Die ostdeutsche Transformationsgesellschaft – Ostidentitäten mit Steffen Mau

Die Diskursreihe „Vordenken.Nachdenken“ bietet eine Plattform zur Reflexion, besonders im Kontext der bevorstehenden Bundestagswahlen. In fünf Talkveranstaltungen diskutieren renommierte Autor, Künstlerund Wissenschaftler mit dem Publikum über das Leben in Ostdeutschland, 30 Jahre nach der Wiedervereinigung.

Zentrale Fragen der Diskussion sind: Gibt es eine spezifische ostdeutsche Sozialisierung und Mentalität? Warum nimmt der Rechtsruck zu, während linke Ideen schwächer werden? Leben wir bereits in den oft beschworenen „blühenden Landschaften“ oder ist das nur ein Traum? Und letztlich: Gibt es eine Ostidentität und wenn ja, wie definiert sie sich?

In der 16. Ausgabe dieser Reihe spricht der Soziologe Steffen Mau unter dem Titel „Die ostdeutsche Transformationsgesellschaft“ über den Strukturwandel in den neuen Bundesländern und das Leben im Rostocker Neubauviertel „Lütten Klein“. Steffen Mau, der in „Lütten Klein“ aufwuchs und während der Wendezeit bei der NVA diente, reflektiert 30 Jahre nach dem Mauerfall seine Kinder- und Jugendzeit. Nach der Wende studierte er und wurde Professor für Soziologie. Mau besuchte die Orte seiner Kindheit und Jugend erneut und führte Gespräche mit denjenigen, die geblieben sind, und denjenigen, die weggezogen sind. Aus diesen Erlebnissen entwickelte er seine Soziologie des Strukturwandels in den neuen Bundesländern. Seine Erzählung beleuchtet die Unzufriedenheit, Entfremdung und soziale Spaltung, die viele Ostdeutsche nach der Wiedervereinigung erfahren haben.

Das Thema des Strukturwandels ist dabei zentral: Mau analysiert die gesellschaftlichen Veränderungen und deren Auswirkungen auf die Menschen in den neuen Bundesländern. Seine Arbeit beschreibt die ostdeutsche Transformationsgesellschaft als eine Geschichte des Zusammenwachsens zweier politischer Systeme, geprägt von Herausforderungen und neuen Identitätsfindungen.

Moderiert wird die Veranstaltung von Hannes Langer und Dr. Dr. Bernd Hesse, die den Diskurs leiten und das Publikum aktiv in die Diskussion einbinden. Die Diskursreihe zielt darauf ab, einen tieferen Einblick in die ostdeutsche Lebensrealität zu geben und den Dialog über die Zukunft dieser Region zu fördern.

Eine atmosphärische Vermessung der ostdeutschen Gegenwart

FACEBOOK-TEASER A) PROFIL Hook: Manchmal muss man vom Rad steigen oder in einer Lokalredaktion anheuern, um wirklich zu verstehen, wie sich der Wind gedreht hat. Teaser: Wenn wir über den Osten sprechen, landen wir oft schnell bei Wahlergebnissen und Prozentzahlen. Aber was liegt darunter? Was passiert in den Dörfern, an den Stammtischen, in den Vereinen, wenn die Kameras weg sind? Für das Buch „Extremwetterlagen“ haben sich drei Autorinnen und ein Soziologe auf eine intensive Reise durch Sachsen, Brandenburg und Thüringen begeben. Sie waren als „Überlandschreiberinnen“ unterwegs, ganz nah dran an den Menschen. Tina Pruschmann fuhr mit dem Rad durchs Erzgebirge, Barbara Thériault arbeitete in einer Thüringer Lokalzeitung, Manja Präkels besuchte Initiativen in Brandenburg. Was sie mitgebracht haben, sind keine schnellen Urteile, sondern feine Beobachtungen über ein gesellschaftliches Klima, das rauer wird. Es geht um die Normalisierung von Dingen, die früher undenkbar waren. Um das Schweigen im Alltag und die historischen Linien, die bis in die DDR zurückreichen. Alexander Leistner ordnet diese Beobachtungen soziologisch ein und zeigt: Nichts davon kommt aus dem Nichts. Es ist eine Bestandsaufnahme der Gegenwart, die zeigt, wie anstrengend es sein kann, gegen den Wind zu atmen. B) SEITE 1 (Kontext) Hook: Eine literarische und soziologische Vermessung der ostdeutschen Zustände jenseits der üblichen Schlagzeilen. Teaser: Im Vorfeld der letzten Landtagswahlen startete ein besonderes Projekt: Die Autorinnen Manja Präkels, Tina Pruschmann und Barbara Thériault sowie der Soziologe Alexander Leistner erkundeten als „Überlandschreiberinnen“ die gesellschaftliche Atmosphäre in Ostdeutschland. Ihr Buch „Extremwetterlagen“ (Verbrecher Verlag) dokumentiert Kipppunkte und Brüche in der Gesellschaft. Die Texte verbinden reportageartige Nähe mit analytischer Distanz. Sie thematisieren die schleichende Normalisierung rechtsextremer Narrative ebenso wie die Resilienz der Zivilgesellschaft. Besonders wertvoll ist dabei die historische Einordnung, die mentale Kontinuitäten bis in die DDR-Zeit sichtbar macht. Eine wichtige Lektüre für alle, die die aktuellen Entwicklungen in Ostdeutschland fundiert verstehen wollen. C) SEITE 2 (pointiert, ruhig) Hook: Der Begriff „Extremwetterlagen“ meint hier keinen Regen, sondern das soziale Klima einer Region im Umbruch. Teaser: Wie lernt man, gegen den Wind zu atmen, wenn er einem direkt ins Gesicht bläst? Die Reportagen von Präkels, Pruschmann, Thériault und Leistner beschreiben den Osten nicht als Problemzone, sondern als Seismograph. Sie zeigen, wie sich das Miteinander verändert, wenn politische Extreme zum Alltag werden. Ein ruhiges, aber eindringliches Buch über die Temperatur unserer Gesellschaft. QUELLE: https://www.verbrecherverlag.de/wp-content/uploads/2025/05/Leseprobe-Extremwetterlagen.pdf

Die unsichtbaren Klassen: Luxus und Lüge im DDR-Sozialismus

Teaser Gleichheit? Von wegen! Während du morgens für ranzige Butter anstandest, ließen „die da oben“ in ihren abgeschirmten Villen die Korken knallen. Wusstest du, dass der Sozialismus zwei Gesichter hatte? Eines für die Plakate und eines für die Speisekammern der Macht. Wir blicken hinter die grauen Fassaden der DDR und zeigen dir das geheime Netzwerk aus Luxusläden, Sonderkonten und purer Dekadenz, mit dem sich die Parteibonzen ihre Loyalität erkauften. Ein System, gebaut auf Lügen und Ananas aus der Dose.

Bärbel Bohley und die Entstehung der Opposition in der DDR

Journalistischer Text - Seite (Teaser) Die Entscheidung zur Rückkehr in ein geschlossenes System Ein schmuckloses Dokument und der Wille einer einzelnen Frau standen gegen den Apparat eines ganzen Staates. Ich betrachte diesen Lebensweg und sehe, wie Bärbel Bohley im August 1988 eine Entscheidung traf, die für viele Außenstehende kaum nachvollziehbar war. Anstatt im sicheren Westen zu bleiben, kehrte sie in die DDR zurück, wohlwissend, dass dort erneute Überwachung und Gängelung auf sie warteten. Diese individuelle Haltung, im Land zu bleiben, um es zu verändern, erscheint mir als der eigentliche Kern des späteren Umbruchs. Es fällt auf, dass die Gründung des Neuen Forums im Herbst 1989 kein spontaner Akt war, sondern die Folge dieser beharrlichen Vorarbeit. Wenn ich auf den 9. November blicke, sehe ich nicht nur die jubelnde Masse an der Grenze, sondern auch die Pressekonferenz in einem Hinterhof, bei der Bohley die Legalität der Opposition verkündete. Es waren diese kleinen, fast unsichtbaren Momente der Organisation, die das Fundament für die friedliche Revolution legten.
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