
Wer in den 1960er- und 1970er-Jahren als Schüler nach Marlow kam, fand dort mehr als nur Beete und Gewächshäuser vor. Auf dem Gelände der späteren „Station Junger Naturforscher und Techniker“ wurde gepflanzt, gebaut, geforscht und experimentiert. Für viele Kinder aus dem Kreis gehörten die Tage in Marlow zu den Erlebnissen, die lange in Erinnerung blieben.
Die Anfänge waren bescheiden. 1960 wurde der Marlower Schulgarten offiziell zur „Station Junger Naturforscher“ erklärt. Hinter dem Vorhaben stand der Biologie- und Mathematiklehrer Willi Pieplow. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern errichtete er ein Stationsgebäude und mehrere Gewächshäuser. Zwischen Gemüsebeeten, Frühbeetkästen und jungen Obstbäumen lernten Schülerinnen und Schüler den praktischen Umgang mit Pflanzen und Tieren.
Schon wenige Jahre später wurde es auf dem Gelände eng. 1963 und 1964 entstanden Unterkunftsbaracken sowie eine Wirtschaftsbaracke mit Küche. Nun konnten Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Kreisgebiet für mehrere Tage oder Wochen in Marlow bleiben. Der Ort entwickelte sich zu einem festen Anlaufpunkt für naturwissenschaftlich interessierte Schüler.
Mit dem Leitungswechsel zu Rudi Tews im Jahr 1966 wurde das Angebot erweitert. Neben Arbeitsgemeinschaften wie „Junge Gärtner“, „Junge Geflügelzüchter“ und „Junge Imker“ kamen technische Zirkel hinzu. In Werkstätten wurde an Modellflugzeugen gebaut, Funktechnik ausprobiert oder mit elektrischen Schaltungen experimentiert. Während draußen in den Gewächshäusern Tomaten und Gurken heranwuchsen, entstanden drinnen erste technische Projekte.
Besonders gefragt waren die Spezialistenlager in den Sommerferien. Hier verbrachten Jugendliche ihre Ferientage nicht am Schreibtisch, sondern bei praktischer Arbeit, Exkursionen und gemeinsamen Unternehmungen. Freundschaften entstanden oft zwischen Kindern aus Dörfern und Städten, die sich ohne die Station vermutlich nie begegnet wären.
Ab 1979 gehörten die Recknitzexpeditionen zu den Höhepunkten des Jahres. In Paddelbooten ging es mehrere Tage über den Fluss. Die Teilnehmer beobachteten Pflanzen und Tiere, untersuchten Gewässer und erkundeten die Landschaft aus einer Perspektive, die vielen zuvor unbekannt war.
Auch die Geschichte der Region wurde greifbar. Unter Leitung des Lehrers Rudolf Mamerow beteiligten sich Schüler ab 1967 an Ausgrabungen auf dem Marlower Burgberg. Mit Spaten, Kelle und Pinsel legten sie historische Fundstücke frei und arbeiteten dort, wo Jahrhunderte zuvor Menschen gelebt hatten.
So wurde aus einem Schulgarten ein Ort, an dem Natur, Technik und Heimatgeschichte nicht nur Unterrichtsstoff waren, sondern Teil des Alltags vieler Kinder und Jugendlicher.