorinnen Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault sowie der Soziologe Alexander Leistner erkundeten als „Überlandschreiberinnen“ die gesellschaftliche Atmosphäre in Ostdeutschland. Ihr Buch „Extremwetterlagen“ (Verbrecher Verlag) dokumentiert Kipppunkte und Brüche in der Gesellschaft. Die Texte verbinden reportageartige Nähe mit analytischer Distanz. Sie thematisieren die schleichende Normalisierung rechtsextremer Narrative ebenso wie die Resilienz der Zivilgesellschaft. Besonders wertvoll ist dabei die historische Einordnung, die mentale Kontinuitäten bis in die DDR-Zeit sichtbar macht. Eine wichtige Lektüre für alle, die die aktuellen Entwicklungen in Ostdeutschland fundiert verstehen wollen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Begriff „Extremwetterlagen“ meint hier keinen Regen, sondern das soziale Klima einer Region im Umbruch. Teaser: Wie lernt man, gegen den Wind zu atmen, wenn er einem direkt ins Gesicht bläst? Die Reportagen von Präkels, Pruschmann, Thériault und Leistner beschreiben den Osten nicht als Problemzone, sondern als Seismograph. Sie zeigen, wie sich das Miteinander verändert, wenn politische Extreme zum Alltag werden. Ein ruhiges, aber eindringliches Buch über die Temperatur unserer Gesellschaft. QUELLE: https://www.verbrecherverlag.de/wp-content/uploads/2025/05/Leseprobe-Extremwetterlagen.pdf